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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

125 1380 - 1411 196 
dem Erzbischof von Magdeburg, um dessen mit dem Herzoge von Braunschweig und 
Vordringen gegen Berlin, in das Herz dem Erzbischof von Magdeburg siegreich 
der Mark, zu verhindern, ein Heer im durchzuführen; er schloß 1391 mit dem 
Teltow zusammenzog. Da es ihm jedo) Ersteren einen Waffenstillstand und ging, 
an Gelde mangelte, » die Landwehr «, wie das Land im zerrütteten Zustande zurück- 
er dieses Heer nannte, zu unterhalten, lassend, nach Mähren. 
so vermochte er und der Propst Ortwin Der Rath von Berlin benutte die | Dr Re 
von Berlin, welcher das Amt eines Land- VWerlegenheiten des Markgrafen, um die ! die Gerichte 
schreiber8, eine der höchsten amtlichen Gerichte in Berlin und Cöln und das | vichtenberg 
9 Würden, bekleidete, die Städte dazu, ihm WGut Lichtenberg zu erwerben. Die er- ! 9 
Beiträge zu leisten , die Berlin und Cöln steren erkaufte er von dem Schulzen Tyle 
mit 60 Schoc> Groschen zahlten. ") Brügge, nämlich das obere und niedere 
Nachdem aber Siegmund als König Gericht mit allen zu demselben gehörigen 
von Ungarn gekrönt worden (1387), über- Einkünften, für 356 Schock Groschen) 
5 ließ er die Kurmark (die Neumark war und erhielt von Jobst unterm 25. Februar 
nach dem Testamente des Vaters dem 1391, natürlich nicht ohne reichlichen 
jüngsten Bruder, Johann, zu Theil ge- Entgelt, die Bestätigung dieses Kaufes 
worden) seinem Vetter Jobst und eventuell und zugleich die Hoheitsrechte , welche dem 
dem Bruder desselben, Procop, als Pfand Markgrafen daran zustanden.*) -- Lich- 
für ein Darlehn, und wies Berlin und tenberg war vom Markgrafen dem Nitter 
Cöln unterm 4. Juni 1388 an, den Leß- Pflug für 200 Schock verpfändet; diese 
teven zu huldigen; auch wurde Jobst Schuld des Markgrafen berichtigte der 
noch besonders ermächtigt, alle Rechte Rath und erhielt von demselben Dorf 
als Markgraf auszuüben. *) Siegmund und Gut mit allen Zubehörungen und 
- selbst kam zwar im Jahre 1389 noc< mit RNechten, wie es früher der Ritter Rüthe- 
einem Heere in die Mark, um Ordnung nick besessen, als Eigenthum. Auch ver- 
im Jnnern herzustellen und die von den zichtete der Markgraf auf die Vasallen- 
benachbarten Fürsten eigenmächtig in Besiß dienste, welche bisher von dem RNitterhofe 
genommenen Landestheile zurück zu erlan- geleistet werden mußten.*?) 
» gen; doch Beides mißlang ihm; denn Jobst ließ die Mark durch Statthalter » 
Ritterschaft und Städte verharrten bei oder Hauptleute, durch Boto von Caste- 
ihren alten, zum Theil angemaßten Rech- lowitz und Lippold von Bredow ver- 
ten und standen sich scharf gegenüber. walten, die aber für die Verbesserung der 
Jene behaupteten, das Fehdewesen sei Zustände nichts zu thun vermochten ; weil 
5 erlaubte Selbsthilfe, während diese es als Jobst dadurch, daß er die Einkünfte des 
Räuberei betrachteten. Beide Parteien mit Landes stets an sich nahm, ihnen die 
einander zu versöhnen oder mit Hilfe der nöthigen Mittel entzog, und weil ihnen 
einen die andere in ihre Schranken zurük- die sich gegenüberstehenden Parteien an 
zuweisen, vermochte er nicht, da er sih Macht weit überlegen waren. -- Selbst 
„ mit beiden im guten Einvernehmen erhal- dann, wenn benachbarte Fürsten in das | 
ten mußte, um von ihnen durch Anleihe Land einbrachen, sandte er keine Hilfe, 
oder durch Veräußerung landes8herrlicher sondern verwies seine Statthalter an die 
Güter und Rechte die ihm nöthigen be- Städte. So schrieb er unterm 23. Juni 
veutenden Geldmittel zu erlangen. Do< 1393 von Brünn an die Städte: der 
auch diese reichten nicht hin, den Krieg 
1) von Raumer, Cod. dipl. Brandenb. cont. 1. S. 13. 
1) Riedel, Cod. dipl. Brandenb. I. 7. S. 133. 2) Fidicin, dipl. Beitr. Il. S. 110. 
2) Das. I1. 3. S. 100 u. 104. 3) Riedel, Cod. dipl. Brandenb. I. 11. S. 314. 
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