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Full text: Klimaschutz und erneuerbare Energien in den Landkreisen (Rights reserved)

Klimaschutz und erneuerbare Energien in den Landkreisen Regionale Wertschöpfung Umfrageergebnisse Gute Beispiele Schriften des Deutschen Landkreistages Band 144 der Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Deutschen Landkreise e.V. Herausgeber: Deutscher Landkreistag, Berlin Redaktion: DLT-Pressestelle Gesamtherstellung: Gödecke+Gut, Berlin ISSN 0503-9185 VORWORT Vorwort in den Sektoren Wärme und Verkehr wird gerade die Bevölkerung in den ländlichen Räumen treffen, die oft keine Möglichkeit hat, kurzfristig eine klimafreundliche Gebäudeheizung oder ein Fahrzeug mit klimafreundlicher Antriebstechnik anzuschaffen. Schon diese Beispiele zeigen, dass bei allen Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in ländlichen, verdichteten wie städtischen Räumen stets berücksichtigt werden muss. Im Dezember 2019 ist das Bundes-Klimaschutzgesetz in Kraft getreten, das vor dem Hintergrund des internationalen Übereinkommens von Paris die Minderung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % im Vergleich zu 1990 als nationales Klimaschutzziel vorschreibt. Als langfristiges Ziel soll bis 2050 Treibhausgasneutralität angestrebt werden. Die Bundesregierung hat mit dem Klimaschutzprogramm 2030 ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen, mit dem die Emissionen insbesondere in den Bereichen Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft reduziert werden sollen. Dies stellt neben der Wirtschaft auch die Kommunen vor große Herausforderungen. Berlin, im August 2020 Auf der kommunalen Ebene sind die 294 Landkreise mit ihren rund 56 Mio. Einwohnern bereit, ihren Anteil zur Erreichung der Klimaschutzziele beizutragen. Dass viele Landkreise beim Klimaschutz und bei der Nutzung von erneuerbaren Energien aktiv vorangehen, belegen die in dieser Broschüre dargestellten Ergebnisse einer Umfrage, die der Deutsche Landkreistag mit großer Resonanz durchgeführt hat. (Kommunaler) Klimaschutz kann aber stets nur mit wirtschaftlichem Augenmaß und unter Mitnahme der Bevölkerung betrieben werden. Hierfür ist es entscheidend, auch die regionalen Wertschöpfungspotenziale von Klimaschutzmaßnahmen herauszustellen. Die Fachbeiträge und die guten Praxisbeispiele in dieser Broschüre zeigen die Vielfalt der kreislichen Handlungsmöglichkeiten sowie zudem, wie Klimaschutz und erneuerbare Energien die wirtschaftliche Entwicklung in den Landkreisen befördern können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass diese Wertschöpfungspotenziale in den ländlichen Räumen selbst realisiert werden und damit der dortigen Bevölkerung zugutekommen. Klimaschutz und erneuerbare Energien funktionieren nicht ohne die ländlichen Räume, die einen großen Teil der Lasten zur Erreichung der Klimaschutzziele tragen. Dort befinden sich die meisten Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien (Windkraft, Bioenergie, Solarenergie) sowie die dazugehörigen, in großem Umfang noch zu errichtenden Übertragungsleitungen, was bekanntermaßen vielerorts zu Konflikten führt. Die 2021 beginnende CO -Bepreisung ² »Klimaschutz und erneuerbare Energien funktionieren nicht ohne die ländlichen Räume.« Prof. Dr. Hans-Günter Henneke Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages Foto: ZDF / Jana Kay 3 Inhalt Geleitwort von Bundesministerin Svenja Schulze, BMU............................................................................................................ 5 Geleitwort von Bundesminister Peter Altmaier, BMWi............................................................................................................... 6 I. Regionale Wertschöpfung .................................................................................................................................................................... 7 Wertschöpfung durch Klimaschutz und erneuerbare Energien (Prof. Dr. Peter Heck, IfaS)........................... 7 Rhein-Hunsrück-Kreis: Strukturwandel dank erneuerbarer Energien.................................................................... 11 Kreis Steinfurt: energieland2050...................................................................................................................................... 11 Landkreis St. Wendel: Null-Emission................................................................................................................................ 12 II. Klimaschutz............................................................................................................................................................................................... 13 Umfrageergebnisse: Klimaschutz in den Landkreisen................................................................................................... 13 Klimaschutz und regionale Wertschöpfung – eine notwendige Balance für den breiten Wandel (Helmut Schleweis, DSGV).................................................. 15 Klimaschutz und regionale Wertschöpfung – Potentiale und Chancen des Handwerks in ländlichen Gebieten (Hans Peter Wollseifer, ZDH)................. 16 Landkreis Freyung-Grafenau: LED-Beleuchtung........................................................................................................... 17 Landkreis Friesland: Moorentwicklung............................................................................................................................ 18 Landkreis Mühldorf a. Inn: E-Fahrzeug-Sharing........................................................................................................... 19 Landkreis Neu-Ulm: Klimawald......................................................................................................................................... 19 Landkreis Oldenburg: Klimaallianz in der Landwirtschaft......................................................................................... 20 Landkreis Saarlouis: Energieberatung.............................................................................................................................. 21 Landkreis Teltow-Fläming: Energierundgänge.............................................................................................................. 22 Kreis Viersen: Nachhaltiges und digitales Bauen.......................................................................................................... 22 Produkte aus „Holz der kurzen Wege“ und Ihre Bedeutung für Klimaschutz und regionale Wertschöpfung (Dr. Gabriele Bruckner/Dr. Philipp Strohmeier, HOLZ VON HIER)....................................................... 24 III. Erneuerbare Energien......................................................................................................................................................................... 25 Umfrageergebnisse: Erneuerbare Energien in den Landkreisen............................................................................... 25 Windenergie als Chance – Wertschöpfung als Schlüssel (Michael Lindenthal, FA Wind).............................. 28 Städteregion Aachen: Regionaler Energieplan............................................................................................................. 30 Landkreis Calw: Bioabfallvergärungsanlage.................................................................................................................. 31 Landkreis Cochem-Zell: Dorfwärmeprojekte................................................................................................................. 31 Landkreis Karlsruhe: Nahwärme....................................................................................................................................... 32 Landkreis Mansfeld-Südharz: Energieallianz................................................................................................................. 33 Landkreis Schmalkalden-Meiningen: Photovoltaikanlagen....................................................................................... 33 Kreis Plön: Wärmeplanungskataster................................................................................................................................ 34 4 GELEITWORT VORWORT Rund 90 % der 294 Landkreise haben bereits von der Förderung eines Klimaschutzprojekts im Rahmen der NKI profitiert. Die Projekte reichen von der Einführung eines kommunalen Energiemanagements über die Erstellung und Umsetzung von Klimaschutzkonzepten durch ein Klimaschutzmanagement bis hin zu zahlreichen investiven Maßnahmen. Das kann eine hocheffiziente Straßen- und Innenbeleuchtung sein, genauso wie die Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur oder die sogenannte In-situStabilisierung zur Verringerung des Schadstoff- sowie des Emissionspotenzials von Siedlungsabfalldeponien. Es gibt mittlerweile zahlreiche gute Beispiele – einige davon finden Sie in dieser Broschüre. Das Jahr 2019 stand ganz im Zeichen des Klimaschutzes. Die Bundesregierung hat mit dem Klimaschutzgesetz und dem Klimaschutzprogramm 2030 das umfas s ends te M aßnah menpaket auf den Weg gebracht, das es in Deutschland je gegeben hat. Damit steht die nationale Entscheidungsebene an der Seite der Bundesländer und der Kommunen. Denn die © BMU/photothek/Thomas Trutschel Klimaschutzziele sind nur zu erreichen, wenn alle gemeinsam an ihrer Umsetzung mitwirken. Ob wir den Umbau hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft schaffen, entscheidet sich vor Ort in den Landkreisen, Städten und Gemeinden. Ich bin zuversichtlich, dass künftig noch viel mehr gemeinsame Projekte für einen erfolgreichen Klimaschutz umgesetzt werden. Der Deutsche Landkreistag ist ein wichtiger Partner und Unterstützer, z. B. bei der Verbreitung der Förderinformationen. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit. Die Landkreise gehen deutschlandweit mit ihren Städten und Gemeinden im Klimaschutz voran. Sie bringen mit ihren Selbstverpflichtungen zur Minderung der Treibhausgasemissionen, mit eigenen Klimaschutzkonzepten und mit der energetischen Sanierung ihrer Liegenschaften den Ausbau der erneuerbaren Energien voran. Doch die Handlungsmöglichkeiten sind noch längst nicht ausgeschöpft. Es ist deshalb ein Kernanliegen des Bundesumweltministeriums, die Kommunen bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) fördert das BMU seit 2008 das kommunale Engagement. Die Erfolge können sich sehen lassen. Bis Ende 2019 wurden insgesamt mehr als 32.000 Projekte ermöglicht und mit einem Fördervolumen von rund 1 Mrd. € unterstützt. Svenja Schulze Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Neben finanziellen Zuschüssen bietet die NKI den Kommunen strategische Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung kommunaler Klimaschutzmaßnahmen. Mit gezielten Beratungs- und Informationsangeboten und Veranstaltungen zur Vernetzung der unterschiedlichen Akteure werden die Kommunen in die Lage versetzt, verfügbare Fördermittel zu nutzen und ihr Klimaschutzengagement konsequent umzusetzen. Den Landkreisen kommt eine besondere Rolle zu. Sie können gegenüber den kreisangehörigen Gemeinden eine koordinierende Funktion einnehmen, ihnen beratend zur Seite stehen und Abstimmungsprozesse moderieren. Zum Aufgabenbereich der Landkreisverwaltungen gehören viele klimaschutzrelevante Aufgaben, so z. B. die Einrichtung von Nahverkehrsbetrieben, die Beseitigung und Verwertung von häuslichen Abfällen und die Einrichtung von Deponien oder Recycling-Anlagen. 5 GELEITWORT Bürgerinnen und Bürger engagieren sich für die Energiewende vor Ort. All diese Projekte leisten nicht nur einen Beitrag zum Schutz unseres Klimas, sondern bringen einen ganz entscheidenden Mehrwert: Sie machen die Energiewende für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort anschaulich und erlebbar. Ob Solar- oder Biogasanlage oder der lokale Windpark: Anlagen vor Ort, die Haushalte, die Turn- oder Schwimmhalle und die lokalen Industriebetriebe mit erneuerbarer Energie in Form von Strom und Wärme versorgen, stärken zudem die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ausbau der erneuerbaren Energien – ein Faktor, der für den Erfolg der Energiewende immer entscheidender wird. Und nicht zuletzt bergen lokale und regionale Aktivitäten und Projekte auch wirtschaftliche Chancen: Sie bringen zunehmend regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und damit steigende Kaufkraft vor Ort. Die Corona-Pandemie stellt unser Land vor Herausforderungen, die in der jüngeren Geschichte beispiellos sind. Auch wenn die Bewältigung dieser Herausforderung viele Kräfte bindet, dürfen wir andere wichtige Projekte nicht aus den Augen verlieren. Hierzu gehört zweifelsohne die Energiewende. Sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die uns alle betrifft und die nur © BPA/Steffen Kugler gelingt, wenn wir alle – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – unseren Beitrag leisten. Um bis 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu werden, müssen wir unsere Energieversorgung überwiegend auf erneuerbare Energien umstellen und bei der Nutzung der Energie deutlich effizienter werden. Mit dem Kohleausstiegsgesetz wollen wir den rechtssicheren, wirtschaftlich vernünftigen und sozial ausgewogenen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2038 umsetzen. Gleichzeitig müssen wir aber auch in eine neue Energiezukunft einsteigen und den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie den Netzausbau weiter voranbringen. Neben dem Stromsektor gilt es, auch bei Wärme und Verkehr die Wende hin zu immer weniger Treibhausgasemissionen zu schaffen. Hier werden neben dem nationalen CO ² Emissionshandel ab 2021 auch die Energieeffizienzstrategie 2050 und die nationale Wasserstoffstrategie einen wichtigen Beitrag leisten. In diesem Sinne möchte ich den Landkreisen herzlich für ihr Engagement danken und sie ermuntern, ihre Aktivitäten fortzuführen und auszubauen. Unsere Klimaschutzziele geben den Weg in eine nachhaltige und erneuerbare Zukunft vor – lassen Sie ihn uns gemeinsam gehen! Peter Altmaier Bundesminister für Wirtschaft und Energie Eine sichere, umweltverträgliche und bezahlbare Energieversorgung der Zukunft erreichen wir nur dann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Auch den Kommunen kommt dabei eine große Verantwortung zu. Es gilt, die Rahmenbedingungen für die Energiewende zu gestalten und sie vor Ort dann auch umzusetzen. Die 294 deutschen Landkreise, die rund 96 % der Fläche und 68 % der Bevölkerung Deutschlands repräsentieren, sind zentrale Akteure, wenn es darum geht, die Energiewende vor Ort voranzubringen. Die vielfältigen Aktivitäten der Landkreise für die Energiewende zeigen, dass sie sich ihrer tragenden Rolle bewusst sind und sie mit großem Engagement ausfüllen. Ganz besonders gilt das für den Ausbau der erneuerbaren Energien, eine der tragenden Säulen der Energiewende. Die Windenergieanlagen an Land und die zahlreichen Solaranlagen, die Deutschland mit sauberem, nachhaltigem Strom versorgen, sind dezentral, d. h. weit im ländlich geprägten Raum verteilt. Zahlreiche erfolgreiche Praxisbeispiele von der Energieeffizienz-Beratung bis hin zu umfassenden Energiekonzepten zeigen: Die kommunalen Akteure, aber auch viele 6 I. Regionale Wertschöpfung Wertschöpfung durch Klimaschutz und erneuerbare Energien Insgesamt verbinden sich mit der Energiewende allerdings eher positive als negative Folgen für die Landkreise. Der systematische und gut geplante Klimaschutz eröffnet neue Fenster für Innovationen, Arbeitsplätze, Naturschutz und Bürgerbeteiligung. Es bieten sich neue Zukunftsperspektiven verbunden mit der Chance, Wertschöpfung vor Ort mit Kaufkraftsteigerung für die Bürgerinnen und Bürger zu generieren. Um dies zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, dass den Wirtschaftsräumen der einzelnen Landkreise für die Versorgung mit fossilen Energieträgern jährlich dreistellige Millionenbeträge an Finanzmitteln entzogen werden, ohne dass hierfür ein optimierter Gegenwert dargestellt wird. Stetig steigende Aufwendungen im hohen Millionenbereich entstehen, wie Tabelle 1 beispielhaft verdeutlicht. von Prof. Dr. Peter Heck, Geschäftsführender Direktor des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS), Umwelt-Campus Birkenfeld, Hochschule Trier Zu den Zielen der nationalen Energiewende gehört es, den Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch bis zum Jahr 2030 auf 65 % zu erhöhen bzw. den Treibhausgasausstoß um 95 % gegenüber 1990 zu reduzieren.1 Die Große Koalition hat im Beschluss des Klimakabinetts vom Dezember 2019 eine Bepreisung der CO ² Emissionen bis zu 60 €/t bis © IfaS 2025 beschlossen. Zudem wurden eine Reihe neuer Fördermaßnahmen für den Einsatz von erneuerbaren Energien im Wärmebereich und zur Unterstützung von Effizienzmaßnahmen festgelegt. Der damit einhergehende Umbau des Energiesystems auf eine klimafreundliche, dezentrale und erneuerbare Versorgung bringt viele technische, ökonomische und ökologische Veränderungen mit sich. Das führt zu vielen Diskussionen und lokalen bzw. regionalen Initiativen gegen unterschiedliche Formen der Energiewende. Landkreis Diese Finanzmittel stehen nicht mehr regional zur Verfügung; sie kommen vielmehr Wirtschaftskreisläufen zugute, die überwiegend außerhalb der Bundesrepublik angesiedelt sind. Bundesweit beliefen sich die Energieimportkosten im Jahr 2019 auf ca. 70 Mrd. €.3 Aufgrund von Preissteigerungstendenzen im Energiemarkt ist davon auszugehen, dass sich der jährliche Mittelabfluss weiter erhöhen wird, solange keine alternativen Ansätze zur Systembewirtschaftung aktiviert werden. Durch die zusätzliche, vom Klimakabinett beschlossene Bepreisung von CO -Emissionen er² höhen sich die Summen der abfließenden Finanzmittel für fossile Energieträger weiter erheblich, wie das Beispiel des Landkreises Vulkaneifel in Abb. 1 zeigt. Es ist vorgesehen, dass im Jahr 2021 das nationale Emissionshandelssystem mit einem Festpreissystem (Preis pro Bilanzielle Aufwendungen in fossile Energieträger (Daten von 2010 bis 2013) Einwohner Strom Wärme Verkehr Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Südwestpfalz Landkreis St. Wendel Landkreis Saarlouis Bayerischer Untermain (Landkreis Aschaffenburg, Landkreis Miltenberg, Stadt Aschaffenburg) Kreis Soest Landkreis Osnabrück Landkreis Ludwigslust-Parchim Gesamt 102.878 EW 98.114 EW 89.128 EW 212.444 EW 113 Mio. € 48 Mio. € 65 Mio. € 172 Mio. € 93 Mio. € 74 Mio. € 93 Mio. € 177 Mio. € 87 Mio. € 117 Mio. € 104 Mio. € 195 Mio. € 293 Mio. € 239 Mio. € 262 Mio. € 544 Mio. € 370.759 EW 400 Mio. € 300 Mio. € 800 Mio. € 1.500 Mio. € 296.029 EW 350.418 EW 212.373 EW 257 Mio. € 293 Mio. € 107 Mio. € 306 Mio. € 272 Mio. € 135 Mio. € 305 Mio. € 547 Mio. € 243 Mio. € 868 Mio. € 1.112 Mio. € 485 Mio.