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Die Krankheiten und Schädlinge der Obstbäume und deren Bekämpfung

Full text: Späth-Buch 1720-1920 / Späth, Hellmut L. (Public Domain)

verfüttern. Von den Käfern bleibt- noch der uns allen bekannte Maikäfer, der in manchen Jahren in 
Massen auftreten kann, zur Bekämpfung übrig. Am zweckmässigsten ist auch hier die vorbeugende 
Massnahme, indem man beim Umgraden des Bodens usw, die Engerlinge vernichtet, Im Mai bzw. 
Anfang Juni sind durch Abschütteln,namentlich in den Morgenstunden, die Käfer zu sammeln und zu beseitigen. 
Die nächste Klasse von Schädlingen sind die Läuse. Diese besitzen durchweg eine ausserordentliche 
Vermehrungsfähigkeit, und müssen wir daher bei den ersten Anzeichen ganz besonders auf der Hut sein 
und schon in den ersten Anfängen die Gefahr im Keim ersticken. — Als ganz ausserordentlich grosser 
Schädling haben wir es bei den Apfelbäumen mit der Blutlaus zu tun. Der Schaden besteht darin, dass 
sie dem Baum den Saft entzieht, so dass dadurch die Nährstoffe des Baumes verringert werden. Als wirk- 
samstes Gegenmittel haben wir Vaufluid, Paräsitol, Antisual und das Obstbaumkarbolineum. Im Winter 
ziehen die Läuse den Stamm herunter und sind dann am Wurzelhals in ganzen Kolonien leicht durch 
Bepinseln mit einer von diesen Flüssigkeiten zu vernichten. Im Sommer findet man sie besonders an 
schlecht verheilten Wunden und können sie hier auf dieselbe Weise vernichtet werden, An jungen Trieben 
halten sie sich mit Vorliebe in den Blattwinkeln auf und können dann bei niedrigen Bäumen durch 
Eintauchen. der Zweige in die Lösung, bei höheren Bäumen durch die Spritze bekämpft werden. — Blatt- 
und Schmierläuse finden sich an fast allen gärtnerischen Kulturpflanzen. Als die besten Spritzmittel sind 
Parasitol, Venetan und Nikotin-Quassia-Seife zu empfehlen. Kommaläuse, die man besonders an den 
jungen Apfelstämmen, und Schildläuse, die man häufig auf Reben findet, werden im Sommer durch Para- 
sitol und Nikotin-Quassia-Seife vernichtet, indem man die Stämme und Aeste mit einer von diesen 
Lösungen abbürstet. Im unbelaubten Zustande ist das Obstbaumkarbolineum besonders wirksam. 
” Milbenartige Schädlinge, wie Rote Spinne, vernichtet man am gründlichsten durch Bespritzen mit 
Parasitol, 
Ausser den tierischen Schädlingen können die Pilzkrankheiten in unseren Kulturen grossen Schaden 
verursachen. Hier wäre zu nennen das Fusikladium oder Schorfpilz, das bei Aepfeln und Birnen schwarze 
Flecke auf den Früchten und Aufreissen derselben verursacht. Als bestes Mittel ist hier Bordelaiser 
Brühe anzuwenden. 
Der Meltau, mit dem wir es besonders bei Aepfeln ‘und Wein zu tun haben, wird durch Bordelaiser 
Brühe und Schwefelpulver bekämpft. Gegen Meltau ‚bei Stachelbeeren, der besonders in den letzten 
Jahren in Deutschland in Massen auftritt und in vielen Gegenden den Anbau dieser Obstart fast unmög- 
lich gemacht hat, wendet man am zweckmässigsten im Winter Spritzungen von Formaldehyd 10 °%/oig, im 
belaubten: Zustande 2°/,ig an. 
Krebs, der besonders bei Apfelbäumen auftritt, wird bekämpft, indem man die Wunden ausschneidet 
und mit Obstbaumkarbolineum bepinselt. Sollte diese Erkrankung auf zu feuchten Boden zurückzuführen 
sein, so ist eine Entwässerung herbeizuführen. 
Die Ursachen für Erkrankungen der Obstbäume können aber auch durch den Boden. veranlasst sein. 
So werden wir z. B. im kalten, schweren Boden bei Steinobst es häufig mit. dem Gummifluss zu ‚tun 
haben. Am empfindlichsten sind hier wieder Pfirsich und Aprikosen. Durch geeignete Mittel, wie aus- 
giebige Kalkung, fleissige Bodenlockerung durch Bearbeitung. und Zuführung von Humus, ist diesem 
Uebel entgegenzutreten. . 
Stossen die Wurzeln bei ihrer weiteren Entwicklung auf eine undurchlässige Bodenschicht, wie Ort- 
stein, Ton oder auch Kies, so haben wir als Folgeerscheinung häufig die Gipfeldürre. In solchen Fällen 
ist die Anpflanzung von Tiefwurzlern, wie Birnen auf Wildling usw., zu vermeiden,. während Flachwurzler, 
wie Sauerkirschen und Buschobst, bei geeigneter Pflege lohnenden Ertrag bringen, 
Krebs und allgemeines Kümmern des Baumes, gelbliches Aussehen der Blätter sind häufig auf stehende 
Feuchtigkeit im Untergrund zurückzuführen. Hier müssen durch Dränage überschüssige Wasser- 
mengen. abgeführt und durch geeignete Bearbeitung eine bessere Durchlüftung des Bodens erzielt. werden, 
Zum Schluss sei nochmals betont, dass Vorbeugung der bessere Teil der Bekämpfung ist, 
“N 
RP. Spyätb Baumfbhule, gegründet 1792- 
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