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Siebentes Capitel. Herr Schellbogen findet, was er nicht sucht

Full text: Herr Schellbogen's Abenteuer / Rodenberg, Julius (Public Domain)

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die Linien des Profils no< immer groß und edel 
und ein Zug von Festigkeit, die nichts erschüttert 
haben konnte, war um den Mund. Nur was 
einst von Leidenschaft, von mächtiger Gluth in 
diesen Augen geleuchtet haben mochte, das hatte 
die Zeit gedämpft und gemildert; ein allgemeiner 
Ausdru>, wenn nicht von Sanftmuth, so doch 
von Ergebung in das eigene, von Mitleid mit 
dem fremden Schiksal war an die Stelle getreten. 
Man sah, diese Frau war "durch die Schule der 
Schmerzen gegangen und hatte darin gelernt, 
Verzeihung für Andere zuerst, Verzeihung für 
sich selbst zulezt. Dies Alles sah Herr Schell- 
bogen mit Einem Blik -=- oder auch nein, er 
sah es nicht -- denn seine Augen verdunkelten 
sich, als er die Arme zum Himmel erhob und 
ausrief: „Marie Wernefeld !“ 
Ein heftiges Zittern ging bei diesem Namen 
durch die ganze Gestalt der Dame. Dann faßte 
sie fich und sah Herrn Schellbogen an. Sie 
konnte ihn nicht recht sehen, er stand in der 
Sonne, welche sie blendete. Sie legte daher die 
rechte Hand über das Auge, um ihn noc< einmal 
anzusehen. Dann schüttelte sie mit dem Kopfe. 
„Wer sind Sie?“ fragte sie endlich. 
Da brach ein lang verhaltenes, krampfhaftes 
Schluchzen aus der Brust des alten Mannes. 
„Bei dem allmächtigen Gott im Himmel,“ rief er,
	        
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