€ Tonne CO ) gekoppelt wird. An Unternehmen, welche mit ² Brenn- und Kraftstoffen handeln, werden Zertifikate verkauft. Das heißt, dass das Unternehmen für jede Tonne CO , welche durch die Heiz- und Kraftstoffe verursacht ² wird, Zertifikate als Verschmutzungsrecht benötigt. Hierdurch entsteht ein verlässlicher Preispfad und gleichzeitig Tabelle 1: Aufwendungen für fossile Versorgung2 1 Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050, 2019. 2 Die aufgeführten Zahlen wurden den Ergebnisberichten der Klimaschutzkonzepte des jeweiligen Landkreises entnommen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Bilanzierungs- und Berechnungsmethodik je nach Landkreis variieren kann. 3 7 Destatis, 2018. REGIONALE WERTSCHÖPFUNG Abbildung 1 oben: Zusätzliche Mittelabflüsse durch die Bepreisung von Kohlendioxid-Emissionen am Beispiel des Landkreises Vulkaneifel; Quelle: IfaS, 2019.1 1 Abbildung 2 unten: Möglichkeiten der Absenkung von Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050; Quelle: IfaS, 2019. Zur Berechnung der CO2 -Besteuerung fehlten von der Bundesregierung noch elementare Angaben, z. B. anzusetzende CO2 -Faktoren. Daher erfolgte die Berechnung nach einer vom IfaS entwickelten Methode. 8 REGIONALE WERTSCHÖPFUNG wird eine Handelsplattform aufgebaut, welche die Zertifikatsauktionierung sowie den Handel ermöglichen wird. Ab dem Jahr 2021 wird eine Abgabe auf Treibstoffe, Heizöl und Erdgas in Höhe von 25 € pro t CO erhoben. Diese soll ² bis 2025 auf 55 € pro t CO steigen und danach im Rahmen ² eines überregionalen Handels mit Verschmutzungsrechten bis zu einer Höhe von 65 € pro t CO (Preiskorridor) frei² gegeben und dem Markt überlassen werden. Durch die Bepreisung der CO -Emissionen wird u. a. die regionale ² Kaufkraft und die Wirtschaft geschwächt. Gleichzeitig zeigt Abb. 2 die prinzipielle Machbarkeit einer weitestgehenden Dekarbonisierung auf der Basis der vorhandenen Potenziale im Landkreis Vulkaneifel. Abb. 2b erhebliche ökonomische Auswirkungen, wie das Beispiel des Rhein-Hunsrück-Kreises in Abb. 2b verdeutlicht. Wenn importierte fossile Energieträger durch regionale, erneuerbare ersetzt werden, entsteht eine neue regionale Ökonomie, die bei richtiger Planung und Umsetzung neue Wertschöpfungsperspektiven eröffnet. Als regionale Wertschöpfung wird in diesem Zusammenhang die Summe aller zusätzlichen Werte verstanden, die in einem Gebiet in einem bestimmten Zeitraum entstehen. Der Begriff „Wert“ kann hierbei eine subjektiv unterschiedliche Bedeutung erfahren, d. h. er kann ökonomisch, ökologisch und soziokulturell verstanden werden. Regionale Wertschöpfung führt demnach zur Steigerung von monetären, sozialen und ökologischen Werten und demzufolge zur höheren Kaufkraft und wirtschaftlichem Wachstum, einer Verbesserung von sozialen Strukturen, u. a. aufgrund von gesicherter Beschäftigung, sowie zur Erhaltung und dem Schutz natürlicher Räume auf lokaler und regionaler Ebene. Regionale Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte treten nicht nur auf der Ebene der Herstellung, des Vertriebs, der Planung und der Installation von Anlagen und Anlagenkomponenten auf, sondern sind auch im Dienstleistungsbereich (Fremdfinanzierung, Versicherung oder Steuerberatung) zu verzeichnen. Die Abbildungen erläutern die vier Säulen der regionalen Wertschöpfung (Abb. 3b) und zeigen an einem konkreten Beispiel die Verteilung der Wertschöpfung auf die regionalen Akteure (Abb. 3a). Abbildung 3a (oben): Profiteure eines regionalen Klimaschutzes durch Ausbau von erneuerbaren Energien und von Effizienzpotenzialen; Abbildung 3b (unten): Vier Säulen der regionalen Wertschöpfung; Quelle: IfaS, 2019. Abb. 2a und 2b: Potenziale regionaler Wertschöpfung; Quelle: IfaS, 2010. Abb. 2a zeigt am Beispiel von sechs Landkreisen das theoretische ökonomische Potenzial für eine regionale Wertschöpfung bei konsequenter Umsetzung der vorhandenen Möglichkeiten. Eine vollständige Umsetzung ist angesichts administrativer Restriktionen, massiver Bürgerproteste und sich ändernder politischer Rahmenbedingungen nicht wahrscheinlich. Aber selbst eine nur teilweise Realisierung hätte bereits 9 REGIONALE WERTSCHÖPFUNG Insbesondere Bürgerinnen und Bürger profitieren hierbei aufgrund von zusätzlichen Einnahmen aus eigenem Anlagenbetrieb und Beteiligungen (Gewinne und Einsparungen) sowie Einkommen aus Beschäftigung. Die von der Bundesregierung beschlossenen Steuererleichterungen für energetische Sanierung von selbst genutztem Wohneigentum wird diesen Wert noch erhöhen. Nach Angaben des Service- und Kompetenzzentrums: Kommunaler Klimaschutz (SK:KK) nehmen schon jetzt rund 85 % der Landkreise Fördermöglichkeiten für Klimaschutzprojekte in Anspruch. Aber auch die Landkreise können ihre Haushaltslage durch Direktinvestitionen und Beteiligungen und damit einhergehenden Gewinneinnahmen verbessern. kreisübergreifend5 organisiert werden können. Andererseits führen Klimaschutz und Klimaanpassung zu neuen Erfordernissen in der Landnutzung. Wasser in Form von saisonalen Trockenheiten oder Starkregenereignissen mit zum Teil fatalen Hochwassern werden zunehmend Thema für eine neue Kooperation zwischen Landkreisen, Kommunen und Landnutzern. Neue Anbauverfahren und neue Pflanzen führen hier zu neuen Biomassepotenzialen, mehr Biodiversität und Innovationen in der Landnutzung. Die durchwachsene Silphie und Agroforstsysteme sind in Abbildung 4 exemplarisch für diese neuen Landnutzungsformen dargestellt. In puncto Finanzierung sind Kooperationen mit lokalen Kreditinstituten ratsam, um weitere Wertschöpfungseffekte vor Ort zu binden. Für die Landkreise ist neben Partizipationsmodellen für Bürger auch eine angemessene Verteilung der Wertschöpfungseffekte unter den kreisangehörigen Kommunen von Interesse. Dies ist insbesondere dann von Relevanz, wenn sich ein starkes Ungleichgewicht zwischen der Verteilung von Eignungsflächen im Kreisgebiet ergibt. In diesem Fall profitiert nur eine geringe Anzahl von Kommunen an den Wertschöpfungseffekten, während Negativeffekte (z. B. Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch Windkraftanlagen) eine weitaus größere Streuung aufweisen. An dieser Stelle können die Landkreise in Dialog mit ihren Kommunen treten und Konzepte zur solidarischen Verteilung von Wertschöpfungseffekten vorschlagen, um einen fairen Vorteils- und Lastenausgleich zu erreichen. Somit bedienen Landkreise durch ihre übergemeindlichen Aufgaben einen besonders wirkungsvollen Hebel. Abbildung 4: Durchwachsene Silphie (oben) und Agroforstsystem in der Gemeinde Bisterschied (unten); Quelle: IfaS, 2019. Die durch ein gezieltes Stoffstrommanagement ausgelösten wirtschaftlichen Aktivitäten und Finanzströme gehören – neben den ökologischen und sozialen Effekten und der Verringerung der Importabhängigkeit – zu den zentralen Argumenten für die Energiewende. Dabei wird zunehmend deutlich, dass der Bedarf an Selbstorganisation in den Landkreisen, Städten und Gemeinden von enormer Bedeutung ist. Die Beteiligung von Bürgern, die Ansiedlung von Unternehmen sowie eigene Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz weisen enorme Potenziale zur Steigerung der regionalen Kapital- und Kaufkraft auf. Aus Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien resultierende Wertschöpfungspotenziale können zur Bewältigung von Problemen des demografischen Wandels genutzt werden. Die Schnittstelle besteht einerseits in der Möglichkeit, generierte Wertschöpfungseffekte durch Quersubventionierung in die Bereiche der Daseinsvorsorge (Nahversorgung, Mobilität, medizinische Versorgung, Versorgungssicherheit, Teilhabe etc.) zu lenken. Hervorragend geeignet hierfür sind kreisweite Energiegesellschaften, die durch Zusammenschlüsse der kreisangehörigen Gemeinden4 mit oder ohne die Landkreise entstehen oder sogar Agroforstsysteme erhöhen die Wasserrückhaltefähigkeit der Böden und speichern Kohlenstoff. Gleichzeitig können sie mit Erträgen zwischen 6.000 und 9.000 l Heizöläquivalenten pro Jahr energetisch genutzt werden. Die durchwachsene Sylphie bietet Schutz vor Erosion, braucht keine Pflanzenschutzmittel und hat einen Spätsommerblüte. Sie kann an sensiblen Stellen einen teilweisen Ersatz für Energiemais anbieten. Eine thematische Verbindung von ökonomischen und sozialen Aspekten sowie von Fragen der Biodiversität und Ökologie mit der Notwendigkeit des Klimaschutzes und der Energiewende kann dazu beitragen, Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber der regionalen Energiewende abzubauen und dadurch Akzeptanz für eine nachhaltige und klimafreundliche Landkreispolitik zu schaffen. Die Landkreise bieten sich als Koordinatoren und Initiatoren für diese Wertschöpfende Vorgehensweise bei der Energiewende an. Klimaschutz kann so akzeptabler und zukunftsfähiger werden. ■ 5 4 Wie z. B. die Wurzener Land-Werke (WuLaWe) im Landkreis Leipzig. 10 Wie z. B. die Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe der Landkreise Alzey-Worms, Mainz-Bingen und Bad Kreuznach zusammen mit Verbandsgemeinden. REGIONALE WERTSCHÖPFUNG Früher hat der ländliche Raum die Lebensmittel für die umliegenden Großstädte erzeugt. Im Zeitalter der dezentralen Energieerzeugung produziert der ländliche Raum auch die Energie für die umliegenden Ballungszentren – verbunden mit der entsprechenden Wertschöpfung in Form von Windpacht. Die jährliche regionale Wertschöpfung aus dem Betrieb der Erneuerbare-Energien-Anlagen beträgt 44 Mio. €. Die Ortsgemeinden nutzen ihre Windkraft-Pachteinahmen in Höhe von rund 7 Mio. € jährlich für kostenfreie LEDTauschtage sowie Zuschüsse für Energiesparmaßnahmen und die Umstellung auf erneuerbare Energieversorgung der Privathaushalte. V Rhein-Hunsrück-Kreis: Strukturwandel dank erneuerbarer Energien Der rheinland-pfälzische Rhein-Hunsrück-Kreis wurde im Jahr 2018 von der Agentur für Erneuerbare Energien mit dem Titel „Energie-Kommune des Jahrzehnts“ ausgezeichnet. Bis Mitte der 1990er Jahre musste der komplette Strombedarf im Kreis importiert werden. Keine einzige kWh wurde lokal produziert – geschweige denn regenerativ. 1995 wurde das erste Windrad errichtet; es erzeugte Strom für 200 Haushalte. Aktuell produzieren 276 Windräder bereits Strom für mehr als 300.000 Haushalte. Ende 2018 werden aus lokaler Biomasse, Photovoltaik und Windkraft bilanziell rund 300 % des Gesamtstromverbrauchs im Kreis erzeugt. Damit ist der Rhein-Hunsrück-Kreis vielleicht als erster Landkreis in Deutschland in den Sektoren Wärme, Strom und Abfall bilanziell CO -neutral geworden. ² Die im Klimaschutz aktiven Dörfer haben die Herausforderungen des demografischen Wandels bewältigt, Leerstand gehört der Vergangenheit an. Junge, gut ausgebildete Menschen schätzen die Lebensqualität und ziehen aus Ballungsräumen (zurück) auf den Hunsrück. Die Energiewende im Rhein-Hunsrück-Kreis ist breit aufgestellt. 17 kommunale Nahwärmeverbünde versorgen Häuser auf Basis von Waldrestholz. Die Nahwärmenetze in Neuerkirch-Külz und Ellern werden solarthermisch unterstützt. Das Baum- und Strauchschnittkonzept des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebs Rhein-Hunsrück Entsorgung zur Beheizung von Schulzentren gilt bundesweit als vorbildlich. Auch im Verkehrssektor setzt der Landkreis Akzente. Landrat Dr. Marlon Bröhr setzt mit seinem neuen Projekt auf eCarsharing auf dem Land. In sieben Orten wird für die Bürger je ein kostenloses Elektroauto vom Kreis bereitgestellt. V Kreis Steinfurt: energieland2050 Der Kreis Steinfurt hat bereits vor rund 20 Jahren die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung gestellt und schon 2010 politisch beschlossen, bis zum Jahre 2050 energieautark zu werden. Mit dem Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit sowie dem 2017 gegründeten energieland2050 e. V. hat der Kreis fest in der Verwaltung verankerte Anlaufstellen, die die Klimaschutzaktivitäten bündeln, Netzwerke koordinieren, Akteure an einen Tisch bringen und die notwendigen Ressourcen aufweisen, um ganz konkret Projekte in die Umsetzung zu bringen. Im Kontext des aktuellen öffentlichen Diskurses und der Klimanotstand-Thematik hat der Kreis 2019 ein „Klimaschutzbündnis für den Kreis Steinfurt“ gegründet und macht damit deutlich, dass dem Klimaschutz und der Eindämmung der Erderwärmung höchste Priorität eingeräumt wird. Dafür wird der Kreis seine Maßnahmen und Aktivitäten gemeinsam mit den 24 kreisangehörigen Kommunen noch einmal verstärken und die gesteckten Ziele bezogen auf die Fragestellung, welche Meilensteine bereits vor 2050 erreicht werden können, überprüfen. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Kreis Steinfurt liegt inzwischen bei knapp 70 %. Diese positive Entwicklung beruht insbesondere auf der Erschließung der Windenergiepotenziale. Mit dem 2011 entwickelten Wind-Masterplan und den Leitlinien für Bürgerwindparks hat es der Kreis geschafft, alle wichtigen Akteure vor Ort in den Prozess einzubeziehen, transparent und umfassend zu informieren und die Wertschöpfung in der Region zu halten. Inzwischen gibt es dort 21 Windparks. Die getätigten Investitionen – allein 500 Mio. € in den letzten fünf Jahren – verdeutlichen die große wirtschaftliche Bedeutung der Bürgerschaftliches Engagement im Klimaschutz: der Ortsgemeinderat Horn. © Energieagentur Rheinland-Pfalz Der Rhein-Hunsrück-Kreis galt früher als strukturschwache Region. 1995 betrug die Arbeitslosenquote im Kreis noch 8,3 %, aktuell ist dieser Wert auf 3,5 % gesunken. Heute hat der Rhein-Hunsrück-Kreis zusammen mit dem Westerwaldkreis mit 20 % des Landesdurchschnittes die niedrigste kommunale Verschuldung in Rheinland-Pfalz. Die Gemeinden sind so gut wie schuldenfrei und verfügen über finanzielle Rücklagen. 11 REGIONALE WERTSCHÖPFUNG Umsetzung der Energiewende. 2020 wird der Kreis Steinfurt ganz gezielt den Ausbau der Solarenergie angehen, da erst 10 % der Potenziale in diesem Feld erschöpft sind. Dafür wurde 2019 eine „Servicestelle Sonne“ gegründet. V „Null-Emission Landkreis St. Wendel“ Im nördlichen Saarland liegt der Landkreis St. Wendel. In einer abwechslungsreichen Mittelgebirgslandschaft leben auf 476,12 km² rund 89.000 Menschen. 2010 machte sich der Landkreis mit der Initiative „Null-Emission Landkreis St. Wendel“ auf den Weg, den Energiebedarf bis zum Jahr 2050 CO -neutral zu gestalten. Dabei soll die Energieer² zeugung und -nutzung auf die Bedürfnisse des ländlichen Raumes ausgerichtet und dezentralisiert werden – durch einen ländlichen Energiemix. Neben der Reduzierung von Emissionen sind die Steigerung der regionalen Wertschöpfung sowie die Akzeptanz und Teilhabe der Bevölkerung wichtige Grundpfeiler. Durch die Einbindung regionaler Unternehmen, Banken, Investoren und vor allem der Bürgerinnen und Bürger erzielen die Kommunen höhere Steuereinnahmen, Pachteinnahmen und Unternehmensgewinne steigen, die Beschäftigungspotentiale nehmen zu. Zudem profitiert der Kreis langfristig durch Einsparungen bei den Energiekosten und reduziert die Abhängigkeit vom Import fossiler Energieträger. Insgesamt enorme Chancen für den ländlichen Raum. „energieland2050. Wir drehen das im Kreis Steinfurt“ – unter dieser Marke laufen im Kreis Steinfurt alle Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsaktivitäten zusammen. Dank starker Netzwerker und Partner besetzt der Kreis eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz. © Kreis Steinfurt/Dorothea Böing Im Bereich der energieeffizienten Gebäudesanierung setzt der Kreis Steinfurt auf eine ganzheitliche Betrachtung und koordiniert in neun der 24 kreisangehörigen Gemeinden ein Quartiers- und Sanierungsmanagement. Dieses umfasst neben umfangreichen energetischen Quartierskonzepten ganz konkrete Angebote für Bürgerinnen und Bürger, z. B. Energieberatungen, Infoveranstaltungen und Thermographieaktionen. Sowohl mit Elektro- als auch Wasserstoffmobilität sollen in dem ländlich geprägten Kreis Steinfurt Möglichkeiten für eine klimafreundliche Mobilität geboten werden. 