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Erstes Kapitel

Full text: Pienchens Brautfahrt / Stinde, Julius (Public Domain)

Erstes Kapitel. 7 
eine Weiße. Unbrauchbare Autoren bekommen garnichts, die 
sizen so lange troden, bis sie gehen.“ 
Ih fand diese Art der Rritik vortrefflich und aß und 
trank. Es war eine Rritik ohne Bitternisse, denn die 
Galle wird von der Pastetenleber sorgsam abgetrennt. Das 
Schwarze darin waren, wie der Herr Verleger mich versicherte, 
Trüffeln. 
Nach dieser höchst angenehmen Unterbrechung ward die 
Vorlesung des Manuskriptes wieder aufgenommen. Der Ver- 
leger schwieg. Dann kam es mir vor, als wenn er die 
Pastete allmälig immer weiter schob und aus meinem Arm- 
bereiche zu entfernen suchte. Das machte mich besorgt. Gefiel 
ihm die Fortsezung nicht? Auch den Kork drückte er fest in 
die Mündung . der Weinflasche und mir damit den Stachel der 
praktischen Rritik in die freudeschwellende Brust. 
„Sind Sie unzufrieden?“ fragte ich kleinlaut. 
„Es muß mehr Humor hinein,“ entgegnete er, „das 
Publikum will lachen.“ 
„Lachen?“ fragte ich bestürzt. „Wenn ich es irgend ernst 
meinte, dann ist „Pienchens Brautfahrt' ein Zeugniß dafür. 
Aber ich bescheide mich. Ich bin im Besitze einiger älterer 
unfehlbarer Scherze. Die kann ich hinein geben.“ 
Die Pastete kam wieder näher. Ebenso die Flasche. 
„Ich fürchtete, die Ungleichheit der Schreibeweise habe Jhr 
Mißfallen erregt,“ fuhr ich fort. „Theils ist sie modern 
beeinflußt, theils althergebracht. . . .“ 
„Das macht nichts,“ unterbrach er mich, „der Deutsche 
kümmert sich nicht um die Form, der liest schlankweg. Im 
Gegentheil, gerade das Durchwachsene halte ich für günstig. 
Mär scheint jedoch, als wenn der Stoff für einen Band zu 
knapp wäre. Haben Sie ein Loch offen gelassen, damit wir 
auf zehn bis zwölf Bogen kommen?“ 
„Gewiß,“ rief ich. „Ein wirkliches Loch, nämlich die 
Doktorengrube.“ 
PDien<&ens Brautfahrt. 
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