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Full text: Jugendhilfebericht für den Zeitraum von ... bis ... (Rights reserved) Issue 2011/16 (Rights reserved)

Jugendhilfebericht für den Zeitraum von 2011 bis 2016 1 Impressum Herausgeber Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin Abteilung Jugend und Familie, Weiterbildung und Kultur Jugendamt Riesaer Str. 94 12679 Berlin 2 Vorwort Die Kinder- und Jugendpolitik in MarzahnHellersdorf stand in den letzten Jahren vor großen Herausforderungen. Gestartet wurde schon 2011 mit der klaren Erkenntnis, dass der Bezirk wieder wächst, dass mehr Familien in den Bezirk ziehen, Wohngebiete im Siedlungsgebiet entstehen werden und dass statt Abriss von Kindertagesstätten ein Neubau und eine Erweiterung der Plätze nötig sein wird. Unseren Forderungen nach mehr Personal wurde allerdings vorerst in 2012 nicht entsprochen. Der Umsetzungsbeschluss zum Abbau von Personal in Höhe von 46 VZÄ im Bezirk war eine Entscheidung, die gegen den Trend und den Personalbedarf in allen Leistungsbereichen stand. 2012 und 2013 standen ganz im Zeichen dieser komplizierten menschlichen und fachlichen Veränderungen und verlangten von allen Fachbereichen, insbesondere vom Regionalen Sozialen Dienst, höchsten Einsatz. Es ist gut gelungen, auch aus dieser Herausforderung eine Gute Nachricht zu machen dank der Kollegen aus dem Jugendamt, dem Personalbereich und der Senatsverwaltung. Für fast alle 46 Kollegen aus den Jugendfreizeiteinrichtungen wurden neue, bessere und auch spannende Aufgaben gefunden. Alle 11 Einrichtungen wurden verantwortlich geführt bis zum Stichtag und dann an Freie Träger übergeben. Alle 17 Jugendfreizeiteinrichtungen sind fachlich, professionell in den Stadtteilen verankert, inzwischen auch gute Orte für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen und werden mit ihren Angeboten von Sport bis Kultur, Integration und Berufsorientierung gut angenommen. Die Angebote für Kinder und Jugendliche sind erhalten, verbessert und modernisiert worden - auch die Finanzierung ist angepasst worden. Einige Einrichtungen waren vor 2011 überhaupt nicht in der Förderung - ab 2015 ergab sich die Möglichkeit, auch hier ein gerechteres System der Finanzierung für Offene Jugendarbeit zu schaffen, dazu gehören der Kinderkeller ebenso wie das Jugendfreizeithaus Treibhaus und der Abenteuerspielplatz Marzahn-Nord. Der Dank geht hier an den Jugendhilfeausschuss, der diese Aufgabe fachlich und politisch mit viel Gespür und Engagement begleitet hat. Die zweite große Herausforderung entstand mit dem ständig steigenden Kitaplatzbedarf. Fast alle Familien in Mahlsdorf schicken ihre Kinder in die Kita, allein: die höchsten Betreuungsquoten auch im Bezirksvergleich korrespondierten nicht mit der Angebotsstruktur. Nachdem gerade noch die letzte kommunale Einrichtung Am Grabensprung in die Betreiberschaft der Kita-Eigenbetriebe gegangen war, gab es keine Bereitschaft, dass die Kommune selbst baut, so dass der Hauptauftrag in der Betreuung, Begleitung und Unterstützung der Kita-Träger lag und liegt. Im Kern gehört also die Unterstützung der Träger zu den einzigen Hebeln, um Familien zu unterstützen. Mit der "Kita -Offensive Marzahn-Hellersdorf" sind entscheidende Maßnahmen zur Unterstützung der Träger geleistet worden. Gegenüber der Senatsverwaltung haben wir uns regelmäßig und mit Erfolg um Fördermittel eingesetzt, so dass wir inzwischen von 67 Kitas auf 103 Kindertagesstätten verweisen können. Ein rasanter Anstieg - aber er reicht nicht aus. Offen ist weiterhin das Thema Erzieher_innen, aber auch die Bereitstellung von Flächen zu einem guten Preis. 3 Zu lange dauern die Verfahren bei der BIM, zu lange müssen Eltern warten, auch die Unterstützung durch Erbpacht - Verträge für viele Einrichtungen ist weiter nicht gelöst. Die weitere Planung sieht den Ausbau auch im Siedlungsgebiet als Schwerpunkt - aber auch der Neubau in Marzahn-Nord und Mitte wird den Bedarf steigen lassen. Ziel ist es, die Wirtschaft, die Träger und die Eltern gleichermaßen wissen zu lassen, dass wir als Jugendamt gute Partner sind. Neben diesen beiden exemplarischen Themen finden Sie hier interessante Fakten aus allen Leistungsbereichen des Jugendamtes. Familienangebote, Politische Bildungsarbeit, Gewaltprävention und Kulturelle Bildung stehen ebenso im Focus. Ich freue mich über Ihr Interesse und wünsche Ihnen eine interessante Lektüre. Juliane Witt Bezirksstadträtin für Jugend und Familie, Weiterbildung und Kultur 4 Inhaltsverzeichnis Vorwort .................................................................................................................................. 3 Inhaltsverzeichnis .................................................................................................................. 5 1. Präambel .................................................................................................................... 6 2. Soziodemographische Entwicklung............................................................................. 7 3. Besondere Entwicklungen in der Jugendhilfe .............................................................11 3.1. Übertragung Jugendfreizeiteinrichtungen ..................................................................11 3.2. Optimierungsprozess Schnittstellen Hilfen zur Erziehung .........................................11 4. Leistungsbereiche......................................................................................................14 4.1. Familienförderung .....................................................................................................14 4.1.1. Familienbildung / Familienfreizeit ..............................................................................14 4.1.2. Frühe Hilfen ..............................................................................................................14 4.2. Tagesbetreuung von Kindern ....................................................................................15 4.2.1. Kita ...........................................................................................................................15 4.2.2. Kindertagespflege .....................................................................................................20 4.3. Erziehungs- und Familienberatung............................................................................21 4.4. Jugendarbeit .............................................................................................................26 4.5. Jugendsozialarbeit ....................................................................................................31 4.5.1. Streetwork/ Mobile Jugend(sozial)arbeit....................................................................31 4.5.2. Arbeitsweltbezogene Jugendarbeit und Jugendberufshilfe ........................................32 4.6. Schulbezogene Jugendsozialarbeit ...........................................................................33 4.7. Hilfen zur Erziehung ..................................................................................................35 4.7.1. Ambulante Hilfen.......................................................................................................38 4.7.2. Teilstationäre Hilfen ..................................................................................................39 4.7.3. Stationäre Hilfen .......................................................................................................40 4.7.4. Qualitätsentwicklung in den Hilfen zur Erziehung ......................................................42 4.7.5. Vollzeitpflege.............................................................................................................43 4.7.6. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge .....................................................................45 4.8. Kinderschutz/ Jugendschutz .....................................................................................45 4.8.1. Kinderschutz .............................................................................................................45 4.8.2. Jugendschutz ............................................................................................................48 4.9. Jugendgerichtshilfe ...................................................................................................49 4.10. Kindschaftsrecht .......................................................................................................52 4.10.1. Beistandschaften und Beurkundungen ......................................................................52 4.10.2. Amtsvormundschaften und Amtspflegschaften..........................................................53 5 1. Präambel In dem hier vorliegenden Bericht wird die Entwicklung der Jugendhilfe in MarzahnHellersdorf im Zeitraum der IV. Legislaturperiode aufgezeigt. Die Darstellung erfolgt anhand der einzelnen inhaltlichen Bereiche der Jugendhilfe. Der Bericht spiegelt die Entwicklung im Gesamtbezirk wider, wohl wissend, dass die einzelnen Bezirksregionen sehr unterschiedlich sind. Auf diese Unterschiede wird dort, wo sie eine große Rolle spielen und die entsprechenden Daten vorliegen, eingegangen. Der Berichtszeitraum ist zwar bis 2016 angegeben, für das aktuelle Jahr liegen jedoch noch keine verwertbaren Daten vor, so dass die Entwicklungen nur bis zum Jahr 2015 dargestellt sind. Im Text kann es vereinzelt auch Aussagen zum Jahr 2016 geben, wenn für dieses Jahr relevante Entwicklungen zu vermerken waren. Eingangs zum Bericht werden zwei Entwicklungen hervorgehoben, die im Berichtzeitraum für das Jugendamt von besonderer Bedeutung waren. Dies betrifft zum einen die Übertragung aller kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen an freie Träger(Kapitel 3.1). Damit ist Marzahn-Hellersdorf in Berlin der einzige Bezirk, der über keinerlei kommunale Jugendfreizeiteinrichtungen mehr verfügt. Zum anderen betrifft es den „Optimierungsprozess Schnittstellen Hilfen zur Erziehung“ (Kapitel 3.2). Die Hilfen zur Erziehung standen im Fokus der besonderen Aufmerksamkeit unter anderem wegen der hohen Kosten. Die damit verbundene starke Belastung des Bezirkshaushalts führte dazu, dass neben vielen Evaluationsmaßnahmen und Tiefenprüfungen mit entsprechenden Berichten an den Senat das sehr arbeitsintensive Projekt ins Leben gerufen wurde. Der Bericht geht auf die wesentlichen, aber nicht auf alle Entwicklungen im Berichtszeitraum ein, so dass einige Themen nicht tiefer betrachtet werden. So zum Beispiel geht der Bericht nicht explizit auf die Thematik der Auswirkungen auf die Arbeit in den Bereichen der Jugendhilfe bedingt durch den Zuwachs der Bevölkerung durch geflüchtete Menschen, die in verschiedenen Unterkünften in unserem Bezirk untergebracht wurden, ein. Auch hier war und ist die bezirkliche Jugendhilfe gefordert. Grundsätzlich sind alle Einrichtungen und Angebote offen für alle Kinder und Jugendliche bzw. Familien, unabhängig ihrer kulturellen Herkunft, Religion oder ihres Geschlechts. Die grundsätzliche Herausforderung bestand hauptsächlich darin, meist ohne zusätzliche Ressourcen neue bedarfsorientierte Projekte zu entwickeln und anzubieten ohne die bereits bestehenden einzuschränken. Auch mussten insbesondere sprachliche aber auch manche kulturelle Hürden genommen werden. Es ist aber durch das große Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen gelungen, viele Kontakte aufzubauen, Begegnungen zu ermöglichen und den Weg in die Einrichtungen zu ebnen. Das nächste Kapitel zur Soziodemografischen Entwicklung soll als Einstieg in den Jugendhilfebericht einen kurzen Überblick über die Lebenslagen der Kinder, Jugendlichen und deren Familien in unserem Bezirk liefern. 6 2. Soziodemographische Entwicklung Marzahn-Hellersdorf ist ein sehr heterogener Bezirk. Dies betrifft sowohl die bauliche als auch die soziale Struktur. Aus diesem Grund ist es aus planerischer Sicht notwendig, kleinräumigere Betrachtungen auf Ebene der sogenannten „lebensweltlich orientierten Räume“ (kurz: LOR) vorzunehmen. Hierzu sind in Berlin verschiedene Größeneinteilungen festgelegt worden. Für die einzelnen Bezirke wurden als größte Einteilung die „Prognoseräume“ (PGR), als nächst kleinere Einheit die „Bezirksregionen“ (BZR) und als kleinste Ebene die „Planungsräume“ (PLR) festgelegt. Im Süden von Marzahn-Hellersdorf liegt das Siedlungsgebiet mit den Bezirksregionen (BZR) Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf auf rund 55% der Fläche des Bezirks und mit etwa 28% des Bevölkerungsanteils, im Norden - das Großsiedlungsgebiet mit den Bezirksregionen 7 Marzahn-Nord, Marzahn-Mitte, Marzahn-Süd, Hellersdorf-Nord, Hellersdorf-Ost und Hellersdorf-Süd auf rund 45% der Fläche und mit etwa 72% des Bevölkerungsanteils. Die Bezirksregionen im Süden gehören im Berliner Vergleich zu den Regionen mit der besten Sozialstruktur, während die Gebiete aus der Großsiedlung zu denen mit der schlechtesten Sozialstruktur gehören. Insbesondere Marzahn-Nord und Hellersdorf-Nord sind Bezirksregionen mit sehr niedrigen Werten bzgl. sozialer Belastungsindizes. Die Anzahl der jungen Menschen ist im Berichtszeitraum von 67.892 auf 65.808 gesunken. Dies ist bedingt durch das Herauswachsen der starken Jahrgänge der 21- bis 25-Jährigen, deren Anzahl um fast 45% abgenommen hat. Hingegen konnte bei den unter 7 Jährigen ein Anstieg von rund 15% verzeichnet werden. Während die BZR Mahlsdorf mit 27% und Hellersdorf-Ost mit 26% den stärksten Anstieg verbuchen konnten, waren es Marzahn-Nord nur 0,6%. Der deutliche Anstieg im Bezirk hatte insbesondere Auswirkungen auf die Nachfrage an Plätzen für die Tagebetreuung von Kindern und den damit verbundenen Ausbau an Plätzen, um den Bedarf decken zu können. Auch die Anzahl der 6- bis unter 18-Jährigen ist im Berichtszeitraum mit 18% deutlich angestiegen. In den einzelnen Bezirksregionen bestehen hier deutliche Unterschiede. Während in Hellersdorf-Ost ein Anstieg von mehr als 28% zu verzeichnen war, lag die Steigerung in Biesdorf unter 9%. Der Anstieg der unter 21-Jährigen um mehr als 21% hatte einen deutlich höheren Bedarfszuwachs in allen Bereichen der Jugendhilfe zur Folge, nicht zuletzt auch bei den Hilfen zur Erziehung. Ein wichtiger Indikator zur Darstellung der sozialen Lage ist die Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote beträgt 9,6%. 