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Zur Geschichte des Kladderadatsch

Full text: Beiträge zur Kulturgeschichte von Berlin (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

possen als lebenquellende realist's) Wirklichkeit begrüßte. Vor 
allen Dingen entzückten den Berlincr das heimische Lokalkolorit 
und die wohlgetroffenen Typen aus dem Volke, die Kalisch 
auf die Bühne stellte — und noch mehr vielleicht seine immer 
zündenden Couplets. Couplets mit politischen Pointen kannte 
man in Berlin bisher garnicht, und gerade in jenen Tagen 
voller heimlicher Gährung schlugen sie um so kraftvoller ein. 
Kalisch war nun ein „gemachter Mann“ geworden; be— 
greiflich, daß ihn nicht nur der Lorbeer, sondern auch die 
Tantiemen lockten! Er hatte Armut und Not von Grund 
aus kosten gelernt, um sich nun nicht auch seines wachsenden 
Besitzes von Herzen zu erfreuen. Indessen — zwei weitere 
Stücke aus seiner fleißigen Feder bestätigten nicht den Erfolg 
der ersten Posse — und da mag in Kalisch der Gedanke ent— 
standen sein, sich durch ein eigenes Witzblatt eine festere 
Position zu schaffen. 
Zu jener Zeit schossen die Blätter wie Pilze empor. Die 
Wirrnis dieser sturmvollen Tage tobte sich gewissermaßen in 
Tinte aus; unzählbar war die Menge von Flugschriften, die 
Berlin überschwemmte. Es lag auf der Hand, daß auch ein 
so Börnescher Geist wie der Kalischs sich darnach sehnen 
mußte, laut und vernehmlich mitsprechen zu dürfen. Daß er 
sich zuerst an Albert Hofmann wandte, konnte nicht Wunder 
nehmen, denn aus Hofmanns Verlag war bereits eine ganze 
Reihe von politischen Karikaturen und satirischen Flugblättern 
hervorgegangen, die viel Beachtung gefunden hatten, außerdem 
war Hofmann persönlich als Mitglied der „Urania“, die da— 
mals eine große Rolle in Berlin spielte, eine in Theaterkreisen 
sehr bekannte Persönlichkeit; auch dies mag Kalisch ein Anreiz 
gewesen sein, sich gerade an ihn zu wenden. Vielleicht hat 
ihn auch Cerf, der mit Hofmann befreundet war, auf diesen 
aufmerksam gemacht.
	        
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