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Letztes Kapitel

Full text: Pienchens Brautfahrt / Stinde, Julius (Public Domain)

Letztes Kapitel. 
trank sie dem Mondmanne zu. Der that Bescheid und lächelte; 
als hätte er zugenommen. 
„Sie haben noch nicht erzählt, wie Pienchen wieder nach 
Hause kam. Was sagte die Mutter, was Hille?“ fragte eine 
ältliche Dame in silbergrauem Rips. 
„Beide schrieen laut auf; sie zetern und kreischen ja schon 
bei jeder Kleinigkeit, jetzt ließen sie die Gelegenheit nicht un- 
verwendet. Eschels Meike sagte, sie hätte auf dem Tonderner 
Herbstmarkte Kameruner in einer Bude Lärm machen gehört, 
daß ihr angst und bange geworden wäre, aber sie glaubte 
nicht, daß die so juchen könnten, wie die Lahmanns, als das 
Fräulein unversehens in der Thür stand. 
Pienchen war einige Tage recht krank und in der Dok- 
torengrube saß der unheimliche, finstere Gast stundenlang 
wieder da. -- Was ärztliche Runst und Pflege vermochten, 
das geschah, aber kräftiger als Heiltränke und Fürsorge 
half das im innersten Herzen erwachte Leben. 
Der SchreX hatte die Mutter aufgerüttelt. Sie klagte 
sich der Lieblosigkeit an, daß sie mehr ihren Eigennuß als 
das Wohlergehen ihrer Tochter im Auge gehabt. Nun über- 
floß sie in Güte. Sie versprach hoch und heilig, Pienchen 
auf Händen zu tragen und sie zu hegen, wie ein Kleinod. 
Hille wurde der Klempner gestattet. 
„Aber Mama,“ bat Pienchen, die bleich war wie das 
Kopfkissen, „Du darfst Dein Wort morgen nicht wieder 
zurücknehmen.“ =- Hille küßte ihre Schwester. „Pienchen, 
mein liebes Pienchen.“ 
Kein Streit, kein Bosheitsgetröpfele wie sonst. Pienchen 
schloß die Augen. „Wie Dein Begehren, so Dein Dasein,“ 
hallte es durch ihr Denken und Sinnen. Sie vermochte es 
nicht zu fassen, aber ihr war, als wenn glükverheißend ein 
Morgenroth über der trüben, farblosen Welt ihrer Gedanken 
aufgegangen wäre. „Pienchen, mein liebes Pienchen,“ das 
wärmte, wie Sonnenschein. 
Wer aber meint, der Alten wäre durch den Todesschre>X 
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