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Full text: Berlin eine französische Stadt (Public Domain)

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bestimmten Frage auf das Volk gewirkt werden muß, besißen 
sie nicht. 
Der Gedanke des Deutschen Sprachvereins ist richtig. Kürz- 
lich erst hat der Deutsche Kaiser in einer Rede über die Umge- 
staltung des Schulwesens hervorgehoben, Deutschland habe Deutsche 
nötig, nicht Griechen und Römer. Unzweifelhaft! Aber noch 
weniger hat es Franzosen nötig. Der Deutsche Kaiser hat den 
Grundsaß aufgestellt, auch in den höheren Schulen müsse die 
Grundlage des Unterrichts das Deutsche bilden. Soll es aber 
diesen wirklich bildenden Einfluß üben, nun so muß es ein 
deutsc<es Deutsch sein und kein französisches. Da könnte 
vielleicht auch jenes andere Wort wahr werden, daß mancher 
Erzieher, um wirklich dies zu sein, erst selbst erzogen werden 
müßte. Manche Lehrer, selbst der deutschen Sprache, müßten 
erst Deutsch lernen, ehe sie fähig wären hierin zu unterrichten. 
= Ja das ist ein Weg! Anstatt des Lehrens Erziehung, und 
zwar zu vaterländischem Sinn und deutscher Art. O wenn e3 
dahin käme! Das wäre eine Erquickung; es wäre wie ein Ge- 
fühl der Erlösung für jedes deutsche Herz. Wenn die junge 
Saat begönne zu sprießen, da würde auch mit ihr neue Hoffnung 
feimen. =- Aber bis die Saat reif wird, soll nichts geschehen ? 
E3 ist Gefahr im Verzuge. Da3 Uebel ist zu groß geworden 
und kein Gegenmittel zu entbehren. 
Im Gespräch mit meinen Begleitern war der Gedanke auf- 
getaucht, bei einer Wette von zehn Pf. gegen zwanzig M. hin- 
sichtlih der Wörter pardon und Verzeihung könne hier in 
Berlin jemand in kurzer Zeit ein reicher Mann werden. Wäre 
aus diesem Gedanken nicht etwas zu machen ? -- Fürst Bismar> 
=- und es ist etwas von dem Besten, was er gethan -- hat 
unserm Volke den Schutzzoll wiedergegeben. Was aach frei- 
sinniger Unverstand und börsenjüdische absichtliche Verlogenheit 
sagen mag, = es war eine rettende That! Der Schutzoll, übrigens 
seit lange in hohem Ansehen, bis der Freisinn darauf verfiel ihn 
zu verleumden, =- ist eine der glücklichsten Erfindungen der 
Staatsweiöheit. Er schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. 
Einmal gewährt er allen in einem Volke vorhandenen oder noch 
schlummernden wirtschaftlichen Kräften Zeit, Ruhe und Sicherheit 
zu größtmöglichster Entwickelung und Erstarkung; er schafft so 
einen Gesamtreichtum, der jedem einzelnen zu gute und gegen 
den die Mehrzahlung nicht in Betracht kommt. Sind doch 
in allen reichen Ländern die Preise hoh und nur in armen
	        
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