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Neues von Alten

Full text: Innovationspreis für Freiwilligenagenturen ... (Rights reserved) Issue 2017 Neues von Alten (Rights reserved)

Neues von Alten Innovationspreis für Freiwilligenagenturen 2017 Dokumentation Impressum Herausgeberin: Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) e.V. Potsdamer Straße 99 10785 Berlin Tel.: 030 / 20 45 33 66 Fax: 030 / 28 09 46 99 Geschäftsführung: Tobias Kemnitzer (V. i. S. d. P.) Redaktion: Henning Baden Fotonachweise: Titel: Dan Talson Preisverleihung: Timo Jaster, Stiftung Mitarbeit Alle weiteren Fotos: Freiwilligenagenturen © bagfa, Dezember 2017 2 Ein Preis für Freiwilligenagenturen Mit dem Innovationspreis zeichnet die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa) seit mehr als zehn Jahren Freiwilligenagenturen aus. Angeregt wurde der Innovationspreis durch die Stiftung Apfelbaum, die seither die Preisgelder ermöglicht. Ausgezeichnet werden Ansätze und Projekte von Freiwilligenagenturen, die in ungewöhnlicher und beispielgebender Weise zum Engagement der Bürgerinnen und Bürger vor Ort motivieren, es entwickeln, stärken und ausbauen. Durch jährlich wechselnde Themensetzungen beleuchtet der Innovationspreis die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und zeigt das Panorama der kreativen Schaffenskraft von Freiwilligenagenturen. Thema 2017: Neues von Alten Mit dem Innovationspreis 2017 suchte die bagfa besondere und ungewöhnliche Projekte, Aktivitäten und Ansätze, die „Neues von (den) Alten“ fördern. Dabei konnte es sich um Engagement im Übergang zur nachberuflichen Phase, politische Partizipation und soziale Teilhabe alter Menschen, um die Weitergabe von Wissen und Erfahrung, um Geschichtsvermittlung oder um Öffnung von „jungen“ Bereichen des Engagements für ältere Menschen handeln, denn: Das Engagement junger Alter und alter Junggebliebener wird immer vielfältiger: zwischen Volksmusik und Rock´n Roll, zwischen Schrebergarten und UrbanGardening, zwischen Kaffeekränzchen und Social Networks entsteht so manches abseits der erprobten Pfade. Das Auswahlverfahren Alle Bewerbungen wurden von einer unabhängigen Jury gesichtet. Sie wählte Beiträge von sechs Freiwilligenagenturen aus. Die Jury setzt sich aus den Trainerinnen und Trainern der bagfa-Fortbildungsreihe „Erfolgreich arbeiten in Freiwilligenagenturen“ zusammen: • • • • • • • • Dorothee Bucka, Freiwilligenagentur Altmühlfranken des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen Birgit Bursee, Freiwilligenagentur Magdeburg e.V. Uschi Erb, lagfa Bayern e.V. Dr. Jochen Gollbach, FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf Sandra Hartjes, Ehrenamt Agentur Essen e.V. Uwe Lummitsch, LAGFA Sachsen-Anhalt e.V. Patricia Ortmann, Freiwilligenzentrum für Stadt und Landkreis Gießen e.V. Birgitt Pfeiffer, Freiwilligen-Agentur Bremen Die ausgewählten Wettbewerbsbeiträge wurden am 6. November 2017 bei der Jahrestagung der Freiwilligenagenturen in Berlin-Köpenick von einem Moderationsteam vorgestellt. Im Anschluss wählten die Teilnehmenden der Tagung in einer geheimen Abstimmung die drei Gewinner/innen, die noch am selben Abend geehrt wurden. Drei Freiwilligenagenturen wurden jeweils mit dem mit 2.500 Euro dotierten Innovationspreis 2017 ausgezeichnet und erhielten ihre Auszeichnung aus den Händen der Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach. Drei weiteren Freiwilligenagenturen, die es durch Jurywahl in die Endrunde geschafft hatten, wurden mit jeweils 500 Euro ausgezeichnet. 