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Full text: Orientierungs- und Handlungsrahmen für die Filmbildung / Dorr, Martin (Rights reserved)

Orientierungs- und Handlungsrahmen für die Filmbildung Ergänzende Materialien zum im November 2015 in Kraft gesetzten Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufen 1 - 10 Filmbildung Impressum Herausgeber: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Bernhard-Weiß-Straße 6, 10178 Berlin Verantwortlich: Birgit Kölle Referat II B: Fächer der Berliner Schulen, Rahmenlehrpläne Fachaufsicht: Thorsten Kluge Autoren: Martin Dorr, Dr. Martin Ganguly, Barbara Hirn, Beate Völcker (LISUM) Webseite http://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/faecher-rahmenlehrplaene/faecheruebergreifende-themen/ Berlin, September 2016 Dieses Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Der Herausgeber behält sich alle Rechte einschließlich Übersetzung, Nachdruck und Vervielfältigung des Werkes vor. Kein Teil des Werkes darf ohne ausdrückliche Genehmigung des Herausgebers in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Dieses Verbot gilt nicht für die Verwendung dieses Werkes für Zwecke der Schulen und ihrer Gremien. 2 Filmbildung Inhaltsverzeichnis 1. Zum Unterricht mit dem Orientierungs- und Handlungsrahmen „Film“ im Kontext des Basiscurriculums Medienbildung 2. Der Beitrag des Orientierungs- und Handlungsrahmen „Film“ zum Kompetenzerwerb 2.1 Ziele und Aufgaben der Filmbildung 2.2 Kompetenzbereiche der Filmbildung 3. Standards 4. Dimensionen und Inhalte 3 Filmbildung 1. Zum Unterricht mit dem Orientierungs- und Handlungsrahmen Filmbildung im Kontext des Basiscurriculums Medienbildung Der Orientierungs- und Handlungsrahmen für den Unterrichtsgegenstand Film stellt in Ergänzung des Rahmenlehrplans Berlin-Brandenburg für die Jahrgangsstufen 1 – 10 eine Präzisierung und Anregung für den fachübergreifenden und fachbezogenen Unterricht im Bereich der Grundschule und der Sekundarstufe I dar und unterstützt die Lehrkräfte in der Unterrichtsgestaltung. Analog zu den Kompetenzbeschreibungen im Basiscurriculum Medienbildung wird für die Unterrichtsarbeit mit und über Film im vorliegenden Handlungsrahmen ein Kompetenzmodell vorgelegt, in das auch Aspekte anderer übergreifender Themen wie der kulturellen Bildung einfließen. Dazu werden Standards für das Ende der Grundschule und der Sekundarstufe I ausgewiesen (Niveau D und G) Diese Standards dienen als Grundlage für die Unterrichtsgestaltung und helfen Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern bei der Einschätzung ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten. Fachspezifische und fachübergreifende Strukturen und die Zielsetzungen zur Behandlung des Unterrichtsgegenstandes Film werden im schulinternen Curriculum festgehalten. Die im Rahmenlehrplan angeführten Pflichtbereiche sind hierbei verbindlich. Wird ein Filmcurriculum im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts eingerichtet, so erfolgt der Unterricht auf der Grundlage der im vorliegenden Orientierungs- und Handlungsrahmen erlassenen curricularen Vorgaben in Verbindung mit den entsprechenden Teilen des Rahmenlehrplans für die Jahrgangsstufe 1 - 10. 