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II. Der Plundermatz

Full text : Humoristische Erinnerungen aus dem alten Berlin / Roller, Heinrich (Public Domain)

unterrock, den irgend eine uckermärkische Kuhmagd im
Stalle ein ganzes Menschenalter hindurch getragen, wird
schließlich noch vom „Produktenhändler“ als Lumpe
mit aufgekauft und in den Shoddyfabriken von dem mit
tausend Zähnen besetzten „Wolf“ zerrissen und wieder
zu Wollhaaren umgearbeitet, die, mit ein wenig Schurwolle
 vermischt, damit es sich spinnen läßt, zu dem
Düffel=, Ratinee=, Floconnee= oder Eskimo-Ueberzieher
irgend eines Wirklichen Geheimen Raths das modernste
Rohmaterial oder „Produkt“ abgeben.
Der „Plundermatz“ war in den allermeisten Fällen
schon ein bejahrter Mann mit silberglänzenden Locken
und einem im Alter mit ihm um den Vorrang streitenden,
 vielfach fettglänzenden „Knöchelwärmer“ oder Schlafrock,
 dessen Urfarbe festzustellen selbst der heutigen Chemie
schwerlich gelungen wäre. In der warmen Jahreszeit –
im Winter sah und hörte man den Plundermatz überhaupt
 nicht, da lebte er wie ein Hamster – trug er
auch wohl einen bläulichleinenen Kittel, der, bis zu den
Knien reichend, den größten Theil seines interessanten
Exterieurs den Augen der neugierigen Welt entzog.
Ein Paar Unaussprechliche von gleichfalls zweifelhafter
Farbe schlängelten sich faltenreich bis zu den Schlorren
oder Latschen hinab, in denen seine vielbenutzten
Füße steckten, oder senkten sich auch wohl geheimnißvoll
in ein Paar offenherzig lächelnde Kalauer, deren schiefgetretene
 Absätze schon damals den klarsten Beweis dafür
lieferten, daß die Erde rund sei. Ein altes Käpfel oder
            
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