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Zweiter Band Einundzwanzigstes Kapitel

Full text: Der Spreekönig / Wald, Carl (Public Domain)

„Das will ich natürlich gern thun“, hatte Dr. Moritz 
erklärt. Dann hatten sie weitere Verabredungen getroffen. 
Inzwischen war Jennys Auftreten erfolgt. Alberti 
hatte sich vorsichtig wieder in ihre Nähe gewagt. Sein 
Freund hatte ihm da einen infamen Streich gespielt, freilich 
ohne daß er es wollte. Aber er brauchte ihn zu noth— 
wendig und durfte sich mit ihm nicht überwerfen. Wenn er 
auch nicht selbst das Geld gab, wenn er nur gut sagter, 
so konnte Alberti durch seine Mutter Geld besorgen. 
Der Justizrath hatte unrecht gehabt. Seine Mutter 
kannte noch genug Mitglieder der edlen Wuchererzunft, 
die Herren waren nur ein wenig eingeschüchtert durch die 
großen Prozc 
In jenem Viertel, dessen Mittel- und Glanzpunkt der 
nunmehr gefallene Mühlendamm war, wohnte auch Frau 
Alberti, die Mutter des Rechtsanwalts. 
Sicher hätte Niemand geglaubt, daß die Hausirerin 
Alberti eine so gediegen eingerichtete Wohnung in dem kleinen 
Hause der Rosenstraße habe. Wer sie so sah, wenn sie 
Abends mit ihrem Kasten losging, in dem zerrissenen Kleide, 
in dem geflickten Umschlagetuch, wie eine ‚arme Wittwer, 
die sich kuͤmmerlich und ehrlicht mit ihrem Kinde durch die 
Welt schlug, der würde sich gewundert haben über den 
dicken Teppich, die Portièren und Gardinen und über die 
gediegenen Nußbattimöbel, über die trefflich gepolsterte rothe 
Plüschgarnitur. „Ler gerade sie konnte das Alles doch 
äam billigsten 5 Lcten haben. Stand sie doch mit den 
Auktionshyẽ — 3wangs- und anderen Versteigerungen 
auf Du u Die konnte doch manchen schönen Hin— 
weis gebe iber, in vier Wochen, da ist da und da 
was fäll Hreee feine, gediegene Sachen!“ „So? 
Auf der Prandkammer oder im Hause? Welcher Gerichts— 
vollzieher hat es?“ 
Freundliche Seelen! Mutter Alberti wußte dann aber 
— 
Verwandten mehr zu rechnen. Es ging auch nur noch um 
die Kosten. Da bietet Keiner mit, das könnt Ihr Euch 
schon vorher theilen.
	        
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