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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

135 1380 - 1411 136 
sich schlossen , wäre Preis gegeben gewesen. Bürger Ausschau halten, auch die weiden- 
Aber Baum-, Kohl- und Hopfengärten, den Viehheerden beschüßen mußten, auf 
je nach der Beschaffenheit des Bodens, welche die Feinde der Stadt, wie Dietrich 
umgürteten die Stadt. Jhnen schlossen von Quißow, ihr Augenmerk zu richten 
sich die Stadtfreiheit oder Hütung und pflegten. 
abwechselnd Wiesen und Aecker au. Selbst Im Innern hatte die Stadt, obgleich 
der Wedding bot damals noch, bevor er, in der Klosterstraße, da wo die Gewerbe- 
wie die ganze Umgegend, durch das Ab- Akademie sich befindet, damals der alte 
holzen der Nehberge versandet wurde und Marfgräfliche Hof, und gegenüber das Hohe 
0 den Charakter der Unfruchtbarkeit annahm, HSHaus bestand, und obgleich Kirchen- und 9 
große Strecken fruchtbaren Ackers, den Stadtgebäude, Wohnhäuser von Bischöfen, 
die Bürger von der Stadt erkauft oder Aebten und reichen Bürgern stattlich her- 
gemiethet hatten. Einen Theil desselben vortraten, doch immer noch einen dörfischen 
besaß die Gilde der Tuchmacher, welchen Anstrich. Die meisten Bürgerhäuser wa- 
sie zur Stiftung eines Altars in der Ma- ren mit der Giebelseite der Straße zuge- 
rienkirche hergaben. =- In weiterer Ent- fehrt, hatten neben sich schmalere und 
fernung wurde das Weichbild beider Städte breitere Gänge, selbst Bohlzäune und mit 
von den Heiden derselben abgeschlossen. Stroh gedeckte Scheunen, welche sie von 
Berlinischer Seits erstreckte sich die große den Nachbargrundstücken trennten. Erst 
9 Stadtheide von der Panke bis zur Jung- später, als der Mangel an Wohnräumen 
fernheide, welche leztere damals dem Jung- immer fühlbarer wurde und die sich eng 
frauenkloster in Spandau gehörte; und anschließende Befestigung der Stadt eine 
das cölnische Weichbild war durch die alte weitere Ausdehnung nicht zuließ, benußte 
Myrica abgeschlossen, welche die cölnischen man die schmaleren Gänge zur Verbreite- 
- Aecker und Wiesen, von Treptow bis zum rung der Häuser, deren bedeutende Tiefe 
heutigen Thiergarten, der größtentheils auf mnoch heut erkennen läßt, daß ihre Stra- 
lüßower Grund und Boden angelegt wurde, Fßenfront einst die Giebelseite ausmachte. 
begrenzte. Die Myrica bestand von Treptow =- Waren die Gänge oder »Gaten«, wie 
bis zum Nixdorfer Damm größtentheil8s sie genannt wurden, breit, so wurden sie 
aus Birken und hieß » Harte Holzung«, von den Eigenthümern zur Erbauung von 
» Birk -«, auch » Berkheide«. Von hier be- Wohnbuden oder kleinen Häusern benußt, 
gann die » Weiche Holzung«, die sich als woraus jene Gaten oder Gassen entstan- 
Erlen - oder Elsengebüsch in der Niederung den, welche nach den Cigenthümern der 
der sog. Schlächterwiese hinzog, welche CE>>häuser benannt und in der Regel so 
leßztere hiervon den Namen » Erlen-« oder oft umgetauft wurden, wie deren Besih : 
» Urllake« erhielt. An den äußeren Gren- wechselte. Erst seit Anfang des vorigen 
zen des Weichbildes gab es endlich noeh Jahrhunderts behielten diese kleinen Gassen 
mehrere befestigte Punkte unter dem Na- in den Stadttheilen Berlin und Cöln der- 
men der » Landwehren «, von welchen wir gleichen ältere Namen, bis auch die Be- 
- mit einiger Sicherheit wissen, daß solehe nennung Gasse in neuester Zeit der der 
bei Stralau , am Heerwege nach Köpenick, Straße weichen mußte. 
vor dem Spandauer- Thore, in der Ge- Hatte man nach dem Brande der Stadt 
gend des Weddings und vor Cöln, an im Jahre 1380 auch sogleich die Straßen 
der Grenze von Tempelhof, vorhanden ge- erhöht, so wurden doch nur die Haupt- 
wesen. Es gehörten zu denselben, wie und Thorstraßen, in welchen der meiste 
namentlich von der lekteren berichtet wird, Wagenverkehr stattfand, gepflastert, in 
gemauerte Thürme, von welchen bewaffnete BVerlin also die Spandauer-, Oderberger-
	        
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