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Zweiter Abschnitt. Brief 10-14. Die Berlinerin Zehnter Brief. Die Berlinerin und andere Weltstädterinnen - Erziehung der Mädchen des Volkes, der Mittelstände, des Adels. Vorzüge und Nachteile

Full text: Soziale Briefe aus Berlin / Leixner von Grünberg, Otto (Public Domain)

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Die Berlinerin. 
Berlinerin. Sie ist nicht so kühl wie die Pariserin, aber 
nicht so leicht erregbar wmi WMicnerin Sie ist „helle“. 
Das bedeutet einc J renem Verstand 
und anerzogener (6 »eniger warm 
als die Wienerin 55 aber in der 
Berliner Form, c ng ndsamkeit und 
leiser Ironie. Din tæA dient .aAls Sicherheits— 
klappe, wenn die c hdraycnet Spannkraft ent— 
wickelt hat. Aus qt, die Seynoddrigkeit“ der 
Berlinerin hervor ebt von dieser Eigenschaft mannig⸗ 
faltige Abarten; es giebt schnoddrige Hofdamen ebenso— 
gut wie schnoddrige Gemüseweiber; natürlich ist die Be— 
gabung einerseits dem Salon, anderseits der Markthalle 
angepaßt. 
Das Bildungsstreben der Berliner ist im allgemeinen 
sehr lebendig. Nat“cker Verstand und Ausdauer er— 
leichtern dic Aneignno eines oft bedeutenden Wissen— 
stoffes. Aber sehr oft bleibt das Streben ein äußerliches; 
„Bildung“ ist zu sehr Modeware geworden, die für das 
Gesellschaftsleben so nötig erscheint, wie etwa ein ausge— 
schnittenes Kleid für den Ballsaal. 
In österreich und im deutschen Süden hört man 
oft, daß die Berlinerin gern kritisiere und mit ihrem 
Wissen prunke. Beides ist thatsächlich häufig der Fall, 
aber es wäre nicht gerecht, darin an sich ein Merkzeichen 
der Berlinerin zu finden. Das ist eine Eigentümlichkeit 
der Bewohner der Großstädte; die Pariserin mäkelt an 
Lille oder Bordeaux ebenso herum, wie die Wienerin etwa 
an Graz oder Brünn. Immerhin ist es nicht zu leugnen, 
daß der Vorwurf etwas Wahres enthält.
	        
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