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Full text: Berlinische Chronik / Fidicin, Ernst (Public Domain)

29 1471 - 1499 210 
„Vor Allem stellt Euch mein geführtes wird alles Gute und alles Heil auf 
Leben zu einem Exempel der Nachfolge Euch, gleichsam stromweise fließen. Ein 
vor. Denn ich habe mich anch bemühet, Gottesfürchtiger denket jederzeit, daß 
mein ganzes Leben hindurc<; meinem er von seinem Thun Gott in kurzer 
Vater, dem glorwürdigen Churfürsten Frist werde Rechnung erstatten müssen. 
Albrecht zu folgen. Ich habe alle meine Wer Gott fürchtet, wird niemals mit 
Rathschläge zum Nutzen meiner Unter- Vorsatz etwas begehen, dessen ihn ge- 
thanen gerichtet, und darf das ganze Land, reuen könnte.“ 
auch alle meine Diener zu Zeugen rufen, „Die Armen nehmet in Euren Schub. 
5 daß ich mich nicht als einen Regenten, Ihr werdet Euern Fürstenthron nicht 
sondern als einen Bater gegen sie er- besser befestigen können, als wenn Ihr 
wiesen. Zhr selbst, mein Prinz, werdet den Unterdrückten helfet, den Reichen 
Euch erinnern, wohin meine Handlungen nicht nachsehet, daß sie die Geringen 
und alle meine Gedanken abgezielet. überwältigen, und wenn Ihr gleiches 
Darum dann, tretet in Eures Baters Recht, ohne Nücksicht auf den Unter- - 
und Großvaters löbliche Fußtapfen. (Cs schied der Personen jedem widerfahren 
stehen viele in dem Wahn, man erweise lasset.“ 
sich alsdann erst recht fürstlich, wenn man „Vergesset nicht, den Adel im Zaume 
die Unterthanen beschwert und durch zu erhalten, denn dessen Uebermuth 
: gewaltsame Zwangsmittel ihr Wermögen verübt viel Böses. Strafet sie, wenn - 
erschöpft. Hernach prasset man lustig sie die Geseze und Landesordnungen 
und beflecket die ererbte Hoheit mit übertreten. Lasset ihnen nicht zu, daß 
schändlichen Lüsten. Man führt wohl sie jemanden wider Gebühr beschweren 
königliche Pracht und verwickelt fich in fönnen.“ 
2 verderbliche Kriege. Hierdurch aber „Hat Euch jemand bisher beleidigt, fo 
werden die väterlichen Neichthümer ver- bitte ich, vergesset es. CES stehet einem 
schwendet, man verliert die Liebe und Fürsten nicht wohl an, wenn er eine im 
das Vertrauen der Unterthanen, und Privatstande empfangene Unbild rächen 
man führet nicht mehr das füße Amt will. Hingegen strafet die Schmeichler, 
eines lieben Vaters, sondern eines fürch- die alles En< zu lieb und nicht zu des 30 
terlichen Tyrannen. I< kann nicht Landes Besten reden wollen. Werdet 
begreifen, was ein solcher Fürjt für Chre Zhr ihnen folgen, so werdet Ihr Eure 
habe, und kann mich Niemand bereden, flügen JIäthe verlieren und Euch in 
daß er in Sicherheit seye. Cs ist schlechte Gefahr vieler schädlicher Neuerungen 
Ehre, über arme Bettler zu herrschen, stürzen. Des Schmeichlers ede gleichet - 
hingegen fehr ruhmwürdig, wenn man dem Schlangengift, welches im füßen 
Reichen und Wohlbegüterten befehlen Schlaf zum Herzen dringet und den 
kann. Darum wollte der belobte Fabricius Tod wirket, ehe man es gewahr wird.“ 
lieber der Neichen Herr als jelber reich „Liebster Prinz, ich verlasse Euch ein 
fein.“ großes Land. Allein es ist kein dent- 2 
„Von Kriegen halte ich nichts, fie sches Fürstenthum, in dem mehr Zank, 
bringen wenig Gutes; so man nicht zur Mord und Gransamkeit im Schwange 
Beschüßung des Vaterlands oder eine gehet, als in unferer Mark. Wehret 
große Unbilligkeit zu heben den Degen doch solchem Unwesen und schaffet, daß 
& ziehen muß, ijt es besser davon zu Eure Unterthanen liebreich und sanft- : 
bleiben.“ müthig bei einander wohnen mögen.“ 
„Lasset Euch, mein Herzeusfohn, die „Zu diesem Ende bitte ich Euch, 
Gottesfurcht befohlen sein. Aus solcher an einem wohlgelegenen Orte eine 
Berlinische Chronik. 
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