Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
32. Sitzung vom 25. November 1982
(B)
Wendt
(A)
sie kurzfristig auf andere Stationen versetzt werden, wo
durch Urlaub oder Krankheit ein besonders hoher Fehlstand
an Personal besteht. Häufig werden den Mädchen die unangenehmsten
Aufgaben zugeteilt. Das geht soweit, diese
Fälle sind bekannt, daß sie ohne Schutzhandschuhe Toiletten
reinigen müssen und nicht einmal über eine Allergie durch
die verwendeten Putzmittel aufgeklärt werden. Entsprechendes
gilt für die Mädchen in den Reinigungskolonnen.
Aber das bevorstehende und hier vorgelegte Programm
soll vor allem auch dem Einsatz von Jugendlichen in Einrichtungen
der Senatsjugendverwaltung Tür und Tor öffnen,
wobei völlig offen ist — und hier hätte ich gern ein Wort
der Jugendverwaltung dazu gehört —, wie man sich die
Funktion der 17-, 18- oder 19jährigen schwer zu vermittelnden
Jugendlichen zum Beispiel bei der Betreuung und Versorgung
von Kindern in Kindertagesstätten konkret vorstellt.
Der Senat hat in der Vergangenheit weiter als positiven
Aspekt des ABM-Programmes darauf hingewiesen, daß
70 % der ABM-Jugendlichen nach der Maßnahme einen Ausbildungsplatz
finden. Ich habe dies in einer Kleinen Anfrage
konkret nachgefragt, und da hieß es dann — Zitat:
Und jetzt kommen die Erkenntnisse des Senats, ich zitiere
weiter;
Nach den dem Senat vorliegenden Erfahrungen, die
sich auf Gespräche mit den Jugendlichen und den gelegentlich
genannten eigenen Kündigungsgründen beziehen,
kann davon ausgegangen werden, daß bis zu
70 % der in ABM-Programmen beschäftigten Jugendlichen
danach ein Arbeits- bzw. ein Ausbildungsplatz zur
Verfügung steht.
[Feilcke (CDU): Das ist genau der Sinn der Maßnahme!]
— Herr Kollege Feilcke, ich habe mit in ABM-Programmen
befindlichen Jugendlichen gesprochen. Ich habe mit Leuten,
die im Berufsfortbildungswerk des DGB tätig sind, gesprochen.
Wissen Sie, was da für Antworten kommen?
Currywurstbuden, Leihfirmen und ähnliches. Die Jugendlichen,
die in Ausbildungsplätze vermittelt werden, werden
fast zu 100 % in Ausbildungsplätze vermittelt, die wiederum
der Staat bezahlt hat. Das ist nicht schlecht, das zeigt aber,
daß der positive Effekt des ABM-Programmes bei den Ausbildungsplätzen,
so wie er in der Vergangenheit dargestellt
worden ist, überhaupt nicht stimmt. Es gibt halt kaum
private Unternehmer, die einem Jugendlichen, der im ABM-Programm
ist, einen Ausbildungsplatz anbieten. Es ist das
Berufsamt, in das sie gehen. Dagegen ist nichts zu sagen,
nur dürfte das nicht im ursprünglichen Interesse liegen.
[Feilcke (CDU): Das war die ursprüngliche Politik,
und das werden wir jetzt ändern. Wir müssen das sogar
nach dem Arbeitskonsolidierungsgesetz!]
— Herr Feilcke, ich bin auf diese Änderungen sehr gespannt.
Ich bin auch sehr gespannt, wie Sie dafür sorgen wollen,
daß die Jugendlichen in den Krankenhäusern, in den Gartenbauämtern
und möglicherweise demnächst in den Jugendfreizeitheimen,
wo sie noch nicht einmal das Recht auf eine
eigene Interessenvertretung haben, wo sich diese Jugendlichen
noch nicht einmal selbst organisieren und äußern
dürfen, wie Ihre Fraktion dafür sorgen will, daß die Tätigkeiten
in Zukunft — wie Herr Gierich es formulierte — sinnvoll
sein werden. Darauf sind wir sehr gespannt!
[Beifall bei der AL]
Der Präsident des Landesarbeitsamtes Berlin hat mitgeteilt,
daß die Dienststellen der Bundesanstalt für Arbeit
keine Statistiken über den Verbleib ehemals im ABM-Programm
beschäftigter Arbeitnehmer führen. Eine
Aussage darüber, wie viele Jugendliche nach Beendigung
einer ABM-Tätigkeit nach 1980 in Ausbildungsstellen
und Arbeitsplätze vermittelt worden sind, kann
daher von dort nicht getroffen werden.
Stellv. Präsident Franke: Weitere Wortmeldungen liegen
nicht vor. Der Ältestenrat empfiehlt Überweisung an den
Ausschuß für Arbeit — federführend —, an den Ausschuß
für Jugend und an den Hauptausschuß. Wer dem zuzustimmen
wünscht, den bitte ich um das Handzeichen. — Danke
sehr! Ich stelle fest, es gibt einen erheblichen Stimmenzuwachs
in der AL-Fraktion; wir werden das im Präsidium zu
überprüfen haben.
[Heiterkeit]
Der Ältestenrat empfiehlt, die
mit der
lfd. Nr. 19, Drucksache 9/880:
[Schluß der Sitzung: 20.43]
I
lfd. Nr. 18, Drucksache 9/879:
Vorlage — zur Beschlußfassung — über Neufassung
der Tarife für Straßenreinigung und Abfallbeseitigung
der Berliner Stadtreinigungs-Betriebe
Vorlage — zur Beschlußfassung — über Neufassung
der Verkehrstarife der Berliner Verkehrs-Betriebe
zu verbinden. Erhebt sich dagegen Widerspruch? — Das ist
nicht der Fall. Die Vorlagen sind vorab dem Ausschuß für
Betriebe und dem Hauptausschuß überwiesen worden. Ich
möchte die nachträgliche Zustimmung hierzu feststellen.
Wird das Wort zur Begründung gewünscht? — Das ist nicht
der Fall. Wird das Wort in der Beratung gewünscht? — Das
ist ebenfalls nicht der Fall. Die Vorlagen werden bereits in !
den genannten Ausschüssen beraten.
Wir sind damit am Schluß der heutigen Tagesordnung.
Die nächste Sitzung wird am Mittwoch, dem 8. Dezember,
um 13 Uhr stattfinden. Die Sitzung ist geschlossen.
I
Druck: Verwaltungsdruckerei Berlin, Kohlfurter Straße 41-43, 1000 Berlin 36
2036