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Full text: Berlin eine französische Stadt (Public Domain)

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schlimmer gewesen sein soll mit dem französischen Deutsch als 
heute, sagt nur noh: Kölnisches Wasser. =- Jenseit der letzten 
Querstraße stoßen wir bald auf einen Laden für Sänger, in dem 
z. B. feilgeboten werden Urkomische Berliner Original-Couplets. 
Eins trägt die Aufschrift: „Kleine Attaquen in der Ehe“, 
ein andere3: „Stylvoll! Schneidig! Pyramidal!“. Der Ausdru> 
„pyramidal“ ist in Frankreich eine neuere Erfindung. Aber in 
Deutschland muß alles nachgeäfft werden so schnell als möglich. 
Im Ladenfenster jenseit der Thür liegen aus: Memoiren einer 
Ausgewiesenen. Denkwürdigkeiten klingt auch zu schlecht. Uud 
um zu zeigen, daß sie allesamt abgewichen und vntüchtig geworden 
sind, trägt ein wissenschaftliches Werk nebenan folgende Aufschrift: 
Facultative Sterilität, beleuchtet vom prophylactishen und 
hygieinischen Standpunkt. Nur möglichst wenig Deutsch, das ist 
die Hauptsache! In einem Modemagazin werden dann verkauft 
Atla3biuden unter dem Namen „Regattes“, sowie DOriginal 
englische Regenschirme; auf den Fenstern zu beiden Seiten der 
Thür prangen die Worte gants, gloves. Weiterhin an zwei 
Thüren zu beiden Seiten des Laden3: Magazin eleganter Herren- 
garderobe. Ein Juwelier empfiehlt sein Atelier für Reparaturen, 
ein Coiffeur seine Eaux. An beiden Seiten einer Thür lesen wir 
dann Theater-Geschäft3-Büreau, darunter Destillation und weiter 
nach innen Restaurant zum Sport35mann, Entr&e frei. In einem 
Schaufasten für Druerei ist die Rede von Brennmaterialien und 
von einem Fabrikanten <irurgischer Instrumente und Bandagen, 
in einer Destillation von dem. Ausverkauf diverser Liqueure und 
Weine in jedem beliebigen Posten. Dann wieder ein Schaukasten 
mit Diner3 und Menu3, ein Blumenladen mit Specialität und 
Bouquet3, ein Central-Büreau für Immobilienverkauf und endlich 
ein Detailverkauf von Hutfedern. 
Angelangt bei den Linden, biegen wir eben um die E>e 
und lesen hier: Bärentaßen aus Bisquit Facompre. Bis cuit 
heißt auf Deutsch zweimal gebacken oder Zwieba>. Der Name 
findet sich hier gleichfalls, soll aber vermutlich etwas Gröberes 
bezeichnen. Schräg gegenüber an der E>e glänzt es golden 
Caf6 Bauer und Hötel Behren3; muß heißen Bauers Kaffee oder 
Kaffeehaus, Behrens Gasthof. Nebenan prangen die Privat- 
Salons des Grand - Restaurant Imperial. - Vermutlich ist 
Napoleon U1 gemeint. Wir fahren links in der Friedrichstraße 
fort. Doch ich muß nun so viel als möglich mich auf noch nicht 
Erwähntes beschränken, woraus nicht zu schließen ist auf 
ev
	        
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