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Dritter Abschnitt. Brief 15-19. Einiges aus dem häuslichen Wirtschaftsleben Berlins Fünfzehnter Brief. Wirschaftliches I. Schwierigkeit des Urteils - Einfluß der Zeitströmungen auf die Lebenshaltung - Steigender Luxus - Wie er oft ermöglicht wird - Sparen bei Arbeitern - Der gebildete Mittelstand

Full text: Soziale Briefe aus Berlin / Leixner von Grünberg, Otto (Public Domain)

Zparsamkeit der gebildeten Stände. 161 
Kaufleuten und Handwerkern, deren Frauen in Paris dem 
Maun einen Bediensteten ersparen And nichts im Auge 
haben, als— Dengen zu crinnen, sei es auch noch 
so bescheiden. cn Dparsinn ist in diesen Kreisen unge— 
nein eitwieket, wie ich glaube, mehr als bei uns. Man 
verzichtet leihn cuf augenblickliche Vergnügungen der 
Zukunft wegcn die bei uns nicht immer im genügenden 
Maße bedacht wird. 
Dagegen giebt es andere Schichten des gebildeten 
Mittelstandes, die Hreise der Lehrer, der mittlern Be⸗ 
amtenschaft u. s. w. wo noch vielfach die einfachen üÜber⸗ 
lieferungen der frühern Grshlechter festgehalten werden. 
Hier entfaltet sich der gut- VSliner Geist zu reicher Blüte. 
Unerschütterliches Pflichtgefähl beherrscht das gesamte 
Leben; jede unnötige Ausgabe wird vermieden, die Ver— 
gnügungen sind spärlich zugemessen, bescheiden und harm— 
sos, werden aber umsomehr gewürdigt. Für diese Kreise 
ist es nicht leicht, sich wirtschaftlein Ordnung zu halten. 
Wie immer der Reichtum im clUgemeinen, wie die Lebens⸗ 
anforderungen ringsum wachsen wigen, ihre Einnahmen 
haben damit nicht Schritt gehelten. Es gehört nun ein 
nicht gertage: Maß sittlicher Kraft dazu, einerseits den 
Beruf mir treuer Hingabe zu erfüllen, anderseits die 
Lockungen zu einem weniger entsagenden Leben abzuweisen. 
Hier müssen Mann und Frau ihrer Aufgabe in vollem 
Maße gewachsen sein, wenn sie sich ehrlich durchkämpfen 
wollen. Viele? Nötige ist teurer geworden; die Erziehung 
kostet mehr als früher, da man mehr verlangt und oft 
die Bildung das einzige ist, was die Eltern den Kindern 
mitgeben können. Kaum in einem andern Kreise dürften 
v. Leixner, Soziale Briefe. 11
	        
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