81% der Arbeitslosen erhält Arbeitslosengeld II, d.h. Leistungen nach dem SGB II. Mit einer SGB II-Quote von 23% hat Marzahn-Hellersdorf, gemessen an der Einwohnerzahl unter 65 Jahren, den vierthöchsten Anteil an SGB II-Empfängerinnen und Empfängern von allen Bezirken und liegt deutlich über dem Berliner Durchschnitt (19 %). Damit lebt fast jeder Vierte im Bezirk unter 65 Jahre von Hartz IV. 8 41% aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren wachsen in Familien auf, die Hartz IV beziehen. Bei den unter 6-Jährigen sind es sogar 43%. Die Hälfte aller arbeitssuchenden Hartz IV-Empfängerinnen und Empfänger verfügt über einen geringen oder keinen Schulabschluss, fast die Hälfte hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. Auch die Zahl der Wohnungslosen steigt, und zwar in einem Maße, dass die Unterbringungsmöglichkeiten der Wohnungslosenhilfe nicht ausreichen und auf alternative Unterbringungsmöglichkeiten, wie Hostels etc., ausgewichen werden muss. Berlin wurde in der Studie „Prognose Zukunftsatlas 2016“ zu Zukunftschancen und -risiken aller 402 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands mit Platz 400 die drittgrößte soziale Ungleichheit (nur in Bremen und Bremerhaven ist demnach die Ungleichheit noch größer) in Deutschland attestiert. Man könnte Marzahn-Hellersdorf als „Musterbezirk“ für diese soziale Ungleichheit in Berlin ansehen. Im „Handlungsorientierter Sozialstrukturatlas Berlin 2013“ gehören die Bezirksregionen Hellersdorf-Nord (Rang 135) und Marzahn-Nord (Rang 133) zu den fünf von insgesamt 137 relevanten Bezirksregionen in Berlin mit dem schlechtesten Sozialindex, fünf BZR des Großsiedlungsgebiestes zu den 26 BZR mit den schlechtesten Sozialindex, während alle drei Bezirksregionen des Siedlungsgebietes zu den besten 20 BZR gehörig ausgewiesen werden. Durch diese regionale Diskrepanz liegt Marzahn-Hellersdorf als Gesamtbezirk auf dem neunten Rang aller 12 Bezirke in Berlin. Die kleinräumige Betrachtung der Entwicklung von Hartz IV-Empfängerinnen und Empfänger zeigt ebenfalls ein sehr differenziertes Bild mit einem starken Nord-Süd-Gefälle, d.h. hohe SGB II-Quoten im Norden, geringe im Süden. Der Anteil der Kinder im SGB II-Bezug ist ein Schlüsselmerkmal für materielle Kinderarmut, da er auf soziale Ungleichheit beim Hineinwachsen in die Gesellschaft hinweist. Kindern aus finanziell belasteten Haushalten ist der gleichberechtigte Zugang zu vielen gesellschaftlichen Bereichen und Erfahrungen ihrer Altersgenossen versperrt oder erschwert – beispielsweise bei Freizeit, Kultur und Sport. Der Indikator gibt Hinweise auf spezifische Unterstützungsbedarfe dieser Altersgruppe und ihrer Familien. Am größten ist das Armutsrisiko für Kinder Alleinerziehender, Kinder aus kinderreichen Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern. Über die Auswirkungen von Kinderarmut auf die Arbeit in der Jugendhilfe hat das Jugendamt im Jugendhilfebericht von 2006 ausführlich berichtet (siehe auch: http://www.berlin.de/bamarzahn-hellersdorf/politik-und-verwaltung/aemter/jugendamt/downloads/artikel.237174.ph) 9 In der obigen Grafik ist das soziale Gefälle im Bezirk noch einmal sehr deutlich zu erkennen. Während in Mahlsdorf nur 4% der unter 15-Jährigen in Haushalten aufwachsen, die auf Gelder nach dem SGBII angewiesen sind, liegt der Anteil in Marzahn - Nord und Hellersdorf Nord bei rund 60%. Auf Planungsraumebene wird die Spanne noch größer. Während in Biesdorf –Süd nur 1,8 % der u15-Jährigen in Familien mit Hartz IV-Bezug aufwachsen, sind es in der Hellersdorfer Promenade 70,8%. In Deutschland zeigen die Statistiken, dass Kinder ein materielles „Armutsrisiko“ darstellen, bei Alleinerziehenden ist dieses Risiko noch einmal wesentlich gesteigert. Davon ist Marzahn-Hellersdorf insbesondere betroffen. Mit 37,2 % an Alleinerziehenden hat der Bezirk den höchsten Anteil aller Bezirke in Berlin bezogen auf die Gesamtzahl der Familien mit Kindern(Berlin 31,1%). Anteil der Alleinerziehenden an allen Haushalten mit Kindern unter 18 Jahre nach Stadtteilen (2014, in %), Zahl in Klammern hinter dem Stadtteilnamen gibt den Rang den der Stadtteil im Vergleich aller 138 Bezirksregionen im Land Berlin einnimmt (höchster Wert = Rang 1) 10 Bei gesamtstädtischer Betrachtung befinden sich unter den ersten sechs Rängen vier Stadtteile aus Marzahn-Hellersdorf und unter den letzten sechs Rängen drei Stadtteile aus Marzahn-Hellersdorf, was noch einmal die breite Streuung innerhalb des Bezirkes verdeutlicht. 3. Besondere Entwicklungen in der Jugendhilfe 3.1. Übertragung Jugendfreizeiteinrichtungen Nach der Übertragung von sechs Jugendfreizeiteinrichtungen in freie Trägerschaft im Jahre 2010 (siehe „Netzstruktur Kinder- und Jugendarbeit in Marzahn-Hellersdorf“ vom Dezember 2010 http://b-intern.de/ba/marzahn-hellersdorf/politik-undverwaltung/aemter/jugendamt/artikel.453903.php) wurde der Prozess im Jahr 2013 vor dem Hintergrund der Stelleneinsparungen im Land Berlin und des bezirklichen Konsolidierungskonzeptes fortgeführt. Im Jugendamt wurde ein „jugendhilfespezifisches Auswahlverfahren“ durchgeführt mit dem Ziel, alle noch kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE) in freie Trägerschaft zu übertragen, die vorhandenen finanziellen Mittel für die Jugendarbeit zu erhalten und eine „Neuverteilung“ der finanziellen Mittel vorzunehmen. Mit 46 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wurden Personalentwicklungsgespräche geführt, die zum einen neue berufliche Perspektiven in der Berliner Verwaltung zum Gegenstand hatten und in denen zum anderem die Möglichkeit eines Übergangs zu einem freien Träger besprochen wurde. Für die 11 zu übertragenden Jugendfreizeiteinrichtungen wurden Ausschreibungsunterlagen (Leistungsbeschreibungen, Nutzungsverträge u.a.) erstellt, der Jugendhilfeausschuss (am 13.11.2013) und die BVV (am 21.11.2013) beteiligt, Besichtigungsterminen organisiert und dann ein Auswahlverfahren durchgeführt. Die hierbei ausgewählten Träger konnten im Januar 2014 ihre Arbeit aufnehmen. Somit ist Marzahn-Hellersdorf der einzige Berliner Bezirk, der keine Jugendfreizeiteinrichtungen mehr in kommunaler Trägerschaft betreibt. In einem 2015 durchgeführten Evaluationsverfahren wurde festgestellt, dass alle auf diese Weise übertragenen JFE, zum Teil nach Anlaufschwierigkeiten z.B. bei der Personalbesetzung, von den Kindern und Jugendlichen mit ihren Angeboten gut angenommen werden und neue inhaltliche Impulse gesetzt werden konnten. 3.2. Optimierungsprozess Schnittstellen Hilfen zur Erziehung Der deutliche Anstieg der Ausgaben im Bereich der Hilfen zur Erziehung, insbesondere im stationären Bereich, und der sich daraus ergebende finanzielle Druck auf den Bezirkshaushalt waren erneut Ausgangspunkte für eine fachliche Debatte im Jugendamt. So ist es Tatsache, dass der Bezirk in den letzten Jahren die mit Abstand höchste Hilfedichte in Berlin und zudem die höchsten Kostensteigerungen zu verzeichnen hat. Die Hilfedichte (Hilfen pro 1000 Jugendeinwohner der 0-unter 21-Jährigen) stieg im Bezirk kontinuierlich: (Grundlage sind die Stichtagsfallzahlen Monat Dezember des jeweiligen Jahres) Jahr Ma-He Berlin 2011 47 33 2012 50 33 2013 54 34 2014 55 35 2015 54 33 In der Zeit von 2011 bis 2015 hat es kontinuierlich eine Zunahme der Fälle gegeben, das heißt, es wurden mehr Fälle begonnen als beendet. Im Jahr 2013 standen 479 begonnener stationärer Hilfen nur 432 beendete stationäre Hilfen entgegen. Das ist eine Differenz von 47 Fällen. 11 Im Jahr 2014 wurden 474 stationäre Hilfen begonnen und 423 Hilfen beendet. Das ist in 2014 eine Differenz von 51 Hilfen. 2015 wurden 475 Hilfen begonnen und 435 Hilfen beendet. 40 Hilfen wurden mehr begonnen als beendet. Zunahme der Fälle 2013 47 2014 51 2015 40 Disproportionen in der Hilfestruktur bezogen auf die stationären und ambulanten Hilfen bestehen in unserem Bezirk seit vielen Jahren relativ konstant – so auch 2015: Hilfeart stationäre Hilfen (einschl. § 33) ambulante Hilfen MH 53% Berlin 43% 42% 53% Es gibt nachgewiesene objektive Ursachen für diese Entwicklung. Das betrifft insbesondere die Sozialstruktur in unserem Bezirk, die sich in den Großsiedlungen in den letzten 20 Jahren relativ kontinuierlich nach unten entwickelt hat. Verschärft wird die Situation durch die Besonderheiten der Familienstruktur (hohe Zahl bildungsferner Eltern, Alleinerziehender und sehr junger Mütter in benachteiligenden Lebenslagen). Der signifikante Zusammenhang zwischen schlechter sozialer Lage der Bevölkerung, die vielfach auch mit einer niedrigen Bildungssituation einhergeht, und der Anzahl der Hilfen zur Erziehung ist inzwischen unumstritten. Die Situation in unserem Bezirk und die sich daraus ergebenden Bedarfe werden auch in Zukunft ein hohes Hilfeaufkommen erforderlich machen. Das ist durch Jugendhilfe kaum beeinflussbar. Nicht beeinflussbar ist auch die Wanderung der Klienten. Von 2009 bis 2013 sind durch Zuzüge 188 Fälle mehr in die Zuständigkeit des Bezirks gekommen als abgegeben wurden. Das macht rund 5 Mio. Euro an Mehrkosten aus. 88 Fälle davon waren kostenintensive stationäre Maßnahmen. Im Zeitraum von Januar bis November 2014 zogen im Saldo Zuzüge und Abgänge 54 Hilfeempfänger_innen zu, davon 24 stationäre Hilfen, mit einem Kostenvolumen von rd. 1,4 Mio. € für diese 54 Hilfen. Alle bisherigen Maßnahmen zur Reduzierung des Anstiegs der Hilfen zur Erziehung brachten keine signifikanten Ergebnisse bezogen auf die Reduzierung der Fallzahlen und die Disproportionen zwischen ambulanten und stationären Hilfen. Optimierungsbedarf bestand und besteht in den Schnittstellen zu anderen Sozialleistungsträgern, in den Schnittstellen im Jugendamt selbst und zu den Regeleinrichtungen in den Sozialräumen. Deshalb startete das Jugendamt im Jahr 2015 das Projekt:“ Optimierungspaket – Schnittstellen Hilfen zur Erziehung „. Dabei liegt der Schwerpunkt im Projektzeitraum von 2015 bis Ende 2017 auf den durch das Jugendamt steuerbaren Einflussfaktoren bezogen auf die Hilfen zur Erziehung. Steuerbar sind vor allem Fragen der Organisation innerhalb der bestehenden Rahmenbedingungen, der Anteil der Jugendhilfe an der Wirksamkeit der Leistungen und die Verfahren in den Schnittstellen. Hier will und muss die bezirkliche Jugendhilfe neue Wege gehen. Gesellschaftlich determinierte Probleme und Lebensbedingungen lassen die Jugendhilfe oft an ihre Grenzen stoßen. Daher konzentriert sich das Jugendamt auf die Möglichkeiten zur Verbesserung der Bedingungen für das Aufwachsen von jungen Menschen, die durch die Jugendhilfe beeinfluss- und gestaltbar sind. Diese Möglichkeiten optimal zu nutzen, ist eine Aufgabe nicht allein der Jugendhilfe. Funktionierende Schnittstellen insbesondere zu den Bereichen Bildung, Soziales, Gesundheit und Jobcenter sind unerlässlich. Ressourcen bestehen auch in der Organisation des Jugendamtes selbst – bis hin zu einer ausreichenden und qualifizierten Personalausstattung, in der weiteren Qualifizierung der Fallsteuerung und in der dialogischen Qualitätsentwicklung mit den Leistungserbringern. 12 Ziel ist die Unterstützung einer gelingenden Sozialisation der Heranwachsenden, die mittelund langfristig auch zu einer Dämpfung des Anstiegs der Fallzahlen HzE führen soll. Zielstellung des Projektes: Zur Erhöhung der Wirksamkeit von Angeboten und Hilfen für junge Menschen und deren Familien gemäß SGB VIII liegt im Ergebnis eines bereichsübergreifenden fachlichen Diskurses eine strategische Gesamtplanung vor. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Zusammenarbeit mit den Regeleinrichtungen und den anderen Sozialleistungsträgern in den Schnittstellen. a) Im Projektzeitraum wird die Bereiche- und Ämterübergreifende Zusammenarbeit in ausgewählten Schnittstellen zu den Hilfen zur Erziehung optimiert, um eine weitere Qualifizierung bedarfsgerechter, wirksamer und effizienter Angebote und Leistungen zu erreichen. b) Im Projektzeitraum werden die Rahmenbedingungen (z. B. in der Struktur und Organisation / Schnittstellen der Bereiche des Jugendamtes, in der Qualitätsentwicklung, in den Schnittstellen zu anderen Bereichen), kritisch betrachtet und weiter verbessert, die die Wirksamkeit der Angebote und Hilfen erhöhen und langfristig zur Reduzierung des Anstiegs insbesondere der stationären Hilfen zur Erziehung beitragen. c) Im Projektzeitraum nähert sich der Bezirk dem Berliner Durchschnitt bezogen auf die Hilfestruktur an. Schwerpunkt ist dabei das Erreichen eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen begonnenen und beendeten stationären Hilfen. Beratungen der politischen Lenkungsgruppe bei der Jugendstadträtin gemeinsam mit dem Bürgermeister und Finanzstadtrat finden alle drei Monate statt. Fach- und Finanzcontrolling HzE legen dort regelmäßig aktuellste statistische Auswertungen zur Umsetzung des strategischen Zieles vor. Eine fachliche Steuerungsgruppe beim Leiter des Jugendamtes begleitet die fachliche Umsetzung des Optimierungsprojektes. Die operative Begleitung des Projektes wird durch die Fachsteuerung des Jugendamtes realisiert. Die Mitarbeiter/innen der Fachsteuerung sind die koordinierende Geschäftsstelle für alle AGs und Themenverantwortliche. Es wurden neun Arbeitsgruppen eingerichtet. Sie repräsentieren die einzelnen Schnittstellen und Themenfelder. In allen AGs arbeiten Vertreter_innen der Regionalteams, der Leistungserbringer und entsprechender Ämter / Institutionen übergreifend zusammen. Die Themenbereiche werden verantwortet durch die zuständigen Fachkräfte der Fachsteuerung des Jugendamtes im Tandem mit anderen Fachkräften bzw. Kooperationspartnern. Folgende Projektgruppen nahmen ihre Arbeit auf: 1) Schnittstelle zu anderen Sozialleistungsträgern (Jobcenter / Sozialamt / Eingliederungshilfe Jugendamt) 2) Schnittstelle Frühförderung (Kindertagesbetreuung) zur Förderung der Kinder und Stärkung der elterlichen Kompetenz 3) Schnittstelle Familienförderung / Frühe Hilfen 4) Schnittstelle Jugendhilfe – Schule (inklusiven Beschulung / Schwerpunkt: Schüler/innen mit komplexen Hilfebedarfen) 5) Schnittstelle zum Ausbau von Angeboten gemäß §33 incl. Verwandtenpflege, Fremdpflege auch für Ältere Kinder und Jugendliche, § 32.2 und Adoptionen 6) Schnittstelle Jugendhilfe – Gesundheit 7) Themenbereich Qualifizierung der Fallsteuerung 8) Themenbereich Öffentlichkeitsarbeit 9) Themenbereich Modellprojekt in Umsetzung einer Zielvereinbarung mit der Senatsverwaltung für Finanzen: „Erprobung eines Kriseninterventionsteams“ In den Arbeitsgruppen wurden konkrete Vorhaben zur Optimierung der Zusammenarbeit in den einzelnen Schnittstellen und Themenschwerpunkten erarbeitet, die im Projektzeitraum umgesetzt werden. 13 4. Leistungsbereiche 4.1. Familienförderung 4.1.1. Familienbildung / Familienfreizeit Familienförderung ist eine Kernaufgabe des Jugendamtes und als ein präventives Angebot zur Förderung der Erziehung in der Familie zu verstehen. Zu den Themenfeldern Familienbildung / Familienfreizeit/Familienberatung werden niederschwellige und offene Angebote entwickelt, die sich an den Lebenssituationen und Problemlagen der Familien orientieren und Eltern in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung unterstützen. Durch die Qualifizierung und Erweiterung der Projekte und Maßnahmen zur Familienförderung (Gruppenprojekte, Kreativ-Workshops, Foren, etc.) wurden zunehmend Eltern und Familien erreicht, die nur schwer den ersten Schritt „wagen“. Insbesondere in den sozialen Brennpunkten des Bezirkes schließt Arbeit mit den Familien umfangreiche Beratungen sowie die Vermittlung in verschiedene Fachdienste/Angebote im Rahmen der Früherkennung und Prävention ein. Aus dem bezirklichen Haushalt werden Mittel für sechs Kinder-, Jugend- und Familienzentren sowie Elternkurse / Eltern-AG und für den Familiengutschein eingesetzt. Alle Angebote fördern die Selbsthilfeaktivitäten der Eltern, tragen zur Stärkung der elterlichen Kompetenzen bei und zeigen Ressourcen für Familien insbesondere in den Sozialräumen auf. Die Angebote und Projekte werden entsprechend der bestehenden Bedarfe weiterentwickelt und qualifiziert. Dieser Prozess wird durch die Fachsteuerung und den RSD in den Regionen unterstützt. Darüber hinaus werden die Kitas zunehmend stärker als Begegnungsstätten wie z.B: in den drei durch Landesmittel geförderten Familienzentren am Standort Kita oder in Kitas allgemein wahrgenommen. 4.1.2. Frühe Hilfen 2012 wurde die „Bundesinitiative Frühe Hilfen und Familienhebammen“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend ins Leben gerufen. Grundlage ist das seit 1. Januar 2012 geltende Bundeskinderschutzgesetz. Familien sollen in der Phase rund um die Geburt frühzeitig unterstützt werden, um ihren Kindern ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Unter Frühen Hilfen werden präventive Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitswesens sowie weiterer relevanter Hilfesysteme verstanden, die sich prinzipiell an alle Familien unabhängig von bereits bestehenden Problemen oder Belastungen wenden. Insbesondere geht es um spezifische Hilfen, die ein frühzeitiges Erkennen und Unterstützen von Familien durch Stärken und Ressourcenorientierung ermöglichen. Frühe Hilfen sind demnach niedrigschwellige Angebote; die für Familien leicht zugänglich sind und ohne Antragstellung geleistet werden. Sie richten sich an Schwangere, werdende Väter sowie an Familien mit Kindern von 0 – 3 Jahren. Sie werden freiwillig in Anspruch genommen und sind geeignet, Familien in ihren Kompetenzen zu stärken, z.B. im Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern. Frühe Hilfen fördern die Erziehungs- und Bindungsfähigkeit der Eltern und unterstützen bei der Bewältigung von persönlichen oder familiären Belastungen, ggf. vermitteln sie auch in weitere Hilfesysteme. Seit 2013 haben sich die Akteure bestehender Netzwerke dem Thema „Was ist mein Beitrag für (werdende) Familien mit Säuglingen und Kleinkindern?