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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

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über einen Kreis von Ortschaften, unter im Gericht als Schöffe oder Fürsprecher 
Zuziehung von Schöffen aus der deutschen auftreten und in den Gemeindesprachen 
Bevölkerung, das Gericht zu verwalten, Sißß und Stimme, also Theil an der 
die landes8herrlichen Steuern einzuziehen Verwaltung des Gemeindewesens8, haben. 
“ und überhaupt im Namen des Markgra- Die mit geringeren Ländereien und ein- 
fen dessen Rechte innerhalb seiner Vogtei geschränkten Besitzrechten begabten wendi- 
wahrzunehmen hatten. schen Acerbauer und Fischer, welche man 
In ähnlicher Weise verfuhr der Bischof, »sien ließ«, bildeten eine geringere 
als geistliches Oberhaupt des Landes, bei Klasse der Ortsbewohner als Kathsassen 
der Einrichtung des Kirchenwesens. Wie (Kossäthen), Lassitten und sonderten sich " 
von andern Orten glaubwürdig berichtet auch häufig, wie die Fischer in Kießen, 
wird, bekehrte man die Wenden niht von der vollberechtigten CEinwohner- 
mehr, wie einst Kaiser Karl, mit dem schaft ab. 
Schwerte, sondern baute da, wo heid- In ganz ähnlicher Weise bildeten sich 
5 Nische Götkzentempel gestanden, <ristliche ursprünglich die Verhältnisse von Berlin * 
Kapellen und Kirchen und taufte mit den und Cöln, als beide Orte in den Besiß 
Wenden zugleich ihre Gottheiten, welchen der Markgrafen gekommen waren und zu 
man christliche Heiligennamen verlieh und deutschen Orten umgestaltet wurden. 
nach diesen die christlichen Gotte8häuser Betrachten wir zunächst Cbln, das 
benannte. E8 wurden Pfarrer eingeseßt, uns in Urkunden zuerst genannt wird. | 
welchen man eine gewisse Hufenzahl al8 Die Hütten des alten Dorfes umstanden 
Dotation anwie8, und im Mittelpunkte ringförmig den Hügel, auf welchem die 
von Kirchenkreisen Pröpfste bestellt, welche dem heiligen Petrus, dem Schußpa- 
die Pfarrer ihres Kreises zu beaufsich?- trone der Fischer, geweihte Kirche erbaut 
tigen, die geistliche Jurisdiction zu be- wurde. 
sorgen und überhaupt in ihrem Kreife Giebt schon dieser Umstand einen Fin- 
die geistlichen Angelegenheiten zu leiten gerzeig, daß die wendischen, zum Christen- 
hatten. thume bekehrten Wenden hauptsächlich 
Orts8behörden waren also Schulze und den Fischfang betrieben, so ergiebt sich 
Pfarrer in weltlichen und geistlichen doch aus andern Umständen, daß sie auch " 
Sachen, Kreisbehörde für weltliches und Ackerbau getrieben haben; denn die ur- 
geistliches Gericht der Vogt und der sprüngliche Feldmark Cböln8, welche sich 
Propst, und die höchsten Justanzen waren über einen Theil der Friedrichsstadt hin- 
der Markgraf und der Bischof. wegzovg/ war südlich von der Dublitz 
Inu Beziehung auf Jurisdiction und (später Töplikwiesen), Östlich und westlich 
Unterordnung hatten die Orte, welche man von Waldung begrenzt, führte den slavi- 
Städte nannte, keine Bevorzugung; sie schen Namen Semlja (das Land, später 
standen in demselben Rechtsverhältnisse Semelland) und war, im Verhältnisse zu 
wie die Dürfer. den Feldmarken der umherliegenden Dör- 
Aber so rücksichts8voll man damals fer, nur von geringem Umfange. Sie 
auch gegen die alten Bewohner verfahren enthielt, nach der bei der deutschen Er- 
mochte, so waltete doch ein Umstand ob, werbung vorgenommenen Vermessung nur 
der es nicht zuließ, ihnen die volle Theil- 44 kleine oder wendische Hufen (zu 12 
nahme an den Rechten freier deutscher Magdeb. Morgen), war vielfach von 
. Gemeinden zu gestatten, nämlich ihre wen- moorhaltigen Schlenken durchzogen und 
dische Abkunft. Nur der Deutsche von trug vollkommen das Gepräge einer alten 
Geburt konute freies Eigenthum erwerben, wendischen Feldmark au sich. 
5 P z5 .
	        
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