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Carl Friedrich Späth der Aeltere. 1721-1782

Full text: Späth-Buch 1720-1920 / Späth, Hellmut L. (Public Domain)

Winde fortgeführt, und die mühsam angelegten jungen 
Kulturen litten derart unter diesem Flugsand, dass 
Friedrich der Grosse den Direktor des Botanischen 
Gartens, Professor Gleditsch — an den noch heute die 
Gleditschstrasse erinnert —, um Rat fragte. 
Der grosse Gelehrte empfahl dem König; „von dem 
Dorfe Pankow bei Berlin Quecken (Päden). kommen zu 
lassen und diese in Massen anzupflanzen, um durch deren weithin Kriechende 
Rhizome zunächst einmal wenigstens ’eine Befestigung der Sandflächen zu 
erzielen“, So wurde dies von den Gärtnern gefürchtete und schwer zu ver- 
tilgende Unkraut, das heute nur noch zur Dünenbefestigung am Meeresstrand 
dient, in Preüssens‘ Hauptstadt künstlich vermehrt, um‘ — Gartenland zu 
Schaffen! 
Eine besondere Sorge des Königs war darauf gerichtet, auch solche Arten 
von Bäumen pflanzen zu lassen und überhaupt möglichst zu vermehren, deren 
Laub zur Fütterung der “Schafe mit verwendet werden könne.‘ Der König 
hoffte, auf diesem Wege durch Vermehrung des Futters zur Vermehrung und 
Verbesserung der Schafzucht beitragen zu können. Eine grosse Zahl von 
Kabinettsbefehlen verfolgte diesen Gegenstand. Einer der ersten derselben, 
vom 23. Juni 1774 an die Churmärkische Kammer gerichtet, sagt folgendes: 
„Mit Beziehung auf das bereits unterm 24. April a. c. an Euch ‚erlassene 
Reskript wegen des zur Fütterung des Schafviehes mit zu gebrauchenden 
Laubes von den Pappelweiden und Rüstern, desgleichen Espen, - Eschen, 
Linden, Elsen, Ebreschen und Ahorn, werdet Ihr hiermit anderweit befehligt, 
Euer besonderes Augenmerk darauf zu richten, und zu sehen, dass die Zü- 
zucht von Schafvieh in der Euer Aufsicht anvertrauten Provinz besser als 
bisher poussieret und die Schäfereien des baldigsten completieret und auf 
den vorigen Stand gesetzet, und minder obbemeldete, zur Laubfütteruhng dien- 
liche und nützliche Bäume bey den Dörfern nach Massgabe des Terrains um 
die Aecker und sonst auf leeren Plätzen wie auch an den Dorfwegen und 
Landstrassen gesetzet und angepflanzet werden; wie Ihr denn auch jährlich 
zu Anfang. des Monaths Mai eine ganz genau accurat angefertigte-Designation 
von den in der Provinz angepflanzten Bäumen obbemeldeter Sorten einzureichen 
habt. Ihr habt übrigens sowohl den‘ Landräthen als Departementsräthen und 
Beamten bekanntzumachen, dass Wir bei Unseren Reisen selbst darauf genaue 
Attention nehmen, und sowohl diejenigen, welche sich zur Erreichung unserer 
landesväterlichen Intention besonders evectuiren, als auch die Saumseligen 
und Nachlässigen notiren, und dem Befinden nach denenselben Unsere Gnade 
oder Ungnade zu erkennen geben werden.“ 
Die Massregel hatte guten Erfolg. Wie genau der König auf alle Einzel- 
heiten der Baumzucht einging, erweist unter anderem ein an den Planteur Sello 
in Potsdam gerichteter Brief. „Wir haben“, heisst’es dort, „in den Alleen um 
Potsdam wahrgenommen, dass beim Pflanzen den mehrsten von den jungen 
Bäumen so wenig Wurzeln gelassen werden, und besonders die Haupt 
wurzel, so gern hinunter geht, so sehr abgekürzt wird, worauf es doch vor- 
züglich ankommt; denn wird sie nicht recht in Acht genommen, so kann 
der junge Baum niemalen bestehen und fortkommen, weil ihm die beste 
Nahrung fehlt.“ 
Gegen Baumfrevel schritt der König in seinen Verordnungen mit grosser 
Strenge ein, Ein Erlass vom 12,'Dezember 1752 „gegen Baumschändereien“ 
sagt: „Es wird jedermänniglich hierdurch’ ernstlich gewarnt, sich dergleichen 
strafbaren Begehens zu enthalten, widrigenfalls man die Contravenienten 
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