2 Die Preisträger Freiwilligenzentrum Kassel: Graffitikurs für Senior/innen Projektbeschreibung: Ein dreitägiger Workshop hat Senior/innen Graffiti als Kunst- und als Ausdruckform nahe gebracht und sie befähigt, selbst Graffitis zu entwickeln und praktisch umzusetzen. Der Workshop endete mit einer offenen Vernissage zur Präsentation „ihrer“ Graffitiwall, in der Unterführung am Holländischen Platz (Hopla), Kassel, zu der Alt und Jung eingeladen waren. Besonderheit/Alleinstellungsmerkmal: Damit wirklich alle dabei sein konnten und nicht in ihrer Teilnahme durch äußere Bedingungen behindert wurden, hat das Freiwilligenzentrum besonderen Wert auf eine barrierearme Umgebung gelegt und beispielsweise bei Bedarf Steh-/ Sitzhilfen angeboten. Auch auf ausreichend Pausen fürdie älteren Teilnehmenden zwischen den Arbeitsschritten wurde geachtet. Fachlich begleitet wurde das Projekt vom „Raum für urbane Experimente e. V.“ (RuE). Veranstaltungsorte waren das Freiwilligenzentrum Kassel und die Unterführung Holländischer Platz (Nähe Uni), die der Verein RuE betreut. Ergebnis/Wirkung: Das Projekt gab Senior/innen Gelegenheit, einmal die Seiten zu wechseln und die Stadt aus der Perspektive von Jugendlichen und Graffitkünstler/innen wahrzunehmen. Dabei konnten die Teilnehmer/innen Graffiti als Kunstform kennenlernen und lernten, Graffitiaktionen selbst zu initiieren und anzuleiten, zum Beispiel im Rahmen eines Freiwilligentags. Der Graffitiworkshop war innerhalb eines Wochenendes zweifach überbucht. Im Anschluss gab es erhebliche Nachfrage nach Folgeworkshops. Der Verein „Raum für urbane Experimente“(RuE) führt in Eigenregie weitere Workshops mit Senior/innen durch. Übertragbarkeit und Kosten: Das Projekt ist grundsätzlich überall dort umsetzbar, wo es Sprayer gibt und Flächen, die legal gestaltet werden dürfen. Der Einsatz eines Anleiters vom Verein „Raum für urbane Experimente“ wurde über das hessische Qualifizierungsprogramm finanziert. Das gefiel der Jury: • Ältere lernen von Jüngeren. • Ein ungewöhnliches Feld für das bürgerschaftliche Engagement: Graffiti, das gerade bei Älteren oftmals eher negativ besetzt ist, wurde hier als Kunstform erlernt. 3 Stabsstelle Ehrenamt und Freiwilligenagentur, Landkreis Leer: Oldersumer Puppenspölers Projektbeschreibung: Sechs Frauen und ein Mann zwischen 43-75 Jahren spielen seit 2007 als die Oldersumer Puppenspölers klassisches Handpuppentheater, um Spenden für Hilfsprojekte zu generieren. In wöchentlichen Treffen werden neue Stücke selbst geschrieben, Puppen und Kulissen gebaut. Gespielt wird alles, was den Puppenspölers und dem Publikum Freude macht: Märchen, Stücke mit aktuellem Bezug, lokal Historisches, Puppen-Musicals und auch klassisches Kasperletheater. Da einige der Charakterpuppen Ostfriesen sind, wird nebenbei auch die plattdeutsche Sprache gefördert. Der Erlös aus den Aufführungen wird an regionale und internationale Hilfsprojekte gespendet. Die Puppenspiele bringen Freude, schaffen erste, interaktive Theatererfahrungen für Kinder und möchten lebenslange Begeisterung für eine Theaterkultur wecken. Auch die alte ostfriesische Tradition des Handpuppenspiels soll aufrechterhalten werden. Die Stücke fördern in ihren Aussagen Teamgeist, Toleranz und Integration. Verschiedene Altersgruppen werden aktiv integriert und die Zusammenarbeit verschiedener Dörfer im ländlichen Bereich gefördert. Besonderheit/Alleinstellungsmerkmal: Die Oldersumer Puppenspölers „leben” gemeinsames Engagement aller Altersgruppen, ganz nach der Devise: Aktives Sich-Einbringen ist in vielen Bereichen möglich, wenn man sich dafür öffnet (Kinder singen, tanzen, musizieren, werden Teil des Puppenspiels; andere Senioren nähen Kostüme, bauen Kulissen