Path:

Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

161 1414 *R2 
Strenge gegen diese Partei aufzutreten, in dem Testamente Friedrichs läßt auch die 
beschwichtigte, um den Rücken frei zu VWVWermuthung zu, daß zur Anfertigung der 
haben, die übrigen noch gährenden PDar- damals gebrauchten Kanonen viel Glocken- 
teien im Lande, schloß mit den benach? gut der Marienkirche in Berlin verwandt 
barten Fürsten und Herren, denen er nicht worden sei.“") Daß er sich aber eines 
genug traute, Friedensverträge und traf großen Geschüßes unter dem Namen der 
mit dem Erzbischof von Magdeburg und »faulen Grete « bedient habe, wie oft be- 
dem Herzog Rudolf von Sachsen zu Zerbst, hauptet worden, hält ein neuerer Ge- 
welche von den Quizows und ihrem An- schichtsschreiber, Riedel ,/*?) für eine bloße 
hange viel zu dulden gehabt, geheime Sage, von der kein gleichzeitiger Chronist » 
Verabredungen, in welcher Art die von etwas berichte, glaubt jedoch, daß der 
den Friedebrechern vertheidigten Schlösser Erzbischof von Magdeburg ein Geschüß, 
zu nehmen seien. Die Zurüstungen wurden das sich, unter dem Namen der » faulen 
in möglichster Stille betrieben, und in Meße« (auch »faule Grete« genannt), *) 
der Nacht vom 6. zum 7. Februar 1414 im Beside des Herzog8 Heinrich von 
wurden alle diese Schlösser zugleich be- BWBraunschweig- Lüneburg befand, zur Be- 
lagert. schießung der Burg Plaue vielleicht ent- 
Vor das Schloß Golzow in der liehen habe. 
Zauche, auf welchem sich Wichard d. IJ. Von jenen Schlössern fiel zuerst Frie- 
von Rochow befand, zog der Herzog sack, aus dem Dietrich von Quizow 
von Sachsen, vor Plaue, welches Hans heimlich entwich. 
von Quilzow vertheidigte, der Erzbischof Am 9. Februar übergab Wichard von 
von Magdeburg, vor Friesack, wohin sich Rochow die Burg Golßow an den 
Dietrich von Guitzow zurückgezogen Herzog von Sachsen und erhielt, nachdem 
hatte, der Burggraf Friedrich mit dem er sich vor diesem hatte demüthigen müssen, 
Fürsten zu Werle, dem Grafen von Lindow, mit den Seinigen freien Abzug. Größere 
dem Edlen von Biberstein, und vor das Schwierigkeit verursachten die starken 
Schloß Beuten, welches ein von Quißow- Mauern der Burg Plaue, aus der Hans 
scher Hauptmann vertheidigte, legte sich von Quilßzow zwar entwich aber bald er- 
' der Edle von Torgau mit dem Aufgebote griffen und von dem Erzbischof von Mag- 9 
der Städte Jüterbog, Treuenbriezen und deburg ins Gefängniß geworfen wurde. 
Beli und der Abteien Lehnin und Zinna. Hierauf zogen die Fürsten Rudolf und 
Daß Berlin, auch die übrigen Städte, Friedrich den Belagerern des Schlosses 
die Partei des Burggrafen gegen seine BVBeuten zu Hilfe, welches sich ohne wei- 
Feinde ergriffen, ist zwar unbezweifelt; teren Widerstand ergab. : 
doch findet sich keine Nachricht, welche Der Eindruck, welchen diese Nieder- 
Heerfolge sie bei diesen Unternehmungen lage der Friedensstörer, deren Macht nun 
geleistet haben. Auch über die Einzeln- völlig gebrochen war, im Lande hervor- 
heiten der ganzen Operation ist nichts brachte, war so bedeutend, daß dem Burg- 
- befannt. Nur aus der Chronik des mehr- grafen der Gehorsam von den Wider- 9 
erwähnten Zeitgenossen Wusterwik ent- spenstigen de8 Adels in den übrigen 
nehmen wir, daß man große Büchsen Theilen des Landes nicht länger ver- 
(Kanonen) vor die Schlösser gebracht, die weigert wurde. Um aber dergleichen 
Mauern damit niedergelegt, dann mannhaft 
gestritten und in Zeit von etwa drei 1) Riedel, Cod. dipl. Brandenb. I, 1. S. 236. 
Wochen jene Schlösser in die Hände der 5 Ws SINE NSE verstämmelte Sige- 
Belagerer gebracht habe. Eine Andeutung ame Maxggrethe [oder kurz Gretel. S- Veinameler, Glowarium 
Berlinische Chromwtk 
La 
321
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.