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Erster Abschnitt. Brief 1-9. Berliner Leben in Haus und Öffentlichkeit Dritter Brief. Eine alte Berliner Familie. Ihr Enstehen und ihr Leben

Full text: Soziale Briefe aus Berlin / Leixner von Grünberg, Otto (Public Domain)

Eine alte Berliner Familie. 
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die Zahl der Beamten und Arbeiter wurde jährlich größer, 
an einem der Spreekanäle mußte ein Grundstück zum Bau 
eines Lagerhauses erworben werden. Strengste Rechtlich— 
keit, geübt durch Geschlechter, war der unerschütterliche 
Grund, auf dem das Geschäft stand und steht. Und die 
geistreiche, durchaus edel geartete Gattin stand ihm als 
treue Hausfrau zur Seite in allem. Auch seinen Jugend— 
gedanken bliek er treu. Für das Woh! seiner Beamten 
und Arbeiter rgte er mit seiner Frau gleich einem 
Patriarchen letztere kümmerte sich um das Wohl⸗ 
ergehen der auen und Kinder besuchte sie in 
den Wohnungen, sorgte für kranke Wöchnerinnen und 
Kinder. Nieme! fuhr sie damm mit dem Wagen vor, 
sondern ging zu Fuß weite Wege. „Wohlthaten darf 
man nicht mit Komfort erweisen“, das war ihr Grund⸗ 
satz. Er aber wußte das Vertrauen der Männer zu ge— 
winnen, errichtete für sie aus eigenen Mitteln Unter— 
stützungskassen, suchte sie durch freundliches Zureden vor 
den Wahngedanken zu bewahren, welche die Zeit ent— 
wickelte, nährte in ihnen schlichten, religiöäsen Sinn, ohne 
je in frömmelnden Ton zu verfallen. Und kam der Weih⸗ 
nachtstag, so wurden alle Arbeiter bis zum kaum Auf—⸗ 
genommenen je nach Alter und Größe der Familie be⸗ 
schenkt. Einer nach dem anderen trat in das große 
Speisezimmer und erhielt einen Korb mit Kuchen, Obst, 
Nüssen und einen Geldbetrag, und dann reichten ihm 
Herr und Frau die Hand und wünschten ihm und 
den Seinigen mit warmem Herzenston ein frohes 
Christfest. 
In diesem Hause entfaltete sich nun auch echte Ge—
	        
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