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Zweiter Band Dreiundzwanzigtes Kapitel

Full text: Der Spreekönig / Wald, Carl (Public Domain)

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schattet ihn. Das Restaurant erscheint wie ein kleines 
Jagdschloß. Man speist im Freien. 
Der Fürst und Jenny kommen. 
Ein auserlesenes Menu, des Russen wegen in fran— 
zösischer Sprache. 
Der Fürst muß es Jenny übersetzen. Sie wüßte sonst 
gar nicht, was sie zu essen bekommt. Keraftsuppe, Forellen, 
blau mit frischer Butter, Rinderfilet mit Gemüse, Helgo 
länder Hummer, Reh-Koͤtelettes mit Trüffeln, junge Reb— 
hühner, gebraten. Salat und Rompot, Eis! Fürst Puückler, 
Kirschen-Tortelettes, Käse, Butter, Früchte üͤ. s. w. 
Vortrefflich! Durchlaucht sind zufrieden. 
Zuerst Jofephhöfer Auslese, dann einen guten Bordeaur 
und zum Schluß französischen Sekt, mäßig frappirt. 
Mar Hurach bestellte genau dasselbe. Jenny und 
Linda haben sich oberflächlich begrüßt. Jenny blickte auf 
die französische Tischkarte. So viel hatte sie weder bei 
Martha Staffert, noch bei ihrer anderen Lehrerin gelernt, 
Sie kann es kaum lefen. 
Linda Hollfeld beobachtete die Lektüre Jennys. 
„Ja“, sagt sie leise zu Mar Hurach, „Spinat mit Ei 
bei Neumanns, selbst ausgelesen, ist natürlich einfacher.“ 
Dem Fürften ist die Nachbarschaft des Herrn Mar 
Hurach ziemlich unbequem. Er kennt ihn noch zur Genüge 
von dem Premiérenabend her. Die Herren haben sich bis 
jetzt nur flüchtig gegrüßt. Man wird aber “kaum umhin 
können, nachher zusammen zu rücken. 
Bei einem vortrefflichen Diner, vorzüglichen Weinen 
wird die Stimmung bald animirt. 
Es ist schrecklich zu sagen: Jenny vergißt Dr. Arndt, 
vergißt ihr unglückliche Liebe. 
„Merkwürdig!“ denkt sie, „Leute, die immer so gut 
essen, können doch unmöglich wahrhaft lieben.“ 
Bald spricht man von einem Tisch hinüber zu anderen, 
rinda hat begonnen. Es sind augenblicklich nicht viel an— 
dere Gäste in der Nähe. 
Der Fürjt sieht sich aber doch gezwungen, Linda Holl—
	        
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