2019 wurde ein Konzept zur Ladeinfrastruktur und zur Förderung der Elektromobilität fertiggestellt mit wichtigen Erkenntnissen zur Ladesäuleninfrastruktur und zu Ausbaumöglichkeiten, aber auch mit Blick auf die Frage, wie Anreize zur Nutzung von E-Mobilität gesetzt werden können. Das NRW-Wirtschaftsministerium hat den Kreis als Modellregion für grüne Wasserstofftechnologie ausgewählt. Jetzt wird ein Konzept erarbeitet, wie mit 100 % grünem Wasserstoff, der vor allem aus Windstrom hergestellt werden könnte, das energieland2050 mobilisiert werden kann. Windkraftanlage auf dem Leisberg bei Oberthal. © Kreis Steinfurt/Dorothea Böing Inzwischen ist die Organisationsstruktur im Sankt Wendeler Land so vielfältig wie der Ansatz: Gegründet wurden die Lenkungsgruppe Klimaschutz (mit Beirat), das Zukunfts-Energie-Netzwerk (ZEN) als gemeinnütziger Verein zur Beteiligung und Mitarbeit verschiedenster Akteure, die Energie-Projektgesellschaft (EPG) als eigenständiger Projektentwickler und die Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) als Beteiligungsmöglichkeit der Bevölkerung, auch an Großprojekten. Neben den notwendigen technischen Ansätzen widmet sich der Kreis seit einigen Jahren auch der Frage, was die Menschen im Kreis Steinfurt persönlich für den Klimaschutz tun und können. Mit Projekten wie „Klimaschutzbürger 2.0“ oder „Plastiktütenfreier Kreis Steinfurt“ bietet der Kreis Mitmachaktionen und gewinnt wichtige Erkenntnisse darüber, wie die öffentliche Verwaltung die Bürgerinnen und Bürger bei einem nachhaltigeren und klimabewussteren Lebensstil unterstützen kann. Im Mittelpunkt dieser Struktur steht die enge Zusammenarbeit und Vernetzung von Akteuren aus verschiedenen Bereichen. Einzelne Projekte umfassen z. B. die Etablierung der Biomassepflanze Durchwachsene Silphie als Alternative zum Mais; dies gemeinsam mit regionalen Landwirten und Biogasanlagenbetreibern, organisiert durch das ZEN. 12 REGIONALE WERTSCHÖPFUNG Werkhalle wurde mit einer 120 kWp-Photovoltaik-Anlage belegt, deren Strom zu mehr als 80 % direkt im Freizeitzentrum Bostalsee verbraucht wird, u. a. auch als Heizstrom für die Wärmepumpe der Halle. Über die BEG konnten 13 Photovoltaik-Dachanlagen realisiert werden. Zudem beteiligt sie sich an Wind- und Solarparks in der Region, etwa an den Windparks in den Gemeinden Oberthal und Eisen, die sich besonders durch die enge Kooperation mit den Kommunen und den Bürgerinnen und Bürgern auszeichnen. Die EPG beschäftigt sich aktuell mit Nahwärmeprojekten in mehreren Dörfern des Landkreises, um die Wärmeerzeugung durch Ölheizungen großflächig auf erneuerbare Energien umzustellen. Im Landkreis St. Wendel wird Klimaschutz so zu einer aktiven Wirtschaftsförderung und stärkt den ländlichen Raum. Auch die Landkreisverwaltung geht mit gutem Beispiel voran, nutzt in eigenen Gebäuden Biomasseheizungen, belegt die Dächer mit Photovoltaik-Anlagen. Am Bostalsee, dem größten Freizeitsee im Südwesten, nutzen die Sanitärgebäude Solarthermieanlagen zur Warmwasserbereitung. Eine II. Klimaschutz Umfrageergebnisse: Klimaschutz in den Landkreisen Der Deutsche Landkreistag hat Ende 2019 eine Umfrage bei den Landkreisen zu Klimaschutz und erneuerbaren Energien durchgeführt. Von den 294 haben 158 Landkreise teilgenommen, also rund 54 %. Aus den Antworten wird deutlich, dass die Landkreise im Klimaschutz sehr engagiert sind und sich dabei mit sehr unterschiedlichen Themenfeldern befassen (vgl. Abb. 1). In welchen Bereichen ist Ihre Kreisverwaltung beim Klimaschutz bereits tätig geworden bzw. wofür gibt es konkrete Planungen? Energieeinsparungen/energetische Sanierung eigener Liegenschaften 154 Kreiseigener Fuhrpark 134 Netzwerkarbeit mit kreisangehörigen Gemeinden und regionalen Akteuren 133 Öffentlichkeitsarbeit 132 Nutzung/Ausbau von erneuerbaren Energien durch den Landkreis selbst 128 Radverkehr 124 ÖPNV 122 E-Mobilität/Wasserstoff-Infrastruktur 115 Energiespar-Beratung für Haushalte/Unternehmen 104 Nachhaltige Beschaffung 103 Abfallwirtschaft 83 Solarkataster 68 Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung 61 Energetische Sanierung des privaten Gebäudebestandes 59 Ausbau eines Nahwärmenetzes 51 Moorschutz 46 Forstwirtschaft (Flächenankauf, Aufforstung, Waldumbau) 44 Landwirtschaft 43 Errichtung von eigenen Liegenschaften in Holzbauweise 29 Wärmeatlas/Wärmebedarfskataster von Gewerbe und Wohnungen 27 Ausbau des Fernwärmenetzes 14 Abwasserbehandlung 10 Baulandentwicklung 10 Ausbau des Fernkältenetzes Sonstiges Von den teilnehmenden Kreisverwaltungen unternehmen 97 % Anstrengungen beim Klimaschutz durch Energieeinsparungen und die energetische Sanierung ihrer eigenen Liegenschaften gefolgt von Maßnahmen bezüglich des kreiseigenen Fuhrparks (85 %). Während diese Aktivitäten innerhalb der Kreisverwaltung selbst erfolgen können, erfordern zahlreiche weitere Maßnahmen Austausch und Zusammenarbeit mit den kreisangehörigen Gemeinden sowie weiteren Akteuren (wie z. B. Energieagenturen, Vereine). Entsprechende Netzwerkarbeit haben 84 % der Kreisverwaltungen genannt. Oftmals nehmen die Landkreise gegenüber den kreisangehörigen Gemeinden im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energien eine koordinierende Rolle ein. Daneben nehmen die Landkreise zahlreiche Aufgaben und Funktionen für das jeweilige Kreisgebiet wahr, die für den Klimaschutz relevant sind. Hierzu zählen u. a. die Abfallwirtschaft, die Bauaufsicht, die Verkehrsplanung, die Wirtschaftsförderung, die Naturschutzverwaltung, die Land- und Forstwirtschaftsverwaltung und nicht zuletzt die Trägerschaft der Kreissparkassen. Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Möglichkeiten, beim Klimaschutz tätig zu werden, besitzen ausweislich der Umfrage des Deutschen Landkreistages 77 % der teilnehmenden Landkreise bereits eine ausformulierte Strategie für den Klimaschutz bzw. für die Nutzung von erneuerbaren Energien (vgl. Abb. 2). Weitere 14 % der Kreisverwaltungen beschäftigen sich mit der Aufstellung einen solchen Strategie. 2 26 Abbildung 1 13 KLIMASCHUTZ der Kreisverwaltungen halten den Ausbau der Tank- und Ladestellen-Infrastruktur für die Elektro- und Wasserstoffmobilität sowie 78 % den Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs für den richtigen Weg zur Erreichung der Klimaschutzziele im Verkehrsbereich. Gibt es für Ihren Landkreis ein (Teil-)Konzept oder ein Programm für den Klimaschutz bzw. für die Nutzung von erneuerbaren Energien? ja 77% Durch welche Maßnahmen der Bundes- und Landespolitik könnten Klimaschutz und erneuerbare Energien in den Landkreisen generell besser unterstützt werden? in Arbeit 6% geplant 8% Dauerhafte Finanzierung von Klimaschutz-Personal in der Kreisverwaltung 140 nein 9% Abbildung 2 In 73 % der Kreisverwaltungen gibt es eine Funktionseinheit, die sich im Schwerpunkt mit dem Klimaschutz beschäftigt (vgl. Abb. 3). In weiteren 15 % der Landkreise ist eine solche Funktionseinheit geplant. Unbürokratische Beantragung von Fördermitteln 136 Verstärkte finanzielle Unterstützung für investive Projekte 118 Bessere Verzahnung der Bundes- und Landesförderprogramme im Energie- und Klimaschutzbereich 115 Festlegung von kommunalen Klimaschutz-Pflichtaufgaben im Landesrecht 105 (mit vollständigem Kostenausgleich) Langfristig stabile energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Betrieb von Erneuerbare-Energien-Anlagen 105 Verbesserung der Akzeptanz für Erneuerbare-Energie-Projekte 92 Bessere Informationen über Fördermöglichkeiten 76 Stärkung der koordinierenden Rolle der Landkreise gegenüber den kreisangehörigen Gemeinden 76 Einrichtung von Klimaschutz-/Energieagenturen in den Landkreisen 72 geplant 15% Bessere Informationen und Instrumente zur Ermittlung von regionalen Wertschöpfungspotenzialen 68 nein 11% Flexiblere Verwendung von Ausgleichs- und Ersatzgeldern (z.B. für den Waldschutz im Bestand) 65 Transparente Informationen über Chancen, Risiken und Stand der Energiewende 61 Sonstiges 18 Gibt es in Ihrer Kreisverwaltung mindestens eine Funktionseinheit (Amt, Stabsstelle, Beauftragter, Klimaschutzmanager), die sich im Schwerpunkt mit dem Thema Klimaschutz beschäftigt? ja 73% Abbildung 3 0 Keine Verbesserung möglich Von den teilnehmenden Landkreisen wünschen sich als politische Unterstützung für ihre Klimaschutzbemühungen 89 % eine dauerhafte Finanzierung von entsprechendem Personal in der Kreisverwaltung und 75 % mehr finanzielle Unterstützung für investive Projekte (vgl. Abb. 4). Die Finanzierung von kreislichen Klimaschutzmaßnahmen einschließlich des hierfür notwendigen Personals ist gegenwärtig stark projektgebunden und erfolgt vor allem über Fördermittel des Bundes. Damit diese Mittel auch tatsächlich in Anspruch genommen werden können, muss die Förderung möglichst unbürokratisch ausgestaltet sein, was 86 % Kreisverwaltungen fordern. Auch sollten Förderangebote des Bundes und der Länder nach dem Willen von knapp drei Vierteln der Landkreise besser aufeinander abgestimmt werden. Abbildung 4 Welche Maßnahmen halten Sie im Verkehrsbereich zur Erreichung der CO2-Ziele vor dem Hintergrund des ländlichen Raumes und seiner nach wie vor stark auf den Individualverkehr angewiesenen Struktur (85 % gegenüber 15 % ÖPNV) für sinnvoll? In Bezug auf kreisliche Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrsbereich besteht die Schwierigkeit darin, dass in den ländlichen Räumen die Menschen für Mobilität und Teilhabe nach wie vor stark auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen sind. Vor diesem Hintergrund sehen die Kreisverwaltungen 97 % in der Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV und 91 % im Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur eine geeignete Klimaschutzmaßnahme (vgl. Abb. 5). 84 % Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV 153 Ausbau von Radwegen und Fahrradparkmöglichkeiten 143 Ausbau der Tank- und Ladestellen-Infrastruktur (E-Ladesäulen, Wasserstoff) 133 Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs 124 Entwicklungsförderung für CO2-neutrale Kraftstoffe 107 Entwicklungsförderung für E-Mobilität (Reichweite, Batterien, Ladegeschwindigkeit) 103 Ausbau der für die E-Mobilität benötigten Stromnetze 84 Automatisierung des Verkehrs 40 Sonstiges 23 Abbildung 5 14 KLIMASCHUTZ Klimaschutz und regionale Wertschöpfung – eine notwendige Balance für den breiten Wandel pauschal, sondern die Nachhaltigkeit der konkreten Wirtschaftsaktivität muss beurteilt werden. von Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Allerdings zeichnet sich ab, dass sich unsere mittelständischen Kunden auf spürbar mehr Nachweispflichten einstellen müssen, um den Grad der Nachhaltigkeit ihres Tuns zu belegen. Wenn diese Pflichten jedoch so kompliziert und anspruchsvoll werden, dass sie für kleinere Unternehmen ein Übermaß an Kosten und Aufwand bedeuten, wird ihr Nutzen umso geringer sein – weil sie die Breite nicht erreichen. Der Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die einen Umbau der Wirtschaft und der öffentlichen Infrastruktur erfordert. Die Sparkassen-Finanzgruppe engagiert sich hierfür als Verbund und über die Institute vor Ort, um eine möglichst große Breitenwirkung zu erreichen und die lokalen Bedarfe zu decken. Aus Sicht der Sparkassen müssen regionale Wertschöpfung und grüne Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Das ist wichtig für die Ausgestaltung neuer regulatorischer Leitplanken. Das Bemühen um mehr Klimaschutz braucht den Wandel in der Breite und muss deshalb auch für kleinere Unternehmen machbar bleiben – bei den Kreditbedingungen ebenso wie bei den Dokumentationserfordernissen. Denn die Finanzwirtschaft ist kein politisches Werkzeug. Sie kann und sollte den Umbau der Realwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit nicht erzwingen, sondern aktiv begleiten. Das Geschäftsmodell der Sparkassen hat jedoch immer alle Veränderungen der Gesellschaft im Blick. Unser Verständnis von nachhaltigem Wirtschaften ist von unserem öffentlichen Auftrag geprägt. Private Vorsorge, finanzielle Bildung, lokale Wirtschaftsentwicklung und langfristige Grundausrichtung sind Elemente sozialen und wirtschaftlich tragfähigen Handelns, die zeigen: nachhaltig ist mehr als grün. © DSGV/Matthias Müller BFF Den Wandel in der Breite fördern – Beispiel Energiewende Bei diesem Umbau der Realwirtschaft liegt der Fokus auf grünen Investitionen und auf der Reduzierung des CO -Ausstoßes. Als besonders wirkungsvoll betrachten ² wir die Vermeidung oder Minderung von CO durch die ² Umstellung auf energieeffiziente Verfahren und den Einsatz erneuerbarer Energien. Zum Beispiel unterstützt die DekaBank zahlreiche Stadtwerke im In- und Ausland bei der Energiewende durch die Finanzierung moderner und nachhaltiger Energieanlagen sowie Netze mit (strukturierten) Unternehmensfinanzierungen, Schuldscheinen oder Namensschuldverschreibungen. Sparkassen setzen sich deshalb für einen nachhaltigen Wandel ein, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Ansprüche möglichst weitgehend in eine Balance bringt. Genau wie die Gesellschaft als Ganzes dürfen wir dabei keine Angst vor potenziellen Zielkonflikten haben, die zwangsläufig auftauchen werden, wenn unterschiedliche Dimensionen der Nachhaltigkeit betrachtet werden. Bei der Kreditvergabe zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien auf Basis öffentlicher Förderprogramme ist die Sparkassen-Finanzgruppe seit vielen Jahren führend. Im Jahr 2018 hatte die Sparkassen-Finanzgruppe einen Anteil von gut 41 % (26.000 Kredite, 6,5 Mrd. €) an KfW-Förderkrediten zur Energieeffizienz. Förderkredite für Erneuerbare-EnergieAnlagen sind durch die öffentlichen Debatten um geeignete Standorte für Windkraftanlagen und nach der Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hingegen stark zurückgegangen, 2018 wurden aber gut 66 % der einschlägigen KfW-Kredite durch die Sparkassen-Finanzgruppe vergeben. Kleine nicht überfordern – Wandel für alle ermöglichen Nach den Vorstellungen der Politik soll die Finanzwirtschaft eine zentrale Rolle bei der Erreichung des Zwei-GradKlimaziels der Vereinten Nationen spielen. Es ist politisch verlockend, dazu über Risikogewichtungen und die darauf basierende Eigenkapitalunterlegung von Kreditinstituten steuernd einzugreifen. Aufgabe der Finanzmarktregulierung ist jedoch nicht die Steuerung von Investitionsströmen nach politischen Zielen, sondern allein die Finanzmarktstabilität. Es wäre deshalb falsch, bestimmte Branchen unabhängig vom Risiko bei der Kreditvergabe zu bevorzugen oder abzustrafen. Unterstützung des Klimaschutzes und der kommunalen Ebene Wir verstehen unsere Rolle als Mittelstandsfinanzierer so, dass wir alle Unternehmen bei der Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen, egal wie grün ihre Ausgangssituation ist. Die Masse der Unternehmen sind kleinere und mittlere Betriebe. Sie sind ein gewichtiger Teil der Wirtschaft, der nicht von der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung abgeschnitten werden darf. Nicht das Unternehmen Als Sparkassen-Finanzgruppe begleiten wir nachhaltige Vorhaben, die von kommunaler oder unternehmerischer Seite konzipiert und geplant werden, aktiv. Denn gerade der Klimaschutz ist ein wesentlicher Bereich für die auch in unserer Volkswirtschaft so nötigen Wachstumsinvestitionen – hier ergänzen sich ökologische und wirtschaftliche Ziele. 15 KLIMASCHUTZ Neben der Schaffung von adäquaten infrastrukturellen und verwaltungstechnischen Rahmenbedingungen und der Bereitstellung moderner Gewerbestandorte ist es entscheidend, dass die Akteure vor Ort konsequent die sich bietenden Entwicklungschancen aufgreifen und regionale Potenziale aktivieren. Ein Ansatzpunkt zur Stärkung der Entwicklung ist die Intensivierung oder Wiederverknüpfung von Wertschöpfungsketten zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk, was dem wachsenden Verbraucherwunsch nach regionalen und klimafreundlichen Produkten entgegenkommen würde. Darüber hinaus können in den Bereichen der Nutzung erneuerbarer Energien, im Mobilitätssektor, in der Umwelttechnik sowie in den Gesundheitshandwerken in ländlichen Räumen neue Zukunftsarbeitsplätze geschaffen werden. Die Institute unseres Verbundes bieten bereits eine rasch steigende Zahl grüner Fonds und Investmentmöglichkeiten, vor allem Deka, Landesbanken, BerlinHyp und Deutsche Leasing. Diese Investitionsmöglichkeiten richten sich an private, aber auch an institutionelle Kunden – also an Gemeinden und Landkreise, an Kirchen und Stiftungen. Darüber hinaus gibt es spezifische Angebote für einzelne Vorhaben. So bietet die Deutsche Anlagen-Leasing (DAL) z. B. Leasing, Mietkauf oder Investitionskredite für Ladeinfrastrukturen, für Smart Meter (im Einsatz bei Messstellenbetreibern), zur Klärschlammentsorgung, klärschlammverbrennungsanlagen oder für Speicherkapazitäten. Die DAL ist stark in der Eisenbahnfinanzierung engagiert und berät kommunalnahe Unternehmen, Sparkassen und gewerbliche Kunden zu energieoptimierten Immobilien. Hier bestehen Synergien zwischen Handwerk und Landkreisen, denn zahlreiche der 294 Landkreise Deutschlands setzen auf den Klimaschutz als Innovations- und Wirtschaftsmotor. Bei der Planung und Umsetzung des Klimaschutzes sind die Landkreise auf die Kompetenzen des Handwerks angewiesen. Deshalb unterstützt bspw. der Landkreis Neunkirchen im Saarland auch die Kampagne „Hände hoch fürs Handwerk“ der Handwerkskammer des Saarlandes, um das Handwerk vor Ort zu stärken. Auch bietet die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz, als bundesweite Initiative des Handwerks, eine gute Möglichkeit für die Landkreise, die regional ansässigen Handwerksbetriebe auf ihrem Weg zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz zu unterstützen. Zur Kompetenz der Sparkassen-Finanzgruppe gehören auch Finanzierungen aus dem Bereich Photovoltaik- und Windkraftanlagen im In- und Ausland. In Nordhessen z. B. haben Sparkassen, Helaba und der Regionalversorger Entega gemeinsam eine Windkraftanlage realisiert. Derzeit läuft zudem die Inbetriebnahme von 27 wasserstoffbetriebenen Nahverkehrszügen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes – ebenfalls mit Unterstützung der Helaba. Diese Beispiele zeigen, dass sich zukünftige Potenziale für nachhaltige Projekte maßgeblich aus dem Gespräch mit den kommunalen Trägern der Sparkassen und aus der gemeinsamen lokalen Expertise ergeben können – das gilt es für beide Seiten zu nutzen. ■ Mit der Ausrichtung wirtschaftspolitischer Entscheidungen an klimapolitischen Zielen eröffnen sich für Landkreise und ansässige Betriebe Wege der Modernisierung und Intensivierung der regionalen Wertschöpfung. Die Wege, die die Landkreise und die Betriebe vor Ort gemeinsam gehen, sind dabei regional sehr unterschiedlich. Während in Norddeutschland der Windenergie eine besondere Rolle zukommt, spielt in Süddeutschland bspw. die Solarenergie eine große Rolle. So zeichnet sich Nordfriesland mit der Stadt Husum durch ihren Fokus auf die Windenergie aus. Im Süden ist Breisgau Schwarzwald ein Landkreis, der sich umfassend für erneuerbare Energien einsetzt. In diesem Zusammenhang entstanden in Freiburg ein Bürgerwindpark, eine Bioabfallvergärungsanlage und integrierte Energieprojekte für ganze Stadtviertel wie dem Quartier Vauban oder dem Energie-Quartier Haslach, in dem unter dem Label „Vorbildlich Sanieren“ zusammen mit dem Handwerk Modellprojekte realisiert wurden. Klimaschutz und regionale Wertschöpfung – Potentiale und Chancen des Handwerks in ländlichen Gebieten von Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks Handwerkliche Betriebe prägen die Wirtschaft der ländlichen Räume. Sie sind an ihren Standorten seit Generationen ansässig und sichern maßgeblich Arbeitsund Ausbildungsplät ze, die Versorgungsstrukturen und das gesellschaftliche Leben. Etwa die Hälfte der 1 Mio. Handwerksbetriebe Deutschlands haben ihren Standort in ländlichen Gebieten. Ländliche Räume © ZDH/Boris Trenkel stehen durch demografische Umbrüche und den wirtschaftlichen Strukturwandel zwar vor großen Herausforderungen, bieten aber aus Sicht des Handwerks gleichzeitig erhebliche Entwicklungspotenziale. Sie können Zukunftsräume sein, auch für Zukunftsarbeitsplätze. Um die hohe Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden bedienen zu können, passen sich die Handwerksbetriebe der bau-, ausbau- und anlagentechnischen Gewerke permanent an und nutzen neuste Technologien wie Drohnen oder Virtual-Reality, um Bauprojekte effizient und präzise planen und umsetzen zu können. Mit dem Umbau der Stromversorgung sind weitere technische Herausforderungen verbunden, die auch das Handwerk 16 KLIMASCHUTZ betreffen. Dabei unterstützen die regional ansässigen Fachbetriebe des Elektrohandwerks insbesondere den Ausbau auf der unteren Verteilnetzebene. Die Handwerksbetriebe planen und installieren PV-Anlagen, Wärmepumpen oder Smart Meter. V Landkreis Freyung-Grafenau: LED-Beleuchtung Der Landkreis Freyung-Grafenau hat sich schon früh mit der regenerativen Energieversorgung