Pien<hens Brautfahrt.
eine Kneifzange. Hinterher thut's ihr leid und dann heult
sie wie eine büßende Magdalena. Hierauf weht der linde
Wind der Rührseligkeit durch das Haus, ein Thränenregenwind,
aber nur Wind. Schließlich ist Alles wieder, wie es
war, ebenso trüglich und ungewiß: was kommt, kommt unversehens
und hat keinen Bestand. Wie gesagt, fladdrig und
fliddrig.“
„Erlauben Sie,“ sprach mein Verleger, „daß ich Sie
unterbrehe. Sie wollten mir erklären, warum der junge
Müller in die Hille Lahmann verliebt ist. Also bitte.“
„Babe ich das noch nicht gethan? IJ sagte doch, daß
Hille und Minna eng befreundet sind und Bruder Theodor und
Schwester Minna so zu sagen freimauern und sich verstehen,
ohne daß Undere es merken. Da ist es doch natürlich wie
nur etwas, daß der Bruder die schwesterliche Freundin auch
in seine Freundschaft hineinnimmt, ihr geneigter wird als den
übrigen Millionen Jungfrauen Deutschlands, die er erstens
garnicht kennt, nicht einmal dem Namen nach, und die
zweitens seiner herzlieben Schwester eben so fremd sind wie
ihm. Wo nun aber der Keim Neigung schwillt und Wurzelfäden
aussendet, da weiß Niemand, wie er sich entwickelt, ob
er nicht gar sprießt und wuchert wie in sonnenheißen Ländern
die Lianen, von denen Naturkundschafter erzählen, daß sie
den stärksten Baumriesen umweben und umgrünen, bis der
Mächtige, um und um umfangen, zum Blüthenträger des
rankenspinnenden Gastes wird. Und Theodor Müller, der
frische Mann, der, wenn es ihm geheißen würde, eine Horde
ostafrikanischer Reichsbrüder ganz allein auf sich nähme, ist
nicht im Stande, die zarten Fäden zu zerreißen, die ihn
binden: sie sind ja eitel Liebe.
Die Schwester blikte forschend zu dem Bruder auf als
er eintrat.
„Hast Du Briefbögen?“ fragte er.
„Wunderschöne,“ antwortete sie und stand auf. „Bille
schenkte sie mir zum Geburtstage.“ =- Dann ging sie leisen
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