Path:
Zweiter Band Sechsundzwanzigtes Kapitel

Full text: Der Spreekönig / Wald, Carl (Public Domain)

120 — 
Die Dame stand wie gebannt. Sie preßte die weißen 
Zähnchen auf die Unterlippe, und den Kopf vorgebeugt, 
laͤuschte sie, ohne sich zu rühren. 
Endlich! Rurt hat versprochen, Jenny aufzusuchen, 
sie zur Bootfahrt einzuladen; im Begriff zu gehen, hebt 
er die Portiére. — „Ah!“ — 
Er bleibt offenen Mundes in der Thür stehen. 
„Was ist denn?“ fragt Mar Hurach, der hinter ihm 
nicht das Vorderzimmer uͤberblicken kann. 
„Deine Frau!“ 
Di“ 
Es klingt sehr lang, sehr erschreckt, dieses „Oh!“ das 
hinter der Portiére hervortönt. 
„Gnädige Frau!“ Kurt Röder will Eliza die Hand 
küssen, aber sie entzieht sie ihm. „Ach, Sie!“ sagt sie 
vorwurfsvoll. Er zögert, will sich entschuldigen. „Gehen 
Sie nur! 74 habe mit meinem Mann zu sprechen.“ 
„Adieu rar! Gnädige Frau, ich habe die Ehre! Em 
pfehlen Sie mich Ihrer Frau Mama!“ Er geht. 
Die beiden Gatten stehen sich gegenüber. 
„Mar! Ich habe Alles gehört!“ 
„Alles gehört? So? Was denn gehört?“ 
„Er soll Dich wieder, mit Jenny zusammenbringen.“ 
Zusammenbringen? Unsinn! Ich will ihr, nur —XW 
Sie wohl! sagen. Das mußt Du doch auch gehört haben.“ 
„Wer das glaubt! Du hast es nur gesagt, weil Herr 
Röder Dich immer erinnerte: Mar, denk' an Deine Frau!“ 
„Na ja! Und was denn nun weiter?“ 
Hast' Du noch nicht die Anschlagsäulen gelesen?“ 
„Nein!“ 
Es ist ein Plakat daran. Ich fürchtete, Dich wieder 
nicht zu finden. Deshalb hatte ich es anschlagen lassen, 
an alle Säulen; 570 Mal steht es dran!“ 
„Was?“ 
Mar kehre zurück! Es ist Alles vergeben und ver— 
gessen!“ 
Da fährt er aber auf.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.