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Full text : Späth-Buch / Späth, Hellmut L. (Public Domain)

-- "XY --Diese
 Bälle kamen zur Zeit des hochseligen Königs auf, hießen von ihrem
Veranstalter, dem Grafen Brühl, königl. General-Intendanten, Brühl'sche
Bälle und wurden im Concertsaal des königl. Schauspielhauses abgehalten.
Das Billet kostete damals 1% Thlr.; der König erschien im Civilro>, und
schon der Wunsch , den verehrten Monarchen einmal in bürgerlicher Tracht
zu sehen, reizte manchen Berliner und Fremden zum Besuch dieser Bälle;
auch erzeigten wohl die jungen Prinzessinnen einem oder dem andern ausgezeichneten
 Herrn die Ehre, ihn zu einem Tanze auffordern zu lassen. Im
vorigen Jahre sind diese Bälle erneuert worden, wie man sagt, vorzüglich zur
Unterhaltung der im Winter hier anwesenden Mitglieder des Herrenhauses,
ihrer Gemahlinnen und Töchter. Das Billet kostet jezt 3 Thaler und wird
ver höchste Glanz der Toilette bei den Vesuchenden vorausgeseßt. Das
Lokal bietet das Opernhaus dar. Im Theaterraum ift dann das Parquet
mit dor Bühne zu gleicher Ebene erhoben; von der königl. Loge führt eine
große Treppe in den Saal hinab; dieser ist mit verschwenderischer Pracht
vekorirt. In Erfindung solcher Dekorationen hatte es früher besonders der
Hoftapezier Hiltl sehr weit gebracht. Unter andern hatte er einmal einen
solchen Saal mit Golvnezen umgeben, in denen die verschiedensten Arten
heimisver Tögel lustig umherhüpften und flatierten. Man eifert ihm jett
nac>; auch anf vem letzten Subscriptionsballe gereichte eine Volidre aus
Glas zum besonderen Schmuck, doch befanden sich ausländische Prachtvögel
darin, deren Phlegzma wenig Vergnügen bereitet haben soll. Die Hinterwand
 des Theaters bestand aus Spiegeln, so daß sich die großartige Scene
verdoppelte. Eine Fülle von Gaslicht strahlte aus Kronenleuchtern an der
Decke und aus Festons an den Logenpfeilern und Brüstungen. Die Flure,
Aufgänge u. s. w. waren durch schöne Topfgewächse in reizende Gärten verwandelt.
 Lokal und Besucher strahlten in höchster Pracht und Anmuth.
In drei großen Polonaisen umwandelten Se. Majestät mit vem Hofe den
Saal, und die Höchsten Herrschaften unterhielten sich sehr leutselig hier und
va mit einzelnen Personen. Diese Bälle werden übrigens jetzt in ver Nacht
vom Donnerstag zum Freitag und nicht mehr in der vom Sonnabend zum
Sonntag abgehalten, damit der Tag des Herrn nicht entweiht werde.
Aehnliche Bälle, natürlich nicht mit solchem Glanze, veranstalten einige
Künstlervereine, die dann höchst sinnige und anmuthige Ueberraschungen und
Unterhaltungen, zum Theil von burlesker Art, vorbereiten. Zu solchen
Festen dienen das Englische Haus, der Mäder'sche und jetzt besonders der
Arnim'sche Saal unter ven Linden, vorzüglich aber auch das Kroll'sche
Etablissement, in welchem auch freiere Bälle und Nedouten von etwas geringerer
 Gattung abgehalten werden.
Dieses Etablissement ist auf Veranlassung Sr. Maj. des jetzt regierenden
Königs entstanden, welcher 'den Grund und Voden dazu geschenkt hat. Es trägt
ven Namen des ersten Unternehmers und wird jezt von einer Aktiengesellschaft
unterhalten, stand aber eine Zeitlang unter Leitung der Tochter ves Herrn Kroll.

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