usw.). Sie zeigen auf, dass regionale Zusammenarbeit, z.B. verschiedener Dörfer, möglich und gerade im ländlichen Bereich wichtig ist. Ergebnis/Wirkung: Aus dem Erlös von mehr als 100 Aufführungen in zehn Jahren wurden 28 Hilfsprojekte, teils mehrfach, mit Spenden von insgesamt 19.440,55 Euro unterstützt. Mit Stücken, die viele Altersgruppen ansprechen, haben die Puppenspölers eine alte Tradition des Theaters in Ostfriesland zu neuem Leben erweckt und ziehen auch überregional Publikum an. Die Stücke hatten bisher 5.700 Zuschauer und mehr als 10.000 Besucher waren auf der Webseite. Die Puppenspölers sind gemeinsam mit Gruppen am Ort und in den Nachbarorten kreativ und verbinden verschiedene Musik– und Theaterformen. Junge und alte Mitbürger/innen beteiligen sich aktiv an den Aufführungen. Das gefiel der Jury: • Das Projekt arbeitet generationsübergreifend und bindet Talente verschiedener Altersgruppen ein. • Das Projekt bildet gelingende Zusammenarbeit verschiedener Dörfer auf dem Land ab. • Traditionen der Region werden aufgegriffen und mit Leben gefüllt. 4 Freiwilligen-Agentur Tatendrang, München: Projekt „Whats to do?“ Projektbeschreibung: In Beratungsgesprächen wird deutlich, dass auch ältere Menschen flexibler in ihrer ehrenamtlichen Zeiteinteilung sein möchten. Den Wunsch nach flexiblem und kurzfristigem Engagement teilen viele andere Freiwillige. Aus diesem Befund heraus wurde im November 2016 das Projekt „Whats to do?“ ins Leben gerufen. „Whats to do?“ richtet sich via WhatsApp an Freiwillige, die sich kurzfristig, spontan und zeitlich begrenzt engagieren möchten. Pro Woche werden ein bis zwei Engagement-Angebote an derzeit 550 Freiwillige verschickt. Die Angebote erhält die Freiwilligenagentur von Einrichtungen, mit denen sie schon länger kooperiert. Mit derzeit 22 Organisationen hat Tatendrang einen „Whats to do?“- Kooperationsvertrag geschlossen. So ist garantiert, dass auch bei diesem Projekt die wichtigen Standards beim FreiwilligenManagement (Anerkennungskultur, Versicherung, fester Ansprechpartner etc.) gewährleistet sind. Beispiele für bisher vermittelte Spontan-Aktionen sind: Einsatz bei der Biotoppflege, Hilfe beim Sommerfest im Heim für blinde Frauen, Schminkaktion in Flüchtlingsunterkunft, Zirkusbesuch mit Bewohner/innen einer Lebenshilfe-Wohngruppe, Briefe eintüten für Ärzte der Welt u.a. Um die Daten der Freiwilligen zu schützen, nutzt die Freiwilligenagentur das Broadcastlisten-System. Dies bedeutet, dass nur Mitarbeitende von Tatendrang Nachrichten an die Gruppe schicken und die Antworten sehen. Besonderheit/Alleinstellungsmerkmal: Neu, ungewöhnlich und bisher einmalig ist der Kanal, der das Angebot von Tatendrang über das persönliche Beratungsgespräch, Newsletter und die Homepage hinaus ergänzt und sowohl von den gemeinnützigen Einrichtungen als auch von den Freiwilligen sehr gut angenommen wird. Innerhalb von Sekunden erreicht die Agentur eine große Zahl von Freiwilligen, die unterschiedlichste Interessen und Fähigkeiten mitbringen. Engagementanfragen können spontan, kurzfristig und flexibel vermittelt werden. Konkrete Fragen können sofort beantwortet werden. Organisationen können so auch kurzfristige Bedarfe decken. Alle Freiwilligen, die den WhatsApp-Service in Anspruch nehmen, waren zu einem persönlichen Kennenlernen bei Tatendrang. Das gibt den Organisationen die Sicherheit, dass ausschließlich geeignete Freiwillige vermittelt werden. Ältere Menschen schließen digital auf – und nutzen ihr Smartphone, um Engagementangebote zu erhalten. Ergebnis/Wirkung: Es nehmen stetig mehr ältere Menschen an „Whats to do?