Path:

Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

: GEZ 48 
dagegen spandower Stadtrecht erhalten 1) Die zwölf regierenden Rathmannen 
hatte, und eine Abänderung der städtischen von Berlin und sech8 von Cöln soll- 
Verfassung nur durch landesherrlichen ten den gemeinschaftlichen regieren- 
Machtspruch möglich war. Aber auch den Rath beider Städte bilden, 
dieser erfolgte am 20. März 1307 durch welcher auf einem gemeinschaftlichen 
den Markgrafen Hermann, zu welchem Rathhause seinen Sitz haben sollte ; 
sich die Räthe und Bürger beider Städte 2) alle Gerechtigkeiten, Renten und 
nach Spandow begeben hatten. Er bestä- Einfünfte sollten gemeinschaftliches 
tigte nämlich den von denselben beschlosse- Eigenthum sein, auf diesem Rath- 
nen Vertrag, wonach Berlin und Cöln hause gesammelt und verwaltet und 
einen gemeinschaftlichen Rath haben sollten. aus demselben alle Schäden und 
Die Bürger in Cöln sollten dazu zwei Kosten gedeckt, auch sollten daselbst 
Theile der Rathmannen aus der berliner sämmtliche Beamte gewählt und alle 
Bürgerschaft und die Bürger in Berlin Urkunden, Register und Schriften 
den dritten Theil aus der cblner Bürger- beider Städte aufbewahrt werden; 
schaft wählen. Auch das Gericht in bei- 3) der Antheil an Cigenthum, Gewinn 
den Städten sollte gemeinschaftlich sein, und Verlust wurde für Berlin auf 
indem die für dasselbe erforderlichen sieben zwei Drittel, für Cöln auf ein 
Schöffen von der Bürgerschaft beider Drittel festgestellt; 
" Städte, und zwar vier aus den berliner 4) die Bürger von Berlin sollten Bür- " 
und drei aus den cblner Bürgern, gewählt gerrecht in Cöln und die in Cöln 
werden sollten. Ferner bestimmte er, daß solches in Berlin, also die mit dem- 
die auffommenden Strafgelder und der selben verknüpften Rechte (als Zoll- 
Stadtzins zur Verbesserung beider Städte freiheit, Antheil an der Gemeinde- 
5 und zum Bau und zur Verbesserung ihrer holzung, Weide, den Lehmgruben * 
Befestigungen verwendet werden sollte, u. s. w.), genießen. 
und daß, wenn von den Städten Krieges- Der Zweck, welcher durch diese Cin- 
dienste gefordert würden, die de8halb er- richtung erreicht werden sollte, wird 
forderlich werdenden Kosten aus dem durch die Worte ausgedrückt, »also, daß 
9 Schoße beider Städte geleistet werden (Berlin und Cöln) eine Stadt sein und 
müßten. bleiben soll «. = Nur in gewöhnlichen 
Rt Wehe 1.2 5 Wale Wbt WR Fa Diaet Und 1 .Lofalsachen verblieb: der 
dipl. Beitr. I. S. 69. Rath jeder Stadt für sich abgesonderte 
Diese Bestimmungen des Markgrafen BWBehörde. 
beziehen sich allein auf diejenigen Ver- Berliner Stadtbuch. Fidicin/ dipl. Beitr. 1. S. 49 ff. 
tragspunkte beider Städte, welche die Ho- Das Bestreben der Städte, ihre Macht 
heitsrechte berührten, indem er, durch die durch gegenseitige Verbindungen unter ein- 
Einsezung eines gemeinschaftlichen, von ander zu stärken , wurde nicht allein von 
beiden Städten zu erwählenden Rathe8s, Berlin gefühlt; es wurde, wie sich bald 
denselben gleiches Stadtrecht und gleiche hierauf zeigte, immer allgemeiner, je mehr 
Verfassung verlieh, die Vereinigung des das Faustrecht seine Gewalt entwickelte, 
Gerichts beider Städte genehmigte und die Unsicherheit im Lande zunahm und 
Anordnung wegen der Befestigung der- die Städte sich überzeugten, daß nur durch 
selben und Leistung der Kriegesdienste traf. gemeinsames und übereinstimmendes Auf- 
Alles Uebrige überließ er der statutarischen treten der für den Handel und das Ge- 
Vereinigung beider Städte, welche im deihen der Städte so nothwendige Land- 
Wesentlichen dahin übereinkamen: frieden aufrecht erhalten werden könnte. 
134"
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.