“ gewidmet und gemeinsam an Lösungen für einen guten Start ins Leben in Marzahn-Hellersdorf gearbeitet. Dieser Prozess führte zum Netzwerkverbund „Willkommen im Leben“ Marzahn-Hellersdorf. Er versteht sich als ein eigenständiges Netzwerk, das nicht in Konkurrenz zu bestehenden Netzwerken treten will, sondern Kooperationsbezüge schafft. Ein Hauptschwerpunkt des Bundesprogrammes ist der Einsatz von Familienhebammen in den Familien vor Ort. Familienhebammen sind staatlich examinierte Hebammen mit einer 14 sozialpädagogischen Zusatzqualifikation. Diese befähigt sie dazu, junge Familien in belastenden Lebenssituationen optimal zu unterstützen. Sie unterstützen bei der gesundheitlichen Versorgung und leisten bis zu einem Jahr nach der Geburt des Kindes psychosoziale Unterstützung in den Familien. Im März 2014 waren drei Familienhebammen im Bezirk im Einsatz. Inzwischen sind es zwei Familienhebammen und zwei Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen mit insgesamt ca. 50 Wochenstunden. Sie genießen ein hohes Vertrauen in den Familien. In enger Zusammenarbeit mit dem KJGD und dem ZsG steuert die Netzwerkkoordination den Einsatz der Familienhebammen. Von März 2014 bis Mai 2016 wurden und werden insgesamt 141 Mütter/Väter und 152 Kinder in der Familienstartphase wirksam unterstützt. Es gelang besser, Eltern mit schwierigen Startbedingungen zielgerichtet von Anfang an zu begleiten, ihre Handlungssicherheit zu erhöhen und Ressourcen und eine individuelle Anbindung im Wohnumfeld zu entwickeln. Die übergroße Mehrheit (85%) der betreuten Mütter/Eltern fühlte sich überfordert, ist von Transferleistungen abhängig oder hat wenige oder keine persönlichen Netzwerke. Von allen betreuten Eltern haben Alleinerziehende mit 55 % den größten Anteil. Auch der Anteil an Müttern/Vätern mit Lernbehinderungen oder psychischen Krankheiten nimmt stetig zu – dies wird künftig eine besondere Herausforderung darstellen. Erfreulich ist, dass etwa 60 % der betreuten Familien nachhaltig Angebote in Familienzentren, KJFZ, Kitas und weiteren Einrichtungen nutzen. Der Bedarf an Kapazitäten der Familienhebammen liegt jedoch deutlich höher. Seit September 2014 gibt es wöchentliche offene Sprechstunden der Familienhebamme in vier Familienzentren, die inzwischen sehr gut angenommen werden. Von September 2014 bis Dezember 2015 fanden insgesamt 187 Beratungen für Eltern statt. Durch eine FamilienGesundheits- und Kinderkrankenpflegerin wurden bisher sieben Kurse „ 1. Hilfe für mein Baby“. in drei Familienzentren angeboten. 2015 kamen 70 Mütter und 15 Väter zu dem jeweils dreiteiligen Veranstaltungszyklus. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung Ehrenamtlichen Engagements. Ehrenamtliche können den Start ins Elternsein wirksam unterstützen. Sie entlasten Familien in ihrem Alltag und ergänzen mit ihren freiwilligen Leistungen Angebote der Frühen Hilfen. Oft haben sie einen leichteren Zugang zu den Familien. Die Gewinnung von Ehrenamtlichen wird durch die Kooperation mit der Freiwilligen-Agentur Marzahn-Hellersdorf unterstützt und gebündelt. Im Bezirk haben sich vielfältige Angebote für Schwangere und Eltern mit Kindern bis zu 3 Jahren zur frühkindlichen Förderung etabliert. Mit der Bundesinitiative konnten diese qualitativ erweitert werden. Dabei gibt es regionale Unterschiede, der Großteil der Angebote ist in der Großsiedlung zu finden. 4.2. Tagesbetreuung von Kindern 4.2.1. Kita Mit Wirkung vom 01.08.2013 besteht für jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ein Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Kindertageseinrichtung (Kita) oder in einer Kindertagespflegestelle. Dieser Anspruch ist bundesgesetzlich gesichert. Die jährliche bezirkliche Fortschreibung der Kita-Entwicklungsplanung berücksichtigt gemäß § 19 KitaFöG und § 7 VO KitaFöG sowie im Rahmen der Gewährleistungsverpflichtung nach §§ 79, 80 SGB VIII diesen Auftrag bzw. Beschluss. Ziel dabei ist, eine bedarfsgerechte Versorgung mit Plätzen in der Tagesbetreuung von Kindern im Land Berlin vorzuhalten. In den letzten Jahren zeichnete sich eine starke Zunahme an Kindern in der Altersgruppe der 0- bis unter 7Jährigen ab. Mit Blick auf die Prognosezahlen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf sowie für das gesamte Land Berlin feststellbar, dass dieser Trend nach wie vor anhält. Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der Anzahl der Kinder in Kitas (Summe Kita Card Produkte 79406 bis 79420) von 2011 bis 2015 per 31.12. des jeweiligen Jahres. 15 Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf verfügt nunmehr über 103 Kindertagesstätten, die von 32 Trägern betrieben werden, sowie 51 Tagespflegestellen mit 223 Plätzen.. Im Jahr 2011 waren es noch 77 Kindertagesstätten, die zur Betreuung von Kindern in der Altersgruppe von 0 bis unter 7 Jahren zur Verfügung standen. Bezogen auf den Berichtszeitraum ist das ein Zuwachs von 26 Kita-Standorten. In diesem Zeitraum konnte die Platzkapazität von rund 9.200 auf rund 11.500 Plätze ausgebaut werden und dieser Ausbau wird in diesem Jahr noch zu weiteren Platzkapazitäten führen. Die Betreuungsquote in der Altersgruppe der 0- bis unter 6-Jährigen beträgt gut 71% und ist im Berichtszeitraum nur minimal angestiegen. Die höchste Steigerung der Betreuungsquote wurde in der Altersgruppe der 0-bis unter 3-Jährigen von rund 43% auf 49% erzielt. Dies kann evtl. auch ein Effekt der oben bereits erwähnten bundesrechtlichen Änderung des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz ab dem ersten Lebensjahr sein. Nachstehend die Darstellung der Verträge unterteilt nach 0-unter 3Jährige (Produkte 7940679415) und 3-Jährige bis zur Einschulung (Produkte 79416 – 79420). 16 Nach wie vor gibt es in der Altersgruppe der 1- bis unter 3-Jährigen regionale Unterschiede hinsichtlich der Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Die Ist-Betreuungsquote 2015 ist in der Grafik eingefügt und liegt in den Siedlungsgebieten zwischen 82% und 85%, während sie vergleichsweise in den Großsiedlungsgebieten zwischen 62% (Hellersdorf-Nord) und 76% (Hellersdorf-Süd) liegt. Gerade in den Bezirksregionen mit der geringsten Betreuungsquote wäre es wichtig diese zu erhöhen, da es viele Kinder aus sozial schwachen und oftmals auch bildungsfernen Familien gibt. So haben z.B. auch die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen gezeigt, dass die Ergebnisse deutlich besser ausfallen, wenn die Kinder länger als zwei Jahre das Bildungsangebot in Kitas wahrgenommen haben. Es ist aber auch zu sehen, dass es gegenüber 2012 (2011 lagen leider noch keine Bezirksregionen bezogene Daten vor) eine positive Entwicklung gibt. So konnte die Betreuungsquote z.B. in Marzahn-Nord von 59% auf 63%, und in Hellersdorf-Nord sogar von 52% auf 62% gesteigert werden. Für den Gesamtbezirk gab es eine Steigerung von 65% 17 auf 71%. Allerdings ist von 2014 auf 2015 wieder ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Diese Entwicklung gilt es wieder umzukehren. Eine weitere Aufgabe und Herausforderung sieht das Jugendamt darin, die Akzeptanz und die Rahmenbedingungen für die Förderungen von Flüchtlingskindern aus den Heimen des Bezirkes zu entwickeln. Im folgenden Diagramm sind die Fallzahlen (Produkt 79423) für die zusätzliche Förderung von Kindern, die in ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen und in Wohngebieten mit sozial benachteiligten Bedingungen leben, und (Produkt 79424) die zusätzliche Förderung von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache in Tageseinrichtungen dargestellt. Der Anstieg von über 50% ist nur zu einem kleinen Teil auf den Anstieg der Anzahl der Kinder von rund 15% zurückzuführen, sondern zeigt, dass die Problemlagen im Berichtszeitraum deutlich zugenommen haben und das auch im Kitabereich diese Entwicklung zu verzeichnen ist und eine nicht zu unterschätzende Belastung der Arbeit in Kitas darstellt. Die Integration behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder erfolgt im Bezirk Marzahn-Hellersdorf durch die gemeinsame Erziehung und Betreuung mit nicht behinderten Kindern. Behinderte Kinder haben einen gesetzlichen Anspruch auf Maßnahmen der Eingliederungshilfe gemäß § 53 SGB XII in Verbindung mit § 30 SGB IX. Sind die Voraussetzungen dafür gegeben, erfolgt die Prüfung durch das zuständige Jugendamt hinsichtlich des sozialpädagogischen Mehrbedarfs an Förderung durch den/die Facherzieher_in. Neben dem eigenständigen Bildungs- und Erziehungsauftrag gemäß § 1 Kita FöG ist das Ziel der Betreuung von behinderten Kindern in Kindertagesstätten, eine drohende Behinderung oder eine bereits eingetretene Behinderung früh zu erkennen, abzuwenden, zu mildern oder eine Verschlimmerung zu verhüten, d.h. die Teilhabe des Kindes am aktiven Kita-Alltag zu gewährleisten. § 6 Kita FöG regelt die Aufnahme und Förderung von Kindern mit Behinderung und geht davon aus, dass keinem Kind die Aufnahme in eine Kindertagesstätte auf Grund der Art und Schwere seiner Behinderung verwehrt werden darf. Auch die Kita – Standortnetzplanung geht bei der Bereitstellung eines bedarfsgerechten Angebotes vom Prinzip der wohnortnahen Betreuung aus. Über die Hälfte der Kindertagesstätten des Bezirkes bietet inzwischen selbstverständlich die Betreuung von behinderten und nicht behinderten Kindern an. Das nachstehende Diagramm zeigt die Entwicklung der Anzahl der zusätzlichen Förderung behinderter Kinder (Produkte 79421 und 79422). 18 Auch hier ist der Anstieg mit zusammen über 31% nicht hinreichend durch den Anstieg der Anzahl der Kinder von rund 15% zu erklären. Studien belegen, dass bei Kindern, die in Familien aufwachsen, die sich in dauerhaft prekärer Lage befinden, auch mit verstärkten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Dies könnte auch hier eine Erklärung für den disproportionalen Anstieg sein. Nachfolgend ist die die Entwicklung der Anzahl der Kinder, die Gelder nach dem Bildungsund Teilhabepaket (BuT Fälle; Produkt 80504) in der Kita und Tagespflege erhalten, aufgezeigt. Die Bundesregierung hat im März 2011 das Gesetz zum Bildungs- und Teilhabepaket beschlossen. Damit können Kinder aus Familien mit geringen Einkommen gefördert und unterstützt werden, indem sie zusätzlich zu ihrem monatlichen Regelbedarf auch Bedarfe für Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft erhalten. Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der Ausgaben für die Tagesbetreuung von Kindern (Summe Kita Card Produkte 79406 bis 79420) von 2011 bis 2015. 19 140.000.000 € 120.000.000 € 100.000.000 € 80.000.000 € 60.000.000 € 40.000.000 € 20.000.000 € - € Kita Card gesamt 2011 2012 2013 2014 2015 77.738.873 € 87.368.714 € 97.021.867 € 107.004.503 115.338.025 Die Ausgaben sind von 2011 zu 2015 um mehr als 37,5 Millionen Euro gestiegen, dies ist eine Steigerung um 48%. Im gleichen Zeitraum sind die Anzahl der Kinder unter 7 Jahren nur um 15% gestiegen und die Anzahl der Verträge um 22%. Es hat also eine deutliche Kostensteigerung pro Platz gegeben, die einerseits durch Erhöhungen der Kostensätze aber auch wie oben gezeigt, durch die Steigerung der Mehraufwendungen für besonders förderungsbedürftige Kinder zu erklären ist. 4.2.2. Kindertagespflege Die Kindertagespflege (§23 SGB VIII) ist ein eigenständiges Familien unterstützendes Angebot, welches die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Kindern, vorrangig in der Altersgruppe von 0 bis unter 3 Jahren, und deren Familien abdeckt. Als entwicklungsfördernde Form der Betreuung, Bildung und Erziehung liegen die Potentiale von Tagespflege in einer familienähnlichen Betreuungskonstellation in kleinen Gruppen, mit hoher Flexibilität, hinreichend Zeit und individueller Zuwendung in einem altersgemäß gestalteten Alltag, der über das eigene familiäre Umfeld des Kindes hinaus geht. Die Tagespflegepersonen ermöglichen den Kindern eine körperliche und geistige Entwicklung, fördern ihre individuelle Entwicklung und den Aufbau sozialer Beziehungen. Vorrangig Kinder bis zum dritten Lebensjahr, deren Alter oder Gesundheitszustand vorerst einen Kitabesuch ausschließt, oder Kinder, die eine Betreuung außerhalb der Kitaöffnungszeit benötigen, nutzen die Plätze in den Tagespflegestellen. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist ein bedarfsgerechter Ausbau der Tagespflegeplätze auch unter Nutzung der Fördermittel aus dem Investitionsprogramm U3 des Bundes erfolgt. Mit diesen Investitionsmitteln konnte in vielen Tagespflegestellen die Ausstattung mit altersgerechtem Mobiliar sowie sicheren und hochwertigen Außenspielgeräten qualitativ aufgewertet werden. Aufgrund unregelmäßiger Arbeitszeiten, Schicht-, Nacht- oder Wochenendarbeit der Eltern ist die Nachfrage nach Kita- oder Schulhortergänzender Tagespflege groß. Vorwiegend ist eine Betreuung der Kinder in den späten Abend- oder Nachtstunden und auch an Wochenenden erforderlich, so dass die Betreuung im Haushalt der Personensorgeberechtigten realisiert wird. Die fachliche Rahmenvorgabe des Berliner Bildungsprogramms ist inhaltliche Orientierung und formulierter Anspruch an die pädagogische Arbeit in den Tagespflegestellen des Bezirkes. Eine gezielte alltagsbegleitende Sprachförderung und die damit verbundene Dokumentation im Sprachlerntagebuch sind fachliche Standards in den Tagespflegestellen. Die Verständigung zum Bildungsauftrag (§ 1 KitaFöG) und wie dieser vom jüngsten Alter an umzusetzen ist, welchen Stellenwert frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung 20 einnimmt, ist Inhalt regelmäßiger und zielgerichteter Fort- und Weiterbildungen der Tagespflegepersonen. Der weitere Ausbau von Gesprächsgruppen der Tagespflegepersonen- realisiert zum einen Informationsnähe, befördert zum anderen den notwendigen pädagogischen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Eine enge Zusammenarbeit wie z.B. mit dem SOS-Familienzentrum, verschiedenen Jugendfreizeiteinrichtungen, Begegnungsstätten in den Stadtteilen und die damit verbundene Mitwirkung in Projekten werden durch die Tagespflegepersonen geschätzt und als Bereicherung ihrer pädagogischen Arbeit erlebt. Insbesondere die Vernetzung der Tagespflegestellen mit angrenzenden Kindertagesstätten in den Stadtteilen soll perspektivisch intensiviert werden. Potentiale dieser Vernetzung mit den Kindertagesstätten aber auch mit den Kinder- und Jugendhilfezentren in den Regionen, bestehenden Familienzentren am Standort der Kita liegen in einer gemeinsamen Gestaltung von Projekten, im Austausch von Erfahrungen, der Gestaltung gemeinsamer Fortbildungen sowie der Nutzung von Räumlichkeiten für die pädagogische Arbeit in der Tagespflege. Das folgende Diagramm zeigt die Anzahl der Verträge (Produkt 80139). Nicht zuletzt durch den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem 1. Lebensjahr seit dem 1.8.13 ist die Anzahl der Kinder, die in der Tagespflege betreut werden, seit 2013 leicht zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Betreuungsquote in den Kitas für die unter 3 Jährigen angestiegen, die ja die Hauptzielgruppe in der Tagespflege ist. Dies deutet daraufhin, dass von den Eltern dieser Altersgruppe die Betreuung in der Kita seither noch stärker bevorzugt wird. 4.3. Erziehungs- und Familienberatung Erziehungs- und Familienberatung konnte auch im gesamten Berichtszeitraum stabil angeboten werden. Insbesondere die Jahre 2015 - 2016 waren für den Fachbereich Psychosoziale Dienste / EFB-MH durch strukturelle Veränderungen geprägt. Nachdem im Herbst 2014 die EFB am Standort Hellersdorf ihr neues Domizil im Hellersdorfer Corso, in der E.-André-Str. 4 beziehen konnte, war das Jahr 2015 dadurch gekennzeichnet, nun auch für die EFB-Marzahn in der Landsberger Allee, einen neuen Standort zu finden. Gründe für die Suche nach einem neuen Standort waren dringend notwendige bauliche Maßnahmen am geschichtsträchtigen „Haus der Befreiung“ in der Landsberger Allee 563 in Berlin Marzahn. Ende 2015 fiel die Entscheidung: Das bei Kindern, Jugendlichen und bei Familien gut angenommene „Beratungshaus für Familien“ war aus baulichen und damit einhergehenden finanziellen Gründen nicht mehr als Standort der bezirklichen Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Marzahn nutzbar. 21 Seit März 2016 wird Erziehungs- und Familienberatung (§ 28 KJHG) nun an zwei regionalen Standorten vorgehalten: 1.) Hellersdorf: E.