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Drittes Kapitel. Herr Schellbogen bekommt Einquartirung

Full text: Herr Schellbogen's Abenteuer / Rodenberg, Julius (Public Domain)

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zuerst den des Schreckens. „Mein Gott,“ rief 
er aus, „wo bin ich denn eigentlich?“ Der un=- 
gewohnte Klang dieser Worte schien eine große 
Wirkung auf das kleine schreiende Geschöpf aus- 
zuüben ; denn plößlich ward es still, und mit 
jeinen großen, runden, bläulichen Augen und 
einem Gesichte voll sonnigen Lächelns sah es den 
Fremdling an. Dieser mochte sich wohl sehr ge- 
schmeichelt fühlen durch den freundlichen Empfang 
und konnte nicht umhin, wieder zu lächeln, worauf 
das kleine muntere Ding mit einem lauten Lachen 
antwortete, welches so hell und vein und silbern 
klang, daß Herr Schellbogen mitlachen mußte. 
Kein Zweifel, dem Kinde gefiel dieser Mann; 
es fing an sich auf seinem Lager zu bewegen 
und langte mit den Aerm<en nach ihm. Es 
war in rosig schimmernde Kissen gebettet, und 
Herr Schellbogen, wiewohl von empfindsamer 
Natur und in diesem Augenblick noch immer sehr 
zornig über den Weinreisenden, war doch auch 
wieder Leinwandhändler genug, um zu bemerken, 
daß es eine kostbare Layette sei, von dem feinsten 
Stoff und mit den besten Spitzen garnixrt. „Ei, 
Du kleiner Schelm,“ rief er, indem er näher trat, 
„Du kleines Pußelchen,“ und er reichte ihm einen 
Finger hin, welchen das Kind sogleich mit seinen 
dien, vollen Händchen umklammerte. Herr 
Schellbogen, stolz und erfreut über die Eroberung,
	        
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