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Band Nr. 45, 04.08.1888

Volltext: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 14.1888 (Public Domain)

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Von den Franzosen schien nun ei» großartiger Plan zur Ein 
nahme von Berlin gefaßt zu sein. Große Heerabtheilungen rückten 
aus der Lausitz, von Magdeburg und von Hamburg vor. Das 
Korps von Magdeburg ging nach Genthin, das von Hamburg über 
Ludwigslust nach Grabow vor, beide sollten sich über Havelberg 
die Hand bieten. Der Landsturm sollte ausrücken und Lager be 
ziehen. Mir wurden die bewaldeten Höhen zwischen Toppel und 
Nitzow zugewiesen und der Befehl ertheilt, beim Andrang des 
Feindes mich auf Havelberg zurückzuziehen, mich mit dem 6. Bezirk zu 
vereinigen, die Brücken und die Stadt auf's Aeußerste zu vertheidigen, 
und wenn nöthig selbst abzubrennen, auch die Stadt nicht zu schonen, 
weil der so wichtige Platz nicht preisgegeben werden könne. Doch 
es kam nicht soweit. — Durch die Schlachten von Groß-Beeren, 
Dennewitz, Moeckcrn und Hagelsberg, wo mein so werther Freund, 
der Hauptmann von Bonin, erschossen wurde, und durch das com- 
binirte Korps des Generals von Wallmoden waren die Franzosen 
zurückgedrängt worden. 
Das Korps des Obrist-Lieutenant von der Marwitz war zu 
den Truppen des Ge 
nerals von Bülow 
berufen worden. Die 
Besetzung der Elbe 
mußte nun wieder 
durch Landsturm ge 
schehen. 
Von mehreren 
großen Gutsbesitzern 
und Bewohnern der 
Altmark wurde mir 
bald darauf die An 
zeige, daß das fran 
zösische Gouvernement 
in Magdeburg eine 
Requisition an Ge 
treide, Lebensmitteln 
aller Art und Fourage, 
Pferden, Rindvieh 
und einer sehr an 
sehnlichen Geldsumme 
mit dem Vermerk aus 
geschrieben habe, daß 
die Orte, die sich der 
Lieferung tvidersetzcn 
würden, der Erde 
gleich gemacht werden sollten, die ganze Provinz aber ruinirt sei, 
wenn die Requisition beigetrieben würde. Daß dies seitens der 
Franzosen keine bloße Bedrohung sei, würde dadurch bewiesen, daß 
drei Bataillone mit vier Kanonen als Executions-Truppen von 
Magdeburg ausgerückt wären. Die Deputation, welche mir diese 
Anzeige überbrachte, legte auch gleich ein an die Präfektur deshalb 
erlassenes Schreiben als Beweis vor. Daß hier nur schnelle und 
kräftige Hülfe nützen könne, ersah ich gleich. Ohne Zögerung fuhr 
ich nach Berlin und legte dem Gouvernement meinen Plan vor, 
nach welchem von der Priegnitz 12 000 Mann Landsturm an drei 
Punkten zugleich über die Elbe gehen und die Altmark besetzen 
sollten. Das Gouvernement billigte meine Vorschläge und legte sie 
dem Kronprinzen von Schtveden vor, von dem sie ebenfalls ge 
nehmigt wurden, worauf die Ordre zum sofortigen Ausbruch an das 
Kreisdirektorium und an den Landsturin-Divisionair Major 
von Puttlitz per Estaffette nach Perlcberg geschickt wurde. Am 
5. September war ich mit der Anzeige nach Berlin gegangen, am 
9. September gingen 12 000 Mann Landsturm bei Sandau, 
Werben und Wittenberge über die Elbe und besetzten die Altmark. 
Mir wurde der Befehl, mit meiner Mannschaft eine Rekog- 
noszirung gegen den Feind vorzunehmen, mich aber auf kein Gefecht 
einzulassen, im Gegentheil, wenn der Feind vorrücke, auf die 
Mannschaften des 5. und 6. Bezirks bei Arneburg mich zurückzu 
ziehen. Eine Meile jenseits Stendal trafen wir französische Vor 
posten, die sich aber aus das Hauptkorps in die Letzlinger Forst 
zurückzogen und meine ausgestellten Feldwachen nicht weiter beun 
ruhigten. Während dem war auch der Landsturm aus dem 
Jerichowschen Kreise aufgeboten worden und bei Arneburg und 
Tangermünde über die Elbe gegangen. Es war nun eine Chaine 
von Magdeburg bis Parey durch den General-Lieutenant von Puttlitz 
mit Landwehr, von Parey bis Lenzen durch Landsturm unter dem 
Major von Puttlitz, von Lenzen und weiter durch die kombinirten 
Truppen unter den russischen Generalen Wallmoden und Tscher- 
nitschew, gebildet worden. Die Abwehr gelang. — 
Nach acht Tagen traten die Franzosen den Rückmarsch nach 
Magdeburg an, ohne ihren Zweck erreicht zu haben, wurden aber 
noch durch ein Landwehr- und Landsturm-Kavallerie-Kommando bei 
! Wollmirsteedt überfallen und ihnen 30 mit Getreide beladene Wagen 
abgenommen. 
Nachdem der 
Priegnitzer Landsturm 
10 Tage lang die 
Altmark besetzt ge 
halten hatte, wurde 
er durch den Ruppin- 
schen abgelöst. Die 
Aufnahme der Prieg 
nitzer Landsturm- 
männer von seiten 
der Altmärker war 
dankbar und sehr ent 
gegenkommend. Sie 
erkannten die großen 
Opfer und Dienste 
an, die ihnen die 
Männer durch das 
Verlassen der Wirth 
schaften gebracht hat 
ten. — Außer cin- 
zelneit Kommandos 
und Eskortirungen 
trat nun für de» 
Landsturm Ruhe ein, 
doch half jeder, wo 
er tonnte durch Beisteuern und Lieferungen aller Art von Hause 
aus nach Kräften, den Befreiungskampf weiter fördern. Nöthig 
war es aber auch, daß die Männer heimkehrten. Größtenthcils 
hatten vom Frühjahr an Frauen und Mädchen die Felder 
beackert, ja sogar das Getreide mähen und einbringen müssen, 
und daß dieses Alles immer willig und ohne Murren geschah, 
war der beste Beweis für die gute politische Gesinnung und die 
Vaterlandsliebe der Priegnitzer. 
Auch ich konnte mich nun meiner wirthschaftlichcn Thätigkeit 
unausgesetzt hingeben und war wieder ganz Dom-Amts-Admini- 
strator. Bei einer Anwesenheit in Berlin wurde ich eines Tages von 
mehreren Seiten als Ritter beglückwünscht. Ich konnte mir an 
fänglich nicht erklären, wohin das zielte, erfuhr aber bald hernach, 
daß der König die Gnade gehabt, mir am 30. Mai 1814 von 
Paris aus das eiserne Kreuz am weißen Bande zu verleihen. 
Meine Freude war sehr groß; ich eilte heim, diese Freude den 
Meinigcn mitzutheilen und fand, zu Hause angekommen, eine 
Königliche Kabinets-Ordre und das eiserne Kreuz vor. Es waren 
. gleichzeitig fünf Kreuze am weißen Bande vertheilt, diese hatten 
! erhalten: der General-Lieutenant von L'Estocq, Militär-Gouverneur, 
Die rhenmlige Dorsig'sche Fabrik 
in der Chausseestraße. 
(Nach einem Stich aus dem Verlage der Gropius'schen Kunsthandlung.)
	        
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