Path:
Achtes Kapitel. Herr Schellbogen packt aus

Full text: Herr Schellbogen's Abenteuer / Rodenberg, Julius (Public Domain)

211 -- 
jaß stundenlang mit dem alten Freunde. Jhr 
Herz ging über von guten Erinnerungen aus 
der Jugendzeit. Ein innerer Friede erfüllte sie, 
wenn sie mit diesem Manne sprach; sie gedachte 
des Vaters, der ihr verzeihen würde, wenn er 
sehen könnte, daß Schellbogen ihr verziehen habe. 
Ganz unbemerkt knüpfte sich ein Band zwischen 
diesen Herzen, die früher einander so wenig ver- 
standen; =- selbstlos, uneigennüßig, rein von 
allen irdischen Hoffnungen und Befürchtungen. 
Der Frühling und dex Sommer des Lebens lag 
weiter hinter ihnen; aber das frohe Gefühl eines 
stillen, sonnigen Herbstes überkam sie, wenn sie 
so mit einander saßen. 
Auch die Unruhe, welche sie anfangs über das 
Verschwinden der Tochter empfunden, verlor sich 
oder ward vielmehr allmälig durch ein starkes 
Vertrauen und ein frommes Ergeben in die gött- 
liche Fügung gemildert. 
„Wenn ich das nicht gelernt haben sollte, in 
meinem langen und sc<merzensvollen Leben,“ 
sagte sie zuweilen, „was wäre dann sein Ge- 
winn? Kämpfen wir alle Furcht und Erregtheit 
nieder, wel<he uns von der Erfüllung unserer 
Pflichten abwendig machen würden. Nur in der 
Arbeit ist Frieden! Vollbringen wir sie!“ 
Manchmal war Herr Schellbogen nahe daran, 
ihr Eröffnungen zu machen über die Aehnlichkeit, 
44x
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.