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Vierter Abschnitt. Brief 20-27. Aus dem geistigen Leben Sechsundzwanzigster Brief. Zwi Menschen der Zeit - I. Ein neuzeitlicher Menschlichkeitsprediger

Full text: Soziale Briefe aus Berlin / Leixner von Grünberg, Otto (Public Domain)

Ein neuzeitlicher Menschlichkeitsprediger. 277 
Der Sohn erhielt eine gute Erziehung und trat 
nach deren Vollendung in den Staatsdienst ein. Er war 
eine Natur wis raihoo rcäden. Solche werden 
von überall bet cwogerenes rumgskraft und Gemüt 
sind bewegl* lehw“n weich nd leicht gerührt; der 
Geist fühlte s'ch beltd hier, bald dort angezogen, von 
Kunst und Dichtung Geschichte, Philosophie und Religion. 
Menschen dieser Art fehlt der einheitliche klare Wille; 
allüberall hinstrebend zerreibt sich die Kraft und schwankt 
hin und her. Wenn sie zuletzt dennoch nach einer Rich— 
tung hingehen, so ist das mehr Sigensinn als Willenskraft. 
Er — wir wollen ihn Fer nennen — that seinen 
Dienst, alle äußern HPelechten ersesscid, aber mit innerm 
Widerstreben. Nee de er vperich und pünktlich war, 
so kam er vorwärts. Eiacrnt'her Beliebtheit erfreute er 
sich nicht. Der lehrhafte Ton seiner Gespräche, die Un— 
fähigkeit, an heiterer Geselligkeit Anteil zu nehmen, zogen 
nicht an. Er merkte das und mied außer Dienst immer 
mehr den Umgang der Gefährten, las alle möglichen 
Bücher durcheinander und sann auch über religiöse Dinge 
nach. In dieser Vereinrscreu“ entwickelte sich ein starkes 
Selbstbewußtsein, und schon damals tauchte in ihm der 
Gedanke auf, daß er in irgend einer Art eine Reformation 
der Gesellschaft ins Leben rufen sollte. Wenn er sich 
von der bloß äußerlichen Geselligkeit abgestoßen fühlte 
—DDVD — 
unberechtigt. Wenn er fand, daß Eeld sich überall vor⸗ 
dränge, konnte man ihm auch zustimmen. Daß die Dog— 
menherrschaft sein Gemüt kalt ließ und den Kopf nicht 
befriedigte, war eine Erfahrung, die er mit vielen teilte.
	        
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