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Full text : Die Entwickelung der Medicin in Berlin von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / Pagel, Julius Leopold (Public Domain)

Fürst Ceopold zu Anhalt-Dessau
Geb, 3.115. Juli 1676, gest. 9. Upril 1747
Otto Krauske
Ü. keine Gestalten des lezten Jahrhunderts, von Friedrich dem Großen abgesehen, hat sich ein so dichter Sagenund
 Unekdotenkranz geschlungen, wie um Friedric) Wilhelm 1. und seinen Freund und Feldmarschall den Fürsten
Ceopold zu Anhalt-Dessau Troß der großen Heldenthaten des Prinzen Eugen lebt nur noc durch ein Cied die
Erinnerung an den edlen Ritter im deutschen Volke fort. Über wer hätte nicht von der Sparsamkeit Friedric) Wilhelms
gehört, von seinem Riesenregimente und den listigen Anschlägen der preußischen Werber? Toch heute erzählen sich
die deutschen Soldaten mit herzlichem Behagen von den derben Streichen des alten Dessauers und von seiner unbändigen
Grobheit. Son bei Lebzeiten wurde Leopold eine halb mythische Figur. Der erste Biograph des Fürsten, der
Magister Ranfft, verwahrt sich bereits gegen „dergleichen läppische und der Ehre eines großen Prinzen sehr nachtheilige
Histöricen, als etwan auf denen Coffee= und in denen Wirthshäusern erzählet werden, wo man die Thaten großer
Herren auf eine ungeziemte und recht frevelhafte Weise, ohne die Wahrheit und Redlichkeit dabei zum Leitfaden zu
haben, zu beurtheilen pfleget“. Über die Entrüstung des wackeren Magisters schießt weit über das Ziel hinaus.
Ullerdings, bei den Anekdoten, die aus höfischen, dem Fürsten abgeneigten Ureisen stammen, ist die Tendenz unver
kennbar. Die Markgräfin von Bayreuth, die sich allzeit als das unschuldige Opfer der abscheulichsten Intriguen und
als die verkannte schöne Seele fühlte, und Pöllnik, die medisanteste Zunge eines medisanten Zeitalters, haben wirklich
die Absicht, den alten, bärbeißigen Fürsten, „la vieille moustache“, wie sein Spikname lautet, als eine halb boshafte,
halb lächerliche Figur darzustellen. Uber die Mehrzahl der. Geschichten, die über Ceopold umlaufen, trägt einen ganz
anderen Stempel, Die einen verraten unverkennbar den Geruch der Wachtstube, andere sind uralten Ursprungs: die
Züge des wilden Jägers oder gar etwas von dem plumpen Humor des alten Bauerngottes Donar sind auf den
Dessauer übertragen. Für diese Erzählungen darf schwerlich eine mißgünstige Tendenz angenommen werden; das
deutsche Volk pflegt im allgemeinen eher geliebte als gehaßte Männer so sagenhaft umzugestalten und sic) dadurch die
Persönlichkeit no<H vertrauter zu machen.
Bobenzollern« Jahrbuch 1898.

Don
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