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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

> 1331 = 12:4 7? 
und Jungvieh und Säugekälber auf dem mit nackten Füßen oder im bloßen Hemde 
Lande einzukaufen, doch mußte Lekteres über die Straße gehen, noc<h weniger aber 
zu Fuß und nicht innerhalb einer Meile mit Schauspielern oder Gauklern Würfel- 
im Umkreise der Stadt geschehen. (Das oder andere Spiele treiben.) 
Reisen zu Pferde hatten die Fleischer stets Ausgestellt ist diese Urkunde von Otto 
als eine Bevorzugung in Auspruch ge- von Buch) und Gerhard Rathenow, 
nommen.) Auch waren die Wurstmacher welche zum ersten Male das Prädicat 
den Fleischern zu allerlei Dienstleistungen »RNRathS8-« oder » Bürgermeister « (magistri 
beim Beziehen der Märkte, bei Gewerks- c«consulum) führen. 
versammlungen u. dgl. verpflichtet. Der Die Berliner liebten es, sich mit eimem 1334 
Rath, welcher diese Statuten genehmigte, gewissen Glanz zu umgeben, schöne Klei- bea 
behielt sich die Entscheidung über Streitig: der und Schmuck zu tragen und Gaste- RIEN 
keiten zwischen den Fleischern und Wurst- reien und Gelage zu halten, und mochten 
machern vor und stellte fest, was von hierin selbst während der Zeit des Jnter- 
5 denselben für die Aufnahme des Gewerks, dicts und der allgemeinen Aufregung der 
an Scharrenzins, Meistergeld u. sf. w. Parteien zu weit gegangen sein; weshalb 
entrichtet werden sollte.) der Rath beider Städte unterm 24. Sep- 
ZIG tember 1334 folgende Verordnung zu er- 
[RS IN lassen für gut fand: Keine Frau oder 
4 x Jungfrau darf an Mövenspangen (Span- » 
E28 > . : gen an den Rockärmeln) oder an Geschmeide 
Som mehr an sich tragen, als eine halbe Mark 
KEI Silbers werth ist, und feine Perlen eben 
Das älteste hier abgebildete Sie- nur zu diesem Werthe. Auch sollten sie 
gel der Fleischer in Cöln führt die sich nicht in goldgestreiftes Tuch kleiden % 
» Umschrift: „S. der Knakenhawer van oder goldene Reiser (als Kopfpuß) tragen. 
Colen“. (Siegel der Knochenhauer von Jungfrauen dürfen nur einen Kranz tra- 
Cöln.) gen, der weniger als eine Mark am 
Statten Für die Gesellen der Wollen- und Lein- Werthe ist. Auch Zobel oder Borten dür- 
Weollen- um. zyoher in Berlin und Cöln erließ der Rath fen Frauen und Jungfrauen weder auf 
- webte (6% Heider Städte unterm 19. November 1331 den Kleidern noch auf den Mänteln tragen. 
folgende Verordnung: Bei Begräbnissen Bei Hochzeiten sollen den Bürgern nicht 
von Knechten (oder Gesellen) und Lehr- mehr als 40 Schüsseln, den Aufwärtern 
lingen dieser Gewerke sollten stets zwölf (Drosten) 10 Schüsseln und den sechs 
Personen mit Wachslichten folgen; auh Spielleuten, welche Zahl derselben nur 
„ an den Sonn- und Festtagen sollte eine gestattet war, nicht mehr als 3 Schüs- 
bestimmte Anzahl solcher Lichte in den seln auf den Tisch gegeben werden. Ge- 
Kirchen brennen. Kein Geselle sollte an richte dürfen nicht mehr als fünf gereicht 
einem Tage mehr als 3 Pfenninge ver- und zu jeder Schüssel nicht mehr als zwei 
jubeln, auch Schuhe, Hemden und Hosen Personen geseßt werden. Was Jungfrauen » 
nicht vertrinken. Wer stiehlt sollte in oder Wittwen bei ihrer Verheirathung an 
der ganzen Mark al8 aus dem Gewerke Geschenken erhalten, sollen sie behalten 
verstoßen angesehen werden. Niemand und Niemandem zurückgeben. Wenn eine 
durfte bei mehreren Meistern zugleich Ar- Frau nach ihrem Kindbette den ersten 
beit nehmen, Niemand nach der Vesper- Kirchgang hält, soll sie nicht mehr Frauen 
0 glo>e oder bei Lichte arbeiten, Niemand als zu 3 Schüsseln bitten, und soll ihr 
1) Fidicin, dipl. Beitr. IV. S. 12. | 1) Fidicin , dipl. Beitr. I. S. 73. 
Ds L Se=- 1".
	        
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