2. Der Beitrag des Orientierungs- und Handlungsrahmens Filmbildung zum Kompetenzerwerb Der Orientierungs- und Handlungsrahmen ermöglicht die Zusammenarbeit verschiedener Unterrichtsfächer unter dem Gegenstandsbereich Film. Dieser umfasst alle Formen und Formate des Bewegtbildes (wie z.B. Kino- und Fernsehfilm, Lang- und Kurzfilm, Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilm, Musik- und Kunstvideo, Werbefilm, Handyfilm, Webclip etc.). Alle Fächer können auf Basis entsprechender Anknüpfungen an die jeweiligen fachlichen Anforderungen im Rahmenlehrplan Film zum Lerngegenstand machen. Dem Fach Deutsch, in dem das Lesen von Texten und Medien ein ausgewiesener Kompetenzbereich ist, kommt dabei ebenso eine Leitfunktion zu wie den Fächern mit einem künstlerischen Gegenstandsbereich wie Kunst, Musik und Theater. Daneben spielt Film als Medium interkulturellen Lernens eine Rolle im Fremdsprachenunterricht und unter historischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern. Anknüpfungspunkte finden sich des Weiteren in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern, z.B. zur Veranschaulichung, sowie bei der Bearbeitung ethischer und religiöser Fragestellungen. Welche Fächer "Film" zum gemeinsamen Unterrichtsgegenstand machen, hängt vom Konzept der jeweiligen Schule zu thematischen Schwerpunkten und zum Aufbau und zur Stärkung von thematisch bezogenen Kooperationen der Fächer ab. Die in diesen übergreifenden und verbindenden Kontexten zu erwerbenden Kompetenzen werden als überfachlich verstanden und berücksichtigen jeweils fachbezogene Standards. 2.1 Ziele und Aufgaben der Filmbildung Der Film als Medium spielt eine wichtige Rolle in unserer heutigen Gesellschaft. Als bedeutende Kunst- und Kommunikationsform des 20. und 21. Jahrhunderts leisten filmische Darstellungen auch einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung. Filmische Darstellungen spiegeln durch die Geschichte hindurch gesellschaftliche Befindlichkeiten und Diskurse und beeinflussen das Bewusstsein der Menschen in ihrer jeweiligen Zeit. Sie prägen Wert- und 4 Filmbildung Weltvorstellungen sowie das Geschichtsbewusstsein, beeinflussen die öffentliche Meinungsbildung und gestalten politische Prozesse mit. Filme sind in allen Medienwelten präsent und erfüllen für Kinder und Jugendliche jenseits der Identifikation mit den Protagonistinnen und Protagonisten wichtige Aufgaben im Prozess ihrer Persönlichkeitsentwicklung und der Weltaneignung, nehmen Einfluss auf die Ausbildung von Identität, auf das individuelle Rollenverständnis und somit auf die Lebenswelt der Heranwachsenden. Die Allgegenwart des Bewegtbildes und der alltägliche, zunehmend zeit- und ortsunabhängige Umgang mit Film hat die Bedeutung des Mediums weiter wachsen lassen. Durch den Einzug der Neuen Medien in den Alltag entstehen zudem neue Formen des Umgangs: Video- und Internetplattformen schaffen die Möglichkeit, selbst zum Produzenten eigener und universell verfügbarer Filme zu werden. Gleiches gilt für mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones. Der Umgang mit dem Medium Film beschränkt sich insofern nicht mehr allein auf dessen Rezeption. Kinder und Jugendliche brauchen in der heutigen von Medien geprägten Gesellschaft Kompetenzen, um das Medium Film so zu nutzen, dass es die eigene Entwicklung und die private und berufliche Zukunft bereichert, nicht schädigt. Ein kompetenter Umgang mit dem Medium Film stärkt die Chancen auf eine erfolgreiche gesellschaftlicher Teilhabe – mangelnde Filmkompetenz hingegen beschränkt die Möglichkeiten des Einzelnen zur gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation. Da Filmkompetenz weder allein durch inner- und außerfamiliale Sozialisation noch durch individuelle Nutzung von Filmen in der Freizeit erworben werden kann, ist eine umfassende und systematische schulische Filmbildung erforderlich. Dementsprechend zielt