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Lose Tagebuchblätter aus meinem Buchhändler-Wanderjahren

Full text: Beiträge zur Kulturgeschichte von Berlin (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

später in erweiterter Gestalt unter dem Titel „Was die Spott— 
drossel pfiff“ bei Otto Janke erschienen. 
Bald nach Vahlens Rücktehr begann die Sehnsucht nach 
den „weltbedeutenden“ wieder all meine schönen Entschlüsse: 
mich den Bücher-Brettern für ewig zu eigen zu geben, ins 
Wanken zu bringen. Ein verführerischer Kontrakt: als „erster 
Charakterspieler“ an das Stadttheater in Thorn — mit kleinen 
Nebenverpflichtungen für Marienwerder, Graudenz und Ma— 
rienburg — that das seinige, und trotz der Vorstellungen des 
Freundes und meiner Eltern dampfte ich in der Mitte des 
Septembers gen Osten — anderen Vorstellungen entgegen, die 
nicht gemacht, sondern gegeben werden sollten. 
Von Thorn brachte ich außer einem echten und gerechten 
Lorbeerkranz (den mir mein Benefiz, und nicht etwa im 
„Selbstbewurf“ — eingetragen!) nur noch die Keime zu einem 
schweren Gelenkrheumatismus zurück. Letzterer kam zu Aufang 
des Sommers 1865 zum Ausbruch, hielt mich fast sieben Mo— 
nate ans Schmerzenslager gebannt und zwang mir die Feder 
aus der gelähmten Rechten in die linke Hand — kein Wun— 
der also, daß ich mich später in meiner satirisch-politischen 
Thätigkeit nachdrücklich des Links-Schreibens befleißigte. 
Meine Krankheit brachte mich in noch nähere Beziehungen 
zu den „Fliegenden Blättern“, die gerade damals eine ziem— 
liche Anzahl Humoresken in Prosa und Poesie von mir ver— 
öffentlichten, und mit Glaßbrenner, für dessen „Montags⸗ 
Zeitung“ ich jetzt regelmäßig zu arbeiten begann; und sie 
lehrte mich vor allem die Frau in ihrer ganzen unendlichen 
Liebe und aufopfernden Gite kenne der ich nächst Gott einzig 
meine Wiedergene haite — meine Mutter! 
Wohl hätte ich Hreie, ihrer sonnigen Heiterkeit 
bei tiefsften Gemür — catr weniger sorgenheischenden Sohn 
gewünscht; einen treueren, seiner Dankespflicht sich be—
	        
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