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Die Nicolaische Buchhandlung

Full text: Beiträge zur Kulturgeschichte von Berlin (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

So lange Friedrich auf dem Throne saß, galt, bei einer 
milde geübten Censur, sein Königswort: „Gazetten müssen 
nicht geniert werden“; das änderte sich aber, als unter Fried— 
rich Wilhelm II. die finstere Richtung, die zu bekämpfen eine 
der vornehmsten Aufgaben der „Allg. Deutsch. Bibliothek“ 
war, als „der Mystizismus, die Geheimniskrämerei und Pro— 
selitenmacherei“ in die Höhe kamen und mit ihnen derjenige, 
der viele Jahre hindurch Nicolais Mitarbeiter an der „Biblio— 
thek“, im Montagsklub sein guter Kamerad und in seinem 
Hause täglicher Gast gewesen: Johann Christoph von Wöllner, 
Staatsminister und Chef der geistlichen Angelegenheiten. Vom 
kleinen Theologen hatte er die ganze Stufenleiter bis zu diesem 
höchsten Range mit einer Geschicklichkeit erklommen, der nur 
die Charakterlosigkeit gleichkam, mit der er seine ehemaligen 
Grundsäütze verleugnete, und die Gehässigkeit des Abtrümigen, 
mit der er nun den alten Freund verfolgte. Es war schon 
schlimm genug, daß Wöllner seinen ganzen Einfluß aufbot, 
um Nicolais Wahl zur Königl. Akademie der Wissenschaften 
zu verhindern — eine Ehre, die thatsächlich ihm erst unmittel— 
bar nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III. und 
Wöllners Sturz (1798) zu Teil ward. Was ihn viel em— 
pfindlicher traf, als diese persönlichen Rankünen, das waren 
die Gewaltmaßregeln, unter denen seine schriftstellerische Thätig— 
keit, sein Verlag und insbesondere die „Allg. Deutsche Biblio— 
thek“ zu leiden hatten. Hiergegen war Nicolai machtlos, und 
lieber, als sich zu fügen und Konzessionen zu machen, gab der 
wackere Mann seine Lieblingsschöpfung auf. Im Jahre 1791, 
der Blütezeit des Wöllner'schen Regiments und seines Religions— 
edikts, verkaufte Nicolai die „Allg. Deutsche Bibliothek“ an 
den Buchhändler Bohn in Hamburg, der von 1792 ab in seiner 
Universitätsbuchhandlung zu Kiel die Zeitschrift zunächst unter 
dem alten Titel, und dann als „Neue Allg. Deutsche Biblio—
	        
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