der kreiseigenen Liegenschaften beschäftigt. Bereits 2006 hat der Landkreis die erste Hackschnitzelheizung in Betrieb genommen. Mittlerweile sind 22 der 24 kreiseigenen Liegenschaften an hackschnitzelbetriebene Nah- und Fernwärmenetze angeschlossen. Der nachwachsende Rohstoff Holz ist in ausreichenden Mengen vorhanden, die Transportwege sind kurz und die betreibenden Partnerfirmen kommen größtenteils auch aus dem Landkreis Freyung-Grafenau. So ist man unabhängig von Öl- und Gaslieferanten und die Wertschöpfung erfolgt ausschließlich regional. Auch öffnen sich für das Handwerk im Rahmen der Elektromobilität neue Geschäftsfelder in den Bereichen der Fahrzeugwartung und der Errichtung privater und gewerblicher Ladeeinrichtungen sowie der Verknüpfung mit erneuerbaren Energien auf den Grundstücken der Nutzer. Handwerkliche Betriebe, die ihren Fuhrpark auf Elektromobilität umgestellt haben und eine entsprechende Ladeinfrastruktur besitzen, bieten diese bereits ihren Kunden und Beschäftigten zur Nutzung an, indem sie ihnen Tankkarten aushändigen. Im Bausektor erleichtern Software und neueste Messtechnik die Planung von energetischen Gebäudesanierungen. Mit Hilfe der Laser-Vermessung von Gebäuden und der Robotik werden Gebäudeelemente in der Werkhalle vorgefertigt und zur Baustelle transportiert, um vor Ort fachkundig montiert zu werden. Damit nehmen die Planungsaufgaben für die Fachhandwerker zu und die körperlich harte Arbeit nimmt tendenziell ab. Auch hier entwickeln sich klassische Gewerke wie das des Zimmerers durch die Hinzunahme digitaler Anwendungen zu Zukunftsberufen. Das war aber nur der Anfang. Die Themen Energie und Klimaschutz gewannen über die Jahre immer mehr Bedeutung. So ist seit 2017 eine Stelle für Klimaschutzmanagement fest im Landratsamt angesiedelt. Neben der Abarbeitung eines Maßnahmenkatalogs zur weiteren energetischen Verbesserung der Gebäude kümmert sich das Klimaschutzmanagement auch um die bedarfsorientierte Steuerung der Heizungen. Mit den Wärmeübergabestationen in den Gebäuden wurde gleichzeitig eine Regelungstechnik eingebaut, die den Fernzugriff ermöglicht. So können die Hausmeister vor Ort auch aus dem Landratsamt unterstützt und beraten werden. Dieser Transformationsprozess der Gewerke ist auf einen zügigen, flächendeckenden und leistungsfähigen Breitbandausbau im ländlichen Raum angewiesen – dies gilt insbesondere auch für das mobile Internet mit 5G-Standard. Dabei stehen auch die Landkreise untereinander im Wettbewerb um die beste und modernste IT-Infrastruktur, die es Handwerksbetrieben ermöglicht, die neusten Technologien zu nutzen. LED-Umrüstung im Dienstgebäude Wolfstein des Landratamtes Freyung-Grafenau Klimaschutz und Kosteneinsparung gehen einher 20.000 € 10.000 € -10.000 € Um die mit dem Klimaschutz und der Energiewende verbundenen Entwicklungschancen zu nutzen und die Transformationsprozesse konstruktiv gestalten zu können, ist ein kontinuierlicher Austausch zwischen den Landkreisen und der Handwerksorganisation erforderlich. Daher setzen sich das Handwerk und die Landkreise seit Langem in Bund und Ländern gemeinsam für eine Weiterentwicklung der Förderung der ländlichen Räume ein, die sowohl den Mittelstand vor Ort als auch die Handlungsfähigkeit der Verwaltungen stärken. -20.000 € -30.000 € Amortisation der Maßnahme nach ca. 6,5 Jahren -40.000 € -50.000 € Abzüglich Förderung des Bundes Ausgaben von ca. 55.000 EUR -60.000 € 08 19 08 20 08 21 08 22 08 23 08 24 08 25 08 26 Die Beleuchtung des Dienstgebäudes am Schloss Wolfstein in Freyung wurde auf LED-Beleuchtung umgerüstet. Nach etwa sechseinhalb Jahren hat sich die Maßnahme amortisiert. Leistungsfähige Landkreisverwaltungen liegen im Interesse des Handwerks. Den Landkreisen ist auf der anderen Seite an wirtschaftlich starken Handwerksbetrieben als Arbeitsplatzgaranten und technologische Kompetenzträger gelegen. Durch die Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen und der Handwerksorganisation vor Ort wird die Wertschöpfung langfristig gestärkt und Handwerksbetriebe lassen Landkreise zu Zukunftsräumen des Klimaschutzes werden. ■ Eine Maßnahme aus dem Klimaschutzteilkonzept Liegenschaften war die Erneuerung der Beleuchtung im Landratsamt Dienstgebäude Wolfstein. Dabei handelt es sich um eines der kleineren Dienstgebäude mit einer Nettogrundfläche von 1.875 m². Seit 1960 belegt hier u. a. Landrat Sebastian Gruber eines der 44 Büros. Über die Jahre wurde die Büroeinrichtung immer wieder verändert oder ganze Räume umfunktioniert, sodass auch die Beleuchtung nicht mehr optimal auf die aktuellen Gegebenheiten 17 KLIMASCHUTZ Schutz der Moorböden nicht nur sinnvoll für den Klimaschutz, sondern auch für eine zukunftsgewandte, landwirtschaftliche Nutzung von Moorgebieten. Auch mit Blick auf die spürbaren Folgen des Klimawandels erfüllen Moorgebiete eine wichtige Funktion. In Trockenzeiten bleibt in diesen das Wasser länger gespeichert, bei Starkregen dienen sie als Puffer- und Speicherraum – jedoch verschlechtern sich diese Eigenschaften auf lange Sicht merklich durch eine übermäßige Entwässerung. abgestimmt war. Zudem fand sich ein Sammelsurium aus Neonröhren, Halogenstrahlern und Energiesparlampen wieder. Über die Förderung der Nationalen Klimaschutzinitiative wurden im Jahr 2019 alle Leuchten in den Büros, Fluren und Nebenbereichen auf LED-Technik umgestellt. Alle Aufträge zum Umbau konnten an Firmen aus der Region vergeben werden. Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 87.000 € wurden 37 % vom Bund übernommen. Darüber hinaus amortisiert sich die Maßnahme schnell selbst, da 89 % der Anschlussleistung reduziert werden konnte, was über 20 Jahre eine CO -Einsparung von 355 t bedeutet. ² Die genannten negativen Auswirkungen der Moorentwässerung können deutlich abgeschwächt werden, wenn das Wassermanagement optimiert wird. Konkret geht es also auch in diesem Projekt darum, möglichst viel Wasser im Moorboden zu halten, ohne jedoch die bisherige Bewirtschaftung in nennenswertem Maße zu gefährden. Im Jahr 2017 erfolgten naturräumliche Erkundungen und Untersuchungen, die in einen Potentialbericht mündeten. Parallel zu den naturräumlichen Untersuchungen wurde eine intensive Kommunikationsarbeit geleistet, um detailliert zu informieren und Vorbehalte abzubauen. Die Verantwortlichen im Landkreis setzen auf die Vorbildfunktion der Gebietskörperschaft, nur so könne man auch die Bürgerinnen und Bürger animieren, energetische Sanierungen in Angriff zu nehmen und das Klima zu schützen. In Freyung-Grafenau gibt es hierfür speziell ein Programm, das Energieerstberatungen bezuschusst. So groß wie im Moment war die Nachfrage nach diesem Programm in dessen zehn Jahren Laufzeit noch nie. Das liegt vor allem daran, dass Eigenheimbesitzer momentan von vielen Förderprogrammen profitieren können. Das Landratsamt lebt vor, die Bürger packen es an, investieren vor Ort und werden vom Staat dabei unterstützt. So sieht gelungener Klimaschutz im Landkreis Freyung-Grafenau aus. Derzeit wird auf Versuchsflächen getestet, ob durch eine optimierte Steuerung des Grabenwasserstands ganzjährig mehr Wasser im Moorboden gehalten werden kann. Zu diesem Zweck wurde z. B. ein verstellbares Wehr in einen zentralen Entwässerungsgraben eingebaut. Durch diese Vorrichtung kann der Wasserstand im Graben und den angrenzenden Flächen bedarfsgerecht reguliert werden, so dass die bisherige Landnutzung aufrechterhalten wird, während die negativen Folgen der Entwässerung abgeschwächt werden. Durch ein Monitoring wird die Wirksamkeit der Maßnahme erfasst und ausgewertet. V Landkreis Friesland: Moorentwicklung Seit Ende des Jahres 2016 betreut der Landkreis Friesland ein Projekt, das eine klimaschonende und nachhaltigere Bewirtschaftung des Moorgebiets von Moorhausen/Varel zum Ziel hat. Langfristiges Ziel ist die Verringerung von Treibhausgasemissionen sowie die Sicherung der Pufferund Speicherfunktionen des Moorbodens durch ein optimiertes Wassermanagement. Das Projekt wurde finanziert aus Landes- und EU-Mitteln (EFRE), Eigenmitteln des Landkreises, Mitteln der Barthel-Stiftung und der Wasser-und Bodenverbände Friesland/Wilhelmshaven. Für die bisherige Projektentwicklung hat der Landkreis Friesland die Auszeichnung „Klimaaktive Kommune 2019“ erhalten. Durch eine nachhaltigere und klimaschonende Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gibt das Projekt somit wichtige Impulse für die zukünftige Wertschöpfung. In frühen Zeiten wurden Moore durch Entwässerungsmaßnahmen nutzbar gemacht und besiedelt. Dies trifft ebenso auf das Projektgebiet in Moorhausen zu, welches auch heute noch ein vorrangig landwirtschaftlich genutztes Gebiet mit vereinzelter Wohnbebauung ist. Während einst die Trockenlegung von Mooren zum Aufbau des Wohlstands in der Gesellschaft beitrug, wird dieser Wohlstand in Zukunft durch die Auswirkungen des Klimawandels gefährdet. Auch die entwässerten Moore tragen aktiv zu dieser Entwicklung bei, da sie große Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre abgeben. Da sich durch Zersetzung und Veränderung des Moorbodens auch langfristig die Bewirtschaftungsbedingungen in diesen Gebieten deutlich verschlechtern, ist ein besserer Wehr im Bereich der Versuchsflächen. © Thomas Linß 18 KLIMASCHUTZ Fahrräder und Roller) stehen sowohl der Öffentlichkeit als auch für Initiativen wie z. B. Hol- und Bringservices für verschiedene Zielgruppen zur Verfügung. V Landkreis Mühldorf a. Inn: E-Fahrzeug-Sharing Aktuell ist für viele Einwohner auf dem Land ein eigener Pkw unverzichtbar. Mithilfe des Gesamtkonzeptes wird der ÖPNV attraktiver und zusätzlich durch die Sharing-Angebote ergänzt. Die Notwendigkeit eines Zweit- oder Drittwagens kann reduziert, die Fixkosteneinsparung erhöht und die Wirtschaftskraft in der Region gestärkt werden. Durch die erfolgreich eingereichte Projektskizze zum Förderaufruf „LandMobil – unterwegs in ländlichen Räumen“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) konnte zum 1.1.2020 mit dem Sharing-Förderprojekt „Bedarfsorientierte Flächenerschließung im Landkreis Mühldorf a. Inn“ begonnen werden. Der Landmobile e. V. unterstützt nachhaltige Mobilitätsprojekte im ländlichen Raum und hat die Antragsstellung und somit Trägerschaft sowie Projektkoordination für den Landkreis Mühldorf a. Inn übernommen. Das Projekt wird für die Dauer von drei Jahren gefördert. Durch Kooperationen mit Einkaufshäusern, Apotheken oder Ärzten im Landkreis Mühldorf a. Inn werden Personen ohne Fahrerlaubnis oder eigenen Pkw bei ihren alltäglichen Mobilitätsbedarfen unterstützt. Die Kooperationspartner profitieren von zusätzlichen Kunden aus der Region und durch zeitlich abgestimmte Fahrten. Auch Eltern oder Familienangehörige können entlastet werden. Eine integrierte Mitfahrgelegenheit ermöglicht es Personen ohne Führerschein, sich bei Fahrten anderer Personen im Landkreis anzuschließen. Die verbesserte Erreichbarkeit von Haltestellen, Bahnhöfen und Arbeitgebern durch die Überbrückung der letzten Meile mithilfe von Sharing-Fahrzeugen, die erhöhte Flexibilität im ÖPNV und Lösungsansätze für die Mobilität im Alter und von Jugendlichen sollen das Leben im Bereich der Mobilität im Landkreis Mühldorf a. Inn erheblich verbessern. V Landkreis Neu-Ulm: Klimawald Noch sind es dürre Äste, die die Bäume bei Unterroth von sich strecken, doch in einigen Jahren soll es ein richtiger Wald sein – ein Klimawald, um genau zu sein. Im November 2019 hat der Landkreis Neu-Ulm auf einer eigenen, 1,7 ha großen Fläche bei Unterroth 8.000 Bäume gepflanzt. Damit bekennt sich der Landkreis zu seiner Verantwortung, auf lokaler Ebene etwas gegen die CO -Zunahme zu tun. ² Mindestens 22 t CO können dann pro Jahr von den Bäu² men gebunden werden. © Landratsamt Mühldorf a. Inn Grundlage für das Projekt ist das ÖPNV-Gesamtkonzept des Landkreises Mühldorf a. Inn. Darin wird für die zukünftige Linienplanung in der ersten Stufe (Hauptachsen) ein angebotsorientierter Stundentakt und in der zweiten Stufe (Ergänzungsachsen) ein Zweistundentakt gefordert. Die dritte Stufe des ÖPNV-Gesamtkonzeptes beinhaltet die bedarfsorientierte Flächenerschließung im gesamten Landkreis Mühldorf a. Inn. Diese Stufe ergänzt das ÖPNV-Angebot mit Maßnahmen, die konkreten Herausforderungen wie einer unzureichenden Anbindung an den bestehenden ÖPNV, dem Rückzug von Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten sowie mangelhaften Mobilitätsangeboten für Menschen ohne Fahrerlaubnis begegnen sollen. Im Zuge des geförderten Projektes „LandMobil“ soll die Einführung von E-Fahrzeug-Sharing als eine Möglichkeit der bedarfsorientierten Flächenerschließung im ländlichen Raum erprobt werden. Umgesetzt werden soll dies mit Sharing-Stationen in teilnehmenden Pilotkommunen. Die E-Fahrzeuge (Autos, Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt 100.000 Bäume im Landkreis Neu-Ulm in Klimawäldern gepflanzt worden sein. Das heißt, es handelt sich hierbei um keine Neupflanzung in bereits bestehenden Wäldern. Vielmehr werden die Wälder komplett neu entstehen. Für 2020 ist geplant, die nächsten 7.000 Bäume auf zwei landkreiseigenen Grundstücken mit einer Fläche von 1,4 ha zu setzen. Die Aktion soll künftig als Kooperationsprojekt des Landkreises mit den Gemeinden fortgeführt werden. Zudem ist ein Ökosponsoring geplant, indem die ansässigen größeren Wirtschaftsunternehmen in das Projekt miteinbezogen werden. Neben der CO -Bindung steht auch der Arten- und Natur² schutz im Fokus. Die Wälder sind keine Wirtschaftswälder. 19 KLIMASCHUTZ Wichtiger sind z. B. die Erhaltung und Förderung von Totholz – unter anderem als Lebensraum für Tiere –, eine nachhaltige und naturverträgliche Bestandspflege sowie die Förderung der Naturverjüngung. V Landkreis Oldenburg: Klimaallianz in der Landwirtschaft Im Landkreis Oldenburg sind bereits viele Projekte und Initiativen umgesetzt, die zum Schutz des Klimas beitragen. So spielt bspw. die Nutzung von erneuerbaren Energien im Kreisgebiet eine bedeutende Rolle. Im Jahr 2014 wurde zudem ein umfangreiches Klimaschutzkonzept erstellt. Ein Klimaschutzteam initiiert hieraus viele unterschiedliche Maßnahmen, wie z. B. den Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-Autos, Bürgerautos, Baumpflanzaktionen, Klimaschutzwettbewerbe, Repair-Cafés und diverse Beratungskampagnen. Der Landkreis Oldenburg ist geprägt durch einen breitgefächerten Branchenmix aus Landwirtschaft, Industrie, Handel, Dienstleistung und Handwerk. Die Landwirtschaft im Kreisgebiet stellt dabei einen besonders bedeutsamen Produktionssektor dar, der rund 65 % der Fläche des Landkreises bewirtschaftet. Wegen der großen Bedeutung der Landwirtschaft in der Region hat der Landkreis Oldenburg im Jahr 2015 die „Klimaallianz in der Landwirtschaft“ ins Leben gerufen. Für dieses Projekt sind die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Kreislandvolkverband Oldenburg e. V. und der Landkreis Oldenburg eine Kooperation eingegangen. Gemeinsam entwickelte man eine Strategie, landwirtschaftliche Betriebe in Bezug auf ihren möglichen Beitrag zum Klimaschutz zu sensibilisieren und für Klimaschutzmaßnahmen zu aktivieren mit dem Ziel, eine signifikante Reduzierung der Treibhausgasemissionen in landwirtschaftlichen Betrieben zu erreichen. Die Grundschulklasse 4c aus Buch pflanzt gemeinsam mit der Kommunalpolitik die ersten Bäume für einen Klimawald bei Unterroth. © Landratsamt Neu-Ulm/Kerstin Weidner „Wir wollen regional unseren Beitrag zu einer globalen Aufgabe leisten“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger beim Startschuss für das Projekt. Deshalb habe der Landkreis überlegt, was er konkret leisten könne. Dabei ist die Idee mit dem Klimawald entstanden. Die Maßnahme initiiert und umgesetzt hat Michael Angerer, Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Landschaftsplanung am Landratsamt Neu-Ulm. Unterstützung und fachliche Hilfe gab es von Revierförster Bernd Karrer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach. „Die Zunahme des CO - und Methangas-Ausstoßes weltweit ² ist alarmierend“, erläuterte Angerer. Dies führe zu einer globalen Erwärmung. „Die dadurch hervorgerufenen Klimaveränderungen sind auch bei uns spürbar. Trocken- und Hitzeperioden verstärken und verlängern sich. Lokale Unwetterereignisse mit Starkregen und Stürmen nehmen zu.“ Der Landkreis Neu-Ulm möchte daher eine Vielzahl an Natur-, Arten- und Klimaschutzmaßnahmen aktiv umsetzen. Im Bundesgebiet entfallen etwa 8 % der Gesamtemissionen von Treibhausgasen auf die Landwirtschaft. In Niedersachsen gehen sogar 27 % des Treibhausgasausstoßes auf das Konto der Landwirtschaft. Dieser hohe Anteil zeigt das große Potential des Sektors für den Klimaschutz im Landkreis Oldenburg. Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Unterroth, Gerhard Struve, Vertreterinnen und Vertretern der Kommunalpolitik sowie Schülerinnen und Schülern der Grundschulklasse 4c aus Buch griff Landrat Freudenberger beim Startschuss der Aktion tatkräftig zum Spaten. Insgesamt wurden 6.350 Eichen, 1.550 Linden und Hainbuchen sowie 400 heimische Sträucher gepflanzt. Aber nur bei den ersten hundert Bäumen hieß es Hand anlegen für die fleißigen Helferinnen und Helfer. Den Rest übernahm ein professioneller Pflanztrupp. Beratung in einem landwirtschaftlichen Betrieb. © hearts&minds/Difu Eine Kombination von Informationsveranstaltungen zu einer ersten Beleuchtung des Themas in der landwirtschaftlichen Praxis zusammen mit einer einzelbetrieblichen, 20 KLIMASCHUTZ sowie Unternehmen und Verwaltungen bei Fragen der energetischen Sanierung des Gebäudebestands oder bei Neubauvorhaben zu beraten. Aus diesem Grund wurde in allen 13 Städten und Gemeinden des Kreises eine regelmäßige Beratersprechstunde eingeführt. Hier erhalten die Ratsuchenden Antworten auf ihre Fragen rund um die energetische Sanierung. Mit regelmäßigen Vorträgen und Infoabenden oder bei Teilnahmen an regionalen Verbrauchermessen wirbt das EnergieEffizienzNetzwerk für die energetische Sanierung und gibt Tipps. Neben den Energieberatungen spielt auch die Aufklärung eine große Rolle. Seit die Einspeisevergütungen für Photovoltaik-Anlagen sinken, herrscht landauf, landab die Meinung vor, Photovoltaik-Anlagen rentierten sich nicht mehr. Die Folge: Immer weniger Photovoltaik-Anlagen wurden gebaut. Der Landkreis Saarlouis geht hier mit positivem Beispiel voran und klärt auf, dass sich selbst produzierter Strom weiterhin lohnt. Durch den Eigenverbrauch steigert man die Rentabilität und schützt das Klima. vertiefenden Klimaschutzberatung wurde bei der strategischen Ausrichtung als besonders wirkungsvolle Methode herausgearbeitet. Die teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe erhalten so in einem ersten Schritt einen Überblick über die Auswirkungen des Klimawandels, um in einer anschließenden individuellen Beratung konkrete Möglichkeiten klimafreundlicher Handlungsalternativen für sie aufgezeigt zu bekommen. Kostenfreie Vorträge auf agrarwirtschaftlichen Fachveranstaltungen beleuchten die generellen Ursachen und die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Landwirtschaft. Dabei geht es bspw. um Anpassungsmöglichkeiten im Pflanzenbau, Risiken durch zunehmende Trockenperioden in den Sommermonaten und Starkregenfällen sowie die Nutzung von sich aus einer verlängerten Vegetationsperiode ergebenden Chancen. Für die betriebsindividuellen Klimabilanzierungen kommt ein Rechentool der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Einsatz. Bei diesen Klimabilanzierungen erfahren die Landwirte, wie klimaschonend sie in ihrem Betrieb im Vergleich zu anderen Betrieben wirtschaften. Auf Grundlage dieser einzelbetrieblichen Klimabilanz erarbeiten die Berater gemeinsam mit den Landwirtschaftsbetrieben Möglichkeiten zu ihren Treibhausgasreduzierungen. Viele der empfohlenen Maßnahmen tragen zur Treibhausgasminderung und gleichzeitig auch zu einer höheren Wirtschaftlichkeit der Betriebe sowie der Steigerung der damit verbundenen Wertschöpfung bei. Zum Beispiel können durch eine Optimierung der Futterqualität und die Verringerung von Futterverlusten Kosten reduziert werden. Im Pflanzenbau können durch die Verringerung von Ammoniakverlusten höhere Kosten beim Mineraldüngereinkauf vermieden werden. Landrat Patrik Lauer (4. v. l.) und der Klimaschutzmanager des Landkreises Saarlouis, Ralf Rupp (links), zusammen mit Mitgliedern des EnergieEffizienzNetzwerks. © Landkreis Saarlouis/Yannick Hoen Die Agrarunternehmen können mit der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen oftmals nicht nur wirtschaftlicher und effizienter arbeiten, sondern dem Endverbraucher zudem klimaschonend erzeugte Produkte anbieten und damit auch einen Marketingvorteil erzielen. Seit Beginn der Beratungstätigkeiten wurden bislang mehr als 3.000 Beratungen durchgeführt. Durch die regelmäßigen Beratungsstunden konnten auch die KfW-Förderanträge deutlich gesteigert werden. So verdoppelten sich die bewilligten Förderanträge im Jahr 2016 bezogen auf das Jahr 2012. Die Wertschöpfung aus diesen Energieberatungen ist für den Landkreis immens. Allein in den Jahren 2015/2016 wurden so mehr als 56 Mio. € (laut der KfW-Datenbank) an Fördergeldern in den Landkreis geholt. Auch die Nachfrage an Photovoltaik-Anlagen und Speichertechniken konnte durch die Aufklärungsarbeit so wieder gesteigert werden. V Landkreis Saarlouis: Energieberatung Der Landkreis Saarlouis hat 2015 das EnergieEffizienzNetzwerk gegründet. Gründungsmitglieder des Netzwerkes sind die 13 Kommunen sowie die Handwerkskammer, der Verein der Gebäudeenergieberater Saar e. V. und die Verbraucherzentrale Saarland. Die Stabsstelle Klimaschutz des Landkreises Saarlouis moderiert das Netzwerk und koordiniert ihr Handeln. Von all diesen Maßnahmen profitieren Händler, Handwerker, Industrie, Bürger und Gemeinden gleichermaßen. Durch steigende Auftragszahlen, niedrigere Energiekosten und steigende Gewerbesteuern wird die gesamte Region gestärkt und für die Zukunft gerüstet. Die Investitionen schaffen und sichern Arbeitsplätze und stützen den Wohlstand. Ziel des Netzwerkes ist es, die Bürgerinnen und Bürger 21 KLIMASCHUTZ Handwerkskammer, IHK, Innungen oder/und Energieberaterinnen und Energieberater möglich. V Landkreis Teltow-Fläming: Energierundgänge Gestartet wurde das Projekt 2017 in der Landbäckerei Röhrig in Blankensee für das Bäckerei-/Konditoreihandwerk. Es folgten das Fleischerei-/Metzgereihandwerk, die Kfz-Innung und beim Energietag Teltow-Fläming 2018 das Einzelhandelsgewerbe mit mehr als 50 Interessierten. Der Energierundgang im Oktober 2019 im Flair Hotel Reuner in Zossen für Hotel- und Gaststättenbetreiberinnen und Gaststättenbetreiber verband erstmals die Themen Energieeffizienz und Elektromobilität miteinander. Möglich wurde dieses durch eine enge Kooperation des Landkreises mit der Industrie- und Handelskammer Potsdam, der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH, der Brandenburgischen Energie-Technologie-Initiative, dem Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg und anderen. Die Kosten für Energie stellen kleine und mittelständische Betriebe (KMU) oftmals vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Nicht selten erreichen die Ausgaben für elektrischen Strom, Heizung und Warmwasser je nach Branche und Unternehmensgröße zwischen 10 und 15 % des Umsatzes. Effiziente Geräte, die Optimierung von Betriebsabläufen und die bedarfsgerechte Eigenerzeugung von Wärme und Strom senken diese Kosten erheblich, nicht selten bis zu 50 %. Verbunden hiermit ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Unternehmerinnen und Unternehmer verfügen aber oftmals weder über personelle noch zeitliche Ressourcen, um sich detaillierte Kenntnisse über Energieeffizienz, Energieerzeugung und -einsparung anzueignen. Was liegt also näher, als das Wissen und die Erfahrung anderer zu nutzen? Inspiriert vom Landkreis Gießen im Rahmen des RegioTwin-Projektes initiiert die Klimaschutzkoordinierungsstelle des Landkreises Teltow-Fläming seit 2017 regelmäßig kostenlose Energierundgänge in Unternehmen, die in Sachen Klimaschutz und Energieeinsparung als Vorbild gelten. Der Teilnehmerkreis stammt aus derselben Branche wie der Vorzeigebetrieb. Damit wird sichergestellt, dass die vorgestellten Maßnahmen übertragbar sind. Die gemeinsamen Anstrengungen lohnen sich, denn schließlich gilt: Die klimafreundlichste Kilowattstunde ist die, die nicht erzeugt werden muss. V Kreis Viersen: Nachhaltiges und digitales Bauen Aus welchem Material besteht die Fassadendämmung? Welche Kunststoffe befinden sich in den Kabelkanälen? Und woraus besteht der verlegte Teppichboden? Bauvorhaben werden immer komplexer. Die beteiligten Fachplaner und Ämter müssen sich mit der rasanten technischen Entwicklung auseinandersetzen. Sie ist verbunden mit enorm anwachsenden Vorschriften und Regelwerken sowie den gestiegenen Ansprüchen an die Nachhaltigkeit. Mit der Einführung von BIM (Building Information Modeling) beim Kreis Viersen wird die Kommunikation und Zusammenarbeit in den Projekten transparenter. Unter BIM versteht man eine innovative, auf digitalen Werkzeugen basierende Methode, die sowohl den Prozess der Planung und des Bauens als auch des Gebäudebetriebs ganzheitlich unterstützt und optimiert. Sie ist Voraussetzung, um eine konsequente zirkuläre Wertschöpfung, also Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, verwirklichen zu können. Auf Grundlage eines digitalen Bauwerkmodells, dem BIMKoordinationsmodell, werden dabei sämtliche Prozesse im Verlauf eines Bauprojekts virtuell dargestellt und innerhalb einer Datenbank die Informationen zugeordnet. Es entsteht ein „Digitaler Zwilling“ des Gebäudes, der sich von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zum Abriss sinnvoll verwenden lässt. Zusätzlich liefert eine Materialdatenbank die Grundlage, die verwendeten Baustoffe beim Abriss sortenrein zurückbauen und wiederverwenden zu können. Energierundgang im März 2017 in der Landbäckerei Röhrig in Blankensee. © Landkreis Teltow-Fläming Die Veranstaltung beginnt jeweils mit einer theoretischen Einführung. Dargestellt werden die energetische Ausgangssituation des gastgebenden Unternehmens und der Werdegang der erfolgreich umgesetzten Maßnahmen. Gab es Rückschläge, werden auch diese nicht verschwiegen. Schließlich sollen sie den interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erspart bleiben. Der anschließende Rundgang ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen: Was ist sinnvoll in Hinblick auf den Klimaschutz, was ist technisch machbar und was ist am Ende wirtschaftlich? Vertreterinnen und Vertreter des Landes oder deren Beauftragte geben zum Abschluss einen Überblick über die Fördermittellandschaft. Auch ist ein Austausch untereinander, mit 22 KLIMASCHUTZ zu einer herkömmlichen Bauweise bei den Kosten erhebliche Einsparpotentiale generiert werden. In der Nutzungsphase werden bei der Instandhaltung 30 % und bei den Energiekosten 45 % gespart. Die CO -Steuer mit ihren zu² künftigen Steigerungen wird diese Ersparnis noch weiter anwachsen lassen. Selbst am Ende des Lebenszyklus des Gebäudes werden beim Abriss noch 10 % Kostenersparnis durch den Gebäuderestwert und vermiedene Deponierungen erzielt. Gebäude tragen erheblich zum heutigen Ressourcenverbrauch und CO -Ausstoß bei und spielen auch bei der spä² teren Entsorgung eine wesentliche Rolle. Es ist daher Anspruch des Kreises Viersen, Gebäude zu errichten, die sich durch ein ausgereiftes Nutzungskonzept sowie eine energieeffiziente und langlebige Gestaltung auszeichnen. Zukunftsfähiges und nachhaltiges Bauen und Betreiben setzt dabei eine ganzheitliche und integrale Planung voraus. Bereits in der frühen Planungsphase werden die Weichen für die spätere Nachhaltigkeitsqualität eines Gebäudes gestellt. Daher gilt es, die Aspekte der Nachhaltigkeit in allen Planungs­ , Bau­und Bewirtschaftungsprozessen entsprechend zu berücksichtigen, um die Qualität des Gebäudes herzustellen (Neubau), aufrecht zu erhalten (Betrieb) und zu verbessern (Bauen im Bestand). Hierbei steht der Lebenszyklus des Bauwerkes im Vordergrund. Erst die Betrachtung über den Lebenszyklus kann Aufschluss über die tatsächliche Qualität eines langfristig genutzten Gebäudes geben. Eine Animation zeigt, wie das neue Kreisarchiv aussehen soll. © Kreis Viersen Das Kreisarchiv bildet beim Kreis Viersen den Startpunkt für die nachhaltigen Bauprojekte der nächsten Jahre. In unmittelbarer Nähe zum Kreisarchiv werden das neue Straßenverkehrsamt sowie eine Förderschule entstehen. Hier läuft aktuell der Architektenwettbewerb. Die Planungen erfolgen auf Grundlage der geforderten Kriterien zur Nachhaltigkeit und digitalen Vorgehensweise. So profitieren alle Beteiligten bei diesem Bauprojekt. Der Nutzer freut sich über ein funktionales und gesundes Gebäude, das Gebäudemanagement erwirbt wertvolle Praxiserfahrung für zukünftige Neubauten, der Kämmerer kann Einsparungen von 6,96 Mio. € im Lebenszyklus des Gebäudes erwarten und die Umwelt wird durch geringe Mengen an Abfall und CO kaum noch belastet. ² © Kreis Viersen Als erstes Projekt wird das Kreisarchiv Viersen nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung geplant und gebaut. Alle Baustoffe und Einrichtungsgegenstände sollen wiederverwendbar sein, das Gebäude soll mehr Energie erzeugen als es verbraucht. So werden beim Neubau des Kreisarchives Viersen viele umweltfreundliche Technologien in innovativer Kombination geplant und umgesetzt. Etwa ein Kraftdach mit Sonnenkollektoren und Photovoltaik in Verbindung mit einer Wärmepumpe und einem Eisspeicher. Fossile Energieträger müssen für die Wärme- oder Kältegewinnung nicht mehr eingesetzt werden, einen Gasanschluss an das Gebäude gibt es nicht mehr. Die Außenanlagen laden zur naturnahen Pause ein, lassen das Regenwasser versickern und erhöhen die Biodiversität des Standortes. Infolge einer konsequenten Beachtung der Prinzipien einer zirkulären Wertschöpfung beim Bauen können im Vergleich 23 KLIMASCHUTZ Produkte aus „Holz der kurzen Wege“ und ihre Bedeutung für den Klimaschutz und die regionale Wertschöpfung Warenströme von Nadelschnittholz entstehen in Deutschland rechnerisch etwa 800.000 t CO²-Emissionen pro Jahr. Kurze Wege in den Vorketten sind der Haupthebel zur Bewahrung einer optimalen Klimabilanz bei Holzprodukten. Das Steuerungsinstrument hierfür liefert das Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER. Alle für Kommunen relevanten Produktgruppen gibt es mit dem Label: Büroeinrichtungen, Büromöbel, Bürobedarf wie Papier, Energieholz, klassisches Bauholz, Konstruktionsvollholz, Brettschichtholz, Brettsperrholz, Massivholzmauern und Bauelemente wie Fenster, Türen, Böden, Decken, Treppen sowie Hölzer und Produkte für Außenanlagen, Terrassen, Parkbänke, Spielplätze und mehr. von Dr. Gabriele Bruckner und Dr. Philipp Strohmeier, Geschäftsführer der HOLZ VON HIER gGmbH HOLZ VON HIER unterstützt Kommunen bei klimafreundlicher Beschaffung und Bau © Holz von Hier Das Label HOLZ VON HIER zeichnet herausragend klimaund umweltfreundliche Produkte aus. Es ist ausschreibungsfähig, fremdüberwacht, produktbezogen und nicht diskriminierend (Umweltzeichen Typ 1 gemäß ISO 14024). Es sorgt für eine optimale Klimabilanz kommunaler Objekte und hat einen klaren Bezug zum Auftragsgegenstand klimafreundlicher Beschaffung. Eine Integration des Umweltzeichens in technische Spezifikationen, Zuschlagskriterien oder Leistungsbedingungen des Auftrages im Hinblick auf Klima- und Umweltschutzkriterien sind zulässig und mit dem Label sehr einfach umsetzbar. Da HOLZ VON HIER als eines der Kriterien für den Rohstoff auch Forstmanagementzertifikate für die nachhaltige Waldbewirtschaftung einfordert, ist HOLZ VON HIER in der Gebäudezertifizierung bei der Deutschen Gesellschaft Nachhaltiges Bauen sowie im baubook Österreich bereits als Nachweis für Holz aus nachhaltiger verantwortlicher Rohstoffgewinnung anerkannt. Das Label ist in allen relevanten Plattformen für nachhaltigen Konsum, Beschaffung, Ausschreibung und Bauen gelistet. International anerkannte Nachhaltigkeitsexperten betonen seine Bedeutung für den Klimaschutz. Das HOLZ VON HIER-Zertifikat (Urkunde) dient als produktbezogener Nachweis. Mit HOLZ VON HIER können Kommunen erstmals Klimaschutz und regionale Wertschöpfung angemessen, begründbar und überprüfbar miteinander verbinden. Der Klimawandel ist eine der zentralen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die deutschen Landkreise und Gemeinden sind hier in vielerlei Hinsicht Vorbilder in Klimaschutzfragen. Die verstärkte Verwendung von Holz gilt nicht nur als nachhaltig, sondern auch als Klimaschutzbeitrag. Dieser Beitrag hängt heute jedoch maßgeblich von der Herkunft und den Transporten in den Vorketten der Produkte ab. Nur mit klimafreundlichem Holz der kurzen Wege können Gemeinden und Landkreise Klimaschutz und regionale Wertschöpfung verbinden. Herkunft und Transporte in den Vorketten sind bei Holzprodukten entscheidend für die Klimabilanz Bisher steht bei Beschaffung und Bau die Nutzungsphase („Rote Energie“) im Fokus. Wie klimafreundlich ein Produkt aber tatsächlich ist, hängt maßgeblich von den Vorketten („Graue Energie“) ab. Anders als Elektrogeräte oder Lampen sind Baustoffe oder Büroausstattungen in der Nutzungsphase „innert“ und verbrauchen hier weder Energie noch Rohstoffe, weshalb die Vorketten entscheidend für deren Klimaund Umweltbilanz sind. Je energieeffizienter Bauelemente wie Fenster und ganze Gebäude sind, desto wichtiger für die Klimabilanz sind Vorketten der verwendeten Baustoffe. In den Vorketten sind für den Klimaschutz vor allem die Produktion und die Transporte des Holzes entlang der gesamten Verarbeitungskette bis zur Kommune relevant. Je nach Herkunft können die Transporte gering sein („Holz der kurzen Wege“) oder den entscheidenden Anteil an den Gesamtemissionen ausmachen. Unverbindliche und kostenfreie Unterstützung für Kommunen Die gemeinnützige Initiative HOLZ VON HIER mit ihrem Stakeholder-Kuratorium sowie beigeordneten Fachbeiräten und Expertenpanel hilft Kommunen unverbindlich und kostenfrei, Klimaanforderungen in Beschaffung, Ausschreibung und beim Bau zu verwirklichen. Im Stakeholder-Kuratorium vertritt der Deutsche Landkreistag die kommunalen Belange. Die HOLZ VON HIER-Bundesgeschäftsstelle unterstützt außerdem bei konkreten Fragen zu klimafreundlichem Bauen und Beschaffen. ■ Auch bei Holzprodukten ist der Markt inzwischen global geworden und alle Holzsortimente werden sowohl exportiert als auch importiert. Rein rohstofflich wäre der größte Teil dieser sich gegenseitig überlappenden Warenströme vermeidbar. Beispielsweise allein durch überlappende 24 KLIMASCHUTZ III. Erneuerbare Energien Umfrageergebnisse: Erneuerbare Energien in den Landkreisen Bis 2030 sollen gemäß dem Ziel der Bundesregierung 65 % des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden, um die angestrebten Klimaschutzziele zu erreichen. In der Umfrage des Deutschen Landkreistages sahen mit Blick auf das Ausbauziel die Kreisverwaltungen noch vielfältiges Potenzial für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien im Kreisgebiet (vgl. Abb. 7). Auch wenn jetzt schon die Solarenergie in den Landkreisen praktisch flächendeckend genutzt wird, sehen 96 % der Landkreise insbesondere hier noch das größte Ausbaupotenzial. Auch in Bezug auf Erdwärme und Windkraft werden von 72 % bzw. 61 % der Kreisverwaltungen noch Potenziale gesehen. Für den Ausbau der Bioenergienutzung sieht knapp der Hälfte (48 %) der teilnehmenden Kreisverwaltungen noch Potenzial. In der Umfrage des Deutschen Landkreistages wurden die Kreisverwaltungen nach der aktuellen Nutzung von erneuerbaren Energien im Kreisgebiet gefragt. In den Landkreisen werden demnach erneuerbare Energien in verschiedenen Formen genutzt (vgl. Abb. 6). Gerade in ländlichen Räumen ist die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen von besonderer Bedeutung. Viele Landkreise haben Energiekonzepte entwickelt, in denen unter Rückgriff auf erneuerbare Energien sowie mittels verstärkter Bemühungen für einen sparsamen und ressourcenschonenden Umgang mit Energie das Ziel einer weitgehenden Versorgungsautonomie für das Kreisgebiet angestrebt wird. Unabhängig von der möglichen Wertschöpfung bedeutet der Ausbau der erneuerbaren Energien für die ländlichen Räume oftmals zugleich eine Belastung. Während die Städte mit „sauberem Strom“ versorgt werden, wirken sich die vor allem im ländlichen Raum befindlichen Windkraft- und Solarparks sowie Bioenergieanlagen nicht nur auf Natur und Landschaftsbild aus, sondern können abhängig vom Anlagentyp auch durch Emissionen die Anwohner belasten. Ebenso werden die zum Transport des regenerativ erzeugten Stroms erforderlichen Übertragungsleitungen vor allem in den ländlichen Räumen errichtet. Welche Formen von erneuerbaren Energien werden in Ihrem Landkreis aktuell bereits genutzt? 60 80 Sonnenenergie 157 Bioenergie 150 Windkraft 136 Erdwärme 128 Wasserkraft 107 100 120 140 160 Die Betroffenheit des ländlichen Raumes als Standort für Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie (Windenergie, Freiflächen-Photovoltaik, Bioenergie) wie zur Energieübertragung (Übertragungsleitungen) ist besonders hoch. Welche Maßnahmen können im Verhältnis Land-Stadt als Ausgleich für die mit der Energiewende verbundenen Belastungen dienen bzw. die regionale Wertschöpfung erhöhen? 