-André-Str.4 (Corso Hellersdorf) 2.) Marzahn: Golliner Str.4 (Haus Windspiel) Ergänzt wird dieses Angebot an Erziehungs- und Familienberatung (§ 28 KJHG) durch zwei ortsansässige, ebenfalls regionalisierte Familienberatungsstellen in freier Trägerschaft: 1.) B+L, Landsberger Allee 400 2.) SOS-FZ Berlin, Alte Hellersdorfer Str.77 Erziehungs- und Familienberatung ist ausgerichtet auf die Stärkung der Kinder- und Elternkompetenz, bietet Unterstützung in Erziehungsfragen und schwierigen psychosozialen sowie familiären Problemsituationen. Familienberatung, basierend auf der gesetzlichen Grundlage des § 28 KJHG (SGB VIII) ist als eine unmittelbare, sehr niederschwellige Hilfe zur Erziehung zu betrachten, welche bundesweit als eine effiziente und kostengünstige Hilfeform Anerkennung findet. Neben dem tagtäglichen komplizierten Einsatz der Kolleg_innen im RSD zur Absicherung des Kinderschutzauftrages erfüllt der öffentliche Jugendhilfeträger durch das Vorhalten von EFB in öffentlicher und freier Trägerschaft seinen ebenfalls präventiv ausgerichteten Kinderschutzauftrag. In der engen Vernetzung der EFB mit dem RSD besteht zudem deren fachdienstlicher Auftrag. Erziehungsberatung ist ein Instrument der Unterstützung für Eltern, die sich von der Erziehung ihrer Kinder heraus- oder überfordert fühlen. Die auf individuelle Problemlagen ausgerichtete Beratung hilft Eltern zu verstehen, wie sich alltägliche und typische Situationen in der Familie entwickeln und manchmal zu eskalieren drohen und welche alterstypischen Herausforderungen ihren Kindern gestellt werden müssen, für deren Bewältigung diese die Unterstützung ihrer Eltern benötigen. Welche alternativen Vorgehensweisen sie dafür finden können, wie sie individuell und innerfamiliär über Ressourcen verfügen, wird in der Beratung erarbeitet und bekräftigt. Insofern ist die niedrigschwellige Beratung eine zeitlich begrenzte und im Setting variable Begleitung durch den Erziehungsalltag, die präventiv auf Erziehung einwirkt. Jährlich werden in der EFB-MH des Jugendamtes Marzahn-Hellersdorf ca. 1300 Familien, gemeinsam mit den beiden Familienberatungsstellen in freier Trägerschaft zwischen 1800 - 2000 Familien, Kinder- und Jugendliche bzw. junge Erwachsene betreut. Fallabschlüsse gemäß Bundesstatistik 2011 – 2015 Durch die Bundesstatistik werden jährlich alle abgeschlossenen Fälle (1 Fall= 1 betreute Familie mit einem oder mehreren Anliegen o. Beratungsanlässen) erfasst. Gemäß Berliner Rahmenvereinbarung EFB sollen zur Aufrechterhaltung des personellen Versorgungsgrades mit psychosozialen Fachkräften für jede nicht wiederbesetzte Stelle in der öffentlich getragenen Beratungsstelle entsprechend zusätzliche Fälle durch die Beratungsstellen in freier Trägerschaft geleistet werden. Dies erfolgte erstmalig 2014 und erklärt die dargestellte Fallzahl-Differenz: 22 Das Hilfeangebot der EFB richtet sich an Familien, Eltern und ihre Kinder, alleinerziehende Mütter und Väter, Jugendliche, junge Erwachsene, Paare, Pflegeeltern sowie Fachkräfte. Das Besondere dieser Jugendhilfeleistung: Dieses Angebot zur Hilfe der Erziehung ist für Ratsuchende kostenfrei und bedarf keiner formalen Antragstellung. So bietet die EFB-MH sehr variable Öffnungs-, Anmelde- und Beratungszeiten an. Anmeldungen durch die Bürger_innen sind persönlich, telefonisch und per Internet möglich. Erst-Beratungen finden in der Regel innerhalb von 14 Tagen statt und erfolgen nach persönlicher Absprache. Krisengespräche werden sofort bzw. zeitnah geführt. Anmeldung bzw. Anregung zur Beratung erfolgte durch: Hauptanmelder sind Eltern selbst, gefolgt von Hilfeanregungen durch das Jugendamt (RSD) bzw. durch Ärzte, anderen sozialen Diensten und Familiengerichten: in % SOS BZMa B+L EFB-MH Klient (selbst) 0,0 0,0 5,0 Eltern (selbst) 39,0 30,7 38,0 Schule / Kita 6,5 7,8 5,0 RSD, Fam.-Gerichte und andere soziale Einrichtungen 25,0 26,0 31,0 Gerichte / Polizei 1,5 7,2 8,0 Ärzte, Gesundheitseinrichtungen 20,0 21,1 8,5 Ehemalige Klienten/ Bekannte 5,0 7,2 4,5 Sonstige 3,0 0,0 0,0 23 Die EFB leistet Erziehungsberatung, Jugendberatung, Trennungs- und Scheidungs- als auch Umgangsberatung, Diagnostik und Therapie im Einzel- und im Gruppensetting. Sie bietet Unterstützung: - bei allen Fragen zur Erziehung und der Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen - wenn Belastungen in der Familie anwachsen und deren Bewältigung nicht gelingt - bei Partnerschaftskonflikten - bei Gewalt und sexuellem Missbrauch in und außerhalb der Familie - bei der Bewältigung von Trauer nach einem Todesfall in der Familie - bei Konflikten im Verlauf und in der Folge von Scheidungen und Trennungen; zur Ausübung von Sorgerecht und zur Umgangsgestaltung Anmeldegründe (im Durchschnitt) 2011 - 2015 Belastungen in der Familie durch Trennung und Scheidung stellen den Hauptanteil der Anmelde- und Beratungsgründe. Insbesondere durch das Beschleunigte familiengerichtliche Verfahren (FamFG) und im Zusammenhang mit dem erneuerten Kindschaftsrecht ist die Tendenz über die Jahre steigend. Entwicklungsauffälligkeiten und Belastungen durch psychische und andere Belastungen der Eltern sowie eine eingeschränkte Erziehungskompetenz sind weitere recht häufige Beratungshintergründe. in % SOS BZ B+L EFB-MH Unversorgtheit des jungen Menschen 0,0 0,5 1,0 Unzureichende Förderung / Versorgung 1,5 1,0 2,0 Eingeschränkte Erziehungskompetenz 13,0 11,0 10,0 Belastungen durch Probleme der Eltern 12,0 18,0 12,0 Belastungen durch familiäre Konflikte 42,0 40,0 45,0 Auffälligkeiten im Sozialverhalten 8,5 9,0 10,0 12,0 13,0 10,0 Schulische und berufliche Probleme 7,5 3,5 7,0 Gefährdung des Kindeswohls 3,5 4,0 3,0 Entwicklungsauffälligkeiten Probleme / Seelische Zusätzlich zum Leistungsspektrum _ wirken Fachkräfte der EFB in ihrer fachdienstlichen Funktion in Hilfeplanungsprozessen, bei Begutachtungen zu Leistungsvoraussetzungen von HzE im Psychosozialen Fachdienst (PsD) sowie bei der Hilfeplanung und Koordination von KJHG-Therapien (Psychotherapien und Integrativer Lerntherapien) mit. 24 Anzahl der Begutachtungen zur Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen für einen Erweiterten Förderbedarf (erzieherischer Mehraufwand) von Pflegekindern Anders als in anderen Bezirken (eine Ausnahme bildet hier der Bezirk Lichtenberg) erfolgt die Hilfeplanung und Bewilligung von KJHG-Psychotherapien und von Integrativen Lerntherapien (ILT) unter dem fachlichen Dach der Psychosozialen Dienste. Insgesamt ist bezogen auf Psychotherapien und ILT ein deutlicher Zuwachs an therapeutischer Unterstützung durch externe Therapeuten zu verzeichnen. Da in vielfacher Hinsicht schulische Fördermaßnahmen nicht ausreichend wirken, werden lerntherapeutische Interventionen für eine wachsende Anzahl von Kindern und Jugendlichen immer mehr notwendig. Anstieg von Lerntherapien als Eingliederungshilfeleistung nach § 35a: 2011 2015 136 84 Anzahl Durch eine seit September 2015 verabschiedete Verwaltungsvorschrift für ILT ist die EFB bei der Vorlage von Drittgutachten als Fachdienst bei der fachlichen Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen tätig. Dies stellt eine zusätzliche personelle Herausforderung dar und ist aktuell nur durch Abstriche in anderen Leistungsfeldern zu kompensieren. In diesem Bereich besteht deutlich Personalmehrbedarf! 25 4.4. Jugendarbeit Auf der Grundlage des § 11 SGB VIII sollen jungen Menschen die zur Förderung ihre Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung gestellt werden, welche an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden. Jugendarbeit wird regional geleistet durch bezirklich geförderte Jugendfreizeiteinrichtungen und Projekte—und weitere über Drittmittel finanzierte Projekte freier Träger. In den Jahren 2011-13 gab es noch 11 kommunale JFE und mehrere Einrichtungen freier Träger (siehe 3.1). Seit 2014 wird Jugendarbeit ausschließlich durch freie Träger geleistet. Das Jahr 2013 war ein schwieriges Übergangsjahr, in dem monatlich kommunale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Einrichtung verließen, um eine Arbeit in anderen Einsatzstellen zu beginnen, viele Angebote konnten nicht mehr realisiert werden, die Nutzerinnen und Nutzer waren verunsichert und blieben den Jugendfreizeiteinrichtungen fern. Vor diesem Hintergrund hat sich die bezirkliche Jugendarbeitslandschaft seit 2014 stark verändert. Neue Träger mit neuen (zumeist jüngeren) Fachkräften haben die Arbeit in den JFE aufgenommen, es kam zu Veränderungen in der gewohnten Angebotspalette. Die Veranstaltungsreihe „Quo vadis Jugendarbeit“ (drei Veranstaltungen in 2011/2012) diente der fachlichen Orientierung und der Überarbeitung der bezirklichen Arbeitsrichtlinien. Heute arbeiten die vorhandenen JFE mit unterschiedlichen pädagogischen und methodischen Ansätzen sowie unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtungen, die sich am Bedarf der Nutzerinnen und Nutzergruppe und den regionalen und gesellschaftlichen Gegebenheiten orientieren (siehe auch „Netzstruktur der Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk MH – Fortschreibung 2014“ und „Grundsätze und Richtlinien für die Arbeit in den Jugendfreizeiteinrichtungen des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf von Berlin“, http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-undverwaltung/aemter/jugendamt/downloads/artikel.237174.php). Entwicklung der Anzahl der JFE mit bezirklicher Finanzierung Bezirksregion Marzahn-Nord Marzahn-Mitte Marzahn-Süd Biesdorf HellersdorfNord Hellersdorf-Ost Hellersdorf-Süd Kaulsdorf Mahlsdorf Gesamt • 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Plätze in 2016 4(1/3) 6(2/4) 5(1/4) 2(1/1) 6(2/4) 4(1/3) 7(2/5) 5(1/4) 2(1/1) 6(2/4) 4(1/3) 7(2/5) 5(1/4) 2(1/1) 6(2/4) 5(0/5) 7(0/7) 5(0/5) 2(0/2) 6(0/6) 5(0/5) 7(0/7) 5(0/5) 2(0/2) 6(0/6) 5(0/5) 7(0/7) 6(0/6) 2(0/2) 7(0/7) 430 813 784 239 570 5(2/3) 3(1/2) 2(1/1) 1(0/1) 34(11 /23) 5(2/3) 3(1/2) 2(1/1) 1(0/1) 35(11 /24) 5(2/3) 3(1/2) 2(1/1) 1(0/1) 35(11 /24) 5(0/5) 3(0/3) 2(0/2) 1(0/1) 36(0/ 36) 5(0/5) 3(0/3) 2(0/2) 1(0/1) 36(0/36 ) 5(0/5) 3(0/3) 2(0/2) 1(0/1) 38(0/38 ) 227 308 337 119 3.827 Fehlbedarf Vergleich 2015 2010 116 143 277 444 487 242 240 4 9 1962 (Bedarfsdeckung 57%) 2010 im zu 2015 122 107 51 257 173 90 177 -16 330 1291 (Bedarfs deckung 73%) in der Klammer (Anzahl kommunaler JFE/Anzahl finanzierter JFE in freier Trägerschaft) -es werden die vorhandenen Plätze in den JFE gezählt unabhängig der Höhe der Finanzierung -Veränderungen: in 2011 erhielt der Sportjugendclub Marzahn letztmalig eine bezirkliche Finanzierung; ab 2012 erhielt Bolle und das MädchenMobil erstmals eine Finanzierung, ab 2014 der Abenteuerspielplatz und ab 2016 das Haus Babylon und das Treibhaus -bei dem Fehlbedarf werden aufgrund der geringen Personalkostenfinanzierung nicht gezählt: Spielplatzinitiative, Kickprojekt, MädchenMobil 26 Von 2013 zu 2014 erfolgte eine Neuverteilung der finanziellen Mittel, alle ehemals kommunalen JFE erhielten nach dem Schlüssel kleine/ mittlere/ große Einrichtungen 2/ 2,5/ 3,5 Personalstellen sowie Sachmittel und Betriebskosten. Dies bedeutete auch für die bereits 2010 übertragenen JFE eine Erhöhung (zuvor 2 Stellen). Die restlichen Mittel, die durch die Übertragung frei geworden waren, wurden neu verteilt, wobei in jeder Region zumindest noch ein weiteres Projekt auskömmlicher finanziert wurde. Damit konnten alle vorhandenen Standorte der Jugendarbeit erhalten - und ab 2014 eine Festigung bzw. Stabilisierung der Träger- und Angebotsstruktur in der Kinder- und Jugendarbeit vorgenommen werden. Auf der Fachmesse „Platz da!? Junges Leben in MarzahnHellersdorf“ am 11.09.2014 präsentierte sich die neu sortierte gesamte bezirkliche Kinderund Jugendarbeit, wobei die Vielfalt und die unterschiedlichen Spezialisierungen sichtbar wurden. Der Fehlbedarf an Plätzen verringerte sich von 2011 auf 2015, was im Wesentlichen an der abnehmenden Anzahl junger Menschen im Alter von 6 bis unter 25 Jahren lag. Ein aktueller Platzbedarf von 1291 Plätzen entspricht ca. 6 großen JFE oder 13 mittleren JFE. Die größten Defizite an Plätzen bestehen rein rechnerisch in den Regionen Mahlsdorf, Hellersdorf-Nord, Biesdorf und Hellersdorf-Süd. Dagegen besteht in der Region Kaulsdorf ein rechnerisches Überangebot. In der Entwicklung der Ausgaben an freie Träger (sechs über Leistungsverträge und weitere über Zuwendungsbescheide) 2011 – 2015 sind die Veränderungen von 2013 zu 2014 ersichtlich. Entwicklung der Ausgaben an freie Träger (Leistungsverträge und Zuwendungen) 2011 – 2015 Die Unterschiede in den regionalen Finanzierungssummen begründen sich mit der unterschiedlichen Einwohnerzahl junger Menschen in der jeweiligen Region. Von 2015 zu 2016 wird eine weitere Erhöhung der Ausgaben (100.000 € für Tariferhöhungen und Ergänzungen) sichtbar werden. Kinder- und Jugendarbeit wird methodisch in Form von offener Arbeit, Gruppenarbeit und Veranstaltungen geleistet. (siehe „Handbuch Qualitätsmanagement der Berliner Jugendfreizeiteinrichtungen von 2012“, http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politikund-verwaltung/aemter/jugendamt/downloads/artikel.237174.php). Die Anzahl der dabei erbrachten Angebotsstunden (Produkt „Allgemeine Kinder- und Jugendförderung“) wird im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung erhoben, wobei in dem Preis für eine Angebotsstunde alles enthalten ist, was zur Erbringung derselben notwendig ist (Personalkosten, Betriebskosten, Sachmittel, Umlagekosten). 27 Entwicklung der erbrachten Angebotsstunden 2011 – 2015 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 Ma-No kommunal 2011 freie Träger Ma-Mi Ma-Sü/Biesd. kommunal 2012 freie Träger He-No He-Sü/Kauld. kommunal 2013 freie Träger He-Os/Mahld. kommunal 2014 freie Träger überregional kommunal freie Träger 2015 Auch hier sind die Unterschiede zwischen den Regionen.( u.a. Anzahl und Größe an JFE) und die Veränderungen von 2013 zu 2014 (Übertragungen) sichtbar. Überregional werden Angebotsstunden durch die Koordinatoren und Koordinatorinnen Förderung und Gestaltung sowie durch das Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro gezählt. Die Zielgruppe der Jugendarbeit sind Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis unter 27 Jahren, zunehmend auch junge Familien. Von allen Berliner Jugendfreizeiteinrichtungen wird seit Jahren eine Besucher_innenerfassung erhoben. Darin werden die Besucherinnen und Besucher unterteilt in Besucher_innen im Normalbetrieb (mit der Unterscheidung in Stammbesucher_innen und unregelmäßige Besucher_innen) und Besucher_innen bei Veranstaltungen. 2011 2012 2013 2014 2015 Stammbesucher_innen 6-9 Jahre 840 645 615 2506 708 10-13 Jahre 2052 2089 2071 3245 1880 14-17 Jahre 806 1015 1388 1371 1341 18-21 Jahre 440 334 312 406 347 22-26 Jahre 343 334 315 252 341 über 27 Jahre 296 428 387 385 329 Gesamt 4777 4845 5088 8265 5123 -davon weiblich 2463 2616 2637 4773 2886 -davon Migr. 740 686 700 1144 1050 unregelmäßige Besucher 26976 17546 16670 14627 15788 -davon weiblich 14416 9308 8629 7279 8446 Veranstaltungsbesucher 105884 115493 90111 74260 97069 -davon weiblich 57497 63198 50020 38458 51945 *die herausstechenden Stammbesucherzahlen in 2014 sind der Zählweise der neu Jugendfreizeiteinrichtungen geschuldet; die Zahlen in 2015 sind als realistischer zu betrachten übertragenen Die Anzahl der Stammbesucher_innen hat sich etwas erhöht, insbesondere in der Altersgruppe der Grundschüler_innen. Ebenso erhöht hat sich die Anzahl der Stammbesucher_innen mit Migrationshintergrund, was sich auch auf die Nutzung der Jugendfreizeiteinrichtung durch junge Geflüchtete zurückführen lässt. Das Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro (KJBist entsprechend der „Standards für Koordinierungsstellen und Beteiligungsbüros der Kinder und Jugendmitbestimmung in Berlin“ gesamtbezirklich tätig -. Das KJB (Träger: Humanistischer Verband mit Sitz im FAIR) ist Koordinierungsstelle und Beteiligungsbüro der Kinder- und Jugendmitbestimmung im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Es informiert, begleitet, aktiviert, unterstützt, qualifiziert und stärkt Kinder und junge Heranwachsende, damit sie ihre Rechte (Kinderrechte) einfordern und verwirklichen können. Das KJB agiert als Lobbyvertretung für Kinder- und Jugendinteressen und arbeitet vernetzt mit den bezirklichen Einrichtungen und Institutionen zusammen, führt Beteiligungsprojekte durch und arbeitet am Bürgerhaushalt (im Rahmen der Kinder- und 28 Jugendinteressen) mit. Bereits sieben Mal hat das KJB mit unterschiedlichen Partner_innen das Foto- und Filmprojekt „Hingucker“ durchgeführt. Das KJB erhielt bis 2013 eine jährliche Finanzierung von 70.000€ und seit 2014 in Höhe von 100.000€. Das bezirkliche Medienkompetenzzentrum Marzahn-Hellersdorf (Lernzentrum von Helliwood media & education im Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e.V.) ist Anlaufstelle für medienorientierte Projekte (insbesondere für Schulen) und Beratung. Es unterstützt Jugendeinrichtungen, Kitas, Schulen, Eltern u.a. mit Informationen und Beratungen zur Medienkompetenz und führt unterschiedliche Medienprojekte schwerpunktmäßig mit Schulen im Bezirk durch. Medien spielen in der Jugendarbeit eine zunehmende Rolle als Informations- und Gestaltungsmittel. Die Herausbildung von Medienkompetenz gehört deshalb zu einer der wichtigsten Schlüsselkompetenzen für die jungen Menschen. Das Projekt erhält keine bezirkliche Förderung; es