“ teil. Aktuell sind ca. 15 Prozent der Nutzer/innen älter als 60 Jahre. Proportional gesehen sind sie diejenigen, die sich am regelmäßigsten bei „Whats to do?“ engagieren. Da der Anteil der über 60-Jährigen bei WhatsApp stetig steigt, sieht die Freiwilligenagentur bei „Whats to do?“ noch großes Wachstumspotential. Aktuell beteiligen sich 22 5 gemeinnützige Einrichtungen mit ihren Engagementangeboten an dem Projekt. Seit Anfang 2017 wurden 38 Anfragen verschickt und 82 freiwillige Helfer/innen vermittelt. Übertragbarkeit und Kosten: Das Konzept ist auf andere Regionen oder Freiwilligenagenturen übertragbar. Es wurde ohne zusätzliche finanzielle Mittel angestoßen. Das gefiel der Jury: • Integration von social media in den Vermittlungsprozess ist zukunftsweisend. • Auch ältere Freiwillige werden mit einem neuen Medium erfolgreich eingeladen. • Die Standards der Agentur werden von der offline- in die online-Welt übertragen (Freiwilligenmanagement bei den Einsatzstellen, Beratungsgespräch mit den Freiwilligen). 6 Die Nominierten Freiwilligen-Zentrum Augsburg: Projekt „Sporadis“ Projektbeschreibung: Das Projekt reagiert auf veränderte Bedürfnisse der „neuen Alten“. Viele ältere Menschen haben in ihrer Rentenphase vielseitige Interessen und Aufgaben, wie z.B. Reisen, Hobbies, die Betreuung der Enkel oder die Pflege der eigenen Eltern. Dies hat zur Folge, dass sich ältere Menschen oftmals nicht mehr langfristig, an immer den gleichen Tagen, engagieren möchten oder können. Auch der Ruf nach Abwechslung hat stark zugenommen. Auf Initiative einiger Freiwilliger, die nach einem groß angelegten Projekt aktiv bleiben wollten, ist die Gruppe Sporadis entstanden. Sie umfasst mittlerweile rund 250 Menschen, die sich eben „sporadisch" und vielseitig engagieren möchten. Gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen können im Freiwilligen-Zentrum Augsburg ihre einmaligen Aktionen wie Veranstaltungen, Vernissagen, Sommerfeste, Ausflüge etc. anmelden, falls sie für diesen Tag Unterstützung benötigen. Dieses Angebot wird per E-Mail an alle Sporadis geschickt. Wer Zeit und Lust hat, meldet sich zurück und wird für den Einsatz eingeteilt. Besonderheit/Alleinstellungsmerkmal: Das Besondere an dem Projekt ist: Die Freiwilligen müssen nur „JA" sagen und nie absagen. Die Engagementgelegenheiten in der Gruppe sind schnell, unverbindlich und sehr abwechslungsreich. Einsätze können jederzeit nach Lust und Laune sowie nach Angebot angenommen werden. Das bietet besonders älteren Menschen die Möglichkeit ihre Freizeit, Familie etc. gut mit dem erwünschten Engagement zu verbinden und in Einklang zu bringen. Ergebnis/Wirkung: Ältere Menschen können spontan, auch je nach Gesundheitszustand oder anderen Verpflichtungen, entscheiden, ob sie ihre Mithilfe für eine Aktion anbieten oder auch nicht. In der Altersgruppe nach der Erwerbsarbeit besteht sehr großes Interesse an der Mithilfe bei Benefizkonzerten, Ausstellungseröffnungen oder weiteren kulturellen Angeboten, sowie Mithilfe bei unterschiedlichen Festen im kulinarischen Bereich. Die Sporadis werden gerne von gemeinnützigen Organisationen und caritativen Einrichtungen nachgefragt und „gebucht". Die Vielfalt und Spontanität der Engagementgelegenheiten werden von den Freiwilligen sehr geschätzt und auch viele neu Interessierte lassen sich nach der Engagementberatung in den Sporadis-Verteiler eintragen. Übertragbarkeit und Kosten: Für die Übertragung des Ansatzes sind zwei Dinge wichtig: Es muss genügend Freiwillige geben, die Wert auf individuelle Aktionen und Zeiteinteilungen legen. Und das Angebot an sporadischem Engagement in lokalen Einrichtungen und Organisationen muss ausreichend vorhanden sein. Im Projekt fallen nur wenige Sachkosten an, die vom Freiwilligen-Zentrum getragen werden. Personell wird das Projekt mit zwei Wochenstunden betreut. 