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Fünfter Act

Volltext : Johannes Rathenow / Giseke, Robert (Public Domain)

A SE NACH AUErARTS

EUROPÄISCHER BIBER (Castor fiber L.). Ich könnte sogar roch enger umgrenzt
sagen: .deutscher Biber, denn wir haben glücklicherweise diesen grossen, merkwürdigen
Nager. noch auf reichsdeufschem Gebiete in einem kleinen Stamm, der sich an der Elbe
und Mulde zwischen Wittenberg; Dessau und Magdeburg erhalten hat. Mitten in dieser
industriereichen, dichtbevölkerten Gegend solch ausgeprägtes Urwaldstier, das mit seinen
eigenartigen Instinkten ganz auf die dichtbestandene, unberührte Sumpfniederung und den
ungebändigten. Naturzustand der Gewässer angewiesen ist, wo kein Mensch nach Forstund
 Ueberschwemmungsschaden fragt! Es mutet einen fast wie ein Wunder an!
Dr. Friedrich-Dessau, ein Studiengenosse von mir, widmet diesem zoologischen
Juwel.seiner engeren Heimat eine unausgesetzte, sehr verdienstliche Aufmerksamkeit, und
wir sind daher erfreulicherweise über den Bestand und die Lebensweise unserer einheimischen
 Biber sehr gut unterrichtet. Friedrich hat- im Jahre 1894 ein wertvolles
Büchlein über „Die Biber an der mittleren Elbe“ geschrieben. das in Dessau bei Baumann

'rschienen ist, und dies Jahr in der Jagdzeitung St. Hubertus (No. 19) einen Bericht „Aus
ter deutschen Biberoase‘ gegeben, der von Originalaufnahmen einer mächtigen, durch
3iber gefällten Silberpappel begleitet ist. Man sieht daran mit Staunen, was der gTOSSE
Jager mit seinen gewaltigen Schneidezähnen — eben als Nager — leisten kann. Der
Jmfang des Baumes betrug an der Schnittstelle beinahe 2 m, und der betreffende Biber hat
tiber zwei Jahre gebraucht, um dieses schwere Stück Arbeit zu vollenden. Nur ganz allmählich
‘ahm die Schnittfläche die bekannte Sanduhrform an, Monate lang ging überhaupt keine
Teränderung vor sich, und schliesslich tauchte der Baum beim Falle grösstenteils unter
Nasser, so dass der beharrliche Fäller in der Hauptsache sich damit begnügen musste,
lie grobe Stammrinde zu schälen. Friedrich knüpft daran die sehr sachgemässe , Berachtung,
 dass der Biber beim Schneiden der Bäume durchaus nicht mit der klügen Ueberegung
 zu Werke geht, wie sie ihm zugeschrieben wurde: so raffiniert ist der harmlose
Tandwerksmeister nicht.
            
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