wird aus Senatsmitteln finanziert. Jugendarbeit wird strukturell durch die Fachsteuerung, die regionalen Dienste und die Jugendfreizeiteinrichtungen gestaltet. Vielfältige Auswertungs-, Abstimmungs- und Planungsprozesse ergeben einen kontinuierlichen jährlichen Wirksamkeitsdialog. In allen Regionen finden monatliche Vernetzungsrunden aller Akteure von Jugendarbeit (und darüber hinaus) unter Leitung der Koordinator_innen Förderung und Gestaltung statt, um sich auf die Region bezogen auszutauschen, zu planen und zu gestalten. Auf der Bezirksebene erfolgt der fachliche Austausch in weiteren unterschiedlichen Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII, z.B. AG „Kinder- und Jugendarbeit MarzahnHellersdorf“, AG „Geschlechterdifferenzierte Kinder- und Jugendarbeit in MarzahnHellersdorf“, „Bunter Tisch Jugendkultur(-aufbruch) Marzahn-Hellersdorf“ u.a. Im Verlauf der Jahre haben sich regionale Besonderheiten entwickelt. In Marzahn-Nord wird seit vielen Jahren das Zukunftsdiplom an Kinder verliehen. Bewegungsangebote wie „Winterspielplätze“, Sportaktionswochen und Klettern am Wuhlewächter werden regelmäßig koordiniert. Für vielfältige Veranstaltungen wird der Clara Zetkin Park und der Barnimplatz genutzt und seit einigen Jahren wird für die Schüler_innen aller 6. Klassen zum Thema „Übergang Oberschule“ eine Stadtteilrallye durchgeführt. In Marzahn-Mitte finden regelmäßige gemeinsame Feste auf dem Victor-Klemperer-Platz (Fest der Nachbarn, Kinder- und Jugendfestival und Kindertagsfest) und im Bürgerpark statt. Die „Peer Helper“ erfahren in der JFE Haus der Begegnung M3 eine Ausbildung und kommen danach beim jährlichen „KIEZ 4 ALL“ Fest zum Einsatz. In Marzahn-Süd/Biesdorf wird zum dritten Mal der Jugendkulturtag durchgeführt. In Hellersdorf-Nord finden – jährlich—ein Stadtteilfest, mehrere Veranstaltungen in der Hellersdorfer Promenade und auf dem Alice-Salomon-Platz das - Bezirksfest „Schöner leben ohne Nazis – am Ort der Vielfalt“ statt. Ein Kooperationsforum mit der ASH u.v.a. organisiert thematische Treffen und Fachtage. In Hellersdorf-Süd/Kaulsdorf findet seit mehreren Jahren in den Sommerferien ein gemeinsames Feriencamp, zum Schuljahresende eine Stadtteilrallye der Kinder- und Jugendeinrichtungen mit Schulen und einrichtungsübergreifende Fair-Play-Turniere statt. Im Rahmen des Peer-Education-Projektes erhalten junge Menschen Möglichkeiten an demokratischen Entscheidungsprozessen zu partizipieren, sich fortzubilden und ihr Engagement unter Beweis zu stellen. In Hellersdorf-Ost/Mahlsdorf gibt es regelmäßige Aktionen auf den Mahlsdorfer Plätzen (Langenbecker Platz, Lehnitzplatz, Körnerplatz), auf dem Boulevard Kastanienallee (der „Längste Picknicktisch der Welt“ schafft es Ende 2015 ins Guinnesbuch der Rekorde) und im Kunsthaus Flora. Die Jugendfreizeiteinrichtung „Die Nische“ führt seit vielen Jahren im Sommer eine Kanufahrt und im Winter Eishockeyprojekte durch. Seit dem Jahr 2015 werden aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit und die Bundesweite Förderung lokaler Partnerschaften für Demokratie“ zwei Partnerschaften für Demokratie (eine für den Bereich Marzahn und eine für den Bereich Hellersdorf) finanziell gefördert. Seitdem wurden in Zusammenarbeit zwischen der jeweiligen internen und externen Koordinierungsstelle sowie den beiden Begleitausschüssen Demokratiekonferenzen organisiert sowie Projekte realisiert. 29 In allen Bezirksregionen werden seit der Errichtung mehrerer Gemeinschafts- und Notunterkünfte für geflüchtete Menschen in allen Gremien und Netzwerken Diskussionen um Themen wie Demokratie- und Toleranzentwicklung, Vielfalt und Diverscity, Hilfemaßnahmen, Teilhabe und Miteinander, Flucht und Asyl geführt. Jugendfreizeiteinrichtungen beteiligen sich aktiv an der Initiierung, Koordinierung und Durchführung von Projekten und Hilfsangeboten (Fahrradwerkstatt, Deutschkurse, Spiel- und Sportangebote, kulturelle Aktivitäten, Stadtteilerkundungen, Zusammenarbeit mit den Willkommensklassen, Ferienschulen u.v.a.m.). Im Rahmen der U18-Wahlen fanden in 2011 und auch in 2013 je drei Aktionswochen, organisiert vom Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro, dem Roten Baum und dem Jugendamt, statt, es folgten der „Wahlzirkus“, die Tour des U18-Wahlinfomobils und die Wahlparty (in 2011 auf dem Alice-Salomon-Platz und 2013 im Rathaussaal mit Prämierung der schönsten Wahlurne). Im Rahmen der U 18 Europawahlen 2014 fanden im Bezirk Aktionswochen, organisiert vom Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro, dem Kinderring Berlin e.V. und dem Jugendamt, statt. Den Auftakt bildete eine „Ideenwerkstatt „U 18 goes Europa“, es folgten viele Aktionen mit dem Wahlmobil auf Schulhöfen und Freiflächen, den Abschluss bildete eine „U 18 Eurodance Disko“ im FAIR und eine Wahlparty im Betonia. Auch in 2016 wurde mit den Vorbereitungen zur U18-Wahl begonnen, die Multiplikator_innenschulung fand bereits statt, die ersten Wahllokale sind eingetragen, das U18-Wahlinfomobil ist startbereit. Viele Beteiligungsprojekte fanden in den JFE und überregional durch das KJB statt. Im Rahmen des bezirklichen Aktionsfonds zum Jugenddemokratiefonds begleitete das KJB jährlich viele Projekte von Schulen und Jugendeinrichtungen, welche nach einer Jurysitzung mit finanziellen Mitteln ausgestattet ihre Projekte eigenständig umsetzen können. Seit 2015 gibt es im Rahmen von „Partnerschaften für Demokratie“ ähnlich geartete Kinderjurys (getrennt nach Marzahn und Hellersdorf). Den Abschluss für alle Teilnehmende bildet alljährlich im Dezember die Veranstaltung „Du bist super“. Mehrere Jugendfreizeiteinrichtungen nahmen alljährlich am Karneval der Kulturen, an der „Fete de la musique“ und an der „kulture a la carte“ teil. Die Veranstaltungsreihe DiveRcity, organisiert von Jugendlichen für Jugendliche, konnte finanziell stabilisiert (seit 2015 über den Netzwerkfonds) und regional ausgeweitet (in diesem Jahr eine Veranstaltung pro Region) werden. Das „Resist to exist“ – Festival fand 12 Jahre lang bis 2015 im Bezirk statt. Der „Bunte Tisch Jugendkultur(aufbruch) in Marzahn-Hellersdorf“ führte von 2012-2015 das Projekt “Out of Grey – Culture Clash“ durch und konnte sich 2013 mit dem Forum kulturelle Bildung und 2014 mit einer Podiumsdiskussion zu kultureller Bildung (Platz da!) positionieren. In den Jahren 2014 bis 2016 nahm die AG „geschlechterreflektierte Kinder- und Jugendarbeit“ an der im Februar stattfindenden Dance Demo „One Billion Rising“ am Brandenburger Tor teil und seit 2012 organisiert sie Aktionen anlässlich des UNWeltmädchentages (11. Oktober). Alljährlich startet unter Federführung des „Bündnisses für Kinder“ und in Zusammenarbeit mit vielen JFE sowie dem Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro das Projekt Feriensommer. Für die Grundschulkinder des Bezirkes werden überregionale Veranstaltungen (Ferienauftaktveranstaltung, Kino, Tage mit der Polizei und der Feuerwehr, kostenfreier Tag in den Gärten der Welt, Wasserschlacht, Klettern, Ferienabschlussveranstaltung u.ä.) organisiert, Ferienpostkarten und Plakate erstellt, auf der Homepage eine Übersicht über die Ferienangebote der JFE veröffentlicht und Gelder für Ausflüge (Fahrkarten und Eintrittsgelder) eingeworben. In 2015 fand zusätzlich die „Kinder-Kultur-Karawane“ (Busfahrt mit Kindergruppen aus unterschiedlichen JFE mit ihren Betreuungspersonen durch kulturelle Stationen) statt. Im Projekt „Stromstyling in Marzahn-Hellersdorf“, ein von der Stromnetz Berlin GmbH gefördertes und durch Helliwood media & education im fjs e.V., der Kreativagentur 0815Industries KG und dem Jugendamt Marzahn-Hellersdorf umgesetztes Projekt zur Gestaltung von Stromkästen und Trafostationen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, wurden seit 2013 Kinder- und Jugendgruppen aus 12 Schulen und einigen Jugendfreizeiteinrichtungen betreut, 30 die mit viel Spaß und Energie den Stromkästen im Umfeld ihrer Schule/ihrer Jugendfreizeiteinrichtung ein neues Gesicht verliehen. Aufgrund der gesellschaftlichen Anforderungen (formale-informelle-nonformale Bildung) ist eine kontinuierliche und zielorientierte Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Schule und Jugendarbeit notwendig, da heute junge Menschen mehr Zeit in der Schule verbringen als in früheren Jahren. Die bisherige Zusammenarbeit beruhte oft auf dem Engagement Einzelner und persönlichen Beziehungen. Viele JFE führen sehr engagiert mit Schulklassen thematische Projektstunden und –tage durch, teils einmalige Aktionen, teils regelmäßige Angebote. Eine klarere, abgestimmte und verbindliche Kommunikationsstruktur und Maßnahmeplanung auf Bezirks- und auf regionaler Ebene ist angestrebtes Ziel. 4.5. Jugendsozialarbeit 4.5.1. Streetwork/ Mobile Jugend(sozial)arbeit Streetwork und Mobile Jugendarbeit werden im Bezirk vom Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e.V., von Gangway e.V. und von der gemeinnützigen Gesellschaft für sozialkulturelle Arbeit mbH/Outreach geleistet. Die Arbeit dieser drei freien Träger ist historisch gewachsen, regional verankert und erfolgt in Abstimmung miteinander und unter Koordination des Jugendamtes. In der bezirklichen Konzeption „Streetwork und Mobile Jugendarbeit in Marzahn-Hellersdorf“ (letzte Überarbeitung im November 2013) sind die jeweiligen Arbeitsansätze, die Rahmenbedingungen, die Kooperationen und Vernetzungen sowie die jeweiligen Ansprechpartner_innen enthalten. Entwicklung der bezirklichen Ausgaben 2011 – 2016: Gangway Outreach fjs 2011 80.000€ 80.000€ 80.000€ 2012 70.000€ 70.000€ 70.000€ 2013 70.000€ 70.000€ 70.000€ 2014 73.815€ 73.815€ 73.815€ 2015 76.000€ 76.000€ 76.000€ 2016 76.000€ 76.000€ 76.000€ Die Finanzierung der drei bezirklichen Projekte von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit erfolgt auf der Grundlage des § 47 AG KJHG. Senatsverwaltung BJW und Jugendamt Marzahn-Hellersdorf finanzieren alle drei Projekte gemeinsam; wobei Sen BJW für Gangway und Outreach hälftig kofinanziert, bei fjs kommt ca. das Doppelte dazu. Mit diesen finanziellen Mitteln sind sechs Teams im Bezirk unterwegs. Die Zielgruppe der jungen Menschen zwischen 14 und 21 Jahren (mit Ausgrenzungs- und/oder Gewalterfahrungen, Verhaltensauffälligkeiten, Lern- und Leistungsschwierigkeiten, Aggressions- und Resignationspotential, Suchtgefährdung und -erfahrung, vorhandene Straftaten und Kriminalitätserfahrungen) wird aufsuchend, auf Plätzen und in Einrichtungen, durch Einzelberatung sowie im virtuellen Raum erreicht. Soziale Kompetenzen und “Überlebensstrategien” werden entwickelt, Partizipations- und Teilhabemöglichkeiten geschaffen (z.B. Skater-, Sport-, Graffiti- und Musikprojekte), sozialräumliche u.a. Ressourcen erschlossen (durch Kontakte mit vielen Kooperationspartnern), das Selbsthilfepotential aktiviert (ressourcenorientiertes Arbeiten, Unterstützung bei Schulabschlüssen) und Handlungskompetenzen erweitert (vielfältige Projektangebote mit Verantwortungsübernahmen, Peer-Education-Projekt). Wichtige Themen bei der Begleitung junger Menschen waren die ganzen Jahre über die Suche nach Wohnraum für junge Menschen, niedrigschwellige Angebote der Schuldnerberatung, die Sensibilisierung von Verwaltungsmitarbeiter_innen (in Jugendamt, Arbeitsamt, Jobcenter) und Arbeitgeber_innen für den Umgang mit Jugendlichen, der Kampf um den Erhalt von nicht reglementierten Freiflächen und kostenfreien Zugängen zu Sporthallen und Sportflächen. Das „Resist to Exist“ Festival wurde über Jahre in die „Eigenständigkeit“ begleitet, die „KontrollierBAR“ wird von vielen Einrichtungen genutzt, Modellzigarette und Suchttasche sind regelmäßig im Einsatz, die Skater sind wieder auf dem „Roten“ aktiv. Im Rahmen des 31 Peer-Education-Projektes werden seit Jahren erfolgreich junge Menschen ausgebildet und im Rahmen ihres ehrenamtlichen Engagements zu Aktionen eingesetzt. Die gemeinsam entwickelte Wanderausstellung „Wer bin ich? Wer kann ich sein?“ wurde 2015 offiziell eröffnet. In 2015 und 2016 fand je ein Regionen übergreifendes Fachgespräch Streetwork/Mobile Jugend(sozial)arbeit statt, um aktuelle Themen und das weitere Arbeiten zu besprechen. 4.5.2.Arbeitsweltbezogene Jugendarbeit und Jugendberufshilfe Im Berichtszeitraum ist es gelungen, die bezirklichen Angebote der Jugendberufshilfe als eigenständiges Leistungsangebot der Jugendhilfe zu erhalten und dem jeweils aktuellen Bedarf anzupassen. Dies trifft sowohl für die Angebote der arbeitsweltbezogenen Jugendarbeit und der Jugendberatung nach § 11 SGB VIII als auch für die „klassischen Leistungen“ der Jugendberufshilfe nach § 13 SGB VIII zu. Beide sind durch den ganzheitlichen, an der Lebenswelt und den individuellen Problemlagen der jungen Menschen orientierten Ansatz geprägt. Trotz des sinkenden Anteils junger Menschen in der Altersgruppe der 15 bis unter 21 Jährigen und der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist die Zahl derjenigen, die aufgrund individueller Beeinträchtigungen im besonderen Maß auf unterstützende Leistungen in Form von sozialpädagogisch begleiteten Angeboten der Jugendberufshilfe angewiesen sind, im monatlichen Durchschnitt konstant geblieben. Dabei liegt der Schwerpunkt der implementierten Unterstützungsleistungen nach wie vor bei den Maßnahmen der beruflichen Orientierung und der betriebsintegrierten Berufsvorbereitung. Ø Fallzahlen pro Monat Jugendberufshilfe ohne individuelle Kostenübernahme 70 60 50 40 30 20 10 0 am b. (80389-UK160) BO+BV (80390-UK161) Ausb./Unter br. (80392-UK162) Ausbild. (80391-UK163) 2011 6 67 1 6 2012 7 69 1 10 2013 13 64 1 5 2014 11 65 1 5 2015 5 58 1 7 Man kann erkennen, dass die Anzahl der Jugendlichen in den Maßnahmen pro Monat über die Jahre relativ stabil waren. Die Angebotsstunden für Maßnahmen der Jugendberufshilfe ohne individuelle Kostenübernahme konnten nach kontinuierlichem Rückgang von 2011 bis 2013 im Jahr 2014 deutlich gesteigert werden. Jahr Anzahl der Angebotsstunden 2011 5.267 2012 4.878 2013 4.390 2014 6.463 2015 6.804 32 Es hat sich bewährt, dass das Jugendamt: • die Jugendberufshilfe im erweiterten Sinn als ein „Paket“ von Maßnahmen versteht, welches sich an der Lebenswelt der jungen Menschen orientiert. Es umfasst sowohl Angebote der Beratung in allen sie betreffenden Fragen von Lebensplanung im Allgemeinen bis zum Wunsch auf eigenen Wohnraum als auch zur beruflichen Orientierung. Mit dem „Jugendberatungshaus XXL“ wurde ein Ort geschaffen und erhalten, an dem sie entsprechende Unterstützung bekommen können. Von diesem Ansatz ist auch seit Oktober 2015 die Arbeit des Teams der Jugendhilfe in der Jugendberufsagentur Berlin am Standort Marzahn - Hellersdorf in der Rhinstr. 86 geprägt. • auch nach dem Wegfall der ESF – Förderung Mittel für Aufrechterhaltung für die Projekte „Kompetenzagentur“, jetzt „Regionale Beratung“ (JAO gGmbH in Kooperation mit der ABU gGmbH), mit der Zielgruppe junger Menschen nach Beendigung der Schulpflicht sowie „Neustart“ (ajb gmbh und FiPP e.V.) für Schülerinnen und Schüler ab dem 9. Schulbesuchsjahr. zur Verfügung gestellt hat.. Diese Beratungs- und Betreuungsangebote ermöglichen - mit ihrer niedrigschwelligen Ausrichtung und durch Anwendung der Methode des Casemanagement den Zugang zu jungen Menschen, die vom institutionellen Unterstützungssystem nicht oder nicht mehr erreicht werden, sichern ihnen eine längerfristige und kontinuierliche Betreuung aus einer Hand, ebnen als Lotsen den Weg zu den Leistungsträgern Agentur für Arbeit, Jobcenter und Jugendamt, unter dem Dach der Jugendberufsagentur. • die regionalen Angebote der Berufsorientierung im Rahmen der Jugendberufshilfe kontinuierlich weiterentwickelt und dem jeweiligen Bedarf angepasst hat. Dazu gehört „Plan B“ des Trägers FiPP e.V. in Kooperation mit der Kerschensteiner- Schule als Projekt analog der Schulpflicht im 10. Schulbesuchsjahr, welches Lernen am anderen Ort und berufliche Orientierung miteinander verknüpft und die Möglichkeit des Schulabschlusses bietet. In jedem Jahr ist dies 50v.H. der Teilnehmenden also bis zu 8 jungen Menschen gelungen. Weitere Projekte sind die Perspektivwerksatt (Kids & Co g.e.V.), „Globus“ (JAO gGmbH und pad gGmbH sowie das Projekt „Jaccomo“ (ajb gmbh) für junge Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. • darüber hinaus versucht, unter Berücksichtigung des Wunsch- und Wahlrechts aus dem berlinweiten Angeboten das geeignetste auszuwählen. Bei den Maßnahmen der Berufsvorbereitung nutzt der Bezirk vorrangig die betriebsintegrierte Form, weil hier die Möglichkeit, nach erfolgreichem Abschluss in eine betriebliche Ausbildung bzw. in ein Beschäftigungsverhältnis einzumünden, besonders hoch ist. • Unter Berücksichtigung der zuvor genannten Aspekte wurden und werden auch solche bezirklichen Vorhaben wie z.B. Netzwerk Alleinerziehende Marzahn – Hellersdorf und „Jule“ mit ihrer besonderen Zielgruppe in ihrem Aufbau und bei der Umsetzung der Zielstellungen ebenso unterstützt wie das im Rahmen des Programms „Partnerschaft – Entwicklung- Beschäftigung“ initiierte und geförderte Projekt „Forum Chancen“ als mögliches Modell für die Ausgestaltung der künftigen Zusammenarbeit der Partner der Jugendberufsagentur in der fallbezogenen Arbeit. 