0 Aktuell keine Nutzung Abbildung 6 Für den Ausbau welcher Nutzungen von erneuerbaren Energien sehen Sie in Ihrem Landkreis mit Blick auf das 65 %-Ausbau-Ziel bis 2030 (noch) Potenzial? Maßnahmen zur Umsetzung gleichwertiger Lebensverhältnisse 145 Höhere/bevorzugte Förderung von Klimaschutz 103 Starke finanzielle Beteiligung der betroffenen Kommunen an Vorhaben 0 25 50 75 100 125 150 175 99 Verstärkter Ausbau von Dachflächen-Photovoltaik-Anlagen im städtischen Bereich 99 Regionale Senkung von Stromkosten 53 Erhöhung der Pendlerpauschale 24 114 Sonstiges 12 Windkraft 97 Kein Ausgleich erforderlich/möglich Bioenergie 76 Wasserkraft 30 Sonstiges 15 Sonnenenergie 151 Erdwärme Kein Potenzial 0 Abbildung 8 Um diese Belastungen durch den Ausbau der erneuerbaren Energien im Land-Stadt-Verhältnis auszugleichen, sprechen sich in der Umfrage 92 % der Kreisverwaltungen für Maßnahmen zur Umsetzung gleichwertiger Lebensverhältnisse aus (vgl. Abb. 8). Solche Maßnahmen z. B. in den Bereichen digitale Infrastruktur, ÖPNV oder medizinische Versorgung 2 Abbildung 7 25 ERNEUERBARE ENERGIEN zielen generell darauf ab, die Entwicklungschancen der ländlichen Räume zu wahren. Einen unmittelbaren Vorteil würden die betroffenen Kommunen aus den ErneuerbareEnergien-Anlagen ziehen, wenn sie an den Vorhaben stärker finanziell beteiligt würden, was 63 % der Kreise anregen. Ähnlich viele Landkreise sprechen sich dafür aus, den Klimaschutz in den ländlichen Räumen stärker zu fördern und im städtischen Bereich den Ausbau von DachflächenPhotovoltaik-Anlagen zu intensivieren, um dort den „sauberen Strom“ direkt vor Ort zu erzeugen. Über welche Themen gibt es in Ihrem Landkreis Konflikte im Zusammenhang mit bestehenden oder geplanten Windenergieanlagen? 0 Windkraftanlagen In der Umfrage des Deutschen Landkreistages haben 8 % der Kreisverwaltungen angegeben, dass im jeweiligen Kreisgebiet bislang keine Windkraftanlagen errichtet wurden (vgl. Abb. 9). Dagegen sind in der überwiegenden Zahl der Landkreise in unterschiedlichem Umfang Windkraftanlagen errichtet worden. Die Kreisverwaltungen führen in den Ländern regelmäßig die Genehmigungsverfahren für diese Anlagen durch, sodass sie nicht nur mit deren Wertschöpfungs-, sondern auch mit deren Konfliktpotenzial gut vertraut sind. Arten- und Naturschutz 136 Beeinträchtigung des Landschaftsbilds 128 Abstände zur Wohnbebauung 126 Flächenverfügbarkeit 62 Flugsicherung 54 Sonstiges 22 keine Konflikte 20% 10% 4% 8% 1 bis 10 11 bis 50 51 bis 200 201 bis 500 mehr als 500 keine 10% 28% 80 100 120 140 Wie bewerten Sie die generelle Akzeptanz für (weitere) Windenergieanlagen in Ihrem Landkreis? 30% 24% 60 4 0% 22% 40 Abbildung 10 Wie viele Windenergieanlagen gibt es in Ihrem Landkreis? 0 20 10% sehr hoch 0 eher hoch 9 mittel 34 eher gering 38 sehr gering 15 20% 30% 40% Abbildung 11 Welche akzeptanzförderlichen Maßnahmen halten Sie in Bezug auf Windkraftanlagen für wichtig? Abbildung 9 Fast alle Kreisverwaltungen geben in Bezug auf die bereits bestehenden sowie die geplanten Windkraftanlagen an, dass es vor Ort zu Konflikten kommt (vgl. Abb. 10). In 86 % der Landkreise kommt es demnach zu Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Arten- und Naturschutz. In 81 % bzw. 80 % der Landkreise entzünden sich die Konflikte an der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch die Windkraftanlagen bzw. an deren Abständen zur Wohnbebauung. Vor diesem Hintergrund wird die generelle Akzeptanz im Kreisgebiet für die Errichtung (weiterer) Windkraftanlagen von den Kreisverwaltungen am häufigsten als „eher gering“ (38 %) bzw. „mittel“ (34 %) eingeschätzt (vgl. Abb. 11). Gefragt nach Maßnahmen, die geeignet sind, die Akzeptanz von Windkraftanlagen zu fördern, nennen 78 % der Stärkung von Bürgerenergieprojekten 123 Stärkere finanzielle Beteiligung der betroffenen Gemeinden 111 Stärkere Plausibilisierung und Transparenz der Ausbauziele/Planungsgrundlagen 73 Stärkere Konkretisierung des Artenschutzes für die Anwender durch den Gesetz- und Verordnungsgeber 73 Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung 62 Pauschale Abstandsregelung zu Wohnbebauung von 1.000 m 37 Stärkung der Einwirkungsmöglichkeiten der Landkreise auf Standortentscheidungen 37 Finanzielle Beteiligung auch des betroffenen Landkreises 33 Sonstiges 22 Keine Akzeptanzsteigerung möglich/notwendig 10 Abbildung 12 26 ERNEUERBARE ENERGIEN Am häufigsten kommt es im Zusammenhang mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen laut den Kreisverwaltungen zu Konflikten um die Flächenverfügbarkeit (vgl. Abb. 14). Während dies 61 % der Landkreise betrifft, geben 50 % der Kreisverwaltungen an, dass die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes für Auseinandersetzungen sorgt. Der Arten- und Naturschutz sowie der Abstand zur Wohnbebauung sorgen dagegen – anders als bei Windkraftanlagen – in deutlich geringerem Umfang für Konflikte. Kreisverwaltungen die Stärkung von Bürgerenergieprojekten (vgl. Abb. 12). Wenn die Bürger vor Ort eine Genossenschaft gründen, um Erneuerbare-Energien-Projekte umzusetzen und zu betreiben, schafft dies nicht nur regionale Wertschöpfung, sondern bietet auch die Möglichkeit zur bürgerschaftlichen Mitbestimmung. 70 % der Kreisverwaltungen halten daneben eine stärkere finanzielle Beteiligung der betroffenen Gemeinden für zielführend, um die Akzeptanz vor Ort zu steigern. Photovoltaik-Freiflächenanlagen Wie bewerten Sie die generelle Akzeptanz für (weitere) Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen in Ihrem Landkreis? In 87 % der Landkreise wurden bereits Photovoltaik-Freiflächenanlagen (Solarparks) in unterschiedlicher Anzahl errichtet (vgl. Abb. 13). Diese Anlagen befinden sich nicht auf oder an Gebäuden, sondern z. B. auf versiegelten Flächen, entlang von Autobahnen oder Schienenwegen, auf Konversionsflächen und – unter bestimmten Umständen – auch auf Acker- oder Grünland. Den Kreisverwaltungen obliegt in der Regel die Genehmigung entsprechender Vorhaben. 0% Wie viele Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen (Solarparks) gibt es in Ihrem Landkreis? 20% sehr hoch 0 eher hoch 36 mittel 46 eher gering 10 sehr gering 2 40% 60% 80% 100% 30% Abbildung 15 20% Die generelle Akzeptanz für (weitere) Photovoltaik-Freiflächenanlagen im Kreisgebiet wird von den Kreisverwaltungen am häufigsten als „mittel“ (46 %) bzw. „eher hoch“ (36 %) eingeschätzt (vgl. Abb. 15). ■ 29% 6% keine 13% 10 oder mehr 20% 7 bis 9 25% 4 bis 6 0 1 bis 3 10% Abbildung 13 Bei welchen Themen gibt es in Ihrem Landkreis Konflikte im Zusammenhang mit Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen? 0 20 Flächenverfügbarkeit 97 Beeinträchtigung des Landschaftsbildes 79 Arten- und Naturschutz 49 Abstände zur Wohnbebauung 16 Sonstiges 13 keine Konflikte 33 40 60 80 100 Abbildung 14 27 ERNEUERBARE ENERGIEN Windenergie als Chance – Wertschöpfung als Schlüssel Dass lokale Akteure auch anderweitige Erfahrungen machen, steht dazu nicht im Widerspruch. Das Meinungsbild vor Ort kann sich in den unterschiedlichen Phasen des Planungs- und Genehmigungsprozesses verändern und phasenweise auch von Sorgen und Bedenken geprägt sein. Die Umfragen zeigen jedoch: Im Vorfeld von Windenergieplanungen haben die Betroffenen überwiegend keine oder weniger große Bedenken. Und nach der Projektrealisierung sind die Menschen vor Ort weitgehend mit den Anlagen einverstanden (vgl. Abb. 2).3 von Michael Lindenthal, Ministerialdirigent a. D. Vorstandsvorsitzender der Fachagentur Windenergie an Land e. V. Der kontinuierliche Ausbau der Windenergie an Land ist kein Selbstläufer. Nach Inbetriebnahmen von im Mittel rund 4.200 MW in den Jahren 2014 bis 2018 gingen im vergangenen Jahr lediglich 958 MW neu ans Netz (vgl. Abb. 1). Das für 2030 vereinbarte Ziel, 65 % des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken, ist so nicht erreichbar. Formelle Hemmnisse für den © Michael Lindenthal Windenergieausbau liegen in unterschiedlichen Bereichen, bspw. Genehmigungsverfahren, Flugsicherung, Artenschutz und Denkmalschutz.1 Zentrale Herausforderungen sind zudem die begrenzte Flächenverfügbarkeit und Widerstände der Bevölkerung vor Ort. Infolge der Proteste stehen der Windenergie zum Teil auch Entscheidungsträger übergeordneter Ebenen skeptisch gegenüber. Die politischen Debatten um den Windenergieausbau zeigen jedoch, dass diese passive Akzeptanz alleine nicht ausreicht, um den Widerstand aufzufangen und den Windenergieausbau auf Dauer zu tragen. Dafür ist die aktive Unterstützung der Windenergieprojekte notwendig. Eine Voraussetzung dafür wiederum ist, dass die Windenergie als Chance wahrgenommen und in der Bevölkerung vor Ort als sinnvoll, sicher und gerecht anerkannt wird. Echte Bürgerenergieprojekte, die von ortsansässigen Akteuren geplant, kommuniziert und umgesetzt werden, können dies leisten – doch auch andere Verfahren zur Stärkung von Transparenz und Beteiligung sind sinnvoll.4 Wertschöpfung als Schlüssel Die mit der Windenergie verbundenen Wertschöpfungspotentiale sind beeindruckend. Eine Studie der SUN Stadtwerke Union Nordhessen zeigt, dass Windenergieanlagen, bei denen die Stadtwerke als Projektentwickler und Betreiber auftreten, jeweils eine regionale Wertschöpfung von 400.000 €/Jahr pro Anlage bewirken können.5,6 Diese Wertschöpfungspotentiale sollten im Fokus kommunaler Windenergiepolitik stehen. Auf Ebene des Bundes und der Länder gibt es Bestrebungen und Initiativen zur Stärkung der Wertschöpfung vor Ort durch eine stärkere finanzielle Teilhabe der Kommunen. Entsprechende gesetzliche Vorgaben wurden auf Landesebene bspw. 2016 mit dem Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern und 2019 durch das Windenergieanlagenabgabengesetz in Brandenburg verabschiedet. Auch auf Bundesebene wird seit Anfang 2018 eine zunehmende Zahl verschiedener Vorschläge zur Stärkung der finanziellen Teilhabe diskutiert. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie lässt gegenwärtig in einer Studie die Vor- und Nachteile verschiedener Teilhabe-Konzepte erarbeiten. Nachdem eine Regelung über die Grundsteuer Ende 2019 vom Bundesrat gekippt wurde, konzentriert sich die Diskussion gegenwärtig auf die rechtsichere Ausgestaltung einer kommunalen Umsatzbeteiligung. -77% 2.464 4.182 5.498 4.440 3.804 4.706 Inbetriebnahme neuer Windenergieleistung an Land (in MW) 985 2014 2015 2016 2017 2018 Ø 2014-18 2019 Abbildung 1: Bruttozubau in den Jahren 2014 bis 2019 (FA Wind: Ausbausituation der Windenergie im Jahr 2019). Akzeptanz und Protest – kein Widerspruch Gleichzeitig – und entgegen anderslautender Einschätzungen – gilt jedoch: Die gesellschaftliche Akzeptanz für die Nutzung und den Ausbau der Windenergie an Land ist in Deutschland nach wie vor sehr hoch und liegt seit 2015 bei rund 80 % auch für bestehende Windenergieanlagen vor Ort.2 1 FA Wind (2019): Hemmnisse beim Ausbau der Windenergie in Deutschland – Ergebnisse einer Branchenumfrage, Berlin. 2 FA Wind (2019): Umfrage zur Akzeptanz der Windenergie an Land – Herbst 2019, Berlin, S. 4 f. 28 3 Ebenda 4 Dazu FA Wind (2017): Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung im Kontext der Windenergie. Von der Theorie in die Praxis, Berlin. 5 Für das Szenario mit geringer regionaler Wertschöpfung und externen Projektentwicklern und Betreibern skizziert die Studie eine Wertschöpfung von lediglich 50.000 € pro Anlage/Jahr. 6 Institut für dezentrale Energie (2016): Regionale Wertschöpfung in der Windindustrie am Beispiel Nordhessen, Kassel. ERNEUERBARE ENERGIEN Abbildung 2: Meinungen zu Windenergieanlagen im Wohnumfeld (FA Wind). Betreiber und Investoren aus der Region, verbleibt auch die Wertschöpfung weitestgehend vor Ort.7 Neben finanzieller Teilhabe der Kommunen hängt die jeweilige regionale Wertschöpfungsquote allerdings von zahlreichen weiteren Faktoren ab, die vielerorts nur mittelbar beeinflusst werden können. Wenn maßgebliche Entscheidungen von privaten Akteuren getroffen werden, verringern sich die verbleibenden Handlungsspielräume für Kommunen schnell gravierend. Wenn entsprechende Eignungsflächen nicht in kommunaler Hand sind und sich die Verantwortlichen dem Thema nicht frühzeitig annehmen, beruhen Projekte wesentlich auf individuellen Vereinbarungen zwischen Eigentümern von öffentlich ausgewiesenen Eignungsflächen und Projektentwicklern. Doch auch Kommunen ohne eigene Eignungsflächen können den Prozess entscheidend beeinflussen. Sie können die Öffentlichkeit frühzeitig informieren und die Interessen der Bürgerschaft vertreten. Im öffentlichen Interesse sollte sich die Kommune um einen Dialog zwischen den Flächeneigentümern bemühen und einen Flächenpool initiieren. Die Eigentümer können dann effektiver verhandeln und dabei auch die Interessen vor Ort berücksichtigen. Wichtigste Voraussetzung für eine positive Dynamik vor Ort ist die grundsätzliche Bereitschaft, das Thema Windenergie proaktiv und konstruktiv anzugehen. Die Landkreise können dabei entscheidende Hilfestellungen geben. Sie können Möglichkeiten zur Maximierung der regionalen Wertschöpfung aufzeigen und Kriterien für faire Windenergieprojekte in Klimakonzepten aufnehmen. Absehbare interkommunale Interessenkonflikte könnten von den Kreisen moderiert werden. Bürger und Gemeinden können frühzeitig sensibilisiert und beraten werden, bspw. durch entsprechende Servicestellen oder Klimaschutzmanager auf Kreisebene. Vorreiter wie die Servicestelle Windenergie im Kreis Steinfurt oder das Klimaschutzmanagement im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigen, welche wichtige Rolle die Landkreise bei der erfolgreichen Umsetzung einer nachhaltigen und gerechten Energiewende spielen. ■ Handlungsmöglichkeiten der Kommunen Kommunen müssen also selbst aktiv werden, um öffentliche Interessen für die Projektumsetzung in den Mittelpunkt zu stellen. Die regionale Wertschöpfung sollte dabei von Beginn an mitgedacht werden. Sind Eignungsflächen in kommunalem Besitz, können Pachten verhandelt und Kriterien für die Projektgestaltung festgelegt werden. Für die Entscheidung sollte dann jedoch weniger die Höhe der Pachterträge entscheidend sein als Faktoren wie Transparenz, Bürgerenergie, Mitgestaltung und Wertschöpfung. Die Kriterien können auch unter Beteiligung der Öffentlichkeit definiert und die Windenergie in die nachhaltige Dorf-, Kreis- und Regionalentwicklung integriert werden. Stammen Projektentwickler, 7 29 Ebenda. ERNEUERBARE ENERGIEN Reduktion von CO -Emissionen. In Orientierung an den ² Zielen der Bundesregierung soll bis 2020 gegenüber dem Basisjahr 1990 eine Reduktion von 40 % und bis zum Jahr 2050 von 80 % erzielt werden. Parallel zur Reduktion der CO -Emissionen sollen bis zum Jahr 2030 die ² Anteile erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch aller Sektoren in der StädteRegion Aachen auf 75 % gesteigert werden. V StädteRegion Aachen: Regionaler Energieplan Wie viel Strom kann man in einer Stadt-Land-Region umwelt- und sozialverträglich regenerativ erzeugen? Und wie viel sollte erzeugt werden können? Die StädteRegion Aachen eignet sich aufgrund ihrer landwirtschaftlich geprägten Bördelandschaft, der Naturlandschaft Voreifel sowie dem Oberzentrum Stadt Aachen besonders, diesen zentralen Forschungsfragen auf den Grund zu gehen. Der fortschreitende Klimawandel und die Knappheit fossiler Rohstoffe machen ein Umdenken in Richtung alternativer und regenerativer Energieträger zwingend notwendig. Daher ist die Stromerzeugung durch primäre erneuerbare Energiequellen (Wind, Photovoltaik, Biomasse) in einer Stadt-Land-Region als besonders landnutzungsrelevant einzustufen. Der REPAC formuliert drei Ausbauoptionen für die erneuerbaren Technologien Windenergie, Dach- und Freiflächenphotovoltaik bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen, welche an Akteure und Entscheidungsträger aus Politik, Gewerbe und Industrie, Private und Immobilienbesitzer, Anlagenbetreiber sowie Energieversorgungsunternehmen gerichtet sind. Er dient somit als Anstoß einer nachhaltigen Energiewende in der StädteRegion Aachen. Die Region erhält dadurch die Möglichkeit, Erkenntnisse und Vorschläge aus dem Projekt zu verwirklichen, den Projektansatz auch über die städteregionalen Grenzen hinaus aktiv zu bewerben und andere Akteure oder Regionen bei der Implementierung zu unterstützen. Darstellung der drei Ausbauoptionen im REPAC; Quelle: REPAC, 2018, S. 47. Im Zusammenhang mit der Gestaltung des Strukturwandels wurde bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier der Revierknoten „Energie und Industrie“ geschaffen. Die StädteRegion Aachen implementiert dort die Handlungsempfehlungen aus dem REPAC. Dabei werden Klimaschutz, Strukturwandel und regionale Wertschöpfung synergetisch verknüpft. Das Konzept des Energieparks Herzogenrath dient als Beispiel, in dem sowohl die Erzeugung von Strom aus Sonne, Wind und Biomasse als auch die Bereitstellung von regenerativer Wärme großmaßstäblich umgesetzt werden soll – bis hin zur energieautarken Kommune. Der Regionale Energieplan Aachen 2030 (REPAC) ist das zentrale Abschlussprojekt des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „Regionaler Dialog Energiewende Aachen“, kurz render. Dieser greift das Selbstverständnis der StädteRegion Aachen als innovative Region sowie den Willen der Bürgerschaft auf, aktiv den Ausbau von erneuerbarer Energie zu forcieren. Mit ihren zehn regionsangehörigen Städten verfolgt die StädteRegion Aachen langfristig das Ziel der 100 %-igen 30 ERNEUERBARE ENERGIEN und 1.200 t Biobrennstoff. Der Brennstoff wird verwendet, um einen Teil der Wärme für den Betrieb des Werks zu erzeugen. Es müssen nur noch 1.500 t Grünguthackschnitzel jährlich zur Wärmegewinnung eingesetzt werden. Diese Grünguthackschnitzel stammen aus dem Landkreis Calw und werden aus verholzten Grünabfällen wie Ästen hergestellt. Der Kompost kann als hochwertiger organischer Dünger vermarktet werden. Auch die Asche aus der Verbrennung wird über ein zertifiziertes Verfahren aufbereitet und kann dann als Dünger genutzt werden. Ein Teil der Wärme soll zukünftig für das geplante Kreisfeuerwehrzentrum, welches direkt neben der Vergärungsanlage entstehen soll, verwendet werden. V Landkreis Calw: Bioabfallvergärungsanlage Seit 1998 erfasst und analysiert die Kreisverwaltung des Landkreises Calw den Energieverbrauch und die -einsparungen ihres Fuhrparks sowie der kreiseigenen Einrichtungen in einem jährlichen Energiebericht. Dabei hat sich der Landkreis Calw zum Ziel gesetzt, die Energiegewinnung und -nutzung seiner kreiseigenen Gebäude zu optimieren. So wurde die Energieversorgung der Verwaltungsgebäude und der in Trägerschaft des Landkreises befindlichen Schulen weitgehend auf Holzenergie (Hackschnitzel, Pellets) umgestellt, was im waldreichen Nordschwarzwald auch der regionalen Wertschöpfung dient. Analog dazu wurden auf den kreiseigenen Liegenschaften nach und nach Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von 805 kWp installiert. Hinzu kommt eine Photovoltaikanlage auf einer Gemeinschaftsunterkunft, die von einer Bürgerenergiegenossenschaft betrieben wird. V Landkreis Cochem-Zell: Dorfwärmeprojekte Folgende Meilensteine der Klimaschutzarbeit im Landkreis Cochem-Zell sind besonders hervorzuheben: 2008 Kreistagsbeschluss „Entwicklung zum Null-Emissions-Landkreis“ 2009 - 2015 Teilnahme am Projekt „Bioenergie-Regionen“ des Bundesministeriums © AWG Abfallwirtschaft Landkreis Calw GmbH Ebenso hat die Abfallwirtschaft des Landkreises Calw seit 2005 mehrere Photovoltaikanlagen auf den Deponien, den Recyclinghöfen und an bzw. auf verschiedenen Gebäuden installiert. Pro Jahr beträgt die Gesamtleistung dieser Anlagen knapp 1.300 MWH und die durch sie erzielte CO -Einsparung rund 615 t. ² 2010 Einrichtung des Fachbereichs Kreisentwicklung/Klimaschutz 2010/2011 Entwicklung eines Klimaschutzkonzepts und Einstellung eines Klimaschutzmanagers 2012 Gründung der kreiseigenen Energieagentur „unser-klima-cochem-zell e. V.