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Erster Band Fünfzehntes Kapitel

Full text: Der Spreekönig / Wald, Carl (Public Domain)

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Ueber die Gartenwege rauschten kleine Bäche die abschüssige 
Bahn nach dem See hinab, der schwarz und grau und 
aufgewühlt einen fast erschreckenden Anblick bot. 
Ohne ein Wort der Entschuldigung begann die Frau 
Rath. 
„Mein Sohn hat mir eröffnet, daß er Sie liebt, mein 
Fräulein. Sie waren selbst Zeugin, wie er mich zu seiner 
Brautwerberin designirte. Er droht mir, aus dem Ge— 
schäft auszutreten; das wäre ein schwerer Schlag für mich 
und meine Tochter Selma. Sie sehen mich also hier, 
Fräulein Herbeck, Sie um Ihre Hand für meinen Sohn 
zu bitten. Es ist ungewöhnlich, daß eine Mutter für ihren 
Sohn bei einem Mädchen um dessen Hand anhält, die 
Verhältnisse rechtfertigen aber diesen Schritt.“ 
Sie schwieg. In ihrem Innern war sie überzeugt, daß 
Angela nichts Besseres wünsche, als eine so gute Partie 
zu machen; welches Mädchen hätte das nicht gewünscht! — 
So genügte wohl das einfache Entgegenkommen der Mutter, 
und Angela willigte ein. 
Zu ihrem Sohne hatte die Kommerzienräthin gesagt: 
„Es wird nichts helfen; schon aus Stolz wird sie mich 
zurückweisen.“ In Wahrheit glaubte sie das jedoch nicht. 
oAllenfalls ein wenig »Zieren,, ein wenig Zuredenlassen; 
damit mußte es dann aber gethan sein. 
„Mein Sohn ist das, was man eine gute Partie 
nennt, mein Fräulein“, fuhr die Frau Kommerzienrath 
fort, als Angela noch schwieg, „er besitzt auch ein an 
genehmes Aeußere, ist Gentleman durch und durch. Ich 
hoffe, er wird Ihren Ansprüchen genügen.“ 
Der Donner verrollte leise in der Ferne, das Gewitter 
nahm einen anderen Weg. Der Regen rauschte gleich— 
mäßig fort. 
„Sie sind auf Wunsch Ihres Herrn Sohnes hier, 
gnädige Frau?“ 
Angelas Stimme klang völlig unbeweagt. 
Gewiß, mein Fräulein.“ 
„So bitte ich, Ihrem Herrn Sohn meine Empfehlung 
auszurichten“, fuhr Angela fort; „ich hatte gehofft, er
	        
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