4.6. Schulbezogene Jugendsozialarbeit Die Finanzierung von Angeboten der Jugendsozialarbeit an Schulen erfolgt durch viele unterschiedliche Finanzierungsquellen und bedarf immer einer guten Zusammenarbeit zwischen Schule und Träger der Schulsozialarbeit, aber auch von Jugendamt, Schulamt und Schulaufsicht. Die zwei bezirklich finanzierten Schulstationen sind ein integratives, sozialpädagogisches und lebensweltorientiertes Angebot für alle Schüler_innen der jeweiligen Schule. Ziel der Arbeit ist der individuelle Zuwachs an psychischer und sozialer Stabilität der Schüler_innen, um den Anforderungen im Lern- und Leistungsbereich besser gerecht werden zu können. 33 Konfliktintervention, soziales Lernen, Konfliktlotsenausbildung, Klassenrat, thematische Projektangebote, Elternarbeit, Beteiligung an der Schulentwicklung, vielfältige Absprachen innerhalb der Schule, externe Vernetzung in die Region waren und sind wichtige Arbeitsschwerpunkte der Schulsozialarbeiter_innen. Die zwei Schulstationen arbeiten nach berlinweit festgelegten Standards, die Finanzierung erfolgt über einen jährlichen Zuwendungsbescheid durch das Jugendamt, es gibt jährliche Gespräche zwischen Träger, Jugendamt und Schulleitung, Zielvereinbarungen, jährliche Sachberichte und eine Kooperationsvereinbarung zwischen Schulamt, Schule, Jugendamt und Träger. Schulstation an der SelmaLagerlöfgrundschule an der BrunoBettelheimgrundschule Träger JAO gGmbH 2011 2012 2013 2014 2015 2016 145.000€ 145.000€ 145.000€ 154.000€ 154.000€ 154.000€ JAO gGmbH Seit 2006 existiert das Programm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“, in dem zuerst alle Hauptschulen, ab 2007 Förderschulen und ab 2009 Grundschulen mit Schulsozialarbeiter_innenstellen nach Absprache zwischen Schulaufsicht und Jugendamt finanziert wurden. Vielfältige Veränderungen ergaben sich im Verlauf der Zeit durch Schulzusammenlegungen, Schulauflösungen sowie Schultypveränderungen (insbes. Auflösung fast aller Förderzentren). Im Bezirk MH: JSA an Berliner Schulen Grundschulen Sekundarschulen Förderschulen gesamt Stellen 2011 13 3 3 19 Stellen 2016 16 * 3 2 21 JSA an Berliner Schulen in Kombination mit dem Bonusprogramm Stellen 2011 Stellen 2016 0 8 0 0 0 0 0 8 *die Schule am grünen Stadtrand und die Marcanaschule wurden in 2011 noch als Förderschulen geführt, heute sind beide Grundschulen mit einem auslaufenden Förderschulteil, wobei sich die Marcanaschule auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule befindet. Ziele des Programms sind die Förderung des sozialen Lernens, die Entwicklung von Handlungskompetenzen, Verhinderung von Schuldistanz, Gestaltung von Übergängen, Berufsorientierung, Konfliktberatung, Gewaltprävention, Reintegration, Elternarbeit, Kooperation und Vernetzung. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit zwischen Schule und einem freien Träger (Kooperationsvertrag, jährliche Zielvereinbarung), Finanzierung über SPI als Regiestelle der Senatsverwaltung BWJ. Seit 2014 können Schulen Mittel aus dem Bonusprogramm für Schulsozialarbeiter_innenstellen einsetzen. Einige Schulen und Träger entscheiden sich, dies nach den Regularien des Programmes „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“ zu tun (Anzahl siehe oben), so dass die Schulsozialarbeiter_innenstellen auch in das Fortbildungsprogramm des SFBB eingebunden sind. Weitere Schulen finanzieren zusätzliche Schulsozialarbeiter_innenstellen über das Bonusprogramm und treffen entsprechende Vereinbarungen mit Trägern der freien Jugendhilfe. Weitere Schulsozialarbeiter_innenstellen werden aus Ganztagsmitteln, PKB-Mitteln, Quartiersmitteln, Stiftungsmitteln, u.a. finanziert. Auch hier gibt es Vereinbarungen zwischen Schule und Trägern der freien Jugendhilfe ohne Beteiligung des Jugendamtes. Seit Mitte 2015 steht dem Bezirk eine Stelle als „Sofortmaßnahme für junge Geflüchtete“ zur Verfügung (über JAO gGmbH), die sich an mehreren Schulen mit den Problemlagen der Schüler_innen aus den Willkommensklassen und deren Eltern beschäftigt. 34 Insgesamt sind an 33 Schulen 71 Schulsozialarbeiter_innen_ von 15 unterschiedlichen Trägern im Bezirk tätig (soweit im Jugendamt bekannt). Diese treffen sich regelmäßig in der AG „Schulbezogene Jugendsozialarbeit“ unter der Federführung des Jugendamtes, um sich auszutauschen, relevante Informationen zu erhalten, Fachthemen zu diskutieren, gemeinsame Projekte zu planen u.a. 4.7. Hilfen zur Erziehung In den Berichtszeitraum fällt die Teilnahme des Jugendamtes an dem Projekt WIMES zur Wirkungsmessung der Hilfen zur Erziehung. Im Zeitraum vom 1. 7. 2010 bis zum 31. 12. 2013 wurde in fünf Berliner Bezirken, so auch in Marzahn-Hellersdorf, eine Methode der Wirkungsevaluation für Hilfen zur Erziehung erprobt. In den Jahren 2011 und 2012 wurden die Hilfen bezogen auf die jeweiligen Zielsetzungen in ihrer Wirksamkeit evaluiert. Das Jugendamt verfügte dadurch über einen umfangreichen empirischen Überblick über die Wirksamkeit von Hilfeangeboten, der für die Fach- und Fallsteuerung und für die weitere Entwicklung der Angebote genutzt wurde. Warum hat sich das Jugendamt an der Wirkungsevaluation beteiligt? Als Bezirk mit der höchsten Falldichte in Berlin bezogen auf HzE stellte sich das Jugendamt der Herausforderung einer Wirkungsmessung mit dem Ziel der weiteren Qualifizierung der Fach- und Fallsteuerung im Bereich HzE. WIMES wurde als eine Möglichkeit betrachtet, fachliche Standards zu sichern und weiter zu entwickeln, um die Nutzer_innen mit guten Leistungen zu versorgen. Was wurde untersucht? Untersucht wurden die Wirkungen ambulanter, teilstationärer und stationärer Hilfen zur Erziehung (außer §33 und Erziehungsberatung) bezogen auf folgende Dimensionen: Versorgung und Schutz in der Familie Erziehungskompetenz der Eltern Familienkommunikation und Beziehungen Psychische und emotionale Stabilität Sozialverhalten Lernen und Leistung Eigenverantwortung Möglichkeiten zur Teilhabe, Bildung und Freizeitgestaltung Lebens- und Entwicklungsbedingungen Dabei wurden die Ausgangssituation und die Situation zum Ende der Hilfe bewertet und gemessen. Im Zeitraum 2011 – 2012 konnten im Jugendamt Marzahn-Hellersdorf insgesamt 1290 begonnene und 1014 beendete Fälle bei WIMES eingegeben werden. Es gab drei Messzeitpunkte: • Vor Beginn der Hilfe wurden der erzieherische Bedarf und die Ziele der Hilfe dokumentiert. • Nach ca. 6 – 8 Wochen wurden die diagnostischen Einschätzungen und die Ziele überprüft und dokumentiert. • Am Ende der Hilfe wurden – wie am Beginn- Einschätzungen der Ressourcen und Kompetenzen versus Problembelastungen und Risiken vorgenommen. Ergebnisse der Wirkungsmessung / Erfolgreiche Wirkungen Insgesamt wurde nachgewiesen, dass HzE zur Reduzierung der Problembelastungen zwischen dem Eingangsbedarf und dem Ende der Hilfe führen. Die höchsten positiven Effekte wurden in den Bereichen Lebens- und Entwicklungsbedingungen, Teilhabe und Freizeit, Erziehungskompetenz der Eltern und psychische und emotionale Stabilität erreicht. 35 Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der Fallzahlen im Bezirk: Es ist ersichtlich, dass die Fallzahlen von 2.053 Fällen im Jahr 2011 auf 2.829 Fälle im Jahr 2015 angestiegen sind. D.h. die Fälle stiegen in diesem Zeitraum um 776 Fälle (+ 38 %). Die Fallzahlen der einzelnen Regionen zeigt folgende Entwicklung: 700 600 500 400 300 200 100 0 2011 Ma-No 312 Ma-Mi 371 Ma-Sü 202 Biesd 44 He-No 418 He-Sü 189 Kauld 72 He-Os 248 Mahld 42 7.Kst 155 2012 347 391 2013 388 411 213 51 479 208 67 272 49 177 221 62 547 240 71 267 63 2014 187 398 2015 405 422 246 69 562 300 74 274 60 195 471 264 72 634 323 86 291 55 228 In Ma-No stiegen von 2011 zu 2015 die Fälle um 93 (+30%) an, in Ma-Mi um 100 Fälle (+27%), in Ma-Sü um 62 Fälle (+31%), in Biesdorf um 28 (+64%), in He-No um 216 Fälle (52%), in He-Sü um 134 Fälle (+71%), in Kaulsdorf um 14 Fälle (+19%), He-Os um 43 Fälle (+17%), Mahlsdorf um 13 Fälle (+31%). Fälle, die nicht den einzelnen Regionen zugeordnet werden können, werden in der 7. Kst gebucht. Das sind z.B. die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (umF). Diese Fälle stiegen im Berichtszeitraum um 73 (+47%) an. 36 Die Ausgaben von 2011 zu 2015 im Bezirk insgesamt zeigen folgende Entwicklung: Es ist ersichtlich, dass die Ausgaben um 23,6 Mio € (+53%) angestiegen sind. In den einzelnen Regionen entwickelten sich die Ausgaben wie folgt: Der höchste Anstieg der absoluten Ausgaben war in He-No mit 5,3 Mio € (+56%) gefolgt von Ma-Mi mit 4,6 Mio (+56%) und He-Sü mit 3,8 Mio € (+94%). Der geringste Anstieg war in Mahlsdorf mit 241 T€ (+29%) und in Biesdorf mit 358 T€ (+36%). 37 4.7.1. Ambulante Hilfen Aus dem folgenden Diagramm ist die Entwicklung der Fallzahlen im Bezirk insgesamt ersichtlich: Die ambulanten Hilfen (inklusive § 35 a ambulant) stiegen von 2011 zu 2015 von 798 auf 1.239 Fälle (+415 Fälle +52%). Fallzahlenentwicklung in den einzelnen Regionen: Aus der Übersicht der ambulanten Hilfen in den einzelnen Regionen ist zu erkennen, dass von 2011 zu 2015 der höchste Anstieg in He-No mit 130 Fällen zu verzeichnen war, gefolgt von He-Sü mit 81 Fällen und Ma-Mi mit 44 Fällen. Von den ambulanten Hilfen haben die Familienhilfen nach § 31 die höchste Fallzahl. Im Jahr 2015 wurden 1.213 Familienhilfen installiert. Das sind 50 % der ambulanten Hilfen gesamt. In den Jahren 2011 bis 2015 wurden für die ambulanten Hilfen folgende Mittel verausgabt 38 Die Ausgaben stiegen von 6,4 Mio € in 2011 auf 10,6 Mio € in 2015, d.h. sie stiegen in diesem Zeitraum um 4,2 Mio €. Innerhalb der Regionen sind insbesondere die Ausgaben in He-No um 1,3 Mio €, in He-Sü um 812 T€ und Ma-No um 453 T€ von 2011 zu 2015 angestiegen. 3.000.000 € 2011 2012 2013 2014 He-Sü Kauld He-Os Mahld 2015 2.000.000 € 1.000.000 € - € Ma-No Ma-Mi Ma-Sü Biesd He-No 7.Kst 4.7.2. Teilstationäre Hilfen Die Fälle der teilstationären Hilfen nach §§ 32 und 35 a blieben von 2011 bis 2015 fast konstant. Im Jahr 2011 bestanden 117 Fälle und im Jahr 2015 124 Fälle. 40 2011 2012 2013 2014 2015 20 0 Ma-No Ma-Mi Ma-Sü Biesd He-No He-Sü Kauld He-Os Mahld 7.Kst Die Ausgaben sind von 2,1 Mio € in 2011 auf 3 Mio € angestiegen. 2015; 2.965.400 € 2014; 2.781.543 € 2011; 2.136.800 € 2012; 2.399.700 € 2013; 2.598.800 € 39 Im Berichtszeitraum wurden der Arbeitskreis – Leiter_innen der Tagesgruppen und der Arbeitskreis Leiter_innen der schulischen HzE – Projekte wieder aktiv und tragen zum Träger übergreifendem Erfahrungsaustausch bei. 4.7.3. Stationäre Hilfen Die Fallzahlen der stationären Hilfen nach §§ 34, 33, 42, 35a im Bezirk zeigen in den Jahren 2011 bis 2015 folgende Entwicklung: Von 2011 zu 2015 stiegen die Fallzahlen von 1.141 auf 1.492 Fälle. D.h. ein Anstieg um 351 Fälle (+31%). Innerhalb der Regionen (siehe untenstehendes Diagramm) stiegen die Fälle von 2011 zu 2015 insbesondere in Ma-Mi um 81 Fälle an, in He-No um 76 Fälle und in He-Sü um 51 Fälle. In den Siedlungsgebieten Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf sind im Vergleich zu den Großsiedlungen wesentlich geringere Fälle, z.B. Biesdorf 27 Fälle und im Vergleich dazu Großsiedlung Ma-Sü 123 Fälle. . 400 2011 2012 2013 2014 2015 300 200 100 0 Ma-No Ma-Mi Ma-Sü Biesd He-No He-Sü Kauld He-Os Mahld 7.Kst Die Ausgaben für die stationären Hilfen nach §§ 34, 33, 42, 35a im Bezirk - (siehe nachfolgendes Diagramm) stiegen von 2011 zu 2015 um 18,5 Mio € an. 40 Ausgaben stationäre Hilfen §§ 34,33,42,35a nach Regionen 12.000.000 € 10.000.000 € 8.000.000 € 6.000.000 € 4.000.000 € 2.000.000 € 0€ 2011 Ma-No Ma-Mi Ma-Sü Biesd He-No He-Sü 2012 Kauld 2013 He-Os 2014 2015 Mahld 7.Kst Das Diagramm zeigt, dass der Anstieg der Ausgaben von 2011 zu 2015 in den Regionen Ma-Mi um 4,3 Mio €, He-No um 3,7 Mio und He-Sü um 2,8 Mio € besonders hoch waren. Ein Grund für den Anstieg der Ausgaben ist unter anderem eine deutliche Steigerung der Kosten für die stationäre Eingliederungshilfe gemäß § 35a. Ursachen sind in der Komplexität und Ausprägung der Problemlagen und im Anstieg der Kosten für die Sicherung der Beschulung, vor allem im Land Brandenburg, zu sehen. Die Untersuchungen zur Tiefenprüfung 2015 zeigten folgende Ergebnisse: In der Hilfeplanstatistik wurden bei den Hilfen nach § 35 a im Jahr 2013 bei 62,13 % der Fälle Schulprobleme benannt, im Jahr 2014 bei 66,16 % der Fälle und im Jahr 2015 bei 68,42 %. Daraus folgt ein Anstieg der Fälle mit Schulproblemen von 2013 zu 2015 um rd. 6 %. Derzeit gibt es 25 Fälle stationärer Unterbringung im Land Brandenburg, wo die Schüler_innen nur einen Schulplatz erhalten können, wenn die Jugendhilfe für die gesamte Unterrichtszeit zusätzlich auch noch den Einsatz eines Schulhelfers finanziert. Dies bedeutet ca. 2.850 € monatliche Zusatzkosten pro Fall für den Schulhelfereinsatz. In 36 Fällen bezahlt die Jugendhilfe auch die Beschulung allein, da diese in die stationäre Hilfe integriert ist. Hier fallen somit hohe jährliche Kosten pro Fall für die Jugendhilfe an (z. B.: EJF in Schwedt 105.944 €; Geltow 79.428 €; Schultz-Hencke 61.300 €). In jedem Fall handelt es sich um Kinder und Jugendliche, für deren Beschulung sich keine Schule im Bezirk in der Lage sah. In der Tiefenprüfung 2013 wurden die Abbrüche in stationären Hilfen intensiv betrachtet, wobei die Erkenntnisse aus dem Teilprojekt „Abbrüche in stationären Hilfen zur Erziehung in Berlin“ herangezogen werden konnten. In diesem Teilprojekt von WIMES wurden 2013 durch das e/l/s- Institut erfolgreich beendete und abgebrochene Fälle aus unserem Bezirk (Altersgruppe 12 – 16,5 Jahre) evaluiert. Als Indikatoren für eine hohe Abbruchwahrscheinlichkeit wurden nachgewiesen: • vorheriger Abbruch anderer Jugendhilfemaßnahmen 41 • • • • • Schulabstinenz vor der Maßnahme Schlechte schulische Entwicklung in der stationären Maßnahme Zunahme oder gleichbleibendes aggressives Verhalten keine Verbesserung der psychischen Stabilisierung bzw. deren Verschlechterung Häufigkeit und Schweregrade von Krisen (Krisen kommen in beiden Gruppen vorentscheidend ist aber, wie damit umgegangen wird.) • ebenso fehlende Partizipation der jungen Menschen und deren Eltern • ambivalentes Pendeln der Sorgeberechtigten als Konfliktreaktion, unkritische Solidarisierung mit den jungen Menschen, Ausstoßung, fehlende Kooperation • „figt and flight“ – Bewegung des jungen Menschen • Unzufriedenheit des jungen Menschen mit der Einrichtung • keine Nutzwerterwartung des jungen Menschen • keine kontinuierliche tragfähige Beziehung Diese Erkenntnisse bestimmten den weiteren fachlichen Diskurs zur Stärkung der „Haltequalität“ mit den Trägern insbesondere in der UAG stationäre Hilfen der AG §78 in unserem Bezirk. Sie wurden auch im Jugendhilfeausschuss ausgewertet und diskutiert. 4.7.4. Qualitätsentwicklung in den Hilfen zur Erziehung Die im Bezirk wichtigsten Gremien zur dialogischen Qualitätsentwicklung mit den Leistungserbringern waren und sind die AG §78 Hilfen zur Erziehung / Familienförderung, die UAG stationäre Hilfen und der Qualitätszirkel Hilfen zur Erziehung (wegen massiver personeller Probleme im Jugendamt 2015 / 16 ausgesetzt – Start wieder 2017). In der AG nach §78 arbeiten 23 Träger, die in unserem Bezirk Leistungen erbringen, aktiv mit. Die AG versteht sich sowohl als fachliches als auch fachpolitisches Gremium und war in beiden Bereichen sehr aktiv. Gemeinsam mit den Gremien der Leistungserbringer und dem Jugendamt wurden im Berichtszeitraum u.a. folgende Qualitätsstandards und Fachpositionen erarbeitet, die den kooperativen Hilfeprozess unterstützen: • Checkliste zur Verselbständigung aus HzE • Qualitätsstandards für Hilfeplanziele • Indikatoren für stationäre Unterbringung • Qualitätsstandards für Entwicklungsberichte der Leistungserbringer • Qualitätsstandards für die Elternarbeit in stationären Einrichtungen (auch bei Rückführung) • Qualitätsstandards für Clearing • Qualitätsstandards für Aufträge und Auflagen im Gefährdungsfall • Qualitätsstandards für Hilfen gemäß § 32 in der Klärungs- und Auftragsphase (Arbeitskreis Leiter/innen der Tagesgruppen) • Anforderungen an die Arbeit mit der Zielgruppe „Minderjährige im Gefährdungsbereich, die alle Systeme überfordern“ • Anforderungen an die Sozialpädagogische Familienhilfe gemäß § 31 SGB VIII heute • Partizipation von Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern in den Hilfen zur Erziehung und der Familienförderung Marzahn-Hellersdorf Am 16. 