schulische Filmbildung auf den Erwerb und die fortlaufende Erweiterung von Filmkompetenz. Diese umfasst durch Produktion, kritische Rezeption, Analyse und Reflexion erworbene Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein sachgerechtes, selbstbestimmtes, kreatives und sozial verantwortliches Handeln in der medial geprägten Lebenswelt ermöglichen. Durch die Auseinandersetzung mit dem Medium Film wird zudem die ästhetische Sensibilität und Kreativität gefördert, die Geschmacks- und Urteilsbildung unterstützt und die individuelle Ausdrucksfähigkeit erweitert. Der Bildungs- und Lerngegenstand „Film“ im oben beschriebenen Sinne definiert sich folglich nicht allein durch die Filmwerke, den Spiel- und Dokumentarfilm, das bewegte Bild in all seinen Formen und den Prozess ihrer Entstehung, sondern gleichermaßen durch die vielfältigen Bezüge zwischen Film und Gesellschaft sowie durch den Umgang der Heranwachsenden damit. Gemeint ist also Film als kulturelles Handlungsfeld, das folgende vier Dimensionen umfasst: die künstlerische, die individuelle, die (inter-)kulturelle und die gesellschaftliche Dimension. Schulische Filmbildung umfasst sowohl die analytische und reflektierende Auseinandersetzung mit Film als kulturellem Handlungsfeld als auch das praktische Erschaffen von filmischen Ergebnissen. Im Umgang mit dem Medium Film lernen Schülerinnen und Schüler schulische und außerschulische Lebenswelten zu verknüpfen. Damit leistet Filmbildung einen wichtigen Beitrag zu einer zeitgemäßen und schülerorientierten Bildung. Sie eignet sich für inklusiven und jahrgangsübergreifenden Unterricht. 5 Filmbildung 2.2 Kompetenzbereiche der Filmbildung Zentrale Handlungskompetenz ist Mit Film (gestaltend) handeln. Dies beinhaltet die Kompetenzbereiche Filme lesen, Filme machen sowie Film kontextualisieren. Mit Film (gestaltend) handeln umfasst Fähigkeiten, Fertigkeiten und Fachwissen, die Schülerinnen und Schüler befähigen, sich aus reflexiv-kritischer und aus kreativhandlungsorientierter Perspektive mit dem Film auseinanderzusetzen, ihre kulturellen Handlungsräume und ihr Weltwissen zu erweitern und am gesellschaftlichen Leben zunehmend aktiv teilzunehmen. Die im Kompetenzbereich Filme lesen erworbenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse versetzen die Schülerinnen und Schüler in die Lage, Filme als bewusst gestaltete Werke und Kunstwerke zu rezipieren und deren Zeichensysteme, mediale Gestaltungselemente und narrativen Strukturen zu entschlüsseln. Schülerinnen und Schüler lernen Filme in zeitliche, ästhetische, kulturelle und wissenschaftliche Kontexte einzuordnen. Unabdingbarer Bestandteil ist dafür das exemplarische Entdecken wichtiger Epochen und Strömungen der Filmgeschichte sowie die Fähigkeit, Filme in filmgeschichtliche und gesellschaftliche Gesamtzusammenhänge einordnen zu können. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich reflexivkritisch mit Filmen auseinander und lernen, die erworbenen Kompetenzen auf andere mediale Inhalte anzuwenden. Im Kompetenzbereich Filme machen entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigene filmische Ideen und übersetzen sie in eine geeignete Darstellungsform. Sie setzen diese mit Hilfe filmischer Gestaltungmittel aktiv um und kommunizieren und überdenken ihre Ergebnisse kritisch-konstruktiv, auch im Vergleich mit der ursprünglichen Gestaltungsabsicht.. Die Schülerinnen und Schüler lernen Aufgabenbereiche und organisatorische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte der Filmproduktion ebenso kennen wie den praktischen