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Landpartieen und Kremserfahrten

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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Nach längerem allgemeinen Tanz wurde gegen elf 
Uhr zum Aufbruch geblasen. Die Kremser setzten sich 
in möglichst s<nelle Bewegung, und dahin ging's der 
deutschen Kaiserstadt entgegen. Um ein Uhr hatten alle 
Ausflügler die Ouartiere erreicht. 
„Gute Nacht, Willem. Reinen Mund halten! 
Sclaf' ooh ordentlich aus; et is spät jeworden.“ 
„Wer' i> besorjen , Onkel Feldtrappe. I> schlafe 
etwas sc<neller als jewöhnlich, denn jleicht et sich wie- 
der aus.“ 
So war denn der herrliche, leuchtende Maientag 
vergangen in Freude und in Lust. Kein Mißton hatte 
des schönen Festes reinen Klang gestört, und die Er- 
innerung an einen der wenigen Sonnentage des Lebens 
lebte fortan in aller Herzen, so dabei gewesen waren. 
Aber wenn die Morgensonne wieder auftauchte aus den 
Nebelschleiern der Nacht, und wenn ihre ersten gold- 
schönen Strahlen die dunkelen Kieferwipfel da draußen 
in der Heide säumten, wo der Buchfink sang und die 
Scwarzdrossel pfiff, dann trat drinnen im Häusermeer 
der Millionenstadt der Ernst des Leben3 wieder die 
strenge, unerbittliche Herrschaft an: er führte die Er- 
wachsenen an die Arbeit um das tägliche Brot, mitten 
hinein in das Kampfgewühl, in den Streit um das 
Dasein, die Kinder aber in die Schule. -- 
So wird in Berlin eine richtige, vollwichtige Kremser- 
fahrt gethan. 
Giebt es Aehnliches no< sonstwo im Deutschen 
Reih? I< weiß es zwar nicht, aber ich glaube es 
auch nicht. --
	        
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