10. 2015 organisierte die AG §78 Hilfen zur Erziehung / Familienförderung die Fachmesse „Platz da!?“im Freizeitforum Marzahn. Ca. 800 Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Bereichen nahmen teil. Das Verständnis von Familie hat sich grundlegend geändert und umfasst heute auch in unserem Bezirk eine große Vielfalt alternativer Familienformen. Die Familie als erster Bildungsort trägt wesentlich zu einer gesunden Entwicklung der Kinder bei. Gleichzeitig erlebt das Jugendamt immer wieder Grenzen familiärer Erziehung, wenn z.B. Eltern benachteiligt oder alleinerziehend oder wenn schwierige Lebenssituationen zu bewältigen sind. Überforderungen im Familienalltag lassen dann Kinder oft aus dem Blickfeld 42 geraten. Für ein gesundes Aufwachsen braucht es von Anfang an vielfältige Unterstützungsangebote. Der Fachtag ging den Fragen nach, welche familienunterstützenden Leistungen der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens stehen dabei Eltern und Fachkräften im Bezirk zur Verfügung? Entsprechen die Angebote den Bedarfen von Eltern und deren Kindern? Wie können Eltern in Zukunft noch wirksamer gestärkt werden und welche neuen Herausforderungen sind dabei zu meistern? Der Fachvortrag von Prof. Maywald gab viele Anregungen zum Thema: „Gemeinsam zum Wohl des Kindes – Was Elternverantwortung bedeutet und wie sie gefördert werden kann“. Gleichzeitig präsentierten sich auf der Fachmesse Angebote des Bezirkes für Kinder, Jugendliche und deren Familien in den Bereichen Familienförderung, Frühe Hilfen, Familienunterstützende Angebote, Hilfen zur Erziehung und der Jugendberufshilfe. Die Fachmesse war ein guter Platz zum Erfahrungsaustausch, zur fachlichen Diskussion und Information. Fachkräfte unterschiedlicher Arbeitsbereiche begegneten sich persönlich und erschlossenen neue und wirksamere Formen ihrer Zusammenarbeit. Mit dieser Fachveranstaltung wurde ein wichtiges Vorhaben des Projektes „Optimierungspaket – Schnittstellen HzE“ realisiert. 4.7.5. Vollzeitpflege Auch im Zeitraum 2011- 2016 war und ist der „Pflegekinder-Service Marzahn-Hellersdorf“, ein Verbund der gemeinnützigen Träger profam gGmbH und socianos gGmbH, durch das Jugendamt Marzahn-Hellersdorf beauftragt, die nicht hoheitlichen Aufgaben der Pflegekinderhilfe im Bezirk zu erfüllen. Die kontinuierliche Arbeit des Trägerverbundes schlägt sich in folgenden Zahlen nieder: Jahr/ Anzahl der Kinder Unterbringung in befristeter Vollzeitpflege Neue Unterbringungen in Dauerpflege Neu gewonnene Pflegefamilien 2011 2012 2013 2014 2015 45 45 45 53 43 bis 04/2016 11 14 13 24 10 16 14 9 14 14 14 14 14 Hier ist zu bemerken, dass die Zahl der „Verwandtenpflegen“ zunimmt. D.h., dass sich Verwandte oder Familien aus dem sozialen Umfeld eines Kindes mit Zustimmung der Sorgeberechtigten bewerben für ein Kind, das nicht mehr bei seinen Herkunftseltern leben kann, Pflegefamilie zu werden. Dieser Trend ist berlinweit sowie auch bundesweit festzustellen. Auch diese Familien werden nach fachlichen Standards auf ihre Geeignetheit für diese Aufgabe geprüft. Der Trägerverbund hat sich dieser Entwicklung angepasst und 2014 eine Gruppe für diese Pflegeeltern ins Leben gerufen, die neben den drei weiteren Pflegeelterngruppen fachlich besonders begleitet wird. Die Anzahl der in Vollzeitpflege lebenden Marzahn-Hellersdorfer Kinder hat sich seit 2011 von 321 auf 395 erhöht. Mit der Anzahl der Kinder in Vollzeitpflege nimmt unser Bezirk im Berliner Vergleich seitdem einen deutlichen Spitzenplatz ein. Fest steht auch, dass 1/3 aller in Kinder des Bezirkes, die sich in stationärer Unterbringung befinden, in einer Pflegefamilie leben. 43 Anzahl Kinder in Vollzeitpflege Bezirk gesamt Der Anstieg der Kinder in Vollzeitpflege hat sich im Berichtszeitraum um 23% gesteigert, wohingegen die Kosten sogar um 38% gestiegen sind. Bezirk Ausgaben gesamt Vollzeitpflege Dieser überproportionale Anstieg der Kosten ist zum einen durch höhere Kostensätze zu erklären als auch durch einmalige Investitionskosten, die entstehen, wenn neue Pflegestellen installiert werden. Weiter kommt hinzu, dass die Kinder nicht nur in unserem Bezirk leben: 126 Kinder sind in anderen Berliner Bezirken untergebracht, 105 außerhalb Berlins, und dort sind die Kosten für Beratung und Begleitung der Pflegefamilien zum Teil auch höher als in unserem Bezirk. Bei einer zunehmenden Zahl von Pflegekindern besteht zudem ein sogenannter „erweiterter Förderbedarf“. Die aufwändige Erziehungsleistung wird mit einem erhöhten Erziehungsgeld. Im Jahr 2015 wurde durch das Jugendamt und den Trägerverbund ein besonderer, wertschätzender Fokus auf die Arbeit der Pflegefamilien gerichtet, die im privaten Rahmen geleistet wird. Eine Umfrage zum Thema „Wie zufrieden sind Pflegeeltern mit der Arbeit des Pflegekinder-Services Marzahn-Hellersdorf und des Jugendamtes“? wurde unter allen Marzahn-Hellersdorfer Pflegeeltern durchgeführt. Die Pflegeltern gaben eine insgesamt positive Einschätzung. Kritische Hinweise finden Niederschlag in der differenzierten Auswertung mit dem Ziel, die Zufriedenheit der Pflegeeltern zu erhöhen. Dabei wurde u. a. 44 deutlich, dass auch die Pflegeeltern die Überlastung der Sozialarbeiter_innen im Regionalen Sozialpädagogischen Dienst spüren. Im September 2015 realisierte der Trägerverbund mit Unterstützung des Jugendamtes eine regionale Dankeschön-Kampagne für die Pflegeeltern mit großflächigen Plakaten im Bezirk unter dem Slogan „Marzahn-Hellersdorf dankt allen Pflegefamilien“. Die Reaktion der Pflegeeltern war ausschließlich positiv und es wird davon ausgegangen, dass dies gleichzeitig auch eine gute Werbeaktion für die Gewinnung neuer Pflegeltern war. Erfahrungsgemäß braucht es einige Monate, bis sich dies auch in einem Ergebnis niederschlägt. 4.7.6. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Zu den Aufgaben des Jugendamtes gehört es auch, Hilfe zur Erziehung (in der Regel in stationärer Form) für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu leisten. Die Zuweisung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge erfolgt über die Senatsverwaltung entsprechend eines Quotenschlüssels an alle Stadtbezirke. Vorab durchlaufen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge eine Clearingphase, in der der Bedarf der jungen Menschen hinsichtlich Hilfe und Unterstützung festgestellt wird, bei Minderjährigkeit ein vormundschaftsgerichtliches Verfahren eingeleitet wird und dringend erforderliche Angelegenheiten (wie z.B. notwendige medizinische Behandlung) eingeleitet werden. In den Berichtsjahren ist durchgängig ein leichter Anstieg der Fallzahlen für Berlin und damit auch für unseren Stadtbezirk zu verzeichnen. Für das Jahr 2015 erhielt Marzahn- Hellersdorf 25 Zuweisungen. Der enorme allgemeine Flüchtlingszuwachs kam im Bereich der Jugendhilfe noch nicht in der erwarteten Höhe zum Tragen. Ursachen dafür liegen in den noch im Jahr 2015 bestehenden, begrenzten Kapazitäten (Durchlassfähigkeit) der Clearingstelle. Im Bereich Hilfen zur Erziehung war noch bis einschließlich Oktober 2015 eine Sozialarbeiterin/ ein Sozialarbeiter mit diesem Arbeitsgebiet betraut. Ab November 2015 erhielt der Bezirk für die Bewältigung des erwarteten Arbeitsanfalls zwei weitere Stellen, deren Besetzung im laufenden Jahr nicht mehr möglich war, so dass mit einer Übergangslösung gearbeitet werden musste. 4.8. Kinderschutz/ Jugendschutz 4.8.1. Kinderschutz Aufgabe im Kinderschutz im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist es, Kinder und Jugendliche vor Vernachlässigung, Missbrauch und Gewalt zu schützen. Ein hoher Anspruch in der Kinderschutzarbeit im Bezirk besteht darin, Kindeswohlgefährdung zu vermeiden, sie rechtzeitig zu erkennen und Kinder vor weiterer Gefährdung zu schützen. Ziel ist eine Stärkung des bezirklichen Netzwerkes Kinderschutz durch Maßnahmen wie Prävention, Früherkennung, Beratung, Krisenintervention und rechtzeitiger Hilfegewährung. Ausgehend von der seit Januar 2007 im Bezirk geführten Kinderschutzstatistik stellt sich die Entwicklung der Kinderschutzmeldungen im genannten Zeitraum wie folgt dar: Jahr/Anzahl 2011 2012 2013 2014 2015 Kinderschutzmeldungen (Erfassung mit dem Erstcheckbogen Von den Kinderschutzmeldungen betroffenen Kinder 671 665 637 817 575 bis 04/ 2016 186 1068 1179 1027 1185 794 30 45 Im Berichtszeitraum kamen ca. 20% der Meldungen auf Verdacht einer Kindeswohlgefährdung aus dem unmittelbaren Umfeld der betroffenen Familien -von Verwandten, Nachbarn und Bekannten. Meldungen von Polizei, Gericht, Staatsanwaltschaft und Ordnungsamt lagen im Berichtszeitraum nach den Meldungen aus dem Wohnumfeld an zweiter Stelle. Weitere Meldungen kamen aus Schule, Tagesbetreuung, Gesundheitsamt, Arzt / Klinik und von HzE Trägern. Anonyme Meldungen auf Verdacht einer Kindeswohlgefährdung liegen jährlich bei ca. 8%. Hierbei muss unterschieden werden, der Melder, die Melderin möchte anonym gegenüber der betroffenen Familie bleiben aber gegenüber dem Jugendamt seine/ihre Anonymität aufgeben (das sind in der Regel die meisten Fälle) oder der Melder, die Melderin wollen gegenüber der betroffenen Familie und dem Jugendamt anonym bleiben. Durch Zuzüge von mehrfachbelasteten Familien in den Bezirk sind die familiären Problemlagen intensiver und multipler geworden. Das trifft für alle Regionen und Sozialräume des Bezirkes zu, besonders die Region Hellersdorf Nord, Marzahn Mitte und Hellersdorf Ost sind hier hervorzuheben. Alle RSD Teams sind nicht nur mit wachsenden Fallzahlen sondern auch mit den vielfältigsten Problemlagen bei den zu beratenden Familien konfrontiert. Der Anspruch an die Beratungsqualität an jeden einzelnen Sozialarbeiter/in ist im Berichtszeitraum gestiegen und umfasst die Aktivierung von Ressourcen im Sozialraum und darüber hinaus von weiteren Unterstützungssystemen. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat den höchsten Anteil Alleinerziehender berlinweit. Das spiegelt sich in den Lebensformen der Kinder wider, die von einer Gefährdung betroffen sind. Die Kinder, die bei Meldungseingang von Gefährdung betroffen sind, lebten im Berichtszeitraum bei/in: • Alleinerziehenden Eltern • Zusammenlebende Eltern • Patchwork Familien • Andere Lebensformen Seit 2011 und darüber hinaus waren die Lebensformen, in denen die von Gefährdung betroffenen Kinder und Jugendlichen leben, so gestaffelt, dass nach Kindern von alleinerziehenden Eltern, die Kinder aus Patchwork Familien folgten und danach die Kinder , die bei zusammenlebenden Eltern leben. Eine Veränderung der Rangfolge bei den Lebensformen ist seit 2014 zu erkennen. Kinder, die bei zusammenlebenden Eltern leben, sind deutlich öfter bei Meldungseingang von Gefährdung betroffen als Kinder aus Patchwork Familien und Kinder, die in anderen Lebensformen leben. Bei den Erscheinungsformen und Gefährdungsmomenten, die bei Eingang der Kinderschutzmeldung vermutet werden, gibt es in den Bezirksregionen im Berichtszeitraum keine Veränderung. Vermutete Gefährdung bei Meldungseingang: • Vernachlässigung • Körperliche und seelische Misshandlung • Unverschuldetes Versagen (Psychische Erkrankung / Sucht) • Häusliche Gewalt • Sonstige Gefährdung Jugendliche Mutterschaft, Arbeitslosigkeit von jungen Eltern und die damit im Zusammenhang stehende Kinderarmut sind Risikofaktoren im Bezirk, die frühzeitige und nachhaltige multiprofessionelle Angebote für Eltern und insbesondere für Kinder der Altersgruppe 0 bis 3 Jahre notwendig machen. 46 Um den Kinderschutz in dieser Altersgruppe effektiver zu gestalten, wurde die im Bezirk seit 01.12.2008 bestehende Kooperationsvereinbarung Jugendamt /Gesundheitsamt im Kinderschutz dahingehend erweitert, dass Hausbesuche / Vor Ort Besuche von Jug und Ges bei Eingang von Kinderschutzmeldungen der genannten Altersgruppe gemeinsam durchgeführt werden. Die Zielgruppe der Schwangeren und werdenden Väter wurde am 01.04.2015 in die Kooperationsvereinbarung aufgenommen. Seit 2007 erfolgen gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen von Jugendamt und Gesundheitsamt im Kinderschutz, die die Qualität der Arbeit erhöhen und einen gemeinsamen Wissenstand herstellen. Das seit 2007 im Bezirk arbeitende „Netzwerk Kinderschutz“ wurde im Berichtszeitraum als wirkungsorientiertes Bündnis weiterentwickelt. Mit der neuen Ausführungsvorschrift „Hilfeplanung“ hat der Bezirk das Kinderschutzverfahren als verbindlichen Bestandteil der Hilfeplanung aufgenommen. Im Bezirk gibt es einen breiten Konsens gegen jede Art von Gewalt, auch gegen Gewalt in der Familie. Gewalt bedeutet für Kinder und Jugendliche, dass sie in ihrer gesunden, emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklung gefährdet sind. Die Festlegungen des Bezirkes zum Verfahrensstandard bei Meldungen zur häuslichen Gewalt als ein Risikofaktor für Kindeswohlgefährdung wurden 2015 in Absprache mit den bezirklichen Abschnitten der Polizei für Schwangere erweitert. Der Bezirk beteiligt sich jährlich im November mit Aktionen und Projekten am weltweiten Aktionstag „Gegen Gewalt an Mädchen und Frauen“. Der seit vielen Jahren aktive Arbeitskreis „Marzahn-Hellersdorf gegen häusliche Gewalt“ unterstützt diese Aktionen, berät und begleitet in Einzelfällen. Übersicht über Meldungen häusliche Gewalt Region Marzahn - Nord Marzahn - Mitte Marzahn – Süd/Biesdorf Hellersdorf - Nord Hellersdorf Ost/Mahlsdorf Hellersdorf – Süd/ Kaulsdorf 2014 28 62 21 42 23 2015 33 66 38 76 28 20 34 Aus der Darstellung wird deutlich, dass die Meldungen zur häuslichen Gewalt angestiegen sind. In den Regionen Marzahn Mitte und Hellersdorf Nord sind die Meldezahlen besonders hoch. Zur Qualitätsentwicklung und zur Intensivierung der Zusammenarbeit bei häuslicher Gewalt erfolgt einmal jährlich ein Treffen mit dem Koordinator häusliche Gewalt der Polizei, den Gruppenleiterinnen des RSD und dem Kriseninterventionsteam des Jugendamtes. Ein wichtiger Netzwerkpartner im Netzwerk Kinderschutz im Bezirk ist das Jobcenter und seit 2016 die Jugendberufsagentur. Die Kooperation zwischen Jugendamt und Jobcenter bei Meldungen auf Verdacht einer Kindeswohlgefährdung wird durch jährlich stattfindende gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen zum Kinderschutz erfolgreich fortgeführt. 2016 ist die Fortbildung erstmalig gemeinsam mit der Jugendberufsagentur geplant. Kinderschutz ist immer Aufgabe von unterschiedlichen Akteuren. Es ist erforderlich, Netzwerke und Verfahrensabläufe zu schaffen, die den Kinderschutz im Bezirk nachhaltig verbessern. Dazu gehört die Kooperationsvereinbarung zum Umgang mit Findelkindern / Kindern in der Babyklappe, die zwischen dem Vivantes Klinikum Hellersdorf und dem Jugendamt abgeschlossen wurde. Die Kooperationsvereinbarung ist seit 30.04.2014 in Kraft und hat bisher erfolgreich dazu beigetragen, Kindern Leben und Gesundheit zu erhalten. Die Arbeit im Kinderschutz ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die im Mittelpunkt der Arbeit des RSD des Jugendamtes steht. Der Schutzauftrag besteht darin, Kinder vor 47 Vernachlässigung, Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen und Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu beraten und zu begleiten. Zur Weiterentwicklung des Netzwerkes Kinderschutz und zur Effektivierung der Arbeit im Kinderschutz nahm am 04.01.2016 das Kriseninterventionsteam seine Arbeit auf. Die Erprobung des Kriseninterventionsteam ist Bestandteil des Modellprojektes zur Reduzierung des Transferkostenanstiegs bei den Hilfen zur Erziehung im Zeitraum 2016 / 2017. Mit dem Einsatz eines Kriseninterventionsteam ist beabsichtigt, alle im Jugendamt eingehenden Meldungen auf Verdacht einer Kindeswohlgefährdung in dem Team zu bearbeiten, damit die Arbeit im Kinderschutz effektiver zu gestalten, die regionalen Sozialpädagogischen Dienste zu entlasten und somit Einsparungen bei den Hilfen zur Erziehung zu erzielen. Kritisch muss hier angemerkt werden, dass diese Zielstellung nur erreicht werden kann, wenn ausreichendes und fachlich gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht. Da das zum jetzigen Zeitpunkt nicht der Fall ist, kann die Arbeitsfähigkeit des Kriseninterventionsteam nur mit Unterstützung der regionalen Sozialpädagogischen Dienste hergestellt werden und das kann kein Dauerzustand sein. In den kommenden Jahren ist die Weiterentwicklung des Netzwerkes Kinderschutz ein wichtiges Thema. Dazu gehören Fortbildungen im Kinderschutz für medizinisches Personal und für neu eingestellte Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, die Zusammenarbeit mit den Berliner Kinderschutzambulanzen, die Entwicklung und Begleitung der Arbeit des Kriseninterventionsteam und die weitere Umsetzung der berlineinheitlichen Qualitätsstandards im Kinderschutz. 