7 Das gefiel der Jury: • Ein Trend im Engagement Älterer (eher ungebunden, spontan) wurde festgestellt und eine pragmatische Lösung entwickelt. • Es wird eine große Gruppe potenzieller Freiwilliger sehr schnell erreicht. • Unkompliziertes Verfahren für Freiwillige: nur „ja“ sagen und nicht absagen müssen, wenn kein Interesse besteht. Freiwilligenagentur Jena: Eine Wiese für alle – Trüperwiese Projektbeschreibung: Die sogenannte „Trüperwiese“ im Jenaer Stadtteil Wenigenjena gelegen, stellt seit mehreren Jahrzehnten eine beliebte, öffentlich zugängliche Erholungsfläche dar. Wanderwege führen Jenaer und Besucher an der Wiese vorbei und laden zum Erleben dieser in Jena einmaligen Streuobstwiese ein. Um die ca.1,3 ha große Wiese mit ihren 54 teilweise über 100 Jahre alten Apfelbäumen vor einer drohenden Verbuschung zu bewahren und sie langfristig als Streuobstwiese zu erhalten, stiftete die Erbengemeinschaft Trüper die Fläche 2014 der Bürgerstiftung Jena. Viele Anwohner/innen und Freiwillige der Freiwilligenagentur Jena übernehmen seitdem ehrenamtlich Teile der Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen. Der größere Teil dieser freiwillig Engagierten sind ältere Menschen. Mit dem Ziel, die Verbindungen der Jenaer/innen zur Wiese zu stärken und sie für ein eigenverantwortliches Engagement an diesem Ort zu gewinnen, initiiert, organisiert und koordiniert die Freiwilligenagentur verschiedene Veranstaltungen zur Pflege und Erhaltung der Streuobstwiese, wie z.B. Obstbaumschnitt, Entfernung invasiver Pflanzen und Baumscheibenpflege. Der Jenaer Freiwilligentag bietet den Rahmen für gemeinsame Apfelernte, Vermostung und Apfelsortenbestimmung. Generationenfeste und interkulturelle Picknicks bieten attraktive Möglichkeiten zur Begegnung, zum Austausch und zum Miteinander in Gesellschaft und Natur und bringen verschiedene Generationen zusammen. Besonderheit/Alleinstellungsmerkmal: Die Trüperwiese wird inzwischen von vielen Menschen mit der Freiwilligenagentur verbunden, die eine besondere Verantwortung für diesen Lebensraum übernimmt und sie mit Leben erfüllt, indem sie Menschen im Prozess des nachhaltigen Umgangs mit der Natur ermutig, begleitet und entsprechende Angebote macht. Ziel des Projektes ist es, die Verbindungen der Jenaer/innen zur Wiese zu stärken. Sie sollen sich langfristig mit der Wiese als einen öffentlichen Raum identifizieren und für ein Engagement für die Wiese gewonnen werden. Ergebnis/Wirkung: Insbesondere ältere Jenaer/innen, die die Geschichte dieses Ortes und seine Entwicklung miterlebt haben, fühlen sich der Wiese besonders verbunden. In den verschiedenen Formaten und 8 Veranstaltungen profitieren die nachwachsenden Generationen von den Erfahrungen und dem Wissen der älteren Menschen. Gleichsam schafft das bürgerschaftliche Engagement der älteren Bürger/innen ein Gefühl der eigenen Selbstwirksamkeit. Die Wiese hat sich auch als Bildungs- und Lernort für alle Generationen etabliert, indem Ökologie und Geschichte insbesondere von älteren Menschen an jüngere vermittelt wird. Übertragbarkeit und Kosten: Streuobstwiesen liegen in vielen Kommunen brach. An diesen Orten können im städtischen wie auch in ländlichen Gebieten Wiederbelebungs- und Pflegemaßnahmen initiiert werden. Kooperationen mit Einrichtungen der Landschaftspflege und des Naturschutzes, den Seniorenbegegnungszentren, Eigentümern der Streuobstwiesen, Verantwortlichen in den Kommunen sind überall