Einsatz technischer und filmischer Gestaltungsmittel und -möglichkeiten. In der handelnden Auseinandersetzung mit Film üben sich die Schülerinnen und Schüler in Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Ausdauer, setzen sich kommunikativ mit Anforderungen und 6 Filmbildung Problemen des Filmemachens auseinander und entwickeln, an eine reale berufliche Situation angenähert, situativ adäquate Lösungen. In der für die Filmproduktion notwendigen Teamarbeit lernen sie, ihre Positionen zu vertreten und Verantwortung für sich, die Gruppe und den eigenen Film zu übernehmen. Film kontextualisieren heißt, die Nutzung und Wirkung von Filmen im eigenen Leben zu reflektieren und durch kritische Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Produktionen am kulturellen Leben aktiv und kreativ teilzunehmen. Die Schülerinnen und Schüler lernen Film als Mittel zur Erschließung eigener und anderer Welten und Kulturen kennen und erkennen die wechselseitigen Einflüsse von Filmen auf eigene Wert- und Weltvorstellungen sowie auf die gesellschaftliche Bewusstseins- und politische Meinungsbildung. Sie analysieren ihre eigenen Filmvorlieben und ihren Filmkonsum und lernen, die vielfältigen Filmangebote kritisch zu reflektieren. Sie können zwischen filmischer und realer Welt unterscheiden, lernen deren Wechselwirkungen zu erfassen und neben den Chancen filmischer Darstellungen (z. B. um andere Lebenswelten zu begreifen) auch deren Risiken und Gefahren (z. B. durch Manipulation) zu erkennen. Sie lernen, die gesellschaftliche und (inter-)kulturelle Wirkung eigener und fremder Filme zu beurteilen, setzen sich kritisch mit zentralen Aspekten der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Bedeutung von Film auseinander. Diese Dimensionen berücksichtigen sie auch bei der Gestaltung eigener filmischer Vorhaben. . 7 Filmbildung 3. Standards Die Standards bilden ab, was Schülerinnen und Schüler am Ende einer Schulstufe erreichen sollen. Sie geben der Lehrkraft bei der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts eine Orientierung und sind eine wichtige Grundlage für die Leistungsbewertung. Sie bieten Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern die Möglichkeit, die an die Lernenden gesetzten Erwartungen zu kennen und zu verstehen und leisten somit einen Beitrag zur Transparenz in der schulischen Arbeit. Im Folgenden werden Standards für die jeweiligen Kompetenzbereiche und Kompetenzen ausgewiesen, die die Schülerinnen und Schüler im Unterricht der Grundschule (Niveaustufe D) und der Sekundarstufe I (Niveaustufe G) vertiefen und erweitern. Die Beschreibung der Niveaustufen orientiert sich am Basiscurriculum Medienbildung des Rahmenlehrplans 1-10. Die Niveaustufe G schließt dabei die für Niveaustufe D beschriebenen Kompetenzen ein. Filme lesen Schülerinnen und Schüler können STUFE D STUFE G Filmästhetik die formale Gestaltung und ihre Wirkung an Filmstills beschreiben ästhetische Besonderheiten eines Films und seine Wirkung erörtern filmische Zeichensysteme Elemente der Bild- und Tongestaltung an ausgewählten Szenen beschreiben und Bezüge zum Inhalt und zur Aussage herstellen die Bild- und Tongestaltung eines Films anhand von Beispielsequenzen analysieren Narration wesentliche narrative Elemente eines Films (Gattung, Genre, Format; Handlung, Figuren, Konflikt) beschreiben wesentliche narrative Elemente in Filmen (Gattung, Genre, Format; Plot, Struktur, Figuren, Konflikt) erörtern grundlegende Montagemuster exemplarisch beschreiben die Montage eines Films anhand von Beispielsequenzen