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Die Schule und insbesondere das Berline öffentliche Schulwesen in den letzten fünzig Jahren

Full text: Beiträge zur Kulturgeschichte von Berlin (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Schulwesen bereits auf solcher Höhe, daß auf seine Verbesserung 
nicht mehr Bedacht zu nehmen wäre. Nur vor allzu stürmischer 
Beunruhigung möchte ich um so mehr warnen, als ein Rück— 
blick auf das letzte halbe Jahrhundert lehrt, daß die städtischen 
Behörden ihre Verantwortlichkeit für die großen Aufgaben der 
Schulverwaltung in vollem Maße erkannt haben und der 
heranwachsenden Jugend gegenüber sich wahrlich als gute 
Väter der Stadt bewährt haben. Man lasse der reichen Aus— 
saat nur erst Zeit zum Reifen, dann, aber auch dann erst 
wäge und wage man von neuem. 
Ich sagte in der Einleitung dieses Aufsatzes, die Bildung 
sei ein notwendiges Korrelat der Freiheit, daß diese nicht zur 
Zügellosigkeit ausarte. Nun für die Volksbildung in allen 
Ständen ist in den letzten fünfzig Jahren, wie ich ausgeführt 
habe, viel gethan: wie ist's nun mit den Erfolgen? höre ich 
fragen. Und diese Frage stellen nicht nur die heutigen Dunkel— 
männer, die im Trüben fischen wollen, sondern sie drängt sich 
auch manchem ernsten Manne auf, der die Bildung gern ver— 
teidigt. Es wiederholt sich, was vor 150 Jahren in Frank— 
reich die Gemüter bewegte. Damals stellte die Akademie in 
Dijon die Preisfrage: „Haben die Fortschritte der Wissenschaften 
und Künste zur Reinigung der Sitten beigetragen?“ Rousseau 
berneinte die Frage und gewann den Preis. An die Stelle 
der Unwissenheit sei Zweifelsucht getreten, führte er aus, an 
Stelle derber Sinnlichkeit heimliche und künstlich gesteigerte 
Unsittlichkeit, an Stelle der Grobheit Verleumdung, an Stelle 
der Thaten die Sucht zu scheinen und an Stelle der Genüg— 
samkeit die Habsucht. Die Tugend sei in dem Maße entflohen, 
als die Sonne der Aufklärung sich über den Horizont erhoben 
habe. Wer hätte solche Rousseauschen Bedenken gegen die 
Bildung des Volkes heut nicht oft wieder laut werden hören? 
Wer fühlte nicht oft, daß er als Kind unschuldiger und reiner
	        
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