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VII. Konfektionsreisende

Volltext : Berliner Konfektion / Loeb, Moritz (Public Domain)

60 Großstadt-Dokumente Bd. *5. Berliner Konfektion.

müssen z. B. für die Sommersaison die Reisenden, die am
zweiten Weihnachtstage „herausgehen", schort anfangs
Februar wieder in Berlin sein, da dann bereits die Durchreise beginnt. Für die Wintersaison liegen die Ver¬


Für den richtigen Konfektionsreisenden gibt es keine
räumlichen und zeitlichen Entfernungen mehr. Aehnlich
wie der Bankdirektor, der heute eine Generalversammlung
in Berlin, morgen eine in Wien und übermorgen die
dritte in Mailand mitmacht, dessen Leben auf der Reise
sich zur Hälfte im Schlafwagen des Luxuszuges, zur
Hälfte im kjotel abspielt, muß auch der Vertreter eines
großen Konfektionshauses seine knappe Zeit auf die Minute verteilen. Bereits lange vor Beginn seiner Tour

nimmt der Reisende im Kontor Platz und beginnt unter
Zuhilfenahme des Reichskursbuches oder seines — Gedächtnisses (denn ein richtiger Reisender hat die genauen

Fahrzeiten sämtlicher Schnellzüge Deutschlands und der
umliegenden Rittergüter im Kopse!) mit der Zusammenstellung der Reiseroute. Das tun ja auch alle anderen

Reisenden, aber während diese nur mit „platzen" rechnen
und sich so und so viele Tage für München, Stuttgart,
Straßburg usw. festlegen, interessieren den Konfektionsreisenden die Städte so gut wie gar nicht. <£r kalkuliert

nur mit seinen Kunden, von denen — immer vorausgesetzt, daß es sich um den Vertreter eines bedeutenden

Zytufes handelt — lediglich die bedeutendsten Konsumenten in die Rechnung eingestellt werden. Dank seiner

langjährigen Erfahrung weiß der Reisende genau, wie
lange er bei Schulze in Breslau und bei Müller in Görlitz
zu arbeiten hat und legt dementsprechend seine Tour fest.
Meist läßt es sich dann ermöglichen, daß für einen
Kunden zweiten Ranges noch ein paar Stunden am Tage
übrig bleiben, oder daß zwischen zwei wichtigen platzen
ein Tag freibleibt, an dem man die sonstigen Abnehmer
am Orte selbst oder in der Nähe durch Abstecher besuchen
kann. derart die Tour ausgebaut, so fragt der vorsichtige Reisende bei jedem wichtigen Kunden an, ob ihm

            
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