analysieren kontextuelle Bezüge exemplarisch kontextuelle Bezüge (z.B. zeithistorische, kulturelle) benennen Deutungen unter Berücksichtigung ausgewählter kontextueller Bezüge entwickeln Filmgeschichte Merkmale von Filmen aus unterschiedlichen Entstehungszeiten beschreiben Filme aus verschiedenen Entstehungszeiten vergleichen 8 Filmbildung Filme machen Schülerinnen und Schüler können: STUFE D STUFE G Entwicklung filmischer Erzählstrukturen Erzählverläufe für kurze, umsetzbare filmische Vorhaben entwickeln und sie in einem Darstellungsablauf festhalten Erzählstrukturen für umsetzbare filmische Vorhaben entwickeln und sie in eine strukturierte Darstellungsform (z.B. Drehbuch, Storyboad) übersetzen Planung ausgewählte Arbeitsschritte für die praktische Umsetzung ihres filmischen Vorhabens nach Vorgaben planen eine Arbeitsstruktur für die praktische Umsetzung ihres filmischen Vorhabens kleinschrittig planen und arbeitsteilig organisieren Umsetzung ihr filmisches Vorhaben unter Anwendung einiger Gestaltungsmittel gemeinsam umsetzen ihr filmisches Vorhaben in strukturiertem, auch nicht-linearem Vorgehen und arbeitsteilig umsetzen Postproduktion eine Geschichte oder einen Sachverhalt durch Montage (Bild + Ton) erzählen eine Geschichte oder einen Sachverhalt durch die Verknüpfung eines Montagekonzepts mit ihren gestalterischen Überlegungen erzählen Ergebnisreflexion ihre Ergebnisse im Vergleich zur Aussageabsicht diskutieren ihre Ergebnisse mit Bezug auf systematische Aspekte der Filmanalyse reflektieren und beurteilen Filmpräsentation ihre Ergebnisse im Rahmen ihrer Lerngruppe präsentieren ihre Ergebnisse in unterschiedlichen Kontexten adressatengerecht präsentieren 9 Filmbildung Film kontextualisieren Die Schülerinnen und Schüler können: STUFE D STUFE G Filmnutzung die unterschiedlichen Funktionen von Filmen beschreiben (z.B. Unterhaltung, Information, Kommunikation, Erschließung unterschiedlicher Welten und Lebensumstände) die unterschiedlichen Funktionen von Filmen reflektieren, mögliche Ausdrucksformen untersuchen und systematisieren Einflüsse von Filmen auf eigene Wert- und Weltvorstellungen an Beispielen Wirkungsmechanismen von Filmen beschreiben und Einflüsse von Filmen auf eigene Wert- und Weltvorstellungen erkennen und benennen komplexe Wirkungsmechanismen von Filmen untersuchen, sie systematisieren und sich mit möglichen Einflüssen von Filmen auf eigene Wert- und Weltvorstellungen kritisch auseinandersetzen, ihre Absicht hinterfragen Urteilsbildung / Kritik ihre Filmvorlieben beschreiben und die Wirkung von Filmen auf sich selbst nach vorgegebenen Kriterien einschätzen ihre Filmvorlieben reflektieren, Filme kategorisieren und nach gemeinsam erstellten Kriterien beurteilen gesellschaftliche und kulturelle Funktion / Bedeutung von Film die Wechselbeziehungen zwischen Film und Gesellschaft beispielhaft beschreiben mögliche Auswirkungen von selbst erstellten Filmen oder Filmsequenzen diskutieren den wechselseitigen Einfluss zwischen Film und gesellschaftlichen Wertvorstellungen an einem Beispiel untersuchen und die Bedeutung von Film für die Bewusstseins- und Meinungsbildung reflektieren Film als Wirtschaftsgut Verwertungsformen eines Films unterscheiden und deren Bedeutung für den eigenen Filmkonsum beschreiben mögliche Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg eines Films untersuchen und die eigene Rolle als Filmkonsument reflektieren die Bedeutung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen diskutieren rechtliche Bestimmungen die rechtlichen Bestimmungen (Jugendmedienschutz, Datenschutz, Urheberund Persönlichkeitsrecht) kennen und verstehen die Bedeutung rechtlicher Regelungen zur Filmnutzung erörtern 10 Filmbildung 4. Dimensionen und Inhalte Schülerinnen und Schüler haben in der Regel bereits beim Eintritt in die Schule Erfahrungen mit dem Medium Film gesammelt. Der Umgang ist stark geprägt durch individuelle Interessen und Vorlieben, aber auch durch elterliche und gesellschaftliche Einflüsse. Dabei treten sie im Wesentlichen als Konsumenten von Filmen auf und nehmen eine Rolle ein, deren Bedingungen und Auswirkungen ihnen noch weitgehend unerschlossen sind. In ihrer weiteren Entwicklung ändert sich der Blick auf die Welt des Films, das Bewusstsein als Rezipient wird weiter und kritischer, die Auswahl wird selbständiger. Im Laufe ihrer Schulzeit beginnen sie ggf. im privaten und/oder schulischen Bereich mit dem eigenen Gestalten filmischer Elemente. Diese Interessen können in allen Unterrichtsfächern aufgegriffen werden, sodass Schülerinnen und Schüler lernen, filmisches Gestalten als ein wesentliches Instrument zur Erweiterung ihrer Kompetenzen in vielfältigen Bereichen zu nutzen. Neben der Vertiefung ihres Wissens bereichern sie dabei ihre kulturelle und interkulturelle Bildung und bereiten sich auf ihr späteres Studium oder ihren Beruf vor, indem sie sich mit den eigenen Interessen und denen potenzieller Filmnutzerinnen und -nutzern auseinanderzusetzen. Vier Dimensionen als Grundlage für die inhaltliche Gestaltung von Unterricht: Individuelle Dimension: Der Umgang mit Filmen vermittelt Schülerinnen und Schülern einen medialen Zugang zum Erwerb von Weltwissen. Er prägt zusammen mit dem familiären und gesellschaftlichen Umfeld die kulturelle und interkulturelle Bildung und trägt so wesentlich zur Identitätsbildung junger Menschen bei. Filme bieten Rollen- und Lebensmodelle, mit denen junge Menschen sich auseinandersetzen oder die sie schlicht imitieren. Schauspielerinnen und Schauspieler sowie die Figuren, die sie darstellen, werden ggf. zu Idolen, deren Lebensstile, Lebenskonzepte und Wertvorstellungen als nachahmenswert empfunden werden und die daher oft emotional bedeutsam für sie sind. Die Auseinandersetzung und Reflexion dieser Funktionen von Film und des eigenen filmischen Handelns fördert den bewussten und kritischen Umgang mit Film und leistet zugleich einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Erweiterung des eigenen Handlungsrepertoires, das neben den eigenen Interessen und der eigenen Befindlichkeit auch generelle Interessenslagen und Befindlichkeiten berücksichtigt. Je nach Thematik von Filmen kann dies fachbezogen oder fachübergreifend im Unterricht aufgegriffen werden. Künstlerische Dimension Relevante Inhalte sind hier Gattung und Genre als grundlegenden Kategorien zur Unterscheidung von Filmen, die zentralen Elemente der Narration (Figuren, Konflikt, Handlung/Plot, Geschichte, Struktur, Thema) sowie die wesentlichen filmischen Gestaltungsmittel auf den Ebenen Bild und Ton. Die Auseinandersetzung mit den gestalterischen Elementen des Films erfolgt dabei nicht als Selbstzweck, sondern immer im Zusammenhang mit der Frage nach Wirkung und Aussage. Die Produktion eigener Kurzfilme – oder auch, weniger zeitaufwändig, kurzer Sequenzen – ist nicht nur eine effektive Methode der Vermittlung filmkünstlerischer Gestaltungsmöglichkeiten, vielmehr wird damit auch der organisatorische und arbeitsteilige Ablauf eines Filmprojektes erfahrbar. Das Lernen über filmische Gestaltung führt zu einer bewussteren Wahrnehmung und fördert die ästhetische Urteilsbildung. Schülerinnen und Schüler entfalten ihre Kompetenzen auf Basis einer breiten Auswahl von Filmwerken von Mainstream bis Arthouse. Dabei lernen sie die unterschiedlichen Handschriften von Filmemacherinnen und Filmemachern kennen und können diese den jeweiligen Gattungen und Genres unter Berücksichtigung kultureller Kontexte zuordnen. 