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Carl Friedrich Späth der Aeltere. 1721-1782

Full text: Späth-Buch 1720-1920 / Späth, Hellmut L. (Public Domain)

des Kreises zu überwachen, sie mit Zuziehung der Orts- 
obrigkeit und der Untertanen auszubessern und da, wo 
solche noch nicht vorhanden, neue anzulegen. Ausser- 
dem war es Verpflichtung des Kreisgärtners, den Unter- 
tanen in Obstbau und Baumzucht Unterricht zu erteilen, 
„die Dörfer seines Distriktes zu. dem Ende wenigstens 
zweimal jährlich zu bereisen und nachzusehen, ob die 
Baumgärten gehörig gepflegt, die Bäume von Raupennestern gereinigt und 
von trockenem Holze befreit werden“. Ferner hatte der Kreisgärtner die 
wilden Stämme, wenn der Eigentümer es nicht selbst konnte, zu pfropfen, zu 
okulieren und zu kopulieren, die von den Untertanen gesammelten Kerne 
und Obststeine auszusäen, die jungen Bäumchen aus den -Samenbeeten zu 
nehmen, usw. 
‘._ Für dergleichen. Dienstleistungen wurde dem Kreisgärtner erlaubt, eine 
äusserst geringe Geldvergütung von den betreffenden Untertanen, zu nehmen. 
Auch hatten die Kreisgärtner noch zu sorgen für die Anlegung und Erhaltung 
von Maulbeerplantagen und lebenden Hecken. Auf den ihnen überwiesenen 
Gartenplätzen hatten sie ferner gute Baumschulen und Küchengärten zu 
unterhalten, um den Kreiseingesessenen gute Pflanzen und Sämereien über- 
lassen zu können und ihnen in allen Dingen ein Vorbild tüchtiger Garten- 
bestellung darzubieten. — Man suchte die Kreisgärtner möglichst aus Ge- 
genden mit gut betriebenem Obstbau zu entnehmen, und es wurden ihnen teils 
wüste, teils neu errichtete Stellen mit einigen Morgen Gartenland zum erb- 
lichen Besitz übergeben gegen Entrichtung eines Zinses nach gewissen Frei- 
jahren. Neben dem Einkommen, welches sie aus Staatsmitteln bezogen, 
wurde für die Besorgung der Alleen an.den Kreiswegen dem damit beauf- 
tragten Gärtner noch besonders ein Jahresgehalt von 30 Talern aus der Kreis- 
kasse gewährt. 
.. Auch ausserdem war der König für die Etablierung tüchtiger Gärtner 
bemüht. . Das Protokoll der Ministerkonferenz vom 1. Juni 1770 "sagt 
darüber: „Se. Majestät eröffneten uns Dero Willensmeinung wegen der 
hin und wieder anzusetzenden Gärtner, und wollten, dass solches vorzüglich 
um und bei Berlin, z. B. hinter dem Garten der Akademie, am Wege nach 
Tempelhof. und Lichtenberg, wo noch viel unbebautes Sandland wäre, 
geschehen solle.“ „Diese Leute sollen aber“, sagte der König, „nicht kleine 
Gärten haben, sondern man soll ihnen so viel Land anweisen, dass jeder 
einen. grossen Garten besonders zur Pflanzung und Zucht von Obstbäumen 
bekommt .... Das Gartenland würden.sie wohl mit Strassenkot von Berlin, 
und besonders mit dem Schlamm und der Erde aus dem zu räumenden 
Faulen Graben düngen umd brauchbar machen können.“ „Wir (die Mi- 
nister)“, heisst es weiter, „zeigten dem König an, dass schon ein Plan an- 
gefertigt worden sei, 100 dergleichen Gärtnerfamilien an dem Wege neben 
dem Invalidenhause, gegen den Wedding, auf dem aaselbst befindlichen, teils 
schon kultivierten, teils noch unbebauten Sandboden anzusetzen. Se. Majestät 
missbilligten dies nicht und erwiderten: Das ist mir einerlei, wenn nur die 
ljedigen und sandigen Plätze um Berlin herum bebaut werden und die Leute 
Land genug bekommen. Es sind da noch manche Stellen, die ich unmöglich 
so lassen kann; sie haben mich oft traurig gemacht, wenn ich sie passieren 
musste !“ 
‚Heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, mit welch ungeheuren 
Schwierigkeiten im ‚damaligen Berlin die Umwandlung solcher öden Land- 
flächen in Gartenland verbunden war. Meilenweit wurde der Sand vom
	        
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