4.8.2. Jugendschutz Die Bezirksämter sind für die Einhaltung der Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes verantwortlich. Die im November 2007 zwischen dem Jugendamt und dem Ordnungsamt abgeschlossene Verwaltungsvereinbarung, die die Zuständigkeit und die Verfahrensweise beider Ämter in Umsetzung des Jugendschutzgesetzes festlegt, behält weiterhin ihre Gültigkeit. Die Vorschriften des Jugendschutzgesetzes sollen Kinder und Jugendliche vor negativen Einflüssen schützen. Dazu gehören z.B. die Abgabe von Alkohol und Tabakwaren, der Aufenthalt in Gaststätten und Diskotheken, der Umgang mit Medien sowie der Verkauf von Computerspielen, der Kinobesuch und die dabei zu beachtenden Altersgrenzen. Vor dem Hintergrund der 1. Änderung des Staatsvertrages zum Glückspielwesen in Deutschland im Mai 2011 wurden Leitlinien und Festlegungen zum Umgang mit Glücksspiel und Veranstaltungen mit glücksspielähnlichen Charakter in Einrichtungen der Jugendhilfe im Bezirk Marzahn-Hellersdorf erarbeitet und entsprechend umgesetzt. Das Ordnungsamt ist für die Überwachung, die Durchführung der Vorschriften des Jugendschutzgesetzes und die Ahndung der Ordnungswidrigkeiten zuständig. Das Jugendamt Marzahn-Hellersdorf unterstützt in Einzelfällen mit sozialpädagogischen Maßnahmen die betroffenen Kinder und Jugendlichen und deren Familien. Für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist festzustellen, dass von Januar bis November 2015 ein nicht tatverdächtiger alkoholisierter Jugendlicher durch die Polizei aufgegriffen wurde (2014 waren es 13 Kinder und Jugendliche, 2013 wurden 38 Kinder und Jugendliche erfasst). ein Jugendlicher wurde wegen Rauchen im öffentlichen Straßenland aufgegriffen und durch das Ordnungsamt als Ordnungswidrigkeit erfasst. Für die Betroffenen aus dem Bezirk und deren Sorgeberechtigten wurden folgende Maßnahmen durch den Regionalen Sozialdienst (RSD) des Jugendamtes eingeleitet: • Erziehungsberatung mit den betroffenen Jugendlichen und deren Eltern, Zusammenarbeit mit Schule Die Altersgruppe der betroffenen Jugendlichen im Bezirk lag zwischen 15 und 16 Jahren. Die Betroffen sind weiblich und wurden in Gebäuden (Hauseingang, Ausstellungshalle) erfasst. 48 Der interdisziplinäre Arbeitskreis „Jugendschutz“, der 2007 im Bezirk gegründet wurde, setzt seine Arbeit fort. Hier werden Landesthemen besprochen. Auf der operativen Ebene erfolgt aller 2 bis 3 Monate ein Austausch zwischen Ordnungsamt, Präventionsbeauftragte der Polizei, dem Schulamt und dem Jugendamt. Themen wie Rauchen vor Schulgebäuden, Alkoholverkauf an Minderjährige, Vandalismus durch Jugendliche im Bezirk und Schwerpunkteinsätze des Ordnungsamtes, die Verschärfung des Jugend- und Spielerschutzes, Internetsucht bei Jugendlichen und aktuelle Themen zum Jugendschutz werden weiter bearbeitet, ausgewertet und Schlussfolgerungen für die Jugendschutzarbeit im Bezirk gezogen. Der regelmäßige Fachaustausch zum Stand der Kooperation zwischen bezirklichen Ordnungsämtern und den Jugendämtern bei der Umsetzung des Jugendschutzgesetzes erfolgt einmal jährlich bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit werden im Bezirk besprochen und umgesetzt. Die Zusammenarbeit zwischen RSD und Ordnungsamt bezieht sich seit 2012 auch auf Meldungen zum Kinderschutz. Hinweise auf Verdacht einer Kindeswohlgefährdung werden durch das Ordnungsamt an das Jugendamt mit einem Kurzmeldebogen gemeldet. Die Vereinbarung hat sich bewährt und wird entsprechend fortgesetzt. 4.9. Jugendgerichtshilfe Die Mitwirkung der Jugendhilfe im Strafverfahren ist eine Pflichtaufgabe der Jugendhilfe. Sie wird immer dann tätig, wenn ein junger Mensch eine Straftat begangen haben soll. In diesem Aufgabengebiet arbeiten vier Sozialarbeiterinnen und drei Sozialarbeiter. Die Jugendhilfe im Strafverfahren arbeitet zentral mit regionaler Zuständigkeit. Sie bietet straffällig gewordenen jungen Menschen sowie deren Eltern Beratung und Unterstützung an. Diese Leistung des Jugendamtes steht allen jungen Menschen zwischen 14 -21 Jahren zur Verfügung. Gesetzliche Grundlagen ihres Handeln ergeben sich insbesondere aus den §§ 1, 52 KJHG und §§ 38, 50 JGG wozu u.a. gehört: • frühzeitig zu prüfen, ob für Jugendliche oder junge Volljährige Leistungen der Jugendhilfe in Betracht kommt • Unterstützung der beteiligten Behörden durch Erforschung der Persönlichkeit, der Entwicklung und der Umwelt des Beschuldigten • Prüfung von Diversionsmöglichkeiten • Mitwirkung im gesamten Verfahren, einschließlich mit Recht auf Anwesenheit und Äußerung in der Hauptverhandlung • Äußerung zu den zu ergreifenden Maßnahmen • das Vorhalten und Vermitteln sowie Überwachung von Weisungen und Auflagen • vorläufige gerichtliche Maßnahmen wie Haftverschonung, Unterbringung in Einrichtungen zur Untersuchungshaftvermeidung und Untersuchungshaft anzuregen • regelmäßigen Kontakt zu den in der Untersuchungs- oder in Strafhaft befindlichen Jugendlichen oder Heranwachsenden zu halten • an der Wiedereingliederung nach der Haftverbüßung mitzuwirken • Projektentwicklung zu ambulanten Maßnahmen nach dem JGG in Zusammenarbeit mit freien Trägern 49 Abgeschlossene Verfahren: 2013 wurden im Berichtszeitraum am wenigsten Verfahren abgeschlossen, gegenüber 2011 war hier ein Rückgang von 31% zu verzeichnen. Im Jahr 2015 wurden von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wieder 24% mehr Verfahren als 2013 abgeschlossen. Dies ist aber gegenüber 2011 immer noch ein Rückgang um 7%. Die Schwankungen sind zum Teil auch durch unterschiedliches Anzeigeverhalten, insbesondere bei der BVG/S Bahn GmbH im Bereich Leistungserschleichung, zu erklären. Der Trend der BVG nach erhöhten Anzeigenverhalten wegen Leistungserschleichung ist auch im 2. Jahr in Folge auf hohem Niveau. Diese Verfahren offenbaren einerseits die Sorglosigkeit im Umgang mit dem zu entrichtenden Fahrgeld und andererseits die schwierige finanzielle Lage der betroffenen Familien. Zudem kann das erhöhte Beförderungsgeld oft nicht gezahlt werden, was eine hohe Verschuldung zur Folge hat. Diebstahls – und Körperverletzungsdelikte sind neben den Leistungserschleichungen am häufigsten festzustellen. Häufigste Anzeigen: Delikt 2011 2012 2013 2014 2015 Bedrohung Beleidigung Betrug BTM-Vergehen Diebstahl Diebstahl (schwerer) Körperverletzung Körperverletzung (gefährliche) Körperverletzung (schwere) Leistungserschleichung Raub Raub (schwerer) Sachbeschädigung Verkehrsvergehen 28 37 43 59 438 59 167 48 34 241 27 19 118 47 20 49 41 78 447 40 141 75 32 56 21 13 114 47 27 59 86 76 438 71 149 90 14 51 24 6 103 43 38 71 78 88 337 59 134 62 20 551 22 24 85 61 26 59 55 86 321 44 99 67 10 483 29 26 79 50 Es gibt zwar Schwankungen in den einzelnen Deliktsbereichen, aber es ist keine klare Tendenz für eine Zu- oder Abnahme einzelner Straftaten zu verzeichnen (mit Ausnahme Leistungserschleichung- siehe obige Erklärung). Wenn auch zunächst von einem Ungleichgewicht zwischen jugendlichen Straftätern und Heranwachsenden in den Vorjahren ausgegangen werden kann, so hat sich das Verhältnis 50 ausgeglichen. Weibliche Jugendliche haben sich denen der männlichen Jugendlichen angenähert. Weibliche Heranwachsende fallen zu einem 1/3 der männlichen Heranwachsenden auf. Anzahl der Jugendlichen/Heranwachsenden Straftäter Jugendliche Heranwachsende insgesamt männl. weibl. männl. weibl. 2011 501 195 250 83 1029 2012 447 182 255 73 957 2013 404 202 277 74 957 2014 384 208 371 139 1102 2015 363 211 353 162 1089 Den Eltern und jugendlichen Heranwachsenden werden neben dem Beratungsangebot weiterführende Hilfsangebote unterbreitet. So werden nicht nur die persönlichen, familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse in Erfahrung gebracht, sondern erste Angebote zur Schadensregulierung (Julateg) und zu einem Täter-Opfer-Ausgleich (EJF Täter-OpferAusgleich) angeregt. Nicht unwesentlich ist die Anbahnung erster Kontaktaufnahme an die bezirkliche Kompetenzagentur in Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur. Die Beratung und Betreuung für suchtkranke oder suchtgefährdete junge Menschen bei Vista wird vorab angestrebt. Angeordnete gerichtliche Maßnahmen Angabe in Stunden 2011 2012 Anti-Gewalt-Seminar 2013 2014 2015 3 3 15 Beratungseinheit (3 Gespräche/ Einheit) 24 9 17 57 71 Beratungsgespräche 119 127 198 193 230 Beratungsgespräche - kurzzeitige Betreuung 6 4 1 Drogeninformationskurs 14 1 2 1 3 Erste-Hilfe-Kurs 3 1 4 5 3 Freizeitarbeiten (betreute) 4576 3145 3270 2809 3114 Freizeitarbeiten (nicht betreute) 6067 4271 4918 6247 5157 Orientierungshilfekurs 28 20 17 11 4 sexualpädagogische Gruppenarbeit 2 1 1 2 sozial kognitives Einzeltraining 5 2 6 1 8 Sozialer Trainingskurs 6 9 4 4 5 Täter-Opfer-Ausgleich 31 20 18 20 26 Toleranzseminar 19 5 19 15 4 Verkehrserziehungskurs 8 6 6 9 10 4 3 4 Kompetenztraining 51 Herkunft der Beschuldigten nach Regionen (nicht Tatort!) 2011 2012 2013 2014 2015 Marzahn Nord 195 175 178 223 169 Marzahn Mitte 327 269 318 405 336 Marzahn/Süd 149 110 111 173 147 Hellersdorf Nord 268 274 302 466 440 Hellersdorf Ost 137 113 138 152 176 Hellersdorf Süd 137 96 119 127 103 Biesdorf 106 73 78 63 45 Kaulsdorf 42 36 30 37 39 Mahlsdorf 60 85 54 48 48 In Marzahn-Mitte wohnten 2011 und 2013 die meisten der Beschuldigten gefolgt von Hellersdorf-Nord. In den Jahren 2012, 2014 und 2015 war es umgekehrt. Bezogen auf die Anzahl der 14- u.25 Jährigen - kommen aus Hellersdorf –Nord überproportional viele Beschuldigte. Aus den Bezirksregionen Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf kommen deutlich weniger Beschuldigte, dies korrespondiert mit den ebenfalls deutlich unterschiedlichen Sozialstrukturen. 4.10. Kindschaftsrecht 4.10.1. Beistandschaften und Beurkundungen Im Berichtszeitraum ist die Anzahl der geführten Beistandschaften mit monatlich ca. 7.000 relativ konstant geblieben. Das Jugendamt als Beistand versteht sich als Anwalt junger Menschen und ihrer Familien. Häufig sind die Mitarbeiter_innen im Bereich Vormundschaftswesen erste Ansprechpartner für ratsuchende Eltern. Ziele von Beratung, Unterstützung und Vertretung als Beistand sind: Unterstützung der Eltern in wichtigen Angelegenheiten ihres Kindes, Information über Rechte und Pflichten im Eltern-Kind-Verhältnis, Stärkung der Rechtsposition, Sicherung der Ansprüche des Kindes und ggf. auch der ratsuchenden Elternteile. Beratung und Unterstützung ist dabei Hilfe zur Selbsthilfe. Damit kommt dem Beistand neben der Wahrnehmung seiner gesetzlichen Aufgaben eine wichtige „Türöffnerfunktion“ im Jugendamt zu. Der Beistand hat im Rahmen seiner Vertretungsbefugnis das Ziel, die Abstammung des Kindes zu klären und damit das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung umzusetzen. Der Beistand schafft damit die Voraussetzung für die Sicherung und Geltendmachung zahlreicher zivilrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Ansprüche. Bei der Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen zielt das Wirken des Beistandes auf die Sicherung der existenziellen Bedürfnisse des Kindes (Unterhalt) und die Unabhängigkeit des Kindes von Sozialleistungen. In Zeiten knapper Ressourcen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich zieht die Realisierung von Unterhaltsansprüchen verstärkt die Aufmerksamkeit auf sich. So wird durch die fachlich kompetente Arbeit des Beistandes eine beachtliche Refinanzierungsquote staatlicher Leistungen (Unterhaltsvorschuss, Sozialgeld nach dem SGB II, Sozialhilfe etc.) erzielt. 52 Der Beistand ist Interessenvertreter des Kindes und arbeitet oft über einen langen Zeitraum mit den Familien zusammen. Er kennt daher die familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse. Durch aktives Zuhören, kompetente Beratung und Sensibilität im Umgang mit den Eltern kann es gelingen, die Unterhaltsansprüche mit einer gut funktionierenden Sorge- und Umgangsregelung zu koppeln. Ziel des Beistandes sollte es sein, einvernehmlich mit den Eltern die angemessenen Unterhaltsansprüche des Kindes durchzusetzen. Die als Beistand und Berater tätigen Mitarbeiter_innen verstehen ihre Tätigkeit und die Erfüllung ihrer Aufgaben grundsätzlich als Dienstleistung für den Bürger. Gezählt werden monatlich die Anzahl der geführten Beistandschaften (Produkt 80174). Hier sind die Dezemberzahlen (Stichtagszahlen) des jeweiligen Jahres dargestellt: 2015 2014 2013 2012 2011 - 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000 5.500 6.000 6.500 7.000 7.500 2011 2012 2013 2014 2015 Beistandschaften gesamt 7.147 7.154 7.196 7.057 6.968 davon weiblich 3.495 3.488 3.514 3.439 3.358 Wesentliche Grundlage zur Sicherung der Bearbeitungsqualität im Bereich Beistandschaften in den Berliner Jugendämtern ist das entsprechende Konzeptpapier, welches 2014 verabschiedet wurde. Beurkundungen Zum Sachgebiet Beistandschaften gehört das breite Spektrum von Beurkundungen als hochwertige, kostenfreie Dienstleistung des Jugendamtes. Im Wesentlichen wurden im Berichtszeitraum überwiegend Vaterschaftsanerkennungen, Unterhaltsverpflichtungen, Sorgerechtserklärungen u.a. beurkundet. Der öffentlichen Urkunde kommt im Rechtsverkehr eine besondere Bedeutung zu. Die Aufnahme von Urkunden durch die Urkundspersonen des Jugendamtes ist eine hoheitliche Aufgabe, sie unterscheidet sich nicht von der eines Notars, Richters oder Standesbeamten. Der Katalog der möglichen Beurkundungen ist im § 59 SGB VIII abgebildet. Zunehmend werden auch Urkunden mit ausländischen Bürgern aufgenommen, was sehr zeitaufwändig ist. Anzahl der Beurkundungen: Jahr Anzahl 2011 2.876 2012 2.231 2013 2.965 2014 3.190 2015 3.598 4.10.2. Amtsvormundschaften und Amtspflegschaften Die Führung von Vormundschaften und Pflegschaften fällt unter die sogenannten anderen Aufgaben der Jugendhilfe. Für jedes Kind, das nicht unter elterlicher Sorge steht, muss der Staat aufgrund seines Wächteramtes nach Artikel 6, Abs. 2 GG die Wahrnehmung der elterlichen Verantwortung gewährleisten, d. h. er muss gegebenenfalls dafür sorgen, dass ein Vormund oder Pfleger zur Verfügung steht. 53 Zur Wahrnehmung dieser Aufgabe bedarf es kompetenter Fachkräfte, die ein hohes Maß an eigenverantwortlichem Handeln besitzen. Zunehmend sind Vernachlässigung, Misshandlung, Gewalt, sexueller Missbrauch sowie Autonomiekonflikte Jugendlicher die Gründe für den (teilweisen) Entzug des elterlichen Sorgerechts. Auch ist festzustellen, dass die zu lösenden Problemlagen in den Familien komplexer und komplizierter geworden sind. Daher ist das Gesetz zur Änderung des Vormundschafts- und Betreuungsrechts, welches 2011 verabschiedet wurde, in der Fachwelt sowie für die Kinder und Jugendlichen, die unter Vormundschaft/Pflegschaft stehen, als sehr positives Signal empfunden worden. Die Reform des Vormundschafts- rechtes ist unter anderem auch ein wichtiger Bestandteil der Verbesserung des Kinderschutzes. Die Kinder und Jugendlichen benötigen verlässliche Partner, um schwierige Lebenslagen zu bewältigen. Als beinahe revolutionär wurde die Begrenzung der zu führenden Fallzahl auf 50 empfunden, da erstmals in der Jugendhilfe eine Fallzahlbegrenzung im SGB VIII festgeschrieben wurde. Gezählt werden monatlich die Anzahl der geführten Amtsvormundschaften und Pflegschaften (Produkt 76835).Hier sind die Dezemberzahlen (Stichtagszahlen) des jeweiligen Jahres dargestellt: 2015 2014 2013 2012 2011 - 100 200 300 400 500 2011 2012 2013 2014 2015 Amtsvormundschaften gesamt 448 423 407 347 352 davon weiblich 204 203 206 178 171 Der Rückgang der Fallzahlen im Jahr 2014 erklärt sich dadurch, dass nach einem Beschluss des Bundesgerichtshofes die Bestellung eines Ergänzungspflegers im Genehmigungsverfahren für die Erbausschlagung nur noch als notwendig erachtet wird, wenn zwischen dem Kind und seinem gesetzlichen Vertreter die Gefahr einer Interessenkollision besteht. 54
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