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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

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Es mußte also uoch exst mit dem und erklärten, daß sie bereit jeien, dem 
Nachfolger des Propstes über die der Propste daselbst und seinen Nachfolgern 
Kirche in Bernau zu leistende Sühne un- alljährlich ein Talent brandenburgischer 
terhandelt und ermittelt werden, wer Pfenninge zu zahlen, wofür alljährlich am 
sonst noch ein Recht haben könnte, wegen Julianentage für denselben Vigilien und 
der Ermordung des Propstes Schaden- Messen gehalten werden sollten,*) worauf 
ersaß zu verlangen. Durch dieses Verfah- der Propst von Bernau das Geld in Cm- 
ren wurde die Sache wieder ein Jahr hin- pfang nahm, darüber quittirte und die 
gehalten ; denn erst unterm 18. Juni 1345 beiden Städte für vollständig absolvirt 
theilte der Bischof dem Prior des Domi- erklärte. ») 
nicanerklosters in Cöln jene Bulle mit, Hiermit war endlich der Mord gesühnt, 
um sie in der Nikolai-, Marien- und dessen Folgen fast 22 Jahre auf beiden 
Petrikirche Öffentlich zu verkünden und Städten lasteten, während welcher Zeit 
diejenigen, welche sich wegen des Mor- dieselben bedeutende Geldopfer bringen 
des in ihrem Gewissen beschwert fühl - mußten. Noch im Jahre 1466 mahnte 
ten, aufzufordern, sich um Absolution und die Propstei in Bernau die jährliche Ab- 
Dispensation an den Bischof zu wenden, ) gabe zur Feier des Gedächtnisses an den 
worüber eine beglaubigte Urkunde abge- erschlagenen Propst ein;?) doch scheint 
faßt wurde. ) Es scheint sich aber dieselbe bald abgefommen, auch der in 
Niemand, der der Absolution bedürftig Berlin in der Marienkirche gestiftete Altar 
gewesen , gefunden zu haben, so daß wieder eingegangen zu sein; denn in den 
sich der Bischof genöthigt sah, unterm WVWerhandlungen über die im Jahre 1540 
20. Mai 1346 einen peremptorischen Ter- zu Berlin erfolgte Kirchenreformation, 
min auf den 16. Juni desselben Jahres welche sonst alle vorhandenen Altäre und 
in Brandenburg anzuseßen und dies in Stiftungen genau aufführen, hat sich keine 
den Kirchen zu Berlin, Cöln und Bran- Spur jener Stiftungen mehr vorgefunden. 
denburg verkünden zu lassen. ) Aber Schwer hatte der päpstliche Bannfluch, 
auch in diesem Termine gestellte sich kein der über Berlin und Cöln verhängt war, 
Reuiger,/ jedoch auch Niemand, welcher auf denselben gelastet; denn er vermehrte 
der Excommunication widersprochen hätte. den Haß der Parteien, führte zu neuen 
Auch hierüber wurde mit Zuziehung des QGewaltthaten, störte den Frieden und ver- 
Sachwalters für Berlin und Cöln zu Bran- größerte die Unsicherheit im Lande. Man 
denburg ein Protocoll- aufgenommen. *) würde sich aber täuschen, wenn man 
Endlich kam es, um nach päpstliher glaubte, daß die Gemüther dadurch in 
; Bestimmung die Lösung vom Banne zu Schrecken verseßt oder von großer Reue 
erlangen, noc< darauf an, die Aussöh- über die begangene That erfüllt worden 
nung mit der Kirche zu Bernau herbeizu- wären. Der Papst hatte dadurch, daß 
führen. Dies geschah am 18. August 1347. er die Politik Deutschlands allein beherr- 
An diesem Tage erschienen vor sämmt- schen und durch die unwürdigsten Mittel 
' lichen Pröpsten der Umgegend und dem zur weltlichen Macht gelangen wollte, 
Magistrate von Bernau, welche sich in seinen Nimbus selbst zerstört, sich in 
der dortigen Propstei versammelt hatten, Krieg mit dem deutschen Oberhaupte, dem 
die Rathmannen von Berlin und Cöln Kaiser Ludwig, eingelassen, der den in 
1) Fidicin/ dipl. Beitr. IV. S. 24. Riedel, Cod. dipl. Bran- Avignon residirenden Papst für abgeseßt 
Frandenb. 1 8 S2 OTV. S. 31. Niedele God. dipl. Bran- 2) Gerken, verm. Abhandl. 1. S. 186. 
denb. 1. 8 S 261 3) Stadt - Archiv Nr. 320. 
13-06
	        
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