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Zweiter Band Vierundzwanzigstes Kapitel

Full text: Der Spreekönig / Wald, Carl (Public Domain)

Dieses Privatkontor hatte noch ein Nebenzimmer, ein 
kleines, hübsches Büreau, welches für Herrn Louis Staffert 
reservirt war. Eine Glasthür mit grüner Gardine schied 
es von dem Kontor Kurt Röders. 
In Stafferts Büreau hatte sonst immer Martha ge— 
sessen. Der Diplomatentisch dort stand so, daß man das 
ganze Kontor Kurt Röders übersehen konnte, trotz der 
allerdings sehr dünnen, grünen Gardine. Jetzt saß An— 
gela in diesem Büreau. 
Freundlich rief, Martha sie, um sie zu ersuchen, das 
Konzept, welches sie auf ihrem Pulte draußen liegen habe, 
ohne Ueberschrift zweimal abzuschreiben. Es war das 
Konzept zu einem französischen Briefe. 
Angela beeilte sich, diese Aufgabe zu erfüllen, und 
Martha machte hinter ihr die Kontorthür zu. 
„Ich wollte nur mit Dir allein sein, Papa“, saate sie. 
Er nickte. 
Jetzt gab sie ihm die Briefe Berthas und Albertis. 
Fr bediente sich beim Lesen eines Kneifers, setzte diesen 
auf und las. 
Dann blickte er Martha verdutzt an. 
„Hm! Was meinst Du, Marthchen?“ fragte er ernst— 
haft. 
„Wir wollen warten, bis Alberti kommt“, erwiderte sie. 
Isls Alberti kam, war aber Angela wieder in dem 
Bürecau Stafferts und mußte also erst wieder entfernt werden. 
Alberti begrüßte Angela kühl und höflich. Ein Blick 
Marthas belehrte ihn, daß sie Angela entfernen werde, 
sobald ihr Vater kam, der wieder einmal in den Fabrik— 
säͤlen, in welchen jetzt Mittagspause war, herumbummelte, 
im in stehen gebliebenen Koͤrben der Fabrikmädchen oder 
in den Schubkaͤsten abwesender Meister herum zu schnüffeln. 
„War lkange keine Sitzung des Frauenvereins Ethos?“ 
fragle er, um die Zeit auszufüllen, bis der Alte kam. 
Heartha Staffert war natürlich Mitglied dieses Vereins, 
schon um der Frau Kommerzienrath willen, der Präsidentin 
desselben.
	        
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