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Zweites Kapitel

Full text: Pienchens Brautfahrt / Stinde, Julius (Public Domain)

Pienc<ens Brautfahrt. 
„902?“ fragte Pienchen spit. „Dann nehme ich einen 
von der Garde.“ 
„Und ich einen Hauptmann.“ 
„Und i'7 einen Major.“ 
„Yn> ich einen Oberst.“ 
„Und ich einen General.“ 
„Mama, Pienchen will schon wieder Ulles für sich 
haben.“ 
„Kinder, laßt doh das Gekabbele sein. So reichlich 
giebt's keine Generäle und Majöre. Ein gediegener Zahl- 
meister wäre auch nicht zu verachten, aber die heirathen mehr- 
stens in hinterlegte Staatspapiere. Ja, wenn Onkel Chlotar 
rechtlich an uns gehandelt hätte, stände es besser mit uns. 
Was er hinterließ, war ja kaum das Nachzählen werth, wo 
wir il;m doch in jeder Beziehung entgegenkamen.“ 
„ we''“ rief Hille. „Seinen alten gräßlichen Namen 
habe 1.', das ist Alles.“ 
„D4 mußt nicht über Dinge reden, die Du nicht ver- 
stehst. Euer seliger Vater und ich hatten es genau überlegt 
und glaubten, er würde sich verpflichtet fühlen, wenn wir ihn 
zu Deinem alleinigen Gevatter bäten und seinen Namen auf 
Dir verewigten. Chlotarine ist auch fein; blos das Kinder- 
mädchen war zu dämlich, indem es Dich immer Cholerine 
nannte. Sie war aus Rixdorf und naschen that sie dazu; 
ausverschämt ging sie an die Butter und die heimlichen 
Stullen stach sie in ihr Bett. Als das neue Mädchen kam, 
nannten wir Dich Hille, weil es niedlich klingt und Du so 
ein behendes Rind sür Dein Alter warst. =- Der Zug Hält. 
Wo sind wir denn eigentlich?“ 
Hille ließ das Fenster herab und sah hinaus. „Neustadt 
an der Dosse,“ meldete sie. 
„Weiter noch nicht? Na, die Nacht wird lang werden.“ 
„Es wetterleuchtet,“ berichtete Hille weiter. 
„Ich kann keine Blitze sehen,“ sagte Pienchen ängstlich. 
„Wenn das Gewitter in den Zug schlägt!“ 
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