11 Filmbildung (Inter-)Kulturelle Dimension Kulturorte des Films mit ihren spezifischen kulturellen Praxen – Kino, Festivals, Filmmuseen etc. – bereichern als außerschulische Lernorte den Unterricht. Schülerinnen und Schüler lernen den Film als Medium kultureller Bewusstwerdung und Orientierung und interkultureller Begegnung kennen. Dazu gehören auch filmische Darbietungen als Teil von Geschichtskultur mit relevantem Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein vieler Menschen. Intertextualität ist Schülerinnen und Schülern heute durch die Darstellung von Inhalten und Motiven in unterschiedlichen Medien (z.B. Buch-Serie-Kinofilm-Webclip) in der Regel bereits begegnet. Das erleichtert auch das Verständnis für kulturelle Symbolsysteme und ihr wiederkehrendes Auftauchen in unterschiedlichen Kunstformen und Lebenswelten. Durch das Besprechen von Filmen sowie durch eigene Produktionen nehmen Schülerinnen und Schüler aktiv an dieser kulturellen Kommunikation teil. Gesellschaftliche Dimension Film spielt im Kontext der differenzierten Medienangebote nach wie vor eine wichtige Rolle für die gesellschaftliche Meinungs- und Wertebildung, aber auch als Informationslieferant, der Weltwissen erweitert und vertieft. Diese Funktion wird an historischen Beispielen, wie etwa der Rolle des Propagandafilms im Nationalsozialismus oder in der DDR, besonders deutlich. Film greift gesellschaftliche Schlüsselthemen auf, bearbeitet sie symbolisch und wirkt in die Gesellschaft zurück. Ein wichtiges Thema insbesondere für die Sekundarstufe I ist in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Fiktion und Realität, gerade weil das Vorurteil verbreitet ist, dass Film Wirklichkeit vermeintlich exakt abbilden könne. Dokumentarische Formate bieten sich für die Erarbeitung an. Die Kenntnis von Produktionsbedingungen ist grundsätzlich hilfreich für die Beurteilung, die Auswertung und die Rezeption von Filmen. Filmisches Handeln muss sich zudem an den rechtlichen Vorgaben im Hinblick auf Jugendmedien- und Datenschutz, Urheber- und Persönlichkeitsrechte orientieren, mit denen sich Kinder und Jugendliche zunehmend selbstständig vertraut machen müssen. Handlungsfeld Film – Dimensionen und Inhalte Individuelle Dimension Künstlerische Dimension (Inter-)Kulturelle Dimension Gesellschaftliche Dimension Filmvorlieben; Stars/Idole; Rollen-/ Lebensmodelle; Erweiterung von Weltwissen; ästhetisches Erleben; kulturelle und interkulturelle Bildung Gattung; Genre; Narration; Bild-/Ton-Gestaltung; Produktion; Mainstream-Arthouse; Filmemacher; Filmgeschichte; ästhetische Urteilsbildung Kulturorte; kulturelle Selbstverständigung; Geschichtskultur; interkulturelle Begegnung; Intertextualität; Symbolsysteme; Kommunikation Meinungsbildung; Wertebildung; Schlüsselthemen; Fiktion-Realität; Produktionsbedingungen; rechtliche Vorgaben Für die Gestaltung kompetenzorientierter Lehr- und Lernprozesse werden Inhalte so ausgewählt und vernetzt und Themen so konzipiert, dass die Mehrdimensionalität filmischen Handelns erfahrbar wird. Dabei müssen nicht immer alle vier Dimensionen zugleich oder in gleicher Weise zum Tragen kommen. 12
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