möglich. Das gefiel der Jury: • • • Das Projekt ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Es engagieren sich Jung und Alt zusammen. Der Bezug zur Freiwilligenagentur wurde schön herausgearbeitet: Die Agentur wird im öffentlichen Raum präsent. Freiwilligenagentur Magdeburg: Dialog der Generationen Projektbeschreibung: Die Freiwilligenagentur Magdeburg fördert das Engagement älterer Menschen durch die selbstorganisierte Arbeitsgruppe „Dialog der Generationen“, in der durchschnittlich ca. 50 Senior/innen aktiv sind. Die Arbeitsgruppe befindet sich in Trägerschaft der Freiwilligenagentur, hat aber eine eigene Organisationsstruktur, um das vielfältige Engagement in den unterschiedlichen Vorhaben selbstbestimmt zu gestalten. Die Senior/innen sind in mehreren Projekten bzw. langfristigen Angeboten tätig, die sie selbst organisieren, weiterentwickeln und ausbauen. Das auf diese Weise geschaffene Angebot ist vielfältig und umfasst z.B. „Alte Spiele neu entdeckt – Hof- und Stehgreifspiele für Kinder“ über „Man lernt nie aus – PC- und Handykurse für Senior/innen“ oder „Geschichte(n) entdecken – Stadtrundgänge und Heimatgeschichte für Kinder“ bis „Ferienspaß für Jung und Alt – Großeltern und Enkel gemeinsam in Aktion“. Besonderheit/Alleinstellungsmerkmal: Das Besondere am Engagement der Senior/innen innerhalb der Arbeitsgruppe ist die Selbstorganisation aller Aktivitäten. Es gibt von Seiten des Trägers keinerlei Vorgaben. Die Arbeitsgruppe entscheidet in monatlichen Arbeitsgruppen-Sitzungen über ihre nächsten Vorhaben. Neben Projekten gibt es eine Vielzahl an kleineren und größeren Aktivitäten, die sich aus Anfragen 9 an die Senior/innen von Seiten der Kooperationspartner ergeben. So konnte z.B. der Wunsch eines Trägers der Behindertenhilfe nach einem Handarbeitskurs für Menschen mit Behinderungen erfüllt werden. Ergebnis/Wirkung: Die Arbeitsgruppe wird gerade aufgrund ihrer Flexibilität und ihrer Zuverlässigkeit von öffentlichen und freien Trägern der Jugend-, Sozial- und Kulturarbeit sehr geschätzt. Neben den langfristigen Aktivitäten hat die Mitgestaltung vieler Feste und Veranstaltungen inzwischen Tradition. So wurde die gesamte AG 2015 mit dem Adelheid-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg ausgezeichnet – einem sehr angesehenen Preis für soziales Engagement. Außerdem ist die AG gerade für alleinstehende Senior/innen ein besonders wichtiger sozialer Faktor. Kranke werden zu Hause oder im Krankenhaus besucht, Glückwunschkarten und Blumen zu runden Geburtstagen sind selbstverständlich. Auch wenn Engagierte aus Altersgründen nicht mehr so aktiv sein können, werden sie zu Festen oder Ausflügen weiterhin eingeladen. Übertragbarkeit und Kosten: Für diese Art der Arbeitsgruppentätigkeit braucht es engagierte Senior/innen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem ist eine Struktur hilfreich, die ein gewisses Maß an organisatorischen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt, also Räume zum Treffen, Möglichkeiten zum Kopieren und Ausdrucken, etwas Geld für benötigtes Material. Auch die Bereitschaft, das selbstbestimmte Engagement auch auf z.T. verschlungenen Wegen zu unterstützen, muss vorhanden sein. Das gefiel der Jury: • • • • Selbstorganisierte und selbstentwickelte Engagementformen werden unterstützt. Es entsteht „nebenbei“ ein wichtiges soziales Netzwerk für Seniorinnen und Senioren. Teilhabe am Sozialraum wird hier erst genommen Es entstehen neue Netzwerke. 10 Impressionen 11 www.bagfa.de www.bagfa-inklusion.de www.bagfa-integration.de https://teilhabe.bagfa.de
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