“ 2014 Auszeichnung des Landkreises mit dem European Energy Award 2015 Projektstart „Cochem-Zeller Energiedorf“ 2016 Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“ im Rahmen der „Nationalen Klimaschutz Initiative“ 2019 Gründung eines dritten Betriebszweiges „Nahwärme“ bei den Kreiswerken Der Landkreis hat sich ehrgeizige Ziele zum Klimaschutz gesetzt: Bis zum Jahr 2050 soll der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen in Cochem-Zell um 95 % gesenkt werden, der Energieverbrauch soll um 50 % sinken. Daneben spart der Landkreis mit weiteren Anlagen CO ² ein und erzeugt gleichzeitig Strom und Fernwärme: zum einen durch die Beteiligung am Restmüllheizkraftwerk Böblingen – die CO -Einsparung beträgt durch das Kreis² kontingent circa 6.100 t pro Jahr –, zum anderen steht die Inbetriebnahme einer neu errichteten Bioabfallvergärungsanlage bevor. Diese wird circa 18.000 t Bio- und Grünabfälle im Jahr verarbeiten. Das größte CO -Einsparpotential ist im Wärmesektor vorhan² den. Durch den Tausch alter Ölheizungen durch Alternativen auf Basis erneuerbarer Energien lässt sich das Potential am besten heben. Hier setzt die kreiseigene Energieagentur „unser-klima-cochem-zell e. V.“ einerseits mit der Kampagne „Clever heizen Cochem-Zell“ an, bei welcher ein Beratungs- und Förderangebot auf den Tausch von Einzelanlagen abzielt andererseits wird der Bau von Nahwärmenetzen (auf Basis von Holzhackschnitzeln und Solarthermie) die derzeit in fünf „Cochem-Zeller Energiedörfern“ geplant werden. Durch die Leistung von 4.200 MWH pro Jahr kann die Bioabfallvergärungsanlage circa 1.200 Haushalte mit Strom versorgen und sie spart auch noch etwa 2.000 t CO pro ² Jahr ein. Ein großer Teil der anfallenden Gärprodukte kann als Dünger, ein weiterer als Brennstoff genutzt werden. Es entstehen jährlich 9.800 t Flüssigdünger, 1.200 t Kompost Im Sommer 2015 startete der Landkreis mit 15 Gemeinden in das Projekt „Cochem-Zeller Energiedorf“. Dort wurden 31 ERNEUERBARE ENERGIEN Anforderungen gerecht zu werden, werden die Maßnahmen nicht isoliert betrachtet: Bei den Projektplanungen geht es auch darum, Synergien zu nutzen und verschiedene Vorhaben sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Das verkürzt Projektabläufe, vereinfacht Planungsstrukturen und spart Kosten. energetische Quartierskonzepte erstellt (gefördert durch die KfW und das Land Rheinland-Pfalz) und damit der Umstieg auf erneuerbare Energien und die Energieeffizienz verstärkt in den Fokus gerückt. Fünf dieser Kommunen sind bereits im Rahmen des Sanierungsmanagements in die Konzeptumsetzung eingestiegen. Dabei ist der größte Anteil die Planung der Dorfwärme. In den Kommunen wurden durch das beauftragte Ingenieurbüro Arbeitskreise geschult, die vor Ort die Akquise betreiben und jedem Haushalt ein individuelles Nahwärmeangebot unterbreiten können. Ein breit aufgestelltes Informationskonzept mit umfangreicher Broschüre und einer virtuellen Nahwärmeführung in Form eines Videos wurde erarbeitet. Im Rahmen der Auftaktveranstaltungen in den Gemeinden konnten mehr als 600 interessierte Einwohnerinnen und Einwohner über das Projekt informiert werden. Innovatives Versorgungskonzept eines Quartiers auf Basis von fast 100 % erneuerbaren Energien. © Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe GmbH Die lokale Verteilung von Wärme durch Nahwärmenetze ist klimafreundlich, da mehrere Gebäude mit nur einem Heizsystem versorgt werden. Das ist effizient und es werden weniger Schadstoffe produziert. Diese Heizzentrale beliefert Wohnhäuser, Betriebe, Quartiere oder Siedlungen mit Wärme. Im Heizkessel der Zentrale wird Wasser erwärmt und über gut isolierte Leitungen zu jedem angeschlossenen Gebäude transportiert. Die Wärmeenergie gelangt direkt in die Häuser und wird dort über einen Wärmetauscher an Warmwassersystem und Zentralheizung übergeben. Das Quartierskonzept im Musikerviertel in der Stadt Ettlingen startete 2013 mit dem Schwerpunkt einer Wärmeversorgung des Gebietes aus 97 % erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung; das Sanierungsmanagement ist seit 2014 KfW-gefördert. Solarthermiekollektoren und ein Biogas-Blockheizkraftwerk auf dem Gelände des Berufsbildungszentrums des Landkreises (BBZ) versorgen die Abnehmer im Sommer mit Wärme für die Warmwasserbereitung. Ergänzt werden sie um einen Gas-Spitzenlastkessel und eine Pelletheizung in der städtischen Schule für die kalte Jahreszeit. Das innovative Versorgungskonzept sichert den Einsatz unterschiedlicher erneuerbarer Energien maßgeschneidert auf die individuelle örtliche Gegebenheit nach Jahreszeit und Bedarf. Neben dem BBZ, einer städtischen Schule und geplanten sozialen Einrichtungen gelang es durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, auch 41 mehrgeschossige Wohnanlagen und 40 Einfamilienhäuser einzubeziehen, sodass ein großer Teil der Einrichtungen bzw. Haushalte im Quartier an das künftige Nahwärmenetz angeschlossen sein werden. © unser-klima-cochem-zell e. V. Neben der zukunftsfähigen Wärmeversorgung erhalten die Bürgerinnen und Bürger außerdem die Chance auf schnelles Internet. Mit der Verlegung der Nahwärmeleitungen kann jeder Hauseigentümer den direkten Glasfaseranschluss bis in das Gebäude erhalten. V Landkreis Karlsruhe: Nahwärmeversorgung Der Kreistag des Landkreises Karlsruhe hat 2014 das Klimaschutzkonzept „zeozweifrei“ beschlossen. Das Ziel ist, den kompletten Energiebedarf des Kreises bis 2050 ohne CO -Emissionen, also „zeozweifrei“, zu decken. Im Zuge ² der Umsetzung wurden und werden zahlreiche Projekte zur Energieeffizienz und zum schrittweisen Umstieg auf erneuerbare Energien unterstützt. Dazu gehören auch 27 Quartierskonzepte zur Nahwärmeversorgung, die sich als umweltfreundlich und effektiv etabliert haben. Mit dem Aufbau der verschiedenen Gewerke der Nahwärmenetzstrukturen werden Unternehmen und Handwerksbetriebe sowie Architekten- und Planungsbüros aus der Region mit einbezogen bzw. beauftragt. Zusammen mit regional erzeugten erneuerbaren Energien und die Versorgung durch die örtlichen Stadtwerke wird dadurch eine klimaneutrale, regionale Wertschöpfung erzeugt. Das Projekt „zeozweifrei-NAH.WÄRME“ für Kommunen sichert die lokale Verteilung von Wärme durch Nahwärmenetze. Um neben ökologischen Vorteilen auch ökonomischen 32 ERNEUERBARE ENERGIEN Licht aufging, wie die Umstellung auf energieeffiziente, stromsparende LED-Straßenbeleuchtung oder die Integration des gemeindeeigenen Blockheizkraftwerkes in das bestehende Energienetz. Dass der dabei erzeugte Strom und die erzeugte Wärme vor Ort genutzt werden, versteht sich fast schon von selbst. V Landkreis Mansfeld-Südharz: Energieallianz Schaut man sich rund um die Gemeinde Benndorf um, dann recken eine Vielzahl von Windkraftanlagen ihre Rotoren in den Himmel über dem Landkreis Mansfeld-Südharz. Zahlreiche Photovoltaikanlagen ergänzen die nachhaltige Art der Energiegewinnung. Bereits vor Jahren wurde im Landkreis damit angefangen, sich Gedanken über den nachhaltigen Umgang mit den begrenzt vorhandenen Ressourcen zu machen. Viele Akteure schlugen einen Weg ein, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen mittelfristig verringert. Die Einrichtung eines Solarlabors in der örtlichen Schule datiert aus dem Jahr 2008. Seit diesem Zeitpunkt ist das Thema Energie für die Schülerinnen und Schüler an der Sekundarschule Benndorf anschaulich, nachvollziehbar und Teil des Unterrichts. Auf dem Schuldach fängt eine Solaranlage die Sonnenstrahlen ein, eine Solar-Arbeitsgemeinschaft entwickelt Ideen für Energieeffizienz und Klimaschutz, die in den Alltag der Schülerinnen und Schüler einfließen. Die Schule selbst ist CO -neutral zertifiziert. Sie wird mit Wär² me versorgt, genauso wie ein Wohngebiet mit mehreren hundert Wohnungen. Die Wärme kommt – wie könnte es in Benndorf auch anders sein – aus einer Biogasanlage. So sinnvoll die stärkere Nutzung alternativer Energien auch sein mag, das größte brachliegende Potential liegt in der dauerhaften Einsparung von Energie – gleich ob man diese für das Heizen von Industrieanlagen und Wohnungen oder für die Beleuchtung einsetzt. In der ehemaligen Bergarbeiterkommune Benndorf mit ihren knapp 2.400 Einwohnerinnen und Einwohnern wurde das früh erkannt und dieser Weg mutig und mit Konsequenz beschritten. Aus Ideen entstanden nach kurzer Zeit handfeste Projekte: Nahwärmenetz, Biogas- und Photovoltaikanlage, das ortseigene Klein-Blockheizkraftwerk. Alles Unternehmungen, die mit dem Engagement der Wohnungsbaugesellschaft Benndorf realisiert wurden. V Landkreis Schmalkalden-Meiningen: Photovoltaikanlagen Klimaschutz wird im Landkreis Schmalkalden-Meiningen schon lange großgeschrieben. Seit Jahren geht die Kreisverwaltung hier mit nachhaltig wirkenden Aktivitäten in den Bereichen Solarenergie, Erdwärme, Bioenergie, Kraft-Wärme-Kopplung, Elektromobilität, der energetischen Verwertung von Haus-, Sperr- und Gewerbemüll sowie der Umsetzung nachhaltiger Energieeffizienzmaßnahmen im Strom,- Wärme- und Verkehrssektor beispielgebend voran. Außerdem bietet die Kreisverwaltung sogar Serviceleistungen- und Förderung an. Seit 2001 gibt es den Arbeitskreis ENERGIE unter Regie der Kreisbehörde. Alle zwei Jahre organisieren die Partner gemeinsam die Kreis-Energie-Konferenz, auf der neue Trends, Best-Practice-Beispiele und Fördermöglichkeiten vorgestellt werden. In diesem Rahmen lobt der Landkreis einen Energie-sparpreis aus. Im Zeitraum von 2009 bis 2020 wurden so Preisgelder für nachhaltige Energiesparprojekte in Höhe von 90.000 € ausgelobt. Für eine erfolgreiche Energiewende beraten die Mitglieder des Arbeitskreises ENERGIE nicht nur den Landkreis und seine Kommunen, sondern auch Unternehmer und Bürger. Zudem ist das Gremium Herausgeber des Energie-Sparbuchs – ein Bau- und Sanierungsratgeber mit vielen Tipps und Kontakten. Sanierter Wohnblock mit Solardach in Benndorf © Landkreis Mansfeld-Südharz/H. Noack Die Akteure vor Ort erkannten aber auch sehr schnell, dass die Aufgaben nur gemeinsam lösbar sind. Die logische Konsequenz dieser Erkenntnis manifestierte sich in der Gründung eines Netzwerkes als erster Schritt. In einem zweiten folgte die Gründung der energetischen Modellregion „Energieallianz Mansfeld-Südharz“ mit seiner Kernkommune Benndorf in der Verbandsgemeinde Mansfelder GrundHelbra als einer von vier Modellregionen in Sachsen-Anhalt. Die Absicht, immer effizienter mit Energie umzugehen, lässt sich in einer Kommune nicht in einem einmaligen HauruckAkt umsetzen. Die Umsetzung ist vielmehr ein permanent andauernder Prozess der Veränderung. So verwundert es nicht, dass den Akteuren auf diesem Weg noch manches Eine Neuerung im Programm des Arbeitskreises: Ab 2020 veranstaltet die Expertenrunde in enger Zusammenarbeit mit der Fakultät Wirtschaftsrecht der Hochschule Schmalkalden öffentliche Energierechtsabende, an denen insbesondere steuerrechtliche Probleme von Betreibern erneuerbarer Energieerzeugungsanlagen diskutiert werden. 33 ERNEUERBARE ENERGIEN Schon vor vielen Jahren hat die Kreisverwaltung alle kreiseigenen Dachflächen auf Solar-Tauglichkeit prüfen lassen und seit 2004 (erste Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage sukzessive geeignete Dächer vermietet oder selbst PVAnlagen installiert. Die Gesamtleistung aller 31 Anlagen beträgt derzeit 1.310 kWp. 14 PV-Anlagen davon betreibt die Kreisverwaltung selbst. 26 Solaranlagen befinden sich auf Bildungseinrichtungen und Sporthallen. Damit wird Kindern und Jugendlichen praktisch vorgeführt, wie Sonnenenergie erzeugt werden kann und wie Klimaschutz in der Praxis funktioniert. Übrigens: Mit dem Stromertrag aller PV-Anlagen auf kreiseigenen Dächern könnten rund 315 Durchschnittshaushalte ganzjährig mit grünem Strom versorgt werden. Die CO -Reduktion liegt insgesamt bei fast 1.000 t pro Jahr. ² Die 30. Photovoltaikanlage auf einem kreiseigenen Dach, hier: Henfling-Gymnasium in Meiningen, Oktober 2019; v. re. Landrätin Peggy Greiser, stellvertretende Schulleiterin Martina Lorey, Anlagenbetreiber Martin Schuster vom Landratsamt Schmalkalden-Meiningen, Solateur Sven Fricke - Geschäftsführer ANC netcontrol GmbH, Projektant Harry Ellenberger vom Landratsamt Schmalkalden-Meiningen. Beispiel: PV-Anlage auf den Häusern 1, 2 und dem Garagentrakt des Landratsamtes in Meiningen Anlagenleistung: 127,24 kWp Ausrichtung der Dächer: 4 Dachflächen in Nord-Ost,- SüdWest und West-Ausrichtung Ausrichtung der Module: dachparallel bzw. aufgeständert zwischen 15 und 30 Grad Inbetriebnahme: Dez. 2014 © Landratsamt Schmalkalden-Meiningen V Kreis Plön: Wärmeplanungskataster Daten der PV-Anlage aus den Jahren 2015 bis 2019: PV-Jahresstromertrag: ca. 117.000 kWh/Jahr Eigenverbrauch: ca. 100.000 kWh/Jahr Eigenverbrauchsquote: 85,5 % Vergütung Einspeisung: 2.193 €/a Kosten für EEG-Umlage: 2.800 €/a spezifischer Stromertrag: 920 kWh/kWp Stromgestehungskosten: 9,55 ct/kWh Stromkosteneinsparung: ca. 25.000 €/Jahr Amortisationszeitraum: ca. 8 Jahre CO2-Reduktion: ca. 76 t/Jahr Deutschlandweit wird etwa die Hälfte der genutzten Energie zur Erzeugung von Wärme eingesetzt. Der Wärmesektor wiederum ist für 40 % der klimaschädlichen CO ² Emissionen verantwortlich. Beide Zahlen zu senken und eine klimafreundliche Wärmeplanung im ländlichen Raum voranzubringen, ist eine Herausforderung, der sich der Kreis Plön stellt. Als Planungsgrundlage wurde das Projekt Wärmeplanungskataster Plus entwickelt. Das Kataster stellt in einer Kartenansicht sowohl die Wärmedichte in einzelnen Gebieten als auch große Wärmeverbraucher und -quellen systematisch dar. Damit erhalten insbesondere die Verwaltungen kleinerer Gemeinden eine fundierte Grundlage für eine effiziente und ressourcenschonende Wärmeplanung. Im Idealfall wird so schnell ersichtlich, welche Gebäude oder baulichen Anlagen eine klimafreundliche Wärmeversorgung liefern und wie groß die Wärmebedarfe vor Ort sind. Darauf basierend kann eine effiziente Versorgung der Gebäude mit Wärme aufgebaut werden. Innerhalb von 20 Betriebsjahren wird diese PV-Anlage, bezogen auf den jetzigen Strompreis abzüglich aller Betriebsauslagen und Umlagen sowie zuzüglich der gesetzlich zugesicherten Einspeisevergütung einen finanziellen Überschuss von mehr als 200.000 € erwirtschaften. Mit der eigenen Produktion und Nutzung dieses PVÖkostroms sinken die Gesamtstromkosten erheblich und entlasten den Kreishaushalt. Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen unterstützen gleichzeitig auch die regionale Beschäftigung und unterstreichen die Vorbild- und Vorreiterfunktion des Landkreises Schmalkalden-Meiningen. Alle Maßnahmen und Aktivitäten steigern direkt oder indirekt die regionale Wertschöpfung, minimieren die Energie-Abhängigkeit und fördern den Klimaschutz. Beispiel: Es soll in einer Gemeinde eine neue Wärmeversorgung für eine Schule aufgebaut werden. Das Kataster könnte nun anzeigen, dass etwa die nahegelegene Biogasanlage Abwärme liefern und auch ein angrenzendes Altenheim profitieren könnte. Als Grundlage für das Wärmeplanungskataster Plus werden die Wärmebedarfe der Gebäude durch die Erhebung verschiedener Daten wie Baualtersklasse, Gebäudenutzung oder Art der Wärmeerzeugung berechnet und grafisch darstellt. Daneben werden weitere, für die Wärmeplanung relevante Informationen eingebunden. Dies sind Aufgrund seiner energetischen Aktivitäten wurde der Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit dem VR-Klimabündnis-Preis, dem Deutschen Solarpreis und dem Thüringer Energie-Effizienzpreis ausgezeichnet. 34 ERNEUERBARE ENERGIEN unter anderem Auskünfte zu Biogasanlagen und ihrer möglichen Abwärmenutzung sowie zu Unternehmen mit hohem Energiebedarf oder hohem Abwärmepotenzial. Auch öffentliche Gebäude, Kirchen oder Senioren- und Pflegeheime werden in das Kataster aufgenommen. Geeignete Ansprechpartner können so leicht identifiziert und gezielt auf das Thema Wärmeplanung angesprochen werden. Durch gezielte Zusammenarbeit kann zum einen Geld gespart werden, zum anderen bietet das Kataster einen Mehrwert, indem durch Synergien eine nachhaltige und ressourcenschonende Wärmeversorgung entwickelt werden kann. Das Wärmeplanungskataster ist für die kreisangehörigen Kommunen über die GIS-Anwendung des Kreises vollumfänglich zugänglich. Zusätzlich wird es in einer reduzierten Version auch über die Internetseite des Kreises sowie über das Geoportal der Geodateninfrastruktur Schleswig-Holstein (GDI-SH) veröffentlicht. Mit der Erfassung und Verarbeitung verschiedener Daten wird Städten und Gemeinden im Kreisgebiet sowie weiteren interessierten Akteuren eine fundierte Grundlage zur klimafreundlichen Wärmeplanung kostenfrei bereitgestellt. Das Kataster ermöglicht eine erhebliche Arbeitsentlastung und hilft dabei, die vorhandenen Strukturen energieeffizient zu nutzen und das Klima zu schonen. Wärmedichte im Ortskern einer Gemeinde mit Hervorhebung energieintensiver Gebäudenutzungen (u. a. Schulen, Seniorenwohn- und Pflegeheime, Kirchengebäude). © Kreis Plön Für die Bereitstellung dieser umfassenden Planungsgrundlage wurde der Kreis Plön im November 2019 vom Bundesumweltministerium und vom Deutschen Institut für Urbanistik als „Klimaaktive Kommune 2019“ ausgezeichnet. 