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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

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Min Gt ais In demselben Jahre erwarb die Stadt demars erfüllt zu haben; denn die Stadt 
Straw. Berlin das Gut Stralow, eine aus wen- besaß den Hof Stralow mit seinem ganzen 
discher Zeit herstammende Besizung, mit VYubehör hierauf immer als unbeschränktes 
welcher die ersten Markgrafen einen Cigenthum, entließ die Fischer in Stralow, 
Ritter beliehen hatten, der sich nach der- deren Zahl sich auf 11 belief, aus ihrem 
selben von Stralow nannte, wahrschein- früheren Dienstverhältnisse und räumte 
lich derselbe Nitter Rudolf von Stralow, ihnen, außer ihrer Fischerei in der Spree, 
der die von Treptow nach Cöln sich er- auch einen Antheil der Fischerei im Stra- 
streckende Heide (Myrica) besaß, welche lower See ein, verwandelte den Hof 
» im Jahre 1261 von der Stadt Cöln er- Stralow in eine Schäferei und ein Acker- 9 
worben wurde. vorwerk, welchem ein Theil des mit 
Zum Wohnsitze diente diesem Ritter Bäumen und Unterholz bestandenen Nieder- 
der Hof Stralow, den er als Lehngut landes „Buschlhzagen“ beigelegt wurde. 
besaß, und zu welchem das Fischerdorf Diese Benennung, in der verderbten 
Stralow, als Kiez, der Stralower (jeht Form „Borhagen / ging nunmehr auf s 
Rummelsburger) See und Ländereien ge- das Vorwerk über und hat sich bis 
hörten, welche sich von diesem bis zur heut als Name der Kolonie Boxhagen 
Grenze des alten Weichbildes Berlin erhalten. = . 
(etwa der heutigen Fruchtstraße) zwischen Der immer noch fortdauernde Zwie- 1359 
- der Spree und der Lichtenberger Feldmark spalt der Fürsten und ihrer Parteien (SIe Se 
erstreckten. Der Kern dieser ganzen Be- hatte die Unsicherheit im Lande vermehrt. s-'* 
sizung war der Hof Stralow, dessen Obgleich der Städtebund fortgeseßt be- 
Gebäude, weil sie mit der Zeit in Verfall müht war, den Landfrieden herzustellen, 
gerathen sein mochten, hatten erneuert so mußte er doch oft auf Hindernisse 
werden müssen, worauf er die Benennung stoßen, die ihm dadurch bereitet wurden, “ 
» Neuer Hof « erhielt. =- Die Erwerbung daß ganze Parteien oder einzelne der 
desselben mit allen seinen Zubehörungen mächtigeren Vasallen das Recht oder die 
mußte der Stadt Berlin aus mancherlei Machtvollfommenheit des Bundes be- 
Rücksichten wünschenswerth sein. Schon stritten und demselben entgegenträten. 
; im Jahre 1348 müssen die Rathmannen Cs war daher nöthig, daß die vom Bunde » 
mit den damaligen Besizern wegen des ergriffenen Maßregeln durch den Beschluß 
Anfaufes in Unterhandlung gestanden der Landstände zum Geseke erhoben wurden. 
haben; denn sie ließen sich von dem Dies geschah auf dem am 10. Januar 
falschen Waldemar die Zusicherung geben, 1359 zu Verlin abgehaltenen Landtage, 
daß, wenn sie den Neuen Hof erwerben worauf der Markgraf die Verordnung er- 
würden, ihnen derselbe nicht in seiner ließ, daß jede Stadt die von ihr er- 
damaligen Eigenschaft als Lehngut, sondern griffenen Verbrecher richten solle, wenn 
als freies Eigenthum überwiesen werden die That auch an einem andern Orte 
sollte. Der Ankauf erfolgte erst unterm verübt worden, und daß Niemand, ohne 
» 6. Mai 1358 von den Gebrüdern Christian Unterschied, Räuber oder Diebe hausen 
und Nikolaus von Barolsdorp, welc<e oder ihnen Vorschub leisten dürfe, bei 
sich damals im Besize befanden,/*) und Vermeidung der Strafe, welche den Ver- 
scheint der Markgraf, des guten Einver- brecher selbst treffen würde.) 
nehmens wegen, das Versprechen Wal- Daß die Städte dergleichen Maßregeln 
schon früher zur Anwendung gebracht und 
1) Chronicon Berolinense ab anno 1307 usque ad ann. 1699. 
Mscpt. 1) Riedel, Cod. dipl. Brandenb. Suppl. S. 238. 
133+ 4 “rr
	        
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