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Erster Band Sechszehntes Kapitel

Full text: Der Spreekönig / Wald, Carl (Public Domain)

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„So schwer es mir wird, mein liebes Gretchen von 
mir zu lassen“, wendete sich Angela an den Arzt, „so muß 
ich doch den Umstand preisen, der sie vorläufig anderweitig 
Unterkunft finden läßt. Ich kann nicht länger hier bleiben.“ 
Er blickte sie erstaunt an. 
Sie lächelte bitter und schmerzlich. 
„Ich habe keine bleibende Staͤtte, Herr Doktor — kein 
Hüsung — kein Heim seit frühester Kindeszeit. — Ich 
will mich nicht beklagen. Hatte doch auch des Menschen 
Sohn nicht, wo er sein Haupt hinlegen konnte.“ 
„Was ist geschehen?“ fragte Dr. Arndt erschreckt. 
Sie antwortete nur mit einem bezeichnenden Blick auf 
das Kind. 
Er verstand sie. 
„Die Mutter des Herrn Kurt Röder war soeben hier“, 
erklärte sie. 
„Ich traf sie noch, als ich kam. Verfolgt ihr Zorn 
Sie bis hierher?“ 
„Sie kam im Namen ihres Sohnes; ich sollte wieder 
einziehen in ihr Haus, einziehen als die Herrin. Nun, Sie 
verstehen mich.“ 
IDr. Arndt erbleichte für einen Moment. 
„Und Sie —?“ 
„Ich lehnte es ab. Die stolze Frau nahm das übel, 
und selten habe ich so vieles Bitteres und Verletzendes 
gehört.“ 
„Und deshalb wollen Sie hier fort?“ 
„Wie könnte ich bleiben? Herr Marx Hurach ist der 
Freund des Herrn Kurt Röder. Die Familien sind be— 
freundet. — Wenn ich nur gleich wüßte, wohin. — Kein 
Hüsung, Herr Doktor“, lächelte sie bitter. 
Er überlegte. 
„Ich habe durch — Zufall — wenn wir dieses Wort 
gelten lassen wollen, die Millionenerbin Jenny Schröder, 
Ihre Gegnerin, kennen gelernt“, sagte er dann, „sie hat 
sich eine Sehne des Fußgelenks durch einen Fall verzerrt. 
Sie wohnt in der Villa van Dahlen.“ 
Angela blickte überrascht auf
	        
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