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Der Berlinischen Chronik zweiter Haupttheil Geschichte der Reformation des Gottesdienstes und der christlichen Kirche in der Mark Brandenburg und in Berlin

Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

229 1517 - 1571 555) 
Lebens und im 36. seiner Regierung, wohl alt. Schon aus den Gesichtszügen . des 
nicht ohne daß die letzten Augenblicke durh Neugeborenen wollte der Bater erkennen, 
die Ahnung getrübt wurden, wie all sein daß der Hauptzug seines Charakters Groß- 
Streben, die neue, von ihm für verderblih muth fein würde, eine Prophezeihung, die 
gehaltene Richtung von seinen Ländern wirklich eingetroffen ist; denn Großmuth 
abzuhalten, seines Zieles verfehlt habe. und Milde bildeten so sehr hervorstechende 
Denn wir dürfen nach glaubwürdigen Eigenschaften in dem Charakter JoachimSsI]., 
Zeugnissen annehmen, daß es beim Tode daß sie nicht selten von seinen Günstlingen 
Joachims 1. schon keine einzige Stadt in zum Schaden des Fürsten und des Landes 
0 der Mark gab, in der die Reformation benutzt wurden; auch waren sie leider mt - 
nicht bereits eine größere Anzahl von An- Prachtlust und Werschwendung gepaart. 
hängern zählte. Dies läßt sich auch In seiner Jugend erhielt er eine forg- 
schließen aus einem Briefe, welchen Me- fältige Erziehung. Außer in den ritter- 
lanchthon unterm 14. Mai 1538 an lichen Uebungen ward er in Sprachen, 
. Justus Jonas richtete, in dem sich fol- Künsten und Wissenschaften gründlich | 15 
gende Worte finden: „In der Mark unterrichtet, und diefer Unterricht hatte 
Brandenburg sehnt sich das Volk nach der , bei den trefflichen Anlagen des jungen 
wahren Lehre gar sehr; auch trägt ein Fürsten den besten Erfolg, was sich in 
großer Theil des Adels nach ihr Ver- der Folge auch dadurch kundgab, daß ihn 
o langen. Der Fürst (Joachim I1.), der eine große Liebe zu den Künsten und 
nicht geringe Einsicht an den Tag legt, Wissenschaften beseelte, wozu die Lieblings- 
ist ihr ebenfalls geneigt, und das Volk beschäftigung damaliger Fürsten, Stern- 
hofft, daß er die Kirchenverbesserung ein- deuterei und Goldmacherkunst, gehörten, 
führen werde. Doch hindern ihn noch die neben dem, daß er sich als Krieger und 
» Pfaffen, deren er eine große Menge um Feldherr auszeichnete und dadurch den 25 
sich hat, und die nirgend einfältiger und Beinamen Hektor erwarb. Auch wurde 
schlechter sein können. Es find wahrhaft er früh mit der heiligen Schrift bekannt 
rohe Menschen, dumm, hochmüthig, sittenz gemacht, da sein Oheim, der Erzbischof 
los, von unglaublicher Hartnäckigkeit und Albrecht, welcher seine Erziehung leitete, 
» höchst eingebildet auf ihre vermeintliche sie unter die Unterrichtsgegenstände auf- = 
Weisheit und Gelehrsamkeit. Diese wider- nehmen ließ. Hierdurch wurde wohl der 
streben auf alle Weise mit Gewalt und List.“ erste Grund zu seiner späteren Denkweise 
Da die Verordnungen des Kurfürsten gelegt. Ein weiterer Einfluß auf dieselbe 
die Anstellung öffentlicher evangelischer ging von seiner Mutter aus. Wir haben 
Geistlichen hinderten, so hielten sich an bereits gesehen, mit welcher Aufopferung 35 
manchen Orten evangelisch gesinnte Fa- diese fromme Fürstin dem Evangelium 
milien, oder auch mehrere zusammen, zugethan war und sich bemühte, die gleiche 
evangelische Hausprediger. Dies geschah Gesinnung auch ihren Kindern einzu- 
auch durch Begünstigung des Bischofs pflanzen. Der Einfluß der ehrwürdigen 
Matthias von Jagow, welcher im Jahre Frau, die von ihren Kindern fehr geliebt » 
1526 neu gewählt worden war. wurde, konnte auch auf den Sohn nicht 
Bevor wir jedoch in der Schilderung ohne Wirkung bleiben. Die Liebe zur 
jener Vorgänge fortfahren, haben wir noh Mutter bot seiner Hinneigung zum Evan- 
zum besseren Verständniß einen Bli auf gelinm eine mächtige Stütze und trug 
die Jugend Joachims Il. bis zu seiner auch dazu bei, ihm die Männer, welche : 
Thronbesteigung zu werfen. die reinere Erkenntnisßz des Cvangelinms 
Derselbe war 1505 geboren, also beim zu Tage gefördert, in einem günstigeren 
Antritt seiner Regierung bereits 30 Jahre Lichte erscheinen zu lassen, als sie sein 
- Zz
	        
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