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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

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die natürliche Grenze bis zu dem in ihn Hiernach stellt sich auch zugleich fest, 
einmündenden alten » Graz-« oder Grenz- daß das Weichbild der Stadt ostwärts 
graben (auf den Karten jetzt » Krazgraben« im Jahre 1288 vom Boxhagener und von 
genannt), der die unbestrittene Scheide- dem, sogleich außerhalb des jüngst ab- 
linie zwischen der städtischen Besizung gebrochenen Frankfurter Thores beginneu- 
und der markgräflichen Heide war, so den Lichtenberger Acker begrenzt wurde. 
daß es nach diesen Seiten bis zu den Die Rathmannen Jacob von der 1289 
Kiezwiesen oder der Rohrlake hin einer KCyzen, Zabel Steinhusen, Deneke es 
weiteren Grenzbezeichnung nicht bedurfte, von Belähern und Johannes Buch ge- 
9 und die Rohrlake sich wieder dem Grenz- statten, mit Zustimmung des Gesammt- ' 1 
hügel am Ausgangspunkte der Grenz- rathes, den Tuch- oder Wollenwebern, ihre 
beschreibung anschloß. Genossen, welche es verschmähen, der ge- 
Dies so begrenzte städtische Terri- seklichen Aufforderung (zu den Gewerks- 
torium war also eine von den übrigen sprachen) zu kommen, Folge zu leisten, 
städtischen Besizungen gänzlich isolirte, wum 6 Pfennige zu pfänden, und verordnen, 
von fremdem Besißthume umschlossene daß Niemand die Meister des8halb belästige. 
Seidestrecke zwischen Lichtenberg und den BE Be an 
Rummelsburger See; denn Lichtenberg, Diese Urkunde ergiebt, daß die Tuch- 
der Boxhagen und Stralow wurden erst weber oder Gewandmacher bereits Gilde- » 
später von der Stadt erworben, und das rechte besaßen, da sie eine Genossenschaft 
Heideland, das dieselbe noch jetzt jenseit bildeten und ihre vorgesekten Meister 
des alten » Grazgraben8« besit, wurde erst hatten, welche unter dem Scuße des 
im Jahre 1541 von der Köpenicker Heide Stadtraths standen. 
abgezweigt und der Stadt überwiesen. Markgraf Otto verzichtet für sich und | BEDR 
Der Grenzstreit, welcher durch, die seine Nachkommen unterm 14. August 
vhige Urkunde geschlichtet wurde, sc<webte 1289 zu Gunsten der Bürger zu Berlin 
also zwischen der Stadt Berlin und den auf die ihm zustehende Lehnsherrlichfeit 
Besizern von Lichtenberg, Bozhagen und an dem Hofe Wedding, indem er alle 
Stralow. Da es Regel war, bei der darin ihm zustehenden Rechte zu ewigen  » 
Feststellung von Grenzen auch die bethei- Zeiten auf -die Stadt überträgt. 
ligten Grenznachbarn zuzuziehen, so dür- Küster, A. u. N. Berlin IV. S. 3. Fidicin, 1. S. 58. 
fen wir diese unter den in der Urkunde Der Hof Wedding, der Kern des ein- 
verzeichneten Personen ebenfalls ver- gegangenen Dorfes dieses Namens, war 
muthen. Das landesherrliche Jnteresse von einem nicht genannten Lehn8manne 
war durch den Markgrafen selbst und des Markgrafen der Stadt Berlin, mit 
seinen Vogt Nicolaus vertreten, für die den daran klebenden Lehns8verpflichtungen, 
Stadt waren die Rathmannen zugezogen, wahrscheinlich schon vor längerer Zeit 
als Besizer von Lichtenberg dürfen wir überlassen worden. In gegenwärtiger 
den Ritter Ruthnin> betrachten, dessen Urkunde wurde vom Markgrafen die auf 
" Nachfommen dieses Gut im folgenden dem Hofe Wedding haftende LehnS8ver- 
Jahrhundert an die Stadt verkauften; ob bindlichkeit aufgehoben und der Stadt 
dieser Ritter aber zugleich auch die In- das freie Eigenthum des Hofes zugesichert. 
teressen Stralows und Boxhagens wahr- Welche Ländereien zu diesem Hofe 
genommen hat, oder wer von den beiden gehört haben, und was aus der eigent- 
übrigen Rittern, von Carpzow oder lichen Feldmark des schon im Jahre 1251 
von Overling, als Besißer dieser Güter als wüst bezeichneten Dorfes Wedding 
aufgetreten war, ist zweifelhaft. geworden, läßt sich nicht nachweisen. Ein 
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