35 A U S G E W Ä H LT E S T R U K T U R D AT E N D E R L A N D K R E I S E Ausgewählte Strukturdaten der Landkreise im vergleichenden Überblick » Bundesweit größte Landkreise 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. » Bundesweit kleinste Landkreise Fläche km² Mecklenburgische Seenplatte......... MV.................... 5.495,62 Ludwigslust-Parchim........................ MV.................... 4.766,79 Vorpommern-Greifswald................. MV.................... 3.945,57 Rostock.............................................. MV.................... 3.431,29 Vorpommern-Rügen........................ MV.................... 3.215,03 Uckermark........................................ BB...................... 3.076,96 Emsland............................................. NI...................... 2.883,67 Potsdam-Mittelmark........................ BB...................... 2.592,07 Ostprignitz-Ruppin........................... BB...................... 2.526,55 Stendal.............................................. ST...................... 2.423,26 Bautzen............................................. SN...................... 2.395,60 Börde................................................. ST...................... 2.366,84 Region Hannover............................. NI...................... 2.297,13 Altmarkkreis Salzwedel................... ST...................... 2.293,28 Dahme-Spreewald............................ BB...................... 2.274,53 Oder-Spree........................................ BB...................... 2.256,76 Rendsburg-Eckernförde................... SH...................... 2.189,79 Märkisch-Oderland........................... BB...................... 2.158,66 Prignitz.............................................. BB...................... 2.138,57 Nordwestmecklenburg.................... MV.................... 2.127,12 Osnabrück......................................... NI...................... 2.121,81 Mittelsachsen.................................... SN...................... 2.116,85 Görlitz............................................... SN...................... 2.111,41 Harz................................................... ST...................... 2.104,57 Teltow-Fläming................................. BB...................... 2.104,22 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 36 Fläche km² Main-Taunus-Kreis............................ HE........................ 222,53 Neunkirchen..................................... SL......................... 249,80 Rhein-Pfalz-Kreis.............................. RP......................... 304,99 Fürth.................................................. BY........................ 307,44 Lindau (Bodensee)............................ BY........................ 323,39 Offenbach......................................... HE........................ 356,24 Mettmann......................................... NRW..................... 407,22 Ennepe-Ruhr-Kreis........................... NRW..................... 409,64 Regionalverband Saarbrücken........ SL......................... 410,95 Saarpfalz-Kreis.................................. SL......................... 418,28 Sonneberg........................................ TH........................ 433,61 Fürstenfeldbruck.............................. BY........................ 434,80 Rheinisch-Bergischer Kreis............... NRW..................... 437,32 Herford............................................. NRW..................... 450,41 Groß-Gerau....................................... HE........................ 453,03 Saarlouis............................................ SL......................... 459,36 Germersheim.................................... RP......................... 463,32 St. Wendel........................................ SL......................... 476,07 Hochtaunuskreis............................... HE........................ 481,84 Starnberg.......................................... BY........................ 487,72 Neu-Ulm............................................ BY........................ 515,84 Tübingen........................................... BW....................... 519,12 Lichtenfels......................................... BY........................ 519,94 Peine................................................. NI......................... 536,50 Unna.................................................. NRW..................... 543,21 A U S G E W Ä H LT E S T R U K T U R D AT E N D E R L A N D K R E I S E » Bundesweit einwohnerstärkste Landkreise 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. Region Hannover............................. NI.................... 1.157.624 Recklinghausen................................ NRW................... 615.261 Rhein-Sieg-Kreis............................... NRW................... 599.780 Städteregion Aachen....................... NRW................... 555.465 Rhein-Neckar-Kreis........................... BW..................... 547.625 Ludwigsburg..................................... BW..................... 543.984 Esslingen........................................... BW..................... 533.859 Mettmann......................................... NRW................... 485.684 Rhein-Erft-Kreis................................ NRW................... 470.089 Wesel................................................. NRW................... 459.809 Rhein-Kreis Neuss............................. NRW................... 451.007 Steinfurt............................................ NRW................... 447.614 Karlsruhe........................................... BW..................... 444.232 Ortenaukreis..................................... BW..................... 429.479 Rems-Murr-Kreis............................... BW..................... 426.158 Main-Kinzig-Kreis............................. HE...................... 418.950 Märkischer Kreis............................... NRW................... 412.120 Unna.................................................. NRW................... 394.782 Böblingen......................................... BW..................... 391.640 Borken............................................... NRW................... 370.676 Gütersloh.......................................... NRW................... 364.083 Osnabrück......................................... NI....................... 357.343 Offenbach......................................... HE...................... 354.092 München........................................... BY...................... 348.871 Lippe................................................. NRW................... 348.391 » Bundesweit dichtest besiedelte Landkreise 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. » Bundesweit einwohnerschwächste Landkreise EW Lüchow-Dannenberg....................... NI......................... 48.424 Sonneberg........................................ TH........................ 56.196 Wittmund......................................... NI......................... 56.882 Vulkaneifel....................................... RP......................... 60.603 Cochem-Zell...................................... RP......................... 61.587 Hildburghausen................................ TH........................ 63.553 Lichtenfels......................................... BY........................ 66.838 Kronach............................................. BY........................ 67.135 Sömmerda......................................... TH........................ 69.655 Kusel.................................................. RP......................... 70.526 Holzminden...................................... NI......................... 70.975 Kulmbach.......................................... BY........................ 71.845 Tirschenreuth.................................... BY........................ 72.504 Wunsiedel i.Fichtelgebirge.............. BY........................ 73.178 Kyffhäuserkreis................................. TH........................ 75.009 Donnersbergkreis............................. RP......................... 75.101 Prignitz.............................................. BB......................... 76.508 Regen................................................ BY........................ 77.656 Freyung-Grafenau............................ BY........................ 78.355 Rhön-Grabfeld.................................. BY........................ 79.690 Birkenfeld......................................... RP......................... 80.720 Saale-Orla-Kreis................................ TH........................ 80.868 Lindau (Bodensee)............................ BY........................ 81.669 Weimarer Land................................. TH........................ 81.947 Saale-Holzland-Kreis........................ TH........................ 83.051 » Bundesweit dünnst besiedelte Landkreise EW/km² 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. Mettmann......................................... NRW....................... 1.193 Main-Taunus-Kreis............................ HE.......................... 1.068 Offenbach......................................... HE............................. 994 Esslingen........................................... BW............................ 832 Recklinghausen................................ NRW.......................... 808 Regionalverband Saarbrücken........ SL.............................. 802 Ennepe-Ruhr-Kreis........................... NRW.......................... 792 Ludwigsburg..................................... BW............................ 792 Städteregion Aachen....................... NRW.......................... 786 Rhein-Kreis Neuss............................. NRW.......................... 783 Unna.................................................. NRW.......................... 727 Rhein-Erft-Kreis................................ NRW.......................... 667 Rheinisch-Bergischer Kreis............... NRW.......................... 648 Böblingen......................................... BW............................ 634 Groß-Gerau....................................... HE............................. 606 Herford............................................. NRW.......................... 557 Viersen.............................................. NRW.......................... 531 Neunkirchen..................................... SL.............................. 529 München........................................... BY............................. 525 Rhein-Sieg-Kreis............................... NRW.......................... 520 Rhein-Neckar-Kreis........................... BW............................ 516 Rhein-Pfalz-Kreis.............................. RP.............................. 506 Region Hannover............................. NI.............................. 504 Fürstenfeldbruck.............................. BY............................. 504 Rems-Murr-Kreis............................... BW............................ 497 37 EW EW/km² Prignitz.............................................. BB................................ 36 Altmarkkreis Salzwedel................... ST................................ 37 Lüchow-Dannenberg....................... NI................................ 39 Ostprignitz-Ruppin........................... BB................................ 39 Uckermark........................................ BB................................ 39 Ludwigslust-Parchim........................ MV.............................. 45 Stendal.............................................. ST................................ 46 Mecklenburgische Seenplatte......... MV.............................. 47 Elbe-Elster......................................... BB................................ 54 Jerichower Land............................... ST................................ 57 Vorpommern-Greifswald................. MV.............................. 60 Eifelkreis Bitburg-Prüm.................... RP................................ 61 Uelzen............................................... NI................................ 63 Rostock.............................................. MV.............................. 63 Wittenberg....................................... ST................................ 65 Vulkaneifel....................................... RP................................ 66 Neustadt a.d.Waldnaab................... BY............................... 66 Tirschenreuth.................................... BY............................... 67 Hildburghausen................................ TH............................... 68 Spree-Neiße...................................... BB................................ 69 Vorpommern-Rügen........................ MV.............................. 70 Saale-Orla-Kreis................................ TH............................... 70 Kyffhäuserkreis................................. TH............................... 72 Vogelsbergkreis................................ HE............................... 73 Börde................................................. ST................................ 73 ERNEUERBARE ENERGIEN 38 Die 294 Landkreise in Deutschland Flensburg Nordfriesland SchleswigFlensburg Vorpommern-Rügen RendsburgEckernförde Dithmarschen zu Pinneberg Kiel Plön Ostholstein Neumünster Steinburg zu Hamburg Wilhelmshaven BREM ERHAVEN Prignitz BREMEN Delmenhorst Diepholz Vechta Celle Steinfurt Herford Coesfeld Recklinghausen Unna Ahrweiler Neuwied PotsdamMittelmark Teltow-Fläming Dahme-Spreewald Mansfeld-Südharz Eichsfeld Kassel WerraMeißnerKreis SchwalmEderKreis HersfeldRotenburg Eisenach Weimarer Land Weimar Jena Gotha Wartburgkreis Koblenz Mittelsachsen Altenburger Land Gera Sächsische SchweizOsterzgebirge Chemnitz Zwickau SaaleOrlaKreis Hildburghausen LimburgWeilburg Leipzig Greiz SaalfeldRudolstadt Suhl Bautzen Meißen Dresden SaaleHolzlandKreis Ilm-Kreis Fulda Leipzig Burgenlandkreis Sömmerda SpreeNeiße Nordsachsen Saalekreis Erfurt SchmalkaldenMeiningen Vogelsbergkreis Gießen Unstrut-Hainich-Kreis Elbe-Elster Halle (Saale) Kyffhäuserkreis Cottbus OberspreewaldLausitz Wittenberg AnhaltBitterfeld Nordhausen Kassel DessauRoßlau Salzlandkreis Harz Erzgebirgskreis SonneVogtlandkreis berg Wetteraukreis Rhön-Grabfeld Kronach Coburg HochHof Vulkaneifel taunusCoburg Hof kreis Bad Kissingen RheingauMain-Kinzig-Kreis CochemMainEifelkreis TaunusWunsiedelZell RheinFrankfurt Lichtenfels Kulmbach Bitburg-Prüm Kreis WiesbadenTaunus- a.M. Offenbach Fichtelgebirge a.M. HunsrückHaßberge AschaffenKreis Schweinfurt Kreis Bernkastelburg Offenbach Mainz Main-Spessart Schweinfurt Bamberg MainzGroßAschaffenburg Wittlich Bayreuth Tirschenreuth Bingen Gerau Darm- DarmBamberg stadt stadtBayreuth Bad Kreuznach Dieburg MiltenWürzburg AlzeyTrier Kitzingen Neustadt berg Worms Forchheim Birkenfeld a.d. Waldnaab Weiden i.d.Opf. OdenwaldTrier-Saarburg ErlangenWürzBergstraße kreis DonnersbergWorms Höchstadt burg kreis Erlangen FrankenKusel St. Neustadt a.d.AischAmberg-Sulzbach thal (Pfalz) MainMerzig-Wadern NeckarWendel Bad Ludwigs- MannBad Windsheim Nürnberger Fürth Kaisers- KaisersOdenwald- Tauber-Kreis Dürkheim hafen a.Rh. heim Amberg Land Fürth HeidelNeunkirchen lautern lautern Kreis Schwandorf Rhein-PfalzNürnberg berg Saarlouis RegionalNeustadt Kreis a.d.Weinstr. Speyer Schwabach verband SaarRhein-NeckarAnsbach ZweiSaarbrücken Kreis Süd- Südpfalz- brücken Heilbronn HohenlohePirmasens westNeumarkt i.d.Opf. Roth liche Landau kreis Kreis Ansbach Heilpfalz Wein- i.d.Pf. bronn straße Regensburg Karlsruhe Schwäbisch-Hall WeißenburgGermersGunzenhausen heim Karlsruhe Regensburg Ludwigsburg Enzkreis PforzEichstätt Rems-Murrheim Ostalbkreis Rastatt Kelheim Kreis Donau-Ries MayenKoblenz Frankfurt (Oder) Oder-Spree Magdeburg Göttingen Lahn-DillKreis Westerwaldkreis Börde Wolfenbüttel Goslar Soest Ennepe- Hagen RuhrMettmann Viersen Kreis Hochsauerlandkreis DüsselWuppertal Märkischer dorf Mönchen- RheinRemscheid gladbach Kreis Solingen Kreis WaldeckNeuss Heinsberg Olpe Frankenberg Leverkusen RheinischOberBergischer bergischer Rhein-Erft- Köln Kreis SiegenKreis Kreis Wittgenstein StädteMarburgregion Düren Rhein-Sieg-Kreis AltenBiedenkopf Aachen kirchen Bonn Euskirchen Helmstedt Jerichower Land Northeim Höxter Paderborn Dortmund Potsdam Brandenburg a.d. Havel Hildesheim Holzminden Hamm Märkisch-Oderland BERLIN Lippe Gütersloh Warendorf Braunschweig Salzgitter HamelnPyrmont Bielefeld Münster Peine Barnim Havelland Wolfsburg Schaumburg Kleve Krefeld Oberhavel Stendal Gifhorn Region Hannover MindenLübbecke Osnabrück Bochum Ostprignitz-Ruppin Altmarkkreis Salzwedel Nienburg (Weser) Osnabrück Oberhausen Essen Duisburg Mülheim a.d.Ruhr LüchowDannenberg Uelzen Heidekreis Verden Grafschaft Bentheim Gelsenkirchen Herne Uckermark Lüneburg Cloppenburg Emsland Bottrop Mecklenburgische Seenplatte Harburg Rotenburg (Wümme) Osterholz Oldenburg Wesel Schwerin Ludwigslust-Parchim Oldenburg (Oldenburg) Borken Herzogtum Lauenburg HAMBURG Stade Friesland Wesermarsch Ammerland Leer Vorpommern-Greifswald Rostock Nordwestmecklenburg Stormarn Pinneberg Aurich Emden Segeberg Lübeck Cuxhaven Wittmund zu Leer Rostock RheinLahnKreis Stuttgart BadenBaden Calw Freudenstadt Ortenaukreis Böblingen Esslingen Rottweil Zollernalbkreis Heidenheim Göppingen Dillingen a.d.Donau AlbDonauKreis Ulm Günzburg NeuUlm Augsburg SchwarzwaldBaar-Kreis Biberach Tuttlingen Sigmaringen Unterallgäu Memmingen Breisgau-Hochschwarzwald Waldshut Bodenseekreis Stadtstaaten © Deutscher Landkreistag (DLT) August 2019 Cham StraubingBogen AichachFriedberg Augsburg Straubing Deggendorf Ravensburg Kempten (Allgäu) Lindau (Bodensee) Oberallgäu Ostallgäu Rottal-Inn Freising Erding München Mühldorf a.Inn GarmischPartenkirchen Altötting Ebersberg München Rosenheim Rosenheim Weilheim-Schongau Passau Landshut Dachau Landsberg Starnberg a.Lech Regen DingolfingLandau Landshut Pfaffenhofen a.d.Ilm Kaufbeuren Konstanz Lörrach NeuburgSchrobenhausen Fürstenfeldbruck Emmendingen Freiburg i.Br. kreisfreie Städte Ingolstadt Tübingen Reutlingen Landkreise Bad Miesbach TölzWolfratshausen Traunstein Berchtesgadener Land FreyungGrafenau Passau Görlitz Deutscher Landkreistag Ulrich-von-Hassell-Haus Lennéstraße 11 10785 Berlin Tel. 030 590097-309 Fax 030 590097-400 www.landkreistag.de info@landkreistag.de
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