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Fünfter Abschnitt. Brief 28-35. Die sozialdemokratischen Kreise und ihre Geistesverfassungen Fünfunddreißigster Brief. Geistige Waffen - Sind sie anwendbar? - Was ist noch zu thun? - Die stärkste Waffe

Full text: Soziale Briefe aus Berlin / Leixner von Grünberg, Otto (Public Domain)

Geistige Waffen. 
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man denn aber dann den geistigen Kampf mit ihnen aus— 
fechten, wenn sie aus ihren Verschanzungen überhaupt 
nicht herauskommen? Wenn sie gar oft mit dem Starr— 
sinn der Halbbildung es überhaupt ablehnen, einen Gegner 
nur ruhig anzuhören? 
Mit dieser Gruppe ist also der geistige Kampf nicht 
möglich. 
Betrachten wir eine zweite, jene der sonst ruhigen 
Arbeiter, die jedoch mehr oder minder unter dem Zwange 
der Genossen stehen, teils, weil sie von der Lehre eine 
bleibende Besserung ihrer Lage hoffen, teils, weil ein 
falsches Ehrgefühl es ihnen als Pflicht vorspiegelt, sich 
von den „Genossen“ nicht zu trennen. Man findet in 
dieser Schicht mit die besten Vertreter der Arbeiterkreise: 
fleißige, ehrliche Menschen von iger Sinnesart, 
brave Gatten und Väter, Leute küchtig in ihrem Fach. 
Sie sind an sich durchaus nicht umsturzsüchtig, aber 
leider durch die ihnen stets vorgesprochenen „Grundsätze“ 
im Denken und Fühlen irregeleitet. Das klingende Wort 
macht auf ihren etwas schwerbeweglichen Geist tiefen 
Eindruck, und jedes übel, das durch ungünstige materielle 
Lage über sie verhängt wird, gilt ihnen als Bestätigung 
der „Lehre“. Wohl mögen nun einzelne von ihnen klaren 
Vernunftgründen zugänglich sein, aber wer vermöchte 
solche jedem dieser Schicht zu vermitteln? Ihre geistige 
Nahrung schöpfen sie doch zumeist nur aus den Zeitungen 
und Flugschriften ihrer Sippe oder aus Gesprächen mit 
vorgeschrittenen“ Genossen. Alles andere wird abgelehnt, 
denn es kommt ja doch nur aus den Kreisen der „Be— 
sitzenden“ und „